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lang. Die von den deutschen Vc Kosten zu besetzende Cernirungs- linie hatte dagegen eine Länge von 11 Meilen und die errette Tele­graphenverbindung der für die Armee-Corps bestimmten Haupt­quartiere eine Länge von über 20 Meilen. Hält man diese Zahlen zusammen und erinnert sich der Ziffer der in Paris vorhandenen, wenn auch größtentheils noch sehr mangelhaft organisirten Streit- kräfte, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Cemierunj von Paris ein kühnes Unternehmen war. Die deutsch? Heeresleitung schrak aber vor dieser Aufgabe nicht zurück, weil sie in der Isolirung und Unterwerfung der HKuptstadi mit den darin versammelten bedeutenden Sirelikräften das sicherste Mittel erkannte, das feindliche Land zur Ricderlcaunz der Waffm zu zwingen.

Außer >« C'irimng hätte zunächst nur noch ein Weg zu Erreichung mcu* Zieles in Betracht kommen können: der der aewaltsamen Angriffs gegen Paris. Die Aussicht auf das Gelingen eine lchen Anzriffs gegen die durch sturmfreie Fort« und eine sturmfreie Enceinte geschützte starke Festung war indeß äußerst gering. So manxelhaft die Organisation der feindlichen Streitkräfte noch war, f# genügten dieselben doch, um hinter den Wällen und in den verbarrikadirten Straßen der Hauptstadt mit ihrer dreifachen numerischen Überlegenheit einen Widerstand zu leisten, welchen viel- leicht daS heldenmüthigste Sturmlauft« der bravsten Truppen nicht zu brechen vermochte. Die Mängel deS SeonetS in Bezug auf mili­tärische Tüchtigkeit wären durch die Wnstize Lage auDglichen worden, in welche man ihn durch den gewaltsamen Anzriff auf seine Befesti- gungen verletzt hätte. DteFolgeneinesabgeschlag cnenAngriffs aber wären unberechenbar gewesen. WeichenAufschwung Würde die Organisation des Widerstandes in ganz Frank­reich genommen haben. Die mor«Ufche Stärkung des Vcrthci- digers auf der einen und die enormen Verluste, welche auf der ande­ren Seite der Angreifer bei seinem mißglückten Unternehmen erlitten haben würde, hätten es unmöglich gemacht, hinterher noch zur Cer- nirung von Paris überzuachm. Eine andere Angriffsform aber konnte vorerst überhaupt nicht zur Ausführung kommen, ganz abge° fchen davon, daß sie nur in Verbindung mit der Cernirung einen vollständigen Erfolg versprach. So hätte also der gewaltsame Angriff alle bisher errungenen großen Resultate in Frage gestellt, während mir der Cernirung der Weg ein- geschlagen wurde, auf welchem man langsam aber sicher zum Endziele gelangte.---

----»Nachdem beim ersten Anrücken gegen die Hauptstadt (heißt es in der Schrift später) von dem Versuche eines gewaltsamen Angriffs aus gewichtigen Gründen hatte Abstand genommen werden müssen, konnte von einem solchen überhsupt nicht mehr dir Rede sein? die Aussichten auf den Erfolg eines solchen Unternehmens vermin­derten sich naturgemäß mit jedem Tage. Es konnte sich nur noch fragen- ob man sich damit begnügen sollte, die Cernirung so lange durchzuführen, bis Hunger, Ermattung und vielleicht innere ZerwÜrf« Nisse die Uebcrgnbe veranlaßten: oder ob man unter Aufrechthaltung der Cernirung auf einem oder mehreren Punkten, sei er zum förnl- lichen, sei eS nur zum artilleristischen Angriffe übersetzen sollte.----

