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Nicht nur der Kampfplatz für unsere heldenmüthigen Heere, son- Lern auch daS weiteste Selb zur Bethätigung aufopferungsvoller Menschenliebe war den Vereinen, wie jedem einzelnen Gliede der Nation gegeben. Die Aufgaben erschienen unermeßliche. Begeisterte Nächstenliebe, energischer Wille, opferfreudiger Patriotismus haben nirgends gefehlt, und wirklich Großartiges wurde erreicht. Fehlte manchmal dem Wollen das Vollbringen, mochte Größeres und Besse­res erzielt werden können, so wird man wohlthun, sich auch hier zu erinnern, daß alles Menschenwerk stets unvollkommen bleibt.

Bei dem plötzlichen und ganz unerwarteten Ausbluche des letzten Krieges war die Erfüllung der der freiwilligen Krankenpflege nach der Sanitäts-Instruklion zugewiesenen Aufgaben von vornherein mit sehr erheblichen Schwierigkeiten verknüpft. Wenn auf der einen Seite die Vereine sich vorbereiteten, ihre Friedensthätigkeit neu zu regeln und zu beleben, insbesondere für die Vermehrung und Bereitstellung eines tüchtigen und wohl ausgerüsteten Pflegepersonals worge zu tragen, so erschien das hier angestrebte Ziel keineswegs auch nur annähernd für die Bedürfnisse eines großen KriegeS erreicht In gleicher Weise konnten die sofort verfügbaren Geldmittel nur für kurze Zeit genügen, während unverzüglich eine energische und umfangreiche Thätigkeit in Beschaffung von Depotgegenständen u. s. w. entwickelt werden mußte Andererseits war daS Amt eines Königlichen Kommissars und Mili- tär-Inspecteur- ein nur für den Kriegsfall bestehendes. Es galt daher bei dem im tiefsten Frieden und gewissermaßen über Nacht aus- gebrochenen Kriege, in wenigen Tagen zahlreiche Organe der frei­willigen Krankenpflege zu schaffen und zu instruiren, von denen der eine Theil sich netzartig über das ganze Inland verbreiten, der andere aber im engsten Anschlüsse an die Armee auf dem Kriegsschauplatze selbst thätig sein sollte. Die Schwierigkeiten dieser Aufgabe sprechen für sich selbst, zumal wenn erwogen wird, daß die Organisation auf dem Kriegsschauplätze zunächst von den militärischen Einrichtungen und Dispositionen abhängig war und letztere zur Voraussetzung hatte.

Ohne die aufopferungsvolle Thätigkeit, die dauernde Initiative und Anregung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, die Be­geisterung der ganzen Ration, die opferfreudige Hingebung eines jeden einzelnen Gliedes derselben, wäre in der That die Erfüllung der plötz­lich hervortretenden Riesenaufgabe nicht möglich gewesen.

Die Münzfrage und ihre bisherige Entwickelung.

Rede des Präsidenten des Reichskanzleramtes Staats-MinisterS Delbrück

zur Einleitung der Berathungen über die Münzvorlage am 11. November 1871.

In den ersten Zollvereins-Verträgen, welche vor beinahe 40 Jah­ren geschloffen wurden, sagten sich die kontrahirenden Staaten zu, daß sie gemeinschaftlich dahin wirken wollten, in ihren Landen ein gleiches Münz-, Maaß- und Gewichtssystem in Anwendung zu bringen. In wenigen Wochen wird in ganz Deutschland ein übereinstimmendes, ein vollständig gleiches Maaß- und Gewichts­system in Kraft treten und heute, meine Herren, treten wir daran, für den zweiten Gegenstand, für die Regelung des gemeinschaftlichen Münzsystems, den entscheidenden Schritt zu thun und den festen Grund zu legen.

