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Beschreibung, wie das aus zwanzigjährig ^n- zösischcr Sklaverei durch Fürsten-Eintracht und Volkskraft gerettete Deutsche Volk die Tage der entscheidenden Volker- und Rettungsschlacht bei Leipzig auf 18. und 19. Oktober 1814 zum erstenmale gestiert hat.

(Auszug aus „Des Teutschen Volkes feuriger Dank- und Ehrentempel.")

Bon Kar! 0 o f f in a n n ;,ti Rydelheim.

(Forlsexung.)

A n s z u g aus Der Volk-rede am Errettungstage Deutschlands, den 18. Oftober', . gesprochen auf Der Höhe des Wanbaums bei Windecken, von K. SB. Z > m- mermann, reformirtem Prediger zu Windecken.

Trüb und feucht ruht das Auge des Deutschen auf Den vergangenen Tagen seines Vaterlandes. Wer von unS allen hat nicht die Gräuel gesehen, gehörc und noch mehr gefühlt unb beweint, die blutig schwer auf uns lasteten? Aber wer kann schildern, was sich nur fühlen und beweinen läßt? Doch.wollen wir würdig, dankbar, der Gegenwart genießen, und — ewigen Haß gegen daS Unrecht in der Brust — an einer bessern Zukunft mit Kraft arbeiten: so darf die Erinnerung des Ver­gangenen nicht m uns erlöschen. Denn nur der herzloseste Leichtsinn kann vergessen haben, wie unser Feind schon seit langer Zeu den Samen der Zwietracht unter unsere Fürsten gestreut, und das sonst so glückliche Deutschland mir sich selbst ent» zweit, durch alle boshafte Streiche von List und Gewalt allmähliz unter daS drückende Joch ent­ehrender Sklaverei gebracht hatte. Wer denkt ohne patriotischen Gram an Die Zeit, wo auf Be­fehl eines fremden Tyrannen Deutsche das Schwert zogen, um es in Bruderbluc zu tranken? Ach, unser armes Vaterland war entweiht! Es wüthete gegen sich selbst! —•

Aus dieser Uneinigkeit der Deutschen allein gingen hervor Die grauenvollen Tage, die mit blutiger Schandschrift in der Geschichte unseres Vaterlandes stehen — Die Tage von Austerlitz, Jena und Auerstädt, die blutigen Tage von Dan- zigS Mauern, von Pnlcusk, Eilau und Fried- land 2C. und zuletzt von Lützen, Bautzen und Dresden. — Wer zählt Die Hunbertrausende von

Deutschen, Die vom väterlichen Heerde, auS den Armen ihrer Familien gerissen, als zinernde Schlachrop'er hingeschleppt wurden zu Den blutigen Mordaltären der Kriege in Deutschland, Spanien und Rußland? Und etwa für das Glück der Welt? Nein! für Die Eroberungssucht und den unbän­digen Ehrgeiz eines zügellosen Tyrannen, Der gött­liche und menschliche Geseye mit Füßen trat. — Wer war in seinem Eigenthum sicher, das er vielleicht mit saurer Mühe errungen? Kein Fürst aus seinem Throne! kein Armer in feiner Härte! Praßten nicht unsere Dränger mit unserem Schweiße? Und wer bat nicht mit Jammer u id Entsetzen gehört und gesehen: wie zerstörte Städte, ver­brannte Dörfer, zertrümmerte Tempel und Altare, zertretene Saaten, unaufhörliche, unerschwingliche Abgaben, Stillstand des Handels, Stockung Der Gewerbe, unser Vater land einer armen, öden Wüste gleich zu machen schienen? Wo war unsere Freiheit, zu sprechen und zu schreiben? — Ein Sklave darf seufzen über seine Kelten; aber durften w r'S. — Wer wagte es, das Unrecht bei seinem tarnen zu nennen? öffentliche Gesetze hatten es ja zum Recht gestempelt. Ach! haben nicht darum Un­zucht und Schamlosigkeit die Herzen und Sitten der Jugend und selbst des Alters vergiftet? Und bluten nicht jetzt noch viele Wunden, die solche Zeit und geschlagen? — So wurden Fürsten unb- Völker mißhandelt, Länder und Kronen geraubt, verschenkt und wieder genommen; — so wurde ■ Deutschland nicht nur. Nein! ganz Europa — ja ' die Menschheit selbst gedrückt, verhöhne, geschändet und in namenloses Elend gestürzt.

Zu dem Allen mußte der Viterlandsfreund, stumm seine brennenden Gefühlein sich verschließen: denn ach! Deutschlands Fürsten selbst zogen ja fast alle am glänzenden Triumphwagen des allge- fürchteten Tyrannen; stolz und hohnlachend gingen unsere D singer an und vorüber und jubelten laut ob ihrem Siege über Deutsche. O, da konnte, wer sein alles Vaterland noch liebte, nur tief­sinnig trauern, und mit verbißnem, heiligem Schmerz sein Inneres zerwühlen, und er wäre verzweifelt —- hätte er nicht Trost gefunden in einem Blick zum Himmel und in einer Thräne, stumm und heiß! —• .

Also seien deutsche Sitten unb Gebräuche, deutsche Sprache und Bildung, deutsche Gesinnung, deutsche Treue und Tapferkeit, deutsches Streben nach Vollendung in jeder Kunst und Wisseüschaft und Tugend — diese seien unsers Volkes Heilig- thümer, die wir auch heilig und rein bewahren wollen vor jeder unreinen fremden Einmischung. Unsere gemeinschaftlichen Leiden und Freuden, die Erinnerungen aus unserer Geschichte alter und neuer Zeit müssen uid immer näher mit einander