— Erwäzm wir die Mittel, welche der deutschen Heerführung für die Unterwerfung der Hauptstadt zur Verfügung standen, so haben , wir uns zunächst zu erinnern, daß die Streitkräfte, mit welchen die Cermrung am 19. September auSgeführt wurde (122,000 Ma-m In- fanterie und 24,000 Mann KavMeric), unmöglich für die Aufrccbt- erhaltung der Cernirung auf eine längere Zeitdauer aupreichen konnten, Es kam dabei wenig mehr als ein Infanterist auf jeden Schritt der CerniMtgSlinie. Run konnt« man zwar hoffen, daß der Feind unsere Schwäche nicht sogleich erkennen würde, auch bedurfte derselbe noch einer gewissen Zeit für die Organisation seiner eigenen Streit­kräfte, ehe er zu größeren Offensiv-llniernehmungen überzugehm ver- mochte. Nach einigen Wochen aber mußte man auf solche ebensowohl gefaßt sein, wie auf feindliche Beunruhigungen im Rücken der Cer- nirmigs-Ätmee. Erwägt man ferner, welche bedeutenden Kräfte der mühselige Vorpvstmbicr.st und die nothwendigen Arbeiten zur forti- fikatsrischenMerstärkung der Cernirungsiinie unaußgefttzt absorbirrm, so ist eS einleuchtend, daß die im Anrücken begriffenen Verstärkungen — das XL und I. baperische Corps, sowie Ersatztran-Porte zur Ksru- Pletürung der CadreS — für die Aufrechterhaltung der Cernirung unent­behrlich waren, und daß es auch nach dem Eintreffen dieser Verstärkungen an Infanterie fehlte, um zur förmlichen Belagerung überzugehen.

.Dir Vorbedingung für jedes offensive Vorgehen gegen die Haupt­stadt, mochte man dabei die Durchführung der förmlichen Belagerung, . oder nur den artilleristischen Angriff im Auge haben, war die Heran­führung eines entsprechenden BelagerungSparkr. Dor» sorglich war die Bereitstellung WeS solchen zur etwaigen Verwen­dung gegen Paris bereits Mitte August angeordnet worden. Aber mit der Heranführung konnte nicht eher begonnen werden, als bis Tsul genommen und der Eisenbahnbetrieb wenigsten« bis Rantenil eröffnet sein würde. Und auch dann konnte der Transport nur sehr langsam erfolgen. Denn mit Sehnsucht sahen auch schon die Truppen dem Zeitpunkte entgegen, wo die Herstellung der Eisenbahn ihnen gestatten würde, das zu ihrem Retabliffewekt Erforderliche heranzuziehen und vielleicht nicht ohne Bangen harrte die

Intendantur desselben Momentes im Interesse der Verpflegung der Armeen vor Paris. Die Ernährung der starken, eng konzentrirten Massen mußte erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Im Umkreise von 5 Meilen um Paris fand man, mit Ausnahme von Wein, keine mnncnswe»then Vorrätbe. Man mußte sich bis zur Eröffnung des Eisenbahnbetriebes durch kleine Expeditionen in die »eitere Um­gegend und mit dem behelfen, waS durch Bezahlung hoher Preise herangelockt werden konnte. So lebte die Armee aus der Hand in den Mund, auf die so nothwendige Füllrmß größerer Re­serve-Magazine mußte vorläufig faß g^nr verzichtet werden, und es war vorauSzusehen, daß auch die Beschaffung des Nothwendig­sten auS dem feindlichen Lande bald auf vermehrte Schwierigkeiten stoßen würde. Daraus folgte, daß die einzige Eisenbahnlinie, auf deren baldige Eröffnung man rechnen durfte, durch den dringendsten Nachschub, besonders an Proviant, für die Armee auf längere Zeit hin in Anspruch genommen sein würde, und daß daher der Trans­port eines Belagerungs-Trains von dem Umfangs, wie er zum An­griffe gegen Paris erforderlich war, nur sehr allmählich zu bewirken sein würde. Aber noch viel größere Schwierigkeiten waren zu über- windm, UM den Belagerungkpark von der letzten Eisenbahnstation bis zu seinem Bestimmungsorte weiter zu SranSportirm.

