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zieren: den höchsten Muth im Gefecht, Gehorsam, Ausdauer, Selbst­verleugnung bei Krankheit und Entbehrung.

Mit der Kapitulation von Metz ist nunmehr die letzte der semd- lichen Armeen, welche uns beim Beginn deS Frldzugrs entgegen- traten, vernichtet worden. Diesen Augenblick benutze Ich, um Euch Allen und jedem Einzelnen vom General bis zum Soldaten Steinen Dank und Meine Anerkennung auszusprechen. Ich wünsche Euch Alle auSzuzeichnen und zu ehren, indem Ich heute Meinen Sohn, den Kronvrinzcn von Preußen, und den General der Kavallerie, Prinzen Friedrich Carl von Preußen, die in dieser Zeit Euch wiederholt zum Siege geführt haben, zu General-Feldmarschällen befördere.

Was auch die Zukunft bringen möge, Ich sehe dem ruhig ent­gegen, denn Ich weiß, daß mit solchen Truppen der Sieg nicht fehlen kann, und daß wir unsere bis hierher so ruhmreich geführte Sache auch eben so zu Ende führen werden.

Wilhelm.

Proklamation der Regierungs-Abtheilung in Tours.

Franzosen! Erhebet eure Seelen und eure Entschließungen auf die Höhe der erschrecklichen Gefahren, welche über dar Vaterland her- einbrechen/ es hängt von uns ab, das Unglück zu ermüden und der Welt zu zeigen, waS ein gr»ßcs Volk ist, welches nicht untergeben will und dessen Muth sich selbst inmitten der SchicksatSschläge steigert.

Metz bat kapitulirt!!!

Der General, auf welchen Frankreich, selbst nach der Expedition von Mexiko, rechnete, nimmt dem Vaterlande in Gefahr mehr als hunderttausend Vertheidiger. BazAne hat Verrath geübt, er hat sich zum Werkzeug deS Mannes von Sedan gemacht und zum Mitschul- digen der Eroberer, und mit Verachtung der Ehre der Armee, über welche er die Obhut hatte, hat er, selbst ohne eine letzte Anstrengung zu versuchen, hundertundzwanzigtausend Kämpfer, zwanzigtausend Verwundete, seine Gewehre, seine Kanonen, seine Fahnen und die stärkste Citadelle Frankreichs, Metz, jungfräulich bis auf ihn von aller Befleckung, den Fremden überliefert. Ein solches Verbrechen steht selbst über den Strafen der Gerechtigkeit/ und sitzt, Franzosen, m-ffet die Tiefe des Abgrundes, in welchen euch das Kaiserthum gestürzt hat.---

Es ist Zeit, uns wieder zu erheben und unter der Aegidc der Republik, weiche wir weder im Innern noch im Aeußern kapituliren zu lassen entschlossen sind, aus dem äußersten Maße unseres Unglücks selbst die Wiederverjüngung unserer Moralität, unserer politischen und sozialen Männlichkeit zu schöpfen. Angesichts von Feinden, welche Alles begünstigt, schwören wir, uns niemals zu ergeben/ so lange wir noch einen Zoll des geheiligten Bodens unter unseren Füßen haben, werden wir die glorreiche Fahne der fianzösischen Revolution festhalten.

Unsere Sache ist die der Gerechtigkeit und des Rechts. Europa sieht es/ Europa fühlt eS/ vor so viel unverdienten Unglücks­fällen ist es aus eigenem Antriebe, ohne von uns weder Aufforde- rung noch Zustimmung erhalten zu haben, ergriffen worden und rührt sich.

Lassen wir uns weder entkräften noch entnerven, und beweisen wir durch unsere Handlungen, daß wir durch uns selbst die Ehre, die Unabhängigkeit, die Integriiät, Alles, was das Vaterland frei und stolz macht, festhalten können.

Es lebe Frankreich, es lebe die einige untheilbare Republik!

Die Mitglieder der Regierung.

Ervmieux. Glais-Bizoin. Gambetta.

Graf Benedetti und seine Enthüllungen.

Graf Benedetti, der letzte Botschafter des französischen Kaiserreichs in Berlin, hat jüngst eine Schrift über seine diplo­matische Wirksamkeit in Preußen herausgegeben und in der­selben eine Auswahl der von ihm nach Paris erstatteten Berichte und der von dort erhaltenen Weisungen veröffentlicht. Sein nächster Zweck war dabei, sich selbst von der Mitschuld an dem für sein Vaterland so verhängnisvoll gewordenen Vor­gehen der Kaiserlichen Regierung zu reinigen. Es gehört zu den bezeichnendsten Erscheinungen der neuesten französischen Geschichte, daß an der Katastrophe, die über das Land gekommen ist, kein Staatsmann, kein Feldherr, keine politische Partei irgend cinenAn- theil der Schuld auf sich nehmen will, während doch ein un­befangener Blick aus die Entwickelung der letzten Jahre die Ueberzeugung gewährt, daß die Verschuldung eine allgemeine und gemeinsame für die Regierung, für alle Parteien und alle Politiker gewesen ist. Man darf überzeugt sein, daß falls der Ausgang des frevelhaften Unternehmens ein glücklicher für Frankreich gewesen wäre, die Parteien sowohl wie die Staats­männer, vermuthlich auch Gras Benedetti, ihren Antheil an der Ehre und dem Ruhme des Erfolges eben so eifrig in An­spruch nehmen würden, wie fie jetzt wetteifern, jede Verant­wortung für den Mißerfolg abzulehnen.