Die Entwickelung des deutschen Münzwesens bis zu dem Punkte, wohin sie heut gelangt ist, hat mancherlei Stadien durchlaufen. Nachdem zuerst durch die süddeutsche Münzkonvention von 1837 auf denjenigen Gebieten, wo das Bedürfniß besonders dringend hervorge- treten war, die Grundlage zu einer festen Ordnung gelegt war, konnte im Jahre 1838 für den damaligen Bestand des Zollvereins ein wei­terer und man kann immerhin sagen, entscheidender Schritt geschehen. Die Zollvereinsstaaten vereinigten sich damals zu einer gemein­schaftlichen Grundlage des Münzwesens, dem Münzgewicht, und sie vereinigten sich ferner dahin, daß nur zwei Münzsysteme inner- halb des Zollvereins besteven sollten: der damals so genannte 14- Thaler-Fuß und der 24l,-Guld«n-Fuß,- sie erkannten ferner schon damals als einen vereinbarten Grundsatz daS wichtige Prinzip an, daß sie verpflichtet seien, für die Erhaltung der Vollhaltig- keit der bei ihnen umlaufenden Münzen ihrerseits Sorge zu tragen. Viel weiter ging die damalige Vereinbarung nicht. Man schuf zwar eine gemeinschaftliche Vereinsmünze, das Zwei- thaler- oder 3^-Guldenstück, indessen ist es bekannt, daß diese Münze eigentlich mehr ein Symbol der Einheit war, als daß sie eine Rolle in dem Geldumlauf der einzelnen Staaten hätte spielen können. Cha­rakteristisch für die damalige Lage der Dinge war es, daß man bei dem Abschluß der Münzkonvention von 1838 es nicht für nöthig hielt, auch nur ein Wort über Goldmünzen zu sagen,- die Konvention von 1838 schweigt über die Goldmünzen vollständig, nicht deshalb, weil es damals keine gegeben hat es gab damals in einzelnen Staaten Dukaten, theils im holländischen, theils im Reichsfuß ausgeprägt, und eine Reihe anderer Silbermünzen, die mehr oder minder an die Pistole sich anschlossen aber die Goldmünzen spielten damals in der Cirkulation eine sehr wenig hervorragende Rolle, und Goid über­haupt war für das mittlere Deutschland ein so wenig fühlbarer Gegenstand in der Cirkulation, daß man ganz ruhig glaubte, dar­über schweigen zu können.

Während der Dauer der Münzkonvention von 1838 traten Ver­hältnisse ein, welche in Aller Erinnerung sind: der ziemlich gleichzeitige und außerordentlich starke Abfluß des Silbers aus Europa nach Asien zur Ausgleichung der fortdauernd ungünstigen Handelsbilanz zwischen Europa und dem östlichen Asien, und andrerseits eine ganz außer- ordemliche Vermehrung des vorhandenen Goldes durch die Entdeckung der Goldfelder in Kalifornien und Australien. Es wurde dadurch nicht blos für den Augenblick, sondern für Jahre das bis dahin ziemlich vorherrschend gebliebene Werthverhältniß zwischen den beiden edlen Metallen aufgehoben. Es schwankte hin und her, und es konnte bei der Erwägung weiterer Gestaltung des Münzwesens nun auch in Deutschland das Gold nicht weiter ignorirt werden. So kam denn auch, als 1856 die Verhandlungen zwischen Oesterreich und den damaligen Zollvererns - Staaten über eine gemeinschaftliche Münzkonvention in Wien eröffnet wurden, schon damals die Frage, ob nicht die Goldwährung einzuführen sei, mit der größten Bestimmtheit auf die Tages­ordnung. Die deutschen Staaten trugen damals Bedenken, auf die von Oesterreich lebhaft befürwortete Annahme der Gold­währung einzugehen. Sie trugen Bedenken, weil sie sich zu dem Uebergang von ihrem gut geordneten, auf Silberwährung beruhenden Münzsystem zu dem auf der Goldwährung beruhenden Systeme, namentlich in der damaligen Zeit der noch lebhaften Schwankungen zwischen den Verhältnissen beider edlen Metalle, nicht entschließen konnten. Oesterreich erklärte sich zuletzt zur Annahme der Silber­währung auch bereit und so kam eS zur Münzkonvention von 1857. Diese ließ zwar die Prägung einer gemein­schaftlichen Goldmünze, der Krone, zu, sorgte aber durch eine Reihe von Bestimmungen auf die ängstlichste Weise dafür, daß weder durch diese Krone, noch durch eine andere innerhalb Deutschlands in Umlauf befindliche Goldmünze die Aufrechterhaltung der reinen Silberwährung, auf welcher die Münzkonvention beruhte, irgend­wie gefährdet werden könnte. So hat denn auch bekanntlich die durch dir Konvention von 1857 geschaffene Goldmünze, die Krone, niemals eine besondere Bedeutung erlangt.

