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ren aufmerksam Beachtung geschenkt hat, nicht unbekannt sein. Das Zurückbleiben der Ernten — ohne daß jeroch e'gentliche allgemeinere Mißernten vor- gekommen —, die Kartvffelkraickhe.it, die immense Vervollkommnung und Ausdehnung der Verkehis- mittel, der Krieg mit Rußland, bzw. die deutsche Kriegeberettschast, AlleS dieses ist zusammen getroffen, um wesentlich zu dem Resultate mnzuwirken, daS jetzt auf neun Zehntheile unseres Volkes die drückenste Sorge gelegt hat. Nimmt man dazu die bedeutende.! Vermehrung der Zahlmittel, durch Emission von Papiergeld, sammt kalifornischer und australischer Golkausdeute, sowie die loziale Verschlimmerung ettwS großen Theiles der Bevölkerung in Folge des Aufschwunges der Industrie und der dadurch noch mächtiger gewordenen Ueberwucht des Kapitals über die Arbeit/ auch manche Nacbwnkun- gen der 1848t Bewegungen. — so wird man so ziemlich alle hauptsächlichen Ursachen der fraglichen Kalamität beisammen haben. Andere Anschauungen machte jedoch derjenige Theil unserer Mickürger in Siadt und Land hiervon, dessen Angehörige nicht in der Lage sind, aus sich selbst oder truch Lektüre kiese Belehrung sich zu verschaffen, kenen aber auch nur in seltenen Ausnahmefallen Gelegenheit geboten worden sein mag, ihre Ansichten durch Besprechung mit Aufgeklärteren zu berichtigen; zumal Letztere bei etwaiger Gelegenheit keiUeSwegeö mit großem Vertrauen angehört worden sein mögen, da gegen die gebilke- teren und damit häufig auch etwas wohlhabenderen Mitbürger das Vorunheil mehr allgemein geworden zu sein scheint, daß es diesen an Mitgefühl für kie ärmeren, mehr von der Theuerung bedrängten Staatsbürger fehle. So ist es denn nicht zu verwundern, daß in den bezeichneten Schichten der Bevölkerung die Annahme zu weiter Verbreitung gelangt ist, es sei die Theuerung eine künstlich, hauptsächlich durch Wucher hervorgerufene, und eS könne daher derselben zum großen Theile abgeholfen werden, entweder, indem man den, mit dem Verkäufe ihrer Bokeuer- zeugnisse zurückhaltenden, größeren Grundbesitzern k. den alsbalkigen Verkauf befehle, oder, indem man (gewissermaßen) zu den, durch die Ablösungen in Wegfall gekommenen „Herrenböden" zurückkehre, d. h. dadurch, daß der Staat, bzw. die Gemeinte, Frucht ankaufe, in Magazine lege und an die Bedürftigen — wo möglich billigen Preises — wieder abgebe. Die Ungereimtheit der erstgekachten Maßregel ist augenfällig genug, nicht zu verschweigen ist aber, daß in manchen Fallen kaS Zuwarren betreffender Produzenten auf ein immer höheres Steigen der Preise allerdings etwas sehr Gehässiges bat und namentlich auch sehr viel dazu beitragen muß, das Urtheil des Aermeren über die Ursachen der Theuerung zu verwirren. Was das Aufkaufen von Früchten Seitens des Staates oder der Gemeinden an- langt, so halten wir dafür, daß dadurch gerade daS Gegentheil des Beabsichtigten erreicht werden würde,
nämlich noch weitere Vertheuerung. Denn die Erfahrung hat genugsam kargeihan/ daß bedeutende Nachfrage nach irgend einer Waare oder Produkt sofort das Höhergehen des PreiseS zur Folge hat. Das gedachte Aufkäufen von Frucht, Kartoffeln rc. von Seiten des Staates :c. wurde aber auf eine plötzliche, bedeutende Nachfrage am Markte nach diesen Produkten hinauslaufen. Der unabwendbare Theil des Uebels muß ertragen werden, wie es auch gehen mag. Aber man soll nicht noch durch falsche Maßregeln das Uebel verschlimmern. Plan überlasse es lediglich der Prrvathankelöthättgkert, an diejenigen Plätze, wo es daran fehlt, dem zeitigen Bedürfnisse gemäß und sukzessive Quanten von Lebensmitteln von solchen anderen Orten bin* zuschaffen, wo davon überhin war. Man wird sich so am raschesten, billigsten und am besten becient sehen.
Aber es kann noch Etwas geschehen, worauf wir besonders, aufmeiksam machen möchten. Es sollten sich überall Loralvereme bilden, um am Orte selber daS zeitige Bedürfniß festzustellen und eine geeignete Bertheilung vorhandener, bzw. durch zwanglose Hankelsthätigkeit beizuschaffenker Vorrärhe zu vermitteln. Die Vereine würden we- fentlitb verschieden sich gestalten, je nachdem sie in der Stadt oder auf dem Lande waren. Denken tritt uns zunächst einen solchen Verein in der Stadt, etwa hier in Eaffel. Da sollten Mitglieder werden vornehmlich Solche, kie aus der Vereinigung mit einer größeren Anzahl von Mitbürgern in ähr* liefest Vage, Vortheile bei Beschaffung der Wmrer» verrathe zu erhoffen nöthig harten;', außerdem sollten sich aber auch Diejenigen zahlreich bei kem Vereine betheiligen, die zwar in günstigerer pekum» arer Lage waren, alö Jene, aber vorzugsweise geeignet, ker Vereinssache, insbesondere auch mit ihrer tieferen Einsicht, wesentlich förderlich zu werden. Es würde für Erreichung des Zweckes sehr wichtig sein, daß der Verein möglichst zahlreich werde, daher auch Diejenigen beitreten sollten, welche es für sich selbst nicht nöthig haben. Der Verein würde vor Al-> lem ein Büreau zu errichten haben, fürBeschaf« fu ng d er W in t e rv vrr a the sei n er M i dglie» de r. Wer Mitglied des Vereins fein will, ver- pflichtet sich damit, seine bezüglichen Anschaffungen nur durch Vermittelung des Bereiusbüreaus zu machen , so zwar, daß er zunächst seinen ganzen Win, terbekarf — z. B. und insbesondere an Kartoffeln und Kernfrucht — nur anmeldet und. sich einstweilen begnügt, einen angemessenen Theil davon zu erhalten. Das Bureau besorgt kie Verrheilung des einstweilen Erforderlichen, sowie die Nachlieferung zu geeigneter Zeit. Der Verein macht, mit umsichtiger Beachtung des zeitigen Bedürfnisses, Anschaffungen von Kartoffeln, Frucht k. in der Art, daß das Bereinsbüreau sukzessive Lieferungen annimmt, in kleinen oder größeren Partien, nur in guter