Einzelbild herunterladen
 
  

gangen. Auf diesen Anlaß giebt der »Reichs-Anzeiger« folgen­den Ueberblick über die militärische Laufbahn des Prinzen.

Am 29. Oktober 1811 geboren, trat der Prinz an seinem elften Geburtstage als Seconde - Lieutenant beim 2. Bataillon (Coblenz) 4. Garde-LandWehr-RegimentS in daS preußische Heer, um alsdann am 11. Juni 1829 unter Beförderung zum Premier-Lieutenant dem 2. Garde-Regiment zu Fuß aggregirt zu werden. Nach einer kurzen Dienstleistung beim Gardc-Iäger-Bataillon in Potsdam im folgenden Jahre zum Kapitän ernannt, wurde der Prinz im Jahre 1831 zur Dienstleistung beim Infanterie-Regiment Nr. 31 in Cöln und später zu seinem Vater, dem am 28. September 1851 verstorbenen Prinzen Wilhelm, in dessen Eigenschaft «18 General-Gouverneur von Nieder- rhein und Westfalen kommandirt. Jedoch schon zwei Jahre darauf widmete Se. Königliche Hoheit sich ganz wieder dem praktischen Dienste und zwar bei der technischen Waffe der Artillerie, welcher derselbe — und zwar der Garde-Artillerie-Brigade — am 30. Ja­nuar 1832 zur Dienstleistung Übertritten wurde. Im Januar 1835 trat er gänzlich zur Artillerie und zur Garde - Brigade über. Am 31. Juli 1843 wurde er an «stelle des kurz zuvor verstorbenen Prinzen August zum 1. General-Inspecteur der Artillerie ernannt.

Schon von Jugend auf hatte Se. Königliche Hoheit sich ganz besonders zum Seewesen hingezozen gefühlt und eine hervorragende Neigung gezeigt, fremde Länder kennen zu lernen: so besuchte Höchst- derselbe 1826 die Niederlande, 1832 Großbritannien, 1834 und 1837 das nördliche und mittlere sowie das südliche Rußland, die Türkei, Griechenland und die Ionischen Inseln und 1842 das Innere von Brasilien, eine Reise, deren Resultate in einem besonderen Werke von Sr. Königlichen Hoheit niedergelegt wurden. Stuf allen diesen Reisen, namentlich aus der letztgenannten, an Bord der sardinischen Fregatte »San Michele«, sammelte der Prinz umfangreiche Erfahrun­gen auf dem Gebiete des Marinewesens und gewann die Ueberzeu­gung, daß Preußen auch einer Flotte bedürfe, um, seiner historischen Aufgabe und seiner Großmachtsstellung angemessen, die deutschen Interessen in jeder Weise würdig vertreten zu können. Zu seiner großen Freude und Genugthuung wurde der Prinz denn auch, in Anerkennung der von ihm erworbenen Kenntnisse, im Jahre 1848 Vorsitzender der deutschen, technischen Marinekommission zu Frankfurt a. M., in welcher Stellung erwesentlichmitzurGründungeiner deutschen Flotte beitrug,' am 30. März 1854 wurde Höchstderselbe zum Admiral der preußischen Küsten und Oberbefehlshaber der Marine ernannt, nach­dem ihm schon früher (im März 1849) der Befehl über sämmtliche ausgerüstete KriegSfahrzeuge übertragen worden war. Als Ober-Be­fehlshaber der Marine bestand Se. Königliche Hoheit mit S. M. Dampf - Korvette »Danzig« am 7. August 1856 gelegentlich einer Uebungissahrt im Mittelländischen Meer bei Cap Tres Forca» einen Kampf mit Rifpiraten, welche an derselben Stelle der Küste des Rif einige Jahre zuvor ein preußisches Handelsschiff geraubt und verbrannt hatten. Se. Königliche Hoheit wurde bei jenem Kampfe, mit einem Theil der Schiffsbesatzung landend und einen steilen Felsabhang stür­mend, durch eine Kugel in den Schenkel verwundet und verlor seinen Adjutanten, den Lieutenant zur See Niesemann, durch einen tödtli- chen Schuß.

