440
1973494 je 2000 Fr. Nr. 1171100, 788154, 1475223,429698,519401,834094, 1559826, 476618, 1377685, 1817545, 843890, 826264 je 1250 Fr. Nr. 408424, 123605, 1657072, 639774, 1540699, 639772,289178,596808,1679380,1842108, 519405, 1872570, 827010, 1917201, 1540698, 1475224,289179, 633092,69886, 476616, 269804, 834091, 1322100,
605592, 269082, 605595, 64185, 843888 je 1000 Fr.
Frankfurter Viehmarkt.
Frankfurt, 9. Okt. Der heutige Viehmarkt war im-Ganzen gut befahren. Angetrieben waren: 320 Ochsen, 210 Kühe und Rinder, 160 Kälber Und 5—600 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. fl. 38, 2. Qual. ff. 34-35, Kühe 1. Qual. fl. 32—33, 2. QM. fl. 30, Kälber fl. 36, Hämmel fl. 30.
Frankfurter Sörse.
10. Oktober 1871.
Bank- S Credit-Actien. 1
Darmst. Credit 411 bz.
Oesterr. Creditanst. 282% bz. )
Oesterr. fl. 250 v. 1838 — G.
„ „ 250 „ 1854 77 P.
„ ,. 500 „ 1860 84% bz.
„ „ 100 „ 1864 136 G.
Oest. Credttanst.v.1853 182 G.
Madrider Fr.100 3°/, 22 bz.
Eisenbahn-Actien !
Alföld-Fiume 5% 178% bz.
Böhmische Westb. 5% 248% P.
Hessische Ludwigb. 4% 162*/, P.
Oberhessische 3% % 78 P.
Oest. Sdb. (Lmb!) 5«/, 194% bz.
Taunusbahn — 391 G.
Ungar. Ostbahn 5% —
Bundesanleihe 5% 100 ’/, bz.
Preußen 5e/0 Oblig. 102% G. Nassau 4% Oblig. 91% bz. Kurheffen 4% Oblig. 92 P. Bayerische 5% Oblig. 100% bz. Bayern 4%% tjähr. 100% bz.
„ 4%% -/-jähr. 108% bz.
„ 4% tjähr. 93% bz.
Württemb. Anleihe 5% 102% bz. mttemb.4%%OWt?. 98% bz.
„ 4% Oblig. 93% bz.
Badische Anleihe 5% 102% G. Baden 4%% Oblig. 90% bz.
„ 4% Oblig. 94% G. Großh.Hess.Änlethe5«/, 103% P. Gr. Hessen 4% Oblig. 96% G. Oesterr. Silberrente 57’/« bz.
„ Papierrente 48% bz. Amertk. Bonds 1881r 99% bz.
„ „ 1882t 95% bz.
„ „ 1885r 96 bz.
Wechsel.
Amsterdam k. S. 98% bz.
Augsburg k. S. 99% G.
Berlin k. S. 105 bz.
Bremen k. S. 96 bz.
Cöln k. S. 105 bz.
Hamburg k. S. 87 bz.
London k. S. 118% bz.
Paris k. S. 91% P.
Wien k. S. 98% bz.
ditto l. S. —
Disconto 4% —.
Prioritäten.
5% Elisabethb. 79% bz.
3% Livorneser E.-B. 34% bz.
6% Oesterr. Südb. 76% bz.
3% Oesterr. Staatsb. 58 bz.
5% Toskan. Centralb. 54% G.
Anlehensloose.
3'/,«/,Preuß.ü100Thlr. — P.
Kurheff. ü 40 Thlr. 67 G.
Nass. a 25 fl. 40% bz.
4°/«Bayer.ä100Thlr. 113 bz.
4% Bad. ä 100 „ 111 bz.
Badische ä 35 fl. 68% G.
Großh. Hess, ä 50 fl. 174 P.
„ „ ä 25 fl. 49 G.
Geldsorten.
Pr.Kaffenscheine fl. — , Friedrtchsd'or,, 9.58—59
Pistolen „ 9.40-42
Holl.fl.10-Stücke„ 9.52-54
Ducaten „ 5.34—36
Napoleonsd'or „ 9.18—19
Dollars in Gold „ 2.24—25
Vermischtes
Erinnerungen eines deutschen Soldaten von 1870
Es war an einem der regnerischen Octobertage des denkwürdigen Jahres 1870-, wo ein Eisenbahnzug — ein ziemlich starker Krankentransport — von Frankreich kommend, der deutschen, heimathlichen Grenze zueilte.
Wer je einen Krieg mitgemacht oder sich vielleicht nur längere Zeit auf der Wanderschaft in fremden Landen befunden, der wird gewiß auch, so wie wir damals ein eigenthümlich Herzklopfen, ein Ziehen und Drängen nach der geliebten Hcimath empfunden haben, und je näher man derselben kommt, um so stärker tritt dieses Gefühl auf, für das es eigentlich keine Worte gibt.
Lange waren wir so gefahren und wußten nicht recht eigentlich, wo wir uns befanden, denn die Fensterscheiben der Bahnwaggons waren so stark verregnet, daß sie jeden Ausblick in die herbstliche Landschaft um uns her versagten. Dennoch aber merkten wir wohl, daß die Grenze längst überschritten sein mußte, und als die Schaffner nun gar ihre Stimme vernehmen ließen: „Mainz! — Aussteigen nach Wiesbaden!" — da konnte man gewahren, wie sich die Freude auf den vom Schmerz und von all den Strapazen des Feldlebens abgezehrten Gesichtern so recht deutlich ausprägte. Da, war der alte Vater Rhein, zu dem Alles hingeeilt vor einigen Monaten, um für ihn treue Wacht zu halten. Sie Habens gethan, die Söhne ' Deutschlands; aber als wahre Jammergestalten mußte er sie jetzt Wiedersehen, die in voller Blüthe hinausgezcgen, um die deutsche Sache zu verfechten. Und ach! Wie viele sind gar nicht wiedergekehrt, wie viele der treuen Söhne konnten den alten deutschen Strom nicht wieder begrüßen. — Tausende und Abertausende sind draußen geblieben, die ihre Treue zum Vaterlande mit dem Tode besiegelten.
