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könnten, und daß die Ehre Frankreichs nicht von anderer Beschaffen­heit sei, als diejenige aller anderen Länder.

Eine praktischere Wendung nahmen unsere Besprechungen erst in Fenisres, wo sie sich mit der Frage des Waffenstillstandes beschäftig­ten —

Das Programm, welches Herr Favre als Ergebniß unserer Unter­redungen nach Paris brächte, und welches dort verworfen worden ist, enthielt demnach über künftige Friedensbedingungen gar nichts, wohl aber die Bewilligung eines Waffenstillstandes von 14 Tagen bis drei Wochen zum Behuf der Wahl einer Nationalversammlung unter folgenden Bedingungen:

1) In und vor Paris Aufrechthaltung des militärischen status quo. 2) In und vor Metz Fortdauer der Feindseligkeiten innerhalb eines näher zu bestimmenden, um Metz gelegenen Umkreises.

3) Uebergabe von Straßburg mit Kriegsgefangenschaft der Be­satzung,' von Toul und Bitsch, mit freiem Abzug derselben.

SB. September. Proklamirung der Pariser Regie­rung

»Man Hot das Gerücht verbreitet, daß die Regierung der natio- nalen Vertheidigung daran denke, die Politik aufzugeben, in Folge deren sie auf den Posten der Ehre und der Gefahr gestellt wurde. Diese Politik ist die, welche sich in folgenden Ausdrücken formulirt: Weder einen Zoll unseres Territoriums, noch einen Stein unserer Festungen. Die Regierung wird sie bis zum Ende aufrecht erhalten.«

84. September. Proklamation der Regierung in Tours.

An Frankreich! Vor der Cernirung von Paris hat Herr Jules Favre den Grafen Bismarck besuchen wollen, um die Absichten des Feindes kennen zu lernen. Folgendes ist die Erklärung deS Feindes:

Preußen will den Krieg fortsetzen und Frankreich auf den Stand einer Macht zweiten Ranges herabsetzen. Preußen will den Elsaß und Lothringen bis Metz kraft Eroberungs- recht. Für die Gewährung eines Waffenstillstandes wagt Preußen die Uebergabe von Straßburg, von Toul und vom Mont Valerien zu fordern. Das erbitterte Paris würde sich eher unter seinen Trüm­mern begraben. Auf so unverschämte Ansprüche antwortet man nur durch den Kampf bis aufs Aeußerste. Frankreich nimmt diesen Kampf auf und rechnet auf alle seine Kinder. —

83. September. Kapitulation von Toul.

Telegramm aus Ecrouves, 23. September, Nachmittags. Toul genommen. von Krenski.

89. September. Kapitulation von Straßburg. Telegramm des General von Werder an Ihre Majestät die Königin.

Mundolsheim, den 28. September.

Soeben, Nachts 2 Uhr, Kapitulation Strahburgs durch Oberst- Lieutenant von LesczynAi abgeschlossen.

451 Offiziere, 17,000 Mann inkl. Nationalgarden strecken die Waffen.

Um 8 Uhr werden Straßburgs Thore besetzt.

30. September. Telegramm von Mundolsheim. Heute Ein­zug in Straßburg und sodann feierlicher Gottesdienst in der Thomas­kirche. I- A.: v. Lesczynski.

Kaiser Wilhelms-Stiftung für Deutsche Jsvalideu.

Unser Kronprinz hat an den Verwaltungs-Ausschuß der Kaiser Wilhelms-Stiftung für Deutsche Invaliden das fol­gende Handschreiben erlassen:

Durchdrungen von dem Gefühle, daß es eine heilige Pflicht unseres Volkes, ungesäumt sich Derer anzunehmen, welche in dem Kampfe für das Vaterland ihr Alles freudig eingesetzt, ist von Mir durch den Aufruf aus Rheims, den 6. September 1870, und auch von anderer Seite die Mah­nung ergangen, daß die ganze Nation in freier Thätigkeit zur Begründung einer Stiftung sich vereinigen möge, um den heimkehrenden Invaliden und den Hinterbliebenen der Gefallenen ihre Hingebung zu lohnen, ihre Leiden und Entbehrungen zu mildern. Wie sehr unsere Fürsorge während der Dauer des Krieges vor Allen unsern unter den Waffen stehenden Soldaten und deren Angehörigen in der Heimath gewidmet war, so hat es der Invalidenstiftung dennoch an hochherzigen Gaben aus allen deutschen Gauen und von unseren in fremden Ländern und fremden Zonen weilenden Brüdern nicht gefehlt. Aber überaus zahlreich sind die Opfer des gewaltigen Krieges, dem Deutschland seine Wiedergeburt schuldet, und groß, wie unsere Erfolge, muß auch der Dank unseres Volkes sein.

Der Hülfe des Staates, so reich sie bemessen/ sind natur­gemäß Schranken gesetzt, über welche hinaus manches Bedürf­niß zu befriedigen, mancher billige Anspruch zu berücksichtigen bleibt. An der Nation ist es, in freier Liebesthätigkeit zu ge­währen, was das Loos unserer Invaliden und das herbe

Schicksal der Hinterbliebenen unserer gefallenen Krieger erleich­tern kann. Der zu allem Großen bereite herrliche Sinn unseres Volkes, der sich vor Jahresfrist einmüthig erhob und während des ganzen langen und furchtbaren Kampfes in herzerhebender Weise bewährte, wird sich — des bin Ich sicher — auch bei diesem Liebeswerke nicht verleugnen.