Während des folgenden Jahrzehends wendete der Prinz seine ganze Aufmerksamkeit der Organisation der preußischenKriegs-Marine zu, deren Bildung er sich zur Lebensaufgabe gestellt hatte, welche unter ihm neu erstand und seinem rastlosen Eifer und seinem aufopfernden Fleiße außerordentlich Vieles verdankt.

Jede Gelegenheir zu Seereisen benutzend, besuchte der Prinz wie­derholt die großen Kriegshäfen Englands, Frankreichs und anderer Länder, unermüdlich die Arsenale, Schiffe und das Personal derselben bis in die kleinsten Einzelheiten besichtigend und deren Konstruktion und Organisation fludirend, um die von den großen Seemächten ge­sammelten Erfahrungen auch für unsere junge Marine zu verwerthen.

Wahrend des KriegeS gegen Dänemark, 1864, war Sr. König­lichen Hoheit der Oberbefehl über die gestimmten preußischen Streit- kräfte zur See übertragen,- an Bord der »Grille«, der kleinen aber schnellen Dampf-Bacht Sr. Majestät, griff er mehrmals die weit überlegenen großen dänischen Schiffe »Skjold«, »Sjaclland« und -Tordenskjold« an.

Bei Beginn des Feldzuges von 1866 eilte er, von einer längeren Krankheit kaum genesen, auf den Kriegsschauplatz in Böhmen, da sich keine Aussichten für Aktionen der Flotte boten, und nahm, stets ein leuchtendes Beispiel von Unerschrockenheit und Kaltblütigkeit gebend, (auch diesmal fiel der als Adjutant zum Prinzen kommandirte Premier-Lieutenant von St. Paul vom 3. Garde.Regiment zu Fuß bei Skalitz in seiner unmittelbaren Umgebung durch einen Gewehr­schuß in den Kopf) an den Schlachten und Gefechten der zweiten Armee Theil. Während des vorjährigen Krieges gegen Frankreich befand sich der Prinz, in gleicher Weise wie die General - Inspecteure der Artillerie und des Ingenieur-CorpS, in der Umgebung Sr. Ma­jestät des Kaisers und Königs und war speziell während der Ehren­tage von Courcelles und Gravelotte auf dem Schlachtfelde gegen­wärtig.

Am Tage des Jubiläums wurde Prinz Adalbert von Sr. Ma­jestät dem Kaiser und sämmtlichen hier anwesenden Mitgliedern der Königlichen Familie, von der Generalität, den Deputationen und

dem General von der Tann Namens des Königlich Bayers- schen Hofes feierlich beglückwünscht. Der Kaiser verehrte dem Jubilar einen goldenen Marinesäbel. Derselbe trägt auf der einen Seite der DamaScenerklinge die Widmungs-Inschrift: Wilhelm I. dem Prinzen Adalbert zum 50jährigen Dienstjubiläum, auf der andern die Namen folgender Schlachten und Gefechte: Tres Forcas, 7. August 1856 — Seegefecht, 14 April 1864 — Seegefecht bei Dornbusch, 24. April 1864 — Rachod, 27. Juni 1866 — Ska- litz, 28 Juni 1866 — Königgrätz, 3. Juli 1866 — Colombcy, 14. Au­gust 1870 — Gravelotte, 18. August 1870 — Belagerung von Paris 1870-71

Schreiben der Kaiserin-Königin an den Vereinstag der deutschen Pflegevereine.

Ihre Majestät die Kaiserin-Königin hat an den deutschen Vereinstag in Nürnberg folgendes Schreiben erlassen:

„Mit warmer Theilnahme und aufrichtiger Freude begrüße Ich den ersten Vcreinstag der gesummten deutschen Pflege­vereine und der ihnen verwandten demschen Frauenvereine, zuversichtlich eine gedeihliche Fortentwickelung jener Vcreins- thätigkeit erwartend, die sich in einer großen und ernsten Zeit glänzend bewährte.

