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^»z. Provm)ial - Corresponden). 25. ottob« isri.

Nettster Jahrgssg.

Metz.

In den nächsten Tagen wird es jährig, daß Metz kapitu- liren mußte. Am 25.Oktober wurde der alte General Chan- garnier von dem Prinzen Friedrich Carl im Schlosse Frcscaty empfangen, um die Kapitulationsverhandlungen anzuknüpfen/ am 27. Oktober wurde daselbst die Uebereinkunft abgeschlossen, nach welcher die Armee des Marschall Bazaine kriegsgesangen, die Festung und die Stadt Metz mit allen Forts und allem Kriegsmaterial übergeben wurde/ am 29. Oktober rückten unsere Truppen in Metz ein.

Wenn bei der Kunde von Straßburgs Uebergabe das eigentliche Siegesgefühl im deutschen Volke vor der Freude über die Wiedergewinnung der alten deutschen Stadt zurücktrat, so wurde die Kapitulation von Metz dagegen als einer der grössten militärischen Erfolge nicht blos für den Verlauf des jüngsten Krieges selbst, sondern zugleich in seiner großen politischen und militärischen Bedeutung für alle Zukunft erkannt und gefeiert.

Die Bezwingung von Metz, obwohl sie nicht durch eine eigentliche Belagerung, nicht durch blutigen Sturm erfolgte, wird doch in der Kriegsgeschichte aller Zeiten als einer der groß­artigsten Erfolge kriegerischer Kraf und Tüchtigkeit anerkannt und bewundert werden: es giebt kein Beispiel in der Geschichte, daß eine Armee von mehr als 170,000 Mann in einem befestigten Lager mit wett vorgeschobenen, ein großes Gebiet umfassenden Forts von einer nur um Weniges stärkeren Armee zehn Wochen lang mit eisernem Arm so sicher umschlossen und festge- bannt werden konnte, daß kein Versuch, den eisernen Ring auf irgend einer Seite durch überraschende Ausfälle mit gesam­melter Macht zu durcdbrcchen, gelingen wollte.

Die Franzosen selbst haben die große Bedeutung dieser militärischen That nach ihrer Weise zugestanden und gewür­digt. Da sie nicht fähig oder nicht Willens sind, die kriege­rischen Tugenden und Vorzüge der deutschen Heere, die unver­gleichliche Wachsamkeit, Standhaftigkeit und Tapferkeit unserer „Wacht vor Metz" anzuerkennen, so haben sie ihre eigenen Feldherren, die sie kurz zuvor als.die sichersten Stützen ihrer Hoffnungen priesen, nach dem Falle von Metz schmählichen Verraths am Vaterlande beschuldigt.

In Deutschland aber hatte man durch die Kämpfe um Metz den gewaltigen militärischen Werth der bis dahin unbe- zwinglichen Festung und ihrer weit ausgedehnten festen Werke schätzen gelernt, — und wenn schon früher auf die Gewinnung von Metz vom militärisch-politischen Stand­punkte ein bedeutendes Gewicht gelegt worden war, so galt es nach den Opfern und Mühen, mit denen wir Metz errungen hatten, als einer der wohlverdienten Siegespreise, als eines der höchsten zugleich und unabweislichen Ziele unserer Politik, dieses mächtige Bollwerk fortan für die Sicherung Deutschlands und damit als eine Bürgschaft künftigen Friedens dauernd zu erringen.

Die blutigsten und schmerzlichsten Opfer, welche der jüngste Krieg uns in seinem ganzen Verlaufe abgefordert hat, waren um Metz gefallen, in jenen schweren Tagen von Courcelles, Mars-la-Tour und Gravelotte, die neben ihrer glorreichen Be­deutung für unser Volk im Gedächtnisse Tausender von Fami- lien als Tage tiefster Trauer und Wehmuth verzeichnet sind.

Durch jene blutigen und opferreichen Sicgestage vor Allem ist dem deutschen Volke inmitten der patriotischen Freude doch der gewaltige, bittere Ernst des Krieges recht nahe getreten, und schon damals ging durch den stummen Schmerz der zuversicht­liche Trost und das Gelübde, daß „dieser heilige Kampf nicht wieder, wi von unsern Vätern, vergebens gekämpft werden solle, gegen ein Volk voll Herrschsucht und Uebermuth, das Deutsch­land seine schönsten Gebiete geraubt, es Jahrhunderte lang an- maßlich bedroht und gefährdet und zu erniedrigen versucht hat".

Als nun die dreimal geschlagene französische Armee in ihrer ganzen noch vorhandenen Stärke von beinahe zweimal hunderttausend Mann Schutz und Aufnahme in dem weiten Kreise des befestigten Lagers von Metz fand, als unsere braven Truppen unter den schwierigsten Verhältnissen bei ungünstigster Witterung vor Metz die größten Mühsale und Entbehrungen Monate lang zu ertragen hatten, da konnte vollends kein

Zweifel mehr sein, daß Metz nach seinem endlichen Fall nicht wieder an Frankreich überlassen werden durfte, sondern zur dauernden deutschen „Wacht an der Mosel" in unseren Händen verbleiben wußte.

