Einzelbild herunterladen
 

387

im 21 uiif qn öihe!, er hört aus fein Ricken, auch nidit aus feinen Herr», den er nicht mehr kennt; er flieht Jedermann, keuchend schnappt er nach Luft. Sein Weitste re 6 beweist seinen heftigen Durst, lechzend streckt er Die Zunge auS dem stets offnen rothen Munde, und doch scheut er jede Art von Getränk. Er kaut. Die ge­schwollenen Lippen schäumen, und von der Zunge fließt ein zäher Speichel. Einige können den Mund nie schlie­ßen, bei andern ist er oft in krampshasi beißenden Zusam­menziehungen begriffen Der kranke Hund bellt selten und dann nur mit heiserer, beulender Stimme. In stets wachsender Wuth versetzt erjedem sich ihm Näherns den, oder auf seinem Wege Getroffenen, einen anftef. senden Biß. Er trachtet seine Wohnung zu verlassen. Sein Umherlaufen ist anfänglich langsam, wird aber im Steigen der Tollheit schneller. Er senkt dabei den Kops, siebt sich nicht um, die Obren und der Schwanz hängen, und letzterer ist oft (nicht immer) zwischen die Hinterbeine gezogen. Sein Lauf hält keine Ord­nung Er ist bald schnell, bald langsam, wie betäubt.' Zuweilen läuft er eine Strecke gerade aus, dann kehrt er plötzlich um und laust weiter. Sein Lauf hat oft eine bewundernswürdige Geschwindigkeit. Bei dem Anblick von Wasser oder von etwas Glänzendem, dem Wasser Aehnlicben, sticht er meist in Eile und ängstlich davon. Diese Wasserscheu hat jedoch auch Ausnahmen, ist deshalb nickt ganz untrüglich. Denn cs gibt Hunde, die während der Wuth ins Wasser springen und durch dasselbe schwimmen, ja Wasser saufen.

Gesunde Hunde scheuen den wüthenden schon beim Beginnen der Krankheit. Sie weichen ihm aus, wenn er ihnen begegnet, bellen ihn nicht leicht an und ver­folgen ihn nicht. Können sie sich nicht vor ihm flüchten, so setzen sie sich doch gewöhnlich nicht zur Wehre, son­dern legen sich zaghaft vor ihm nieder/suchen ihm zu schmeicheln, und lassen sich ohne Gegenwehr beißen. Wird der wüthende Hund in der Nähe von gesunden eingesperrt, so merkt man Diesen bald an, daß sie in Angst leben, sie bellen nur wenig.

Dritter und letzter Grad. Die Augen sind scuerroth, bald starr, bald wild sich drehend. Die Zun­ge hängt bleifarbig aus dem Munde. Jetzt wird der Hund durch die Mächtigkeit der Krankheit allmählig matter, sein Lauf langsamer, schleichend, wankend (be­sonders an den Hinterbeinen) und taumelnd. Die Haa­re sträuben sich, der Kopf senkt sich immer mehr, die Augen triefen häufiger von Wasser, die Zunge wird schwärzlich, geschwollen, und der zähe Geifer im Mun­de starker. Das Thier schnappt nach Allem und beißt, was ihm vorkommt, in das Stroh seines Lagers, in seinen eignen Schweif, oder in seine Hinterbeine. Eine jede Berührung, zumal an der Schnautze, macht den Hund tobend. Spritzt man ihm Wasser in den offnen Mund, so beißt er in den Wasserstrahl mit der größten Wuth und tobt, schluckt aber nichts davon. Er wüthet auch und verfällt in Zuckungen, wenn man ihm einen Spiesses vorhält, und noch mehr, wenn man die Son­nenstrahlen damit auffängt, und das zurückgeworfene

Licht auf die Augen richtet. Endlich fällt er öfters ent­kräftet zu Boden, hilft sich schwach wieder auf, und ath­met m t Beschwerde. Zuletzt entstehen Zuckungen, un­ter welchen der Tod gewöhnlich am vierten Tage nach angebrochener Wuth eintritt.

Sehr zu beachten ist, daß die Krankheit nicht immer alle die eben beschriebenen Grade durchläuft, daß nicht jederzeit gleiche Erscheinungen bei wüthenden Hunden wahrgenommen werden. Zuweilen verfallen die Hunde bloß in Die stille Wrub, und sterben bereits im ersten Zeitraume der Krankheit, schon am zweiten, dritten oder vierten Tage

Der allein sichere, einzige Weg, um zu erfahren, ob ein der Wuth verdächtiger Hund toll fei ober nicht, ist, ihn nicht umzubringen, sondern mit Anwendung aller Vorsicht, daß er Niemand schade, in sorgfältiger Ver­wahrung so lange genau zu beobachten, bis man über die wahre Natur seines Zustandes Gewißheit erlangt hat.

Ist ein für wüthend gehaltener, oder als solcher doch zweifelhafter Hund bereits getödtet, so wird es höchst schwierig, zu entscheiden, ob er in der That toll war. Im aemëinen Leben empfiehlt man die Probe, ein Stück Fleisch oder Brod an Die Zähne und im Rachen des umgekommenen HundeS zu reiben, und dieses anderen Hunden vorzuwerfen. Zeigten sie einen Abscheu davor, so wäre der in Frage stehende Hund wirklich von Der Wuth ergriffen gewesen, aber nicht, wenn sie eS fräßen. Eben so könne man Die gebissene Wunde, im Falle der Hund, welcher sie versetzte, entlaufen fei , mit einem Stücke Fleiscke reiben, und dann auf Die eben erwähnte Weise verfahren.

Diese Versuche liefern indeß keine zuverlässige Be­weise , wie Die Erfahrung gelehrt hat. Auch das sehr gefährliche Oeffnen eines solchen Hundes thut in dieser Hinsicht nichts Bestimmtes bar, und aus Dem Befun­de des Oeffnens des todten Tbieres läßt sich durchaus auf Die Natur des da gewesenen Uebels kein sicherer Schluß ziehen. Meist findet sich zwar bei tollen Hun­den der Rachen, die Luftröhre, der Scblund, der Magen und ein Theil der obern Därme entzündet, aber auch an# Dere Ursachen als die Wuth können diese Erscheinungen hervorbringen.

Nach den sehr werthvollen Beobachtungen des Dr. Hertwig zu Berlin über die Hundswuth werden die tollen Hunde häufig nicht wa sse r sch e u, saufen viel­mehr und schwimmen durch das Wasser. Sie ziehen den Schwanz nicht ein und haben keinen Schaum vor dem Munde. Tolle Hunde — sagt He r tw i g — sind unruhig, fressen nickt oder wenig, fressen Holz, Torf, Leder / Hundskorb ic.; lecken Wasser; sind verstopft, haben eine heulende, heisere, ängstliche Stimme, sind bissig; schnappen nach Fliegen, ohne daß solche gesehen werden. Bei der stillen Wuth hängt der Unterkiefer herab, die Zunge heraus.

Zufälle der Wuth bei andern Hauslhieren.

Die Merkmale, daß ein Stück Vieh, besonders Rindvieh, von einem wüthenden Hund gebissen, sind