Was uns betrifft, so dürfen wir auf eine Abwägung der persönlichen Schuld oder Unschuld des Grafen Benedetti um so bereitwilliger verzichten, als derselbe durch seine jetzige Ver­öffentlichung der deutschen Sache, wenn auch gewiß sehr wider Willen, einen großen Dienst geleistet hat.

Der völkerrechtliche Frevel, durch welchen der jüngste Krieg von Seiten Frankreichs heraufbeschworen worden ist, ist seither noch niemals überzeugender festgestellt worden, als es jetzt durch die Mittheilungen des unmittelbar betheiligten franzö­sischen Diplomaten geschieht, welchem die unwürdige Aufgabe zugefallen war, unseren König im Bade Ems mit den dreisten und herausforderndenZumuthungen zu belästigen, durchweiche von der Kaiserlichen Regierung der vorbedachte Bruch einge- leitet wurde. Wenn noch irgendwo ein Zweifel über Frank­reichs alleinige Schuld an der Herbeiführung des jüngsten Krieges hätte bestehen können, so wird nach Benedetti's Selbst- bekenntniffen über die Weisungen, die er von Paris erhalten, und über die Art, wie er die ihm zugewiesene, wenig ruhm­volle Rolle ausgeführt hat, kein solcher Zweifel mehr möglich sein: diese Mittheilungen kommen thatsächlich einem unum­wundenen Geständnisse der frevelhaften Absichten Frankreichs gleich.

Gras Benedetti hat jedoch seine Veröffentlichungen auf die ganze Zeit seiner Berliner Thätigkeit ausgedehnt und namentlich den Versuch gemacht, sich und die Kaiserliche Politik, die er vertreten hat, von der Anklage zu reinigen, im Lause der letzten Jahre eine Einverleibung Belgiens in Frankreich angestrebt zu haben. Benedetti hat es in solcher Absicht nicht verschmäht, eine willkürliche Auswahl aus seinen Berichten zu treffen, einen Theil der wichtigsten und entscheidendsten Depeschen aber unter leichtfertigen Verwänden wegzulaffen.

Der „Deutsche Reichs-Anzeiger" hat diese Lücke seinerseits durch Veröffentlichung einiger wichtiger Aktenstücke ergänzt und dadurch die wirklichen Bestrebungen Benedetti's und seiner Regierung ins richtige Licht gestellt.

Unser Auswärtiges Amt hatte beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich einige Druckstücke früherer geheimer Verhand­lungen, namentlich französische Vorschläge, welche das König­reich Belgien betrafen, der Oeffentlichkcit übergeben.

Graf Benedetti hat nun in seiner Schrift, unter Be­rufung auf ein Schreiben des Ministers Rouher vom 6. August 1866 behauptet: es gehe daraus hervor, daß Niemand in Paris auch nur daran gedacht habe, Belgien zum Gegenstände der Ansprüche Seitens Frankreichs zu machen.

Dieser Behauptung gegenüber sagt der „Deutsche Reichs- Anzeiger":

Graf Benedetti bat offenbar nicht gewußt, welche Theile der geheimen französischen Archive im Verlaufe des Krieges in die Hände der deutschen Truppen gefallen sind/ sonst würde er in seinen Veröffentlichungen vorsichtiger gewesen sein und namentlich nicht versucht haben, die Ableugnungen, welche die Kaiserliche Regierung im vorigen Jahre den deutschen Mit­theilungen über das bekannte Projekt der Erwerbung Belgiens für Frankreich entgegensetzte, auch jetzt noch aufrecht zu erhalten.

Der Reichs-Anzeiger stellt dann fest, daß es in den betref­fenden Verhandlungen zwei verschiedene Abschnitte gegeben, zuerst die Forderung der Abtretung deutschen Gebietes ein­schließlich Mainz, welche Benedetti am 5. und 7. August 1866 an Graf Bismarck stellte, und dann die Forderung von Belgien. Benedetti suche jetzt diese beiden Abschnitte untereinander zu werfen. Aus seinen Berichten nach Paris aber, welche sich jetzt in den Händen unserer Regierung befin­den, gehe die Scheidung sehr bestimmt hervor. Benedetti schrieb zunächst unter dem 5. August 1866 einen Bericht über die Mainzer Episode, der in seinem ersten Theile lautet wie folgt:

»Herr Minister! Bei meiner Ankunft in Berlin fand ick eine telegraphische Depesche, in der Sie mir von dem Text des geheimen Uebereinkommen« Kenntniß. geben, welches Sie mich der preußischen Regierung zur Annahme vorzulegen heißen. Ew. Excellenz kann ver­sichert sein, daß ich Alles aufbieten werde, um die unverän­derte Annahme der Dispositionen herbeizuführen, möge der Widerstand, demich gewiß bin zu begegnen, auch noch so hartnäckig lein. Ueber,cugt, daß die Kaiserliche Re­gierung sich nur in den Schranken der Billigkeit hält, indem sie sich darauf beschränkt, gegenüber den von Preußen bereits erworbenen GebietSvergrößerungen, jene in ihrer Vorlage ausgezeichneten Garantien zu ver­langen, werde ich mich schwerlich dazu verstehen, Aende-