In Mainz folg man nun an die Kranken zu vertheilen; ein Transport fuhr nach Wiesbaden, und die Andern noch weiter hinein, nach Frankfurt zu, in welch' letzterer Stadt eine ziemliche Anzahl Kranker verblieb. Wir, als die Letzten, fanden hier noch kein Unterkommen; es ging noch weiter,
„Station Hanau! — Alles aussteigen!" erscholl der Ruf des Schaffners. Jeder griff freudig nach seiner Decke und den übrigen Sachen und kletterte so schnell es eben sein siecher Körper erlaubte, hinaus. — Traurig sah es aus, wie die jungen sonst so kräftigen Gestalten greisenhaft gebückt in Reih' und Glied standen und mit zitternder Hand das Quartierbillet in Empfang nahmen. Alle, wie sie hier waren, konnte man nicht in einem Lazarath unterbringen, und so kamen einige in die Kaserne, andere auf's Schloß, noch andere außerhalb der Stadt. Ehe wir jedoch dahin aufbrachen, hatte ich noch ein kleines Erlebniß auf dem Bahnhöfe. Dort stand eine hübsche junge Frau, und mit verweinten Augen musterte sie jeden der angekommenen Kranken, die aber wohl von ihrem eigenen Elend so hingerissen waren, daß sie sich wenig um Sachen kümmerten, die um sie vorgingen.
Die Frau schien Jemanden zu suchen, trauriger als sie gegan
gen, sah ich sie zurückkommen; sie mußte den nicht gefunden haben, den sie gesucht. Ich vergaß fast über den Jammer der Frau mein eigenes Leiden. Theilnehmend fragte ich, warum sie weine. „Ach Gott!" seufzte sie unter Schluchzen; „ich erwarte von Tag zu Tag meinen Mann." Sie erzählte, daß er bei Sedan verwundet, das Lazareth, in dem er liegt, ihr jedoch unbekannt sei, und daß er der 11. Compagnie des 31. Infanterie-Regiments angehört hatte. Der Etappenkommandeur, an den sie sich bittend gewandt hatte, daß er ihr sagen möchte, ob noch ein Zug mit Verwundeten käme, hatte ihr barsch geantwortet. Und darum weinte sie jetzt? — Wer will denn einem alten Soldaten das barsche Wort übel deuten? Im Her
zen ist er doch immer gut.
Wir brachen auf, um in die Quartiere zu gehen, und da konnten wir so recht die echte deutsche Treue sehen, die uns die Einwohner des Städtchens entgegen brachten. Freundlich bot man den Hinkenden den Arm, und die Jungen trugen bereitwilligst Tornister, Helm und Gewehr, daß ihnen der Schweiß von der Stirne rann. Auch das bloße Wort wirkte wohlthuend auf unsere Herzen, wenn wir so hörten, wie hie und da ein paar junge Mädchen den Ausruf laut werden ließen: „Ach Gott, die armen Menschen!"
Nicht nur leere Worte hatten sie, wie ich später gesehen, nein, sie hatten auch liebevolle Herzen und die reichen Spenden, die sie uns im Lazareth darbrachten, die gute Pflege, die sie uns widmeten, läßt mich ihnen heut noch danken.
Die vorerwähnte Frau war auch mit uns gegangen, und jetzt standen wir vor der zum Lazareth umgewandelten Kaserne. Zum Abschiede reichte ich ihr die Hand und erhielt darauf von ihr die Einladung, sie baldmöglichst zu besuchen, was ich ihr dankend zu- sagte. Später, als es mein Gesundheitszustand erlaubte, habe ich mein Wort treulich eingelöst, und manche Tasse Kaffee hatte mir bei der guten Frau an kalten Winternachmittagen vortrefflich gemundet. Während dieser Zeit traf ich Anstalten, ihren Mann ausfindig zu machen, aber leider, beim Central-Comitee in Berlin war wenig, fast gar nichts zu erfahren. Und so hat sich die arme Frau trösten müssen in dem Gedanken, daß ihr Mann auf dem Felde der Ehre verblutete. Es ist dies freilich nicht der schönste Trost, aber ergeht es nicht taufenden von Frauen so? — doch die Zeit, die jede Wunde heilt, wird auch die Zähren all derer stillen, die den Verlust eines theuren Familiengliedes zu beklagen haben; um so mehr, da sie sich sagen müssen: „Auch er war ein Kämpfer für die gerechte, deutsche Sache, fürs theure Vaterland!"
Drum schlummert sanft, ihr wackern Streiter und Kameraden, die ihr das theure Vaterland nicht wieder sehen konntet, und möge das erneute einige Deutschland, dessen Einigkeit ihr ja alle mit errungen, nie wortbrüchig gegen Euch werden. Das walte Gott!
Der Frau aber, die so wahrhaft mütterlich an mir gehandelt, sage ich nochmals meinen wärmsten Dank.
Oscar Oehring.
Wien, den 1. Oktober 1871.
Gedruckt und verlegt in der BuLdruckeret des vereinigten evangel. WaisevL-nses.