Nachdem nun die für alle Theile des Deutschen Reichs be­stimmte, unter dem Protektorate Sr. Majestät des Kaisers stehende Kaiser Wilhelms-Stiftung fest begründet ist, richte Ich an den Verwaltungs-Ausschuß derselben die dringende Auf­forderung, unvcrweiit seine Thätigkeit zu beginnen und Schritte zu thun, um die Theilnahme der durch den Krieg geeinten Nation für die Opfer desselben in Anspruch zu nehmen.

Neues Palais, den 1. September 1871.

gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

Der Verwaltungs-AuSschuß knüpft an dieses Schreiben des Kron­prinzen die Aufforderung an die Vereine in den Provinzen, sich un- verweilt auf Grund der Statuten der Kaiser Wilhelms-Stiftung ein- zurichten, und fügt hinzu:

»Alle Deutschen Patrioten aber fordern wir auf, mit Rath und That in ernster Arbeit und durch Spenden zu dem Werke zu helfen, welches gemeinsam zu fördern wir Alle durch den im Geiste unseres erhabenen Schirmherrn erlassenen Ruf, durch Deutsche Ehre und Deutsche Gesinnung gemahnt sind.«

Unser Kaiser weilt mit der Kaiserin noch in Baden- Baden und wird den bevorstehenden Geburtstag seiner hohen Gemahlin (30. September) mit dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, dem Großherzog und der Großherzogin von Baden dort begehen.

Unser Kronprinz hat auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel vielfache Beweise der Verehrung und Huldigung der dortigen Bevölkerung entgegengenommen. Am 22. ds. Mts. wohnte derselbe mit der Kronprinzessin dem Einzüge der aus Frankreich heimkehrenden hessischen (22.) Division unter allsei­tiger freudiger Begeisterung bei und benutzte auch diesen An­laß, um der neu bewährten Tapferkeit der hessischen Truppen herzliche Worte der Anerkennung zu widmen.

D«r Reichskanzler Fürst BismareZ hat sich für kurze Zeit auf seine Besitzungen in Lauenburg begeben.

Räumung der Pariser Forts. Am 20. d. M. find die Pariser Forts auf der rechten Seite der Seine von den deutschen an die französischen Truppen übergeben worden. Die Räumung der Pariser Befestigungswerke von Seiten der Deutschen, welche in Ge- mäßheit des Frankfurter Friedens nach erfolgter Zahlung der dritten halben Milliarde der Kriegskontributisn stattzufindcn hatte, ist hier­mit vollständig vollzogen.

(Deutscher Deeeinstag der Vereine zur Pflege ver­wundeter Krieger.) Das Central-Kemite der Preußischen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter oder erkrankter Krieger hat die Mitglieder aller verbundenen Deutschen Landes-, Provinzial- und Zweig-Vereine und der Deutschen Frauen-Vereine zu einem am 23., 24. und 25. Oktober in Nürnberg abzuhaltenden Deutschen Vereins­tage ungeladen.

In dem betreffenden Rundschreiben sagt das Konnte:

»Innig dankbar für Dasjenige, was den Vereinen durch Gottes Segen während des letzten Krieges zu thun vergönnt gewesen, ist eS uns ein dringende- Anliegen, daß die in diesem Kriege gemachten Erfahrungen für die Zukunft sorgfältig benutzt werden, und daß durch eine wohlgeordnete Friedensthätigkrit die Bereitschaft aller oben gedachten Vereine für jeden künftigen, wiü's Gott fernen Krieg sicher erhalten, ja erhöht wird.

In diesem Sinne find die Gegenstände der Verhandlung gewählt worden. Es sind die beiden folgenden: 1) Austausch der Erfahrungen über die Leistungen der Deutschen Vereine zur Pflege im Felde ver­wundeter und ertränkter Krieger während des letzten Krieges auf dem Kriegsschauplätze und im Inlande, namentlich in Bezug auf die Pfle- gerin«en und das männliche Hülfspersonal, die Sanitätszü»e, rie Bereinslazarethe und die Vereinsdevots. 2) Erwägung der Mittel zur Sicherung einer fortdauernden und gedeihlichen Friedensthättgkeit der Deutschen Vereine und ihrer Bereitschaft für einen künftigen Krieg mit besonderer Beziehung auf die im letzten Kriege gemachten Erfah­rungen.«

Die rege und warme Theilnahme, welche die Wirksamkeit der genannten Vereine fort und fort gefunden hat, läßt erwarten, daß der bevorstehende Deutsche Vercinstag, zu welchem ausdrücklich nicht blos Abgesandte der Vereine, sondern die einzelnen Mitglieder als solche eingeladen find, unter lebhafter Betheiligung aus allen Theilen Deutsche lands stattfinden werde.

Verantwortlich: E. Liedtle in Berlim

Berlin/ Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei. (R. v. Decker).