Diese Thätigkeit war nicht nur eine tröstliche Seite des opferreichen Krieges, sie war zugleich ein festes Band, das, alle Stände ünd Bekenntnisse umfassend, die Humanität als orga- nisirte Macht in dieser Weise zum ersten Mal in unser natio­nales Leben einführte. Hier ist ihr eine bleibende Stätte ge­sichert, hier wird sie an die Erfahrungen des Krieges die Aus­gaben des Friedens knüpfen, um jenen Sinn, der Schweres trägt und Großes schasst, fortzupflanzen als Erbtheil der Zu­kunft. Allerdings giebt es Fälle, in denen das Helfen recht eigentlich Bedürfniß des Einzelnen ist, dagegen gewährt das Bewußtsein, vereint auf die Dauer und umfassend helfen zu können, wo geholfen werden muß, stets eine Bürgschaft den Erwartungen gegenüber, welche das Vaterland an uns zu stellen berechtigt ist.

Wäre eine vollständige Uebersicht zu schaffen über die Leistungen der Humanität im vorigen Jahre, so würde sie neben der Spende des Reichen die Gabe des Armen als nicht minder werthvoll verzeichnen, die Sorge für Freund und Feind, die aufopfernde Pflege und Hingebung unter allen Formen und Gestalten, die freigebige Betheiligung der Deutschen in den fernsten Welttheilen uns wieder vergegenwärtigen. Aber die Erinnerung des Erlebten, die sich im rothen Kreuz als Symbol der Humanität verkörpert, sie ist für uns Alle genügend, um den Eifer für die gute Sache warm zu erhalten, und es ist zunächst die Aufgabe dieses Vereinstages, aus der Selbständig­keit der Einzelvereine-die Einheitlichkeit des Gesammtverbandes stützend, praktische Vorschläge zu einer erweiterten und nie rastenden Friedensthätigkeit hervorzurufen.

Solches bezweckt diese Versammlung deutscher Männer und Frauen, in deren Mitte Ich gern erschienen wäre, um mit Ihnen das Nöthige zu berathen. Aber auch abwesend begleite Ich mit Meinen treuen Segenswünschen den wichtigen Vereins­tag in der alten deutschen Reichsstadt.«

Zur Erinnerung an ISS®.

Die preußische Garde bei Le Bourgstt

-am 30. Oktober 1870.

Versailles, 30. Oktober. Seitens der Maas-Armee wird ge­meldet: Am 28. vertrieb cher Feind die in Le Bourget östlich von Saint Denis stehenden diesseitigen Vorposten. Gegen Abend durch Re- kognoszirung der zunächst stehenden Replis konstatirt, daß der Feind den Ort mit sehr starken Kräften besetzt hielt. In Folge dessen griff die 2. Garde-Infanterie-Division am 30. an und warf nach heftigem und glänzendem Gefechte den Gegner aus der von ihm inzwischen befestigten Position. Bis jetzt über 30 Offiziere, 1200 Gefangene in unseren Händen. Diesseitiger Verlust noch nicht festgestellt, aber nicht unbedeutend. v. Podbielöki.

Corpsbefehl des Prinzen August von Württemberg. Soldaten des Garde-Corps!

Der dem Garde-Corps befohlene Angriff auf Le Bourget ist heute Morgen von der 2. Garde-Infanterje-Diviston mit den ihr zugetheil- ten Truppen aller Waffen glorreich' durchgeführt worden.

Ein mit hohen steinernen Mauern umschlossenes, zur Vertheidi­gung eingerichtetes und mit den besten Truppen der Pariser Garnison stark besetztes Dorf ist einem Feinde entrissen worden, der so hart­näckig jedes einzelne Gehöft vertheidigte, daß oft erst der Pionier für den Infanteristen den Weg öffnen wußte.