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Erinnerungen aus dem Vorjahre.

1*. August 1SVO. DaS Gefecht bei Courcelles. Depeschen des Königs an die Königin.

Herny, Sonntag, 14. August. Siegreiches Gefecht bei Metz durch Truppen des IV. und 1. Armee-Corps. Details fehlen noch.

Ich begebe Mich sogleich auf das Schlachtfeld.

Wilhelm.

Herny, 15. August, 7 Uhr 30 Minuten Abends. Um 3 Uhr vom Schlachtfelde von Metz zurück.

Die Avantgarde des VII. Corps griff gestern Abend gegen 5 Uhr den abziehenden Feind an,' dieser stellte sich und verstärkte stch tu­schend S aus der Festung. — Die 13. Division und Theile der 14. unterstützten die Avantgarde, desgleichen Theile des I. Armee - Corps. — Ein sehr blutiges Gefecht entspann sich auf der ganzen Linie, der Feind ward auf allen Punkten geworfen und die Verfolgung ging bis vor das Glacis der Außenwerke.

Die Nähe der Festung gestattete dem Feinde vielfach seine Dlesflrten zu sichern.

Nachdem unsere Blessirten geborgen waren, zogen die Tmppen in ihre alten Bivouaks mit Tagesanbruch. — Die Truppen sollen sich alle mit unglaublicher und bewunderungswürdiger Energie und mit Lust geschlagen haben. — Ich habe Viele gesehen und ihnen von Herzen gedankt. — Der Jubel war ergreifend. — Ich sprach mit Ge­neral Steinmetz, Zastrow, Manteuffel, Goeben.

1O. August. Schlacht bei Vionville (Mars-la-Tour). Amtliche Depeschen.

Pont-L-Mousson, Mittwoch, 17. August, Abends 7 Uhr 10 Min. General Lieutenant v. Alvensleben mit dem III. Armee- Corps am 16. westlich von Metz auf die Rückzugsstraße des Feindes nach Verdun vorgerückt. Blutiger Kampf gegen Divisionen von Decaen, l'Admirauld, Frossard, Canrobert und die Kaiserliche Garde. Dom X. Corps (durch) Abtheilungen des VIII. und IX. Corps unter Oberbefehl des Prinzen Friedrich Carl successive unterstützt, wurde der Feind trotz bedeutender Ueberlegenheit nach zwölfstündigem heißen Ringen auf Metz zurückgeworfen. Verluste aller Waffen auf beiden Seiten sehr bedeutend, diesseits General v. Doering und v. Wedell gefallen, v. Rauch, v. Grüter verwundet. Se. Majestät der König begrüßte heute die Truppen auf dem siegreich behaupteten Schlachtfelde.

Pont-L-Mousson, 17. August. Bazaine, im Begriff von Metz nach Verdun zurückzugehen, wurde am 16. d. früh 9 Uhr von der 5. Brandenburgischen Division, die schon die Schlacht bei Saar­brücken geschlagen, angegriffen und festgehalten. Unsere Truppen ent­wickelten in diesem Kampfe, in dem sie vier französische Armee-Corps, darunter die Garden, sich gegenüber hatten, die sich tapfer schlugen und auch gut geführt waren, heldenmüthige Bravour und erhielten erst nach sechsstündigem Gefecht Unterstützung durch das inzwischen herangekommene X. Armec-CorpS. Verluste beiderseits sehr beträcht­lich, unser Erfolg aber vollständig,' die Franzosen, an ihrer Rückzugs- bewegung verhindert und nach Metz zurückgeworfen, verloren im Ganzen 2000 Gefangene, 2 Adler und 7 Geschütze.

18. August. Schlacht bei Gravelotte.

Depesche des Königs an die Königin.

Bivouac bei Rezonville, den 18.August, 9Uhr Abends. Die französische Armee in sehr starker Stellung westlich von Metz heute unter Meiner Führung angegriffen, in neunstündiger Schlacht voll­ständig geschlagen, von Paris mit ihren Verbindungen abgeschnitten und gegen Metz zurückgeworfen. Wilhelm.

Brief des KönigS an die Königin vom Schlachtfelde. Rezonville, den 19. August 1870.

Das war ein neuer Siegesrag gestern, dessen Folgen noch nicht zu ermessen sind.

Gestern früh gingen das XII., Garde- und IX. Corps gegen die nördliche Straße Metz-Verdun bis St. Marcel und Doncourt vor, gefolgt vom III. und X Corps, während daS VIL und VIH, sodann auch daS II. bei Rezonville gegen Metz stehen blieben.

Ais jene Corps rechts schwenkten, in sehr waldigem Terrain, gegen Verncville und St. Privat, begannen diese Corps den Angriff gegen Gravelotte, nicht heftig, um die große Umgehung gegen die starke Position Amanvillers-Ehatel bis zur Metzer Chaussee abzu- warten. Diese weite Umgehung trat erst um 4 Uhr in8 Gefecht mit dem Pivot-Corps, dem IX., um 12 Uhr. Der Feind setzte in Wäldern heftigen Widerstand entgegen, so daß nur langsam Terrain genommen wurde. St. Privat wurde vom Garde-CorpS, Verkeville vom IX, Corps genommen, das XII. Corps und Artillerie deS III. griffen nun ins Gefecht ein.

Gravelotte wurde von Truppen des VH. und VIII. Corps und die Wälder zu beiden Seiten genommen und behauptet, mit großen Verlusten.