Alle diese Erwägungen waren maßgebend für die Entschließungen, welche für den AngriffSplan gegen PariS in FerriäreS gefaßt wurden. Hätte man sicher an- nehmen dürfen, daß die Verprovisnttrung der Haupt­stadt höchstens für 10 Wochen ausreichte, so würde man sich mit der Cernirung begnügt und auf die Heranfüh­rung eines BelagerungsparkS von vornherein verzichtet 'haben. Da jedoch gerade diese Vorfrage am zweifelhaf­testen erschien, so wurde beschlossen, unter Aufrecht­erhaltung der Cernirung alle Vorbereitungen dahin zu treffen, daß nöthigen Falles zur ultima ratio, zum An­griffe geschritten werden könnte. — — —

(Das Weitere über die Schwierigkeiten der Ausführung folgt in der nächsten Nummer.)

Hälfe« Kaiser und König hat das Christfest in ge­wohnter Weise im Kreise des Königlichen Hauses begangen. Nachdem am Christabend die Kaiserin der Weihnachts- Bescheerung im Augusta-Hospital beigewohnt hatte, versam­melte sich der gesammte Hof um den Christbaum im Palast des Kaisers. Am ersten Feiertage waren der Kaiser und die Kaise­rin mit sämmtlichen Prinzen und Prinzessinnen zum Gottes­dienste im Dom, Nachmittags zum Familtcndiner bei den Kron- prinzlichen Herrschaften versammelt, — am zweiten Feiertage besuchten die Mitglieder der Königlichen Familie den Gottes­dienst in verschiedenen Kirchen. Das gemetüschaftliche Mittags- mahftfand bei der Königin-Wittwe Elisabeth in Charlottm- burg statt. Am Morgen hatte sich der Kronprinz mit sei­nen" Kindern nach seinem Gute Bornstädt bei Potsdam zur Weihnachts-Bescheerung -armer Kinder und Arbeiter begeben.

Der RsichsZKBzler: BKd Millistsr-KräsideRt Fürst BiSmarS hat nach erfolgtet Wiederherstellung von seiner jüngsten Erkrankung am zweiten Feiertag einen Ministerrath abgehalten. Am Mittwoch (27.) hat sich der Fürst aus einige Tage nach der Provinz Sachsen begeben.

Das eiserne Kreuz. Unter den Maßnahmen unsers Königs beim Beginn des jüngsten Krieges hat keine andere den Geist, in welchem der Kampf unternommen wurde, so unmittelbar und für das gcsaML'-te Volk verständlich bezeichnet, wie die Erneuerung des eisernen Kreuzes. Jedermann wußte, welche Bedeutung das eiserne Kreuz im großen Besrnungötaurpse gehabt und was eS noch jetzt in der Erinnerung unserem Heere und Volke zu bedeuten hatte. In der Wiedererrichtung dieses Wahrzeichens war der tiefe Ernst und die Heiligtest des neuen Krieges gegen den alten Feind bedeutsam be­zeichnet. Es war deshalb innerlich wohlbegründet, daß eine jüngst gegründete militärische Zeitschrift, die , Jahrbücher für die deutsch: Armee und Marine- ihr erstes Erscheinen mit einem Aufsätze über »das eiserne Kreuz - ankündigte und eröffnete, in welchem eines der Mitzlieber der General-Ordens-Kommisston, der General von TrosHke nach einem Rückblicke auf die GWtchte des alten eisernen Kreuzes von 1813, sowie der übrigen militärischen Ehrenzeichen und Denkmünzen, die wichtigsten Thatsachen in Bezug auf die Verleihung des erneuten eisernen Kreuzes, sowie auch des Verdienstkreuzes für Frauen zusammenfaßt. Dieser Aussatz ist jetzt mit dem Facsimile (der getreuen handschriftlichen Nachbildung) eines zustimmenden Randschreibens Sr. Majestät deS Kaisers und Königs in einem besonderen Abdruck zum Besten der »Kaiser Wilhelms-Stif- tung« für deutsche Invaliden erschienen und wird gewiß nicht blos in militästschen, sondern auch in weiteren Volkskreisen mit großem Inter­esse ausgenommen werden.

Verantwortlich; E. Stetste in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).