Während der Dauer der Münz-Konvention von 1857 schritt die Ueberzeugung sowohl in den Kreisen der Wissenschaft, als in den Kreisen des Handelsstandes und des großen Publikums immer weiter dahin vor, daß auf die Dauer der Uebergang zur Goldwäh­rung nicht zu vermeiden sein wird. Es wurde immer einleuch­tender, daß das Ersatzmittel, durch welches man sich bisher in Deutschland hatte helfen müssen in Ermangelung von Goldmünzen, nämlich Papiergeld und Banknoten, in der großen Ausbildung und Ausdehnung, welche diese in Deutschland erlangten, zu wesentlichen Bedenken Veranlassung gab, und es kam endlich die Neigung hinzu, eine allgemeine internationale (bett Verkehr mit anderen Völ­kern vermittelndes Goldmünze herzustellen, wie man auf dem Wege war, zu einem allgemeinen internationalen Maaß und Gcwichtssystcm zu gelangen. Im Jahre 1867 fanden denn auch internationale Ver­handlungen zwischen den Vertretern aller civilisirten Rationen in Paris statt, die sich zum Ziele gestellt hatten, eine internationale Weltmünze zu schaffen, und es schien einen Augenblick, als ob die Verhandlungen von Erfolg sein würden. Die allgemeine Strömung, die damals ging, schien mächtig genug zu sein, alle die Schwierig­keiten überwinden zu können, die dem Ziele entgegenstanden. Indessen es trat ein, was bet näherer Erwägung der Dinge nicht überraschen konnte. Die Macht der Verhältnisse, die dabei in Betracht kamen, war größer, als der ideale Zug, der nach einer allgemeinen Münz- eintgung hinstrebte und die Verhandlungen, welche damals in Paris stattfanden, sind wenigstens im Großen und Ganzen ohne Ergebniß verlaufm.

Für die deutschen Staaten trat und den äußeren Anlaß dazu gab die Gründung des Norddeutschen Bundes nun die Frage auf, in welcher Weise sie den immer mehr als Nothwendigkeit er­kannten Uebergang zur Goldwährung zu ordnen hab-n. Sie hatten dabei wesentlich zu berücksichtigen den einmal lebendigen Zug nach einer internationalen Münze. Es war diese Rücksicht, die Schwierigkeit, die Frage für die öffentliche Meinung klar zu stellen, ob es in der That sich empfehle, zu einer internationalen Goldmünze zu greifen, mit anderen Worten, sich mehr oder weniger bestimmt an die lateinische (französisch.belgifch-schweizerisch-ltaliemsche) Münz- konvention oder das englische Münzsystem anzuschließen, sie war es, welche den Bundesrath des Norddeutschen Bundes im verflossenen Jahre veranlaßte, eine Enqus.'e lallffitige Untersuchung) über die Frage zu beschließen. Es war dabei damals schon die Theilnahme der süddeutschen Staaten in dieser Frage gewiß und der Beschluß konnte damals schon eine allgemeine Maßregel für Deutschland ins Auge fassen.

Die bekannten Verhältnisse haben die Ausführung dieser Enquste verhindert, abw inzwischen hat nach der Ueberzeugung der verbündeten Regierungen die öffentliche Meinung theils durch, sachliche Gründe, viel­leicht auch hier und da durch äußere Gründe sich so weit geklärt, daß die verbündeten Regierungen ohne eine vorhergehende Enqusie ge­glaubt haben, die F age in die Hand nehmen zu können. Sie sind der Ueberzeugung, daß die Frage nicht zu lösen ist in dem Anschlüsse an eines der bestehenden Systeme der Goldmünzen, daß sie nur zu lösen ist durch Schaffung einer nationalen Münze.