Um die durch die Umgebung zurückgedrängten feindlichen Truppen nochmals anzugreifen, wurde ein Vorstoß über Gravelotte bei ein- brechender Dunkelheit unternommen, der auf ein so enormes Feuer hinter den Schützengräben, en 6 tage und Geschützfeuer stieß, daß das eben eintreffende n. Corps den Feind mit dem Bajonnet angreifen mußte und die feste Position vollständig ncchm und behauptete.

Es war 8; Uhr, als das Feuer auf allen Punkten nach und nach schwieg. Bei jenem letzten Vorstoß fehlten die historischen Granaten von Königgrätz für Mich nicht, aus denen Mich dieses Mal Minister v. Roon entfernte. Alle Truppen, die Ich sah, begrüßten Mich mit enthusiastischen HurrahS. Sie thaten Wunder der Tapferkeit gegen einen gleich braven Feind, der jeden Schritt vertheidigte und oft Offenstvstöße unternahm, die jedes Mal zurückgeschlagen wurden.

Was nun daS Schicksal deS Feindes sein wird,' der in dem ver­schanzten, sehr festen Lager der Festung Metz zusammengedrängt steht, ist noch nicht zu berechnen.

Ich scheue Mich, nach den Verlusten zu fragen und Namen zu nennen, da nur zu viele Bekannte genannt werden, oft unverbürgt. Dein Regiment soll sich brillant geschlagen haben, Waldersee ist ver­wundet, ernst, aber nicht tödklich, wie man sagt. Ich wollte hier bivouakiren, fand aber nach einigen Stunden eine Stube, wo Ich auf dem mitzeführten Königlichen Krankenwagen ruhte, und, da Ich nicht ein Stück Meiner Equipage von Pont-L-Mousson bei Mir habe, völlig angezogen seit 36 Stunden bin.

Ich danke Gott, daß Er uns den Sieg verlieh.

Wilhelm.

Die Neugestaltnng des bayerischen Ministeriums, welche in Folge des Rücktritts des Grafen Bray-Ltcinburg von der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten nothwendig geworden war, ist jetzt vollendet. Graf Hegnenberg-Du; ist zum Minister der auswär­tigen Angelegenheiten und zum Vorsitzenden des MinisierrathS er­nannt. Nach bayerischen Blättern hat das neue Ministerium als obersten Grundsatz seiner Politik die treue und gewissenhafte Erfüllung der Pflichten gegen das Deutsche Reich ausgestellt. Man darf hoffen, daß die ernste Verwirklichung dieser Absichten dazu beitragen wird, die geachtete Stellung Bayerns im Deutschen Reiche zu wahren und die nationale Entwickelung des Gesammtvaterlandes kräftig zu fördern.

[Sie Zollverhältnisse Elsaß-Lothringens.j Nach den Be­stimmungen eines vom Kaiser unter dem 17. Juli d. I. erlassenen Gesetzes soll die Zollgrenze zwischen dem neuen Reichslande Elsaß- Lothringen und dem Deutschen Zollverein mit dem 1. Januar 1872 gänzlich in Wegfall kommen. Außerdem war in jenem Gesetz Vor­behalten, schon inzwischen dem zollfreien Eingang von HandelSgegen- ständen aus Elsaß-Lothringen daS Zollvereinsgebiet zu öffnen. Durch eine so eben ergangen« Kaiserliche Verordnung wird im Wesentlichen schon vom 27. August d. I. ab die zollfreie Einfuhr aus dem neuen Reichslande zugelassen. Es bleiben die Zollsätze des Vereins- tarifs einstweilen nur noch bestehen für Kalender, fertige Kleider, Putzsachen aus Seide und Floretseide, künstliche Blumen, Schmuck­federn u. dgl., für kurze Waaren und Quincaillerien, für Branntwein, Gewürze, Kaffee und Kaffeesurrogate/ Kakao, Kaksomaffe, Chokolade und Chokoladensurrogate, Reis, Salz, Syrup, Thee und Zucker, end­lich für Spielkarten. In Bezug auf Wein ist eine weitere Bestim­mung Vorbehalten. Für unbearbeitete TabackSblätter und Stengel ist vom bezeichneten Termine ab beim Eingang in den Zollverein eine Abgabe von 20 Sgr. (1 Fl. 10 Kr.) für den Zentner zu entrichten. (Bet Geweben aus Baumwolle, Seide und Wolle, sowie bei verschiedenen Leinmwaaren, namentlich Bändern, Borten, Fransen, Strumpfwaaren, Gaze, Kanten und Zwirnspitzen, ist die zollfreie Einfuhr gegen Nach­weis des Ursprunges der Waaren aus Elsaß-Lothringen zugelassen. Alle übrigen Handelsgegenstände treten ohne Irgend eine Beschränkung in den freien Verkehr des Zoll­vereinsgebietes.)

Unser Kaiser hat sofort am 14. d. M. seine Badekur in Gastein begonnen und dieselbe ohne Störung fortgesetzt. Am 18. August gab Se. Majestät zu Ehren des Geburtsfestes des Kaisers von Oesterreich eine Festtafel, an welcher der Herrscher einen Trinkspruch auf seinen kaiserlichen Freund ausbrachte. Graf Deust, welcher zur Tafel ge­laden war, erwiderte im Auftrage seines Monarchen durch ein Lebe- hoch auf den Deutschen Kaiser. Gleichzeitig war im Sinne unseres Landesherr« die festliche Feier auch dem Jahres - Gedächtