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de in diesem Zeitraume bereits ist gefährlich, uhb sehr zu meiden, denn eS kann eine tödtliche Wasserscheu dadurch entstehen.

Ob nun gleich andere Hundekrankheften ähnliche Zu- fälle erregen, die vorstehenden also noch keine Gewißheit geben, daß die Wuth ausbrechen werde, so wird doch ein Hund, bei welchem sich diese zeigen, der heranna- henden Tollheit höchst verdächlig, wenn gerade die Witterung sehr heiß oder strenge Kälte herrschend ist, wenn der Hund schlechte verdorbene Nahrung erhalten, oder eS ihm an Wasser gefehlt hat, oder wenn er von einem tollen oder erboßten Hunde wahrscheinlicherweise verlegt worden.

Zweiter Grad. Die erwähnten Zufälle steigen schnell. Der Hund wird trauriger, zornig bissig, knirscht mit den Zähnen; seine Augen sind trüber, das Weiße im Auge gerölhet, er hört auf kein Rufen, auch nicht aus seinen Herrn, den er nicht mehr kennt; er flieht Jedermann, keuchend schnappt er nach Luft. Sein Aeußcres beweist seinen heftigen Durst, lechzend streckt er die Zunge aus dem stets öffnen rothen Munde, und dock scheut er jede Art von Getränk. Er kaut.. Die ge. schwollenen Lippen schäumen, und von der Zunge fließt ein zäher Speichel. Einige können den Mund nie schlie­ßen, bei andern ist er oft in krampfhaft beißenden Zusam- menziehungen begriffen Der kranke'Hund bellt feiten und kann nur mit heiserer, heulender Stimme. In stels wachsender Wuth versetzt er jedem sich ihm Nähern­den , oder auf seinem Wege Getroffenen, einen anstek- kenden Biß. Er trachtet seine Wohnung zu verlassen. Sein Umheilaufen ist anfänglich langsam, wird aber im Steigen der Tollheil schneller. Er senkt dabei den Kopf, sieht sich nicht um, die Ohren und der Schwanz hängen, und letzterer ist oft (nicht immer) zwischen die Hinterbeine gezogen. Sein Lauf hält keine Ord- nung Er ist bald schnell, bald langsam, wie betäubt. Zuweilen läuft er eine Strecke gerade aus, dann kehrt er. plötzlich um und laust weiter. Sein Lauf hat oft eine bewundernswürdige Geschwindigkeit. Bei dem Anblick von Wasser oder von elwasGlänzendem, dem WasserAehnlichen, flieht er meist in Eile und ängstlich ; davon. Diese Wasserscheu hat jedoch auch Ausnahmen, ist deshalb nicht ganz untrüglich. Denn es gibt Hunde, die während der Wind ins Wasser springen und durch dasselbe schwimmen, ja Wasser saufen.

Gesunde Hunde scheuen den wüthenden schon beim Beginnen der Krankheit. Sie weichen ihm aus, wenn er ihnen begegnet, bellen ihn nicht leicht an und ver­folgen ihn nicht. Können sie sich nicht vor ihm flüchten, so setzen sie sich doch gewöhnlich nicht zur Wehre, son­dern legen sich zaghaft vor ihm nieder, suchen ihm zu schmeicheln, und lassen sich ohne Gegenwehr beißen. Wird der wüthende Hund in der Nähe von gesunden eingesperrt, so merkt man diesen bald an, daß sie in Angst leben, sie bellen nur wenig. '

Dritter und letzter Grad. Die Augen sind feuerroth, bald starr, bald wild sich drehend. Die Zun­ge hängt bleifarbig aus dem Munde. Jetzt wird der

Hund durch die Mächtigkeit der Krankheit allmählig matter, sein Lauf langsamer, schleichend, wankend (bc« sonders <an den Hinterbeinen) und taumelnd. Die Ha«- re sträuben sich/ der Kopf senkt sich immer mehr,-die Augen triefen häufiger von Wasser, die Zunge wird schwärzlich, geschwollen, und der zähe Geifer im Mun­de stärker. Das Thier schnappt nach Allem und beißt, was ihm vor kommt, in daS Stroh seines Lagers, in seinen eignen Schweif, oder in seine Hinterbeine. Eine jede Berührung, zumal an der Schnautze, macht den Hund lobend. Spritzt man ihm Wasser in den öffnen Mund, so beißt er in den Wasserstrahl mit der größten Wuth und tobt, schluckt aber Nichts davon. X$r wüthet auch und verfällt in Zuckungen, wenn man ihm eiuai Spiegel verhält, und noch mehr, wenn man die Son­nenstrahlen bamit-auffängtunb das zurückgeworfgne Sicht auf die Augen richtet Endlich fällt er öfters -ent-- fräftet zu Boden, hilft sich schwach wieder aus, und ath­met mit Beschwerde. Zuletzt entfielen Zuckungen, un­ter welchen der Tod gewöhnlich am vierten Tage nach ausgebrochener Wuth ein tritt.

Sehr zu beachten ist, daß die Krankheit nichr immer alle die eben beschriebenen Grade durchläuft, daß nicht jederzeit gleiche Erscheinungen bei wüthenden Hunden wahrgenommen werden. .Zuweilen verfallen d(e Hunde bleß in die stille Wuth, und sterben bereits im ersten Zeitraume der Krankheit, schon am zweiten, drillen ober vierten Tage.

Der allein sichere, einzige Weg, um zu erfahren, ob ein der Wuth verdächtiger Hund toll fei oder nicht, ist, ihn nicht umzubringen, sondern mit Anwerwung aller Vorsicht, daß er 'Niemand schade, in sorgfältiger Ver. Wahrung so lange genau zu beobachten, bis man über die wahre Natur seinesZustandes Gewißheit erlangt hat:

Ist ein für wüthend gehaltener, oder al6 solcher doch zweifelhafter Hund bereits gelobtet, so wird es höchst schwierig, zu entfeheiben, ob er in der That toll war. Im gemeinen Leben empfiehlt man die Probe, ein Stück Fleisch ober Brod an die Zähne und im Nachen des umgekommenen Hundes zu reiben, und dieses anderen Hunden vorzuwerfen. Zeigten.sie emen Abscheu davor, so wäre der in Frage stehende Hund wirklich von der Wuth ergriffen gewesen, aber nicht, wenn sie eS fräßen. Eben so könne mgn, bje gebissene Wunde, im Falle der Hund,- welcher sie versetzte, entlausen sei, mit einem Stücke Fleische reiben, und dann auf die eben erwähnte Weise verfahren. ।

Diese Versuche liefern indeß feine zuverlässige Be­weise , wie die Erfahrung gelehrt hat. Auch das sehr gefährliche Oeffnen eines solchen Hundes thut in dieser Hinsicht nichts Bestimmtes dar, und aus dem Befun­de des Ocffnens des todten Thieres läßt sich durchaus auf die 9latur des da gewesenen Nebels kein sicherer Schluß ziehen. Meist findet sich zwar bei tollen Hun­den der Rachen, die Luftröhre, der Schlund, der Magen und ein Theil der obern Därme entzündet, aber auch an­dere Ursachen als die Wuth können diese Erscheinungen hervorbringen.. '