Fürst Bismarck, welcher auch in dieser Beziehung den Gedanken und Wünschen des deutschen Volkes alsbald den treffendsten und bestimmtesten Ausdruck verlieh, erklärte bereits im September v. I., Deutschland könne seine Forderungen für den Frieden lediglich darauf richten, für Frankreich den näch­sten Angriff auf die deutsche und namentlich die bisher schutz­lose süddeutsche Grenze dadurch zu erschweren, daß wir diese Grenze und damit den Ausgangspunkt französischer Angriffe weiter zurückzulegen und die Festungen, mit denen Frankreich uns bedroht, als defensive Bollwerke in die Gewalt Deutsch­lands zu bringen suchen.

„So lange Frankreich im Besitz von Straßburg und Metz bleibt (erklärte der Bundeskanzler bald darauf) ist seine Offen­sive strategisch stärker als unsere Defensive bezüglich des gan­zen Südens und des linksrheinischen Nordens von Deutschland. Straßburg ist, im Besitze Frankreichs, eine stets offene Aus­fallpforte gegen Süddeutschland. In deutschem Besitze gewinnen Straßburg und Metz dagegen einen defen­siven Charakter/ wir find in mehr als zwanzig Kriegen niemals die Angreifer gegen Frankreich gewesen, und wir haben von letzterem nichts zu begehren, als unsere von ihm so oft gefährdete Sicherheit im eigenen Lande. Indem wir Frankreich, von welchem allein jede bisherige Beunruhigung Europas aus- gegangen ist, das Ergreifen der Offensive erschweren, han- dein wir zugleich im europäischen Interesse, welches das des Friedens ist."

Die damaligen Erklärungen und Ankündigungen des deut­schen Kanzlers find die unerschütterliche Grundlage der deut­schen Forderungen geblieben, und mußten es insbesondere auch in Bezug auf Metz bleiben. Wenn bei Straßburgs Ver­einigung mit Deutschland neben dem militärischen Gesichts­punkte auch die nationalen Gefühle und Wünsche des deutschen Volkes in den Vordergrund traten, so blieben in Bezug aus Metz die militärisch politischen Gründe von der entscheidendsten Bedeutung.

Wäre Metz in französischer Hand geblieben, so hätte die Versuchung für Frankreich, ein neues Kriegsabenteuer gegen Deutschland zu unternehmen, vielleicht in baldiger Zukunft weit näher gelegen. Eine bloße Schleifung der Festung, die von manchen Seiten als Auskunftsmittel vorgeschlagen wurde, hätte darin wenig geändert, weil die örtliche Gestaltung von Metz und seiner nächst«! Umgebung der Art ist, „daß die Kunst, um es zu einer starken Festung zu machen, nur sehr wenig zu thun braucht, und dasjenige, was sie etwa daran gethan hat, wenn es zerstört würde, wohl sehr rasch wieder herzustellen wäre."

In deutscher Hand aber wird die bis dahinniebe- zwungene, jungfräuliche Riesenfestung die höchste aller Friedensbürgschaften fein, die wir durch den glorreichen Krieg und den glänzenden Friedens­schluß errungen haben!

Zur Erinnerung an das Jahr 5850.

Armeebefehl des KönigS.

Hauptquartier Versailles, 28. Oktober 1870. Soldaten der verbündeten deutschen Armeen!

AlS wir vor drei Monaten inS Feld rückten, gegen einen Feind, der uns zum Kampf herausgefordert hatte, sprach Ich Euch die Zu­versicht aus, daß Gott mit unserer gerechten Sache sein würde. Diese Zuversicht hat sich erfüllt. Seit dem Tage von Weißenburg, wo Ihr zum ersten Male dem Feinde entgegentratet, bis heute, wo Ich die Meldung der Kapitulation von M-tz erhalte, sind zahlreiche Namen von Schlachten und Gefechten in die Kriegrgeschtchte eingetragen worden. Ich erinnere an die Tage von Wörth und Saarbrücken, an die blutigen Schlachten um Metz, an die Kämpfe bei Sedan, Beau- mont, bei Straßburg und Paris k.; jeder ist für uns ein Sieg ge­wesen. Wir dürfen mit dem stolzen Bewußtsein auf diese Zeit zurück­blicken, daß noch nie ein ruhmreicherer Krieg geführt worden ist, und Ich spreche es Euch gern aus, daß Ihr Eures Ruhmes würdig seid. Ihr habt alle die Tugenden bewährt, die den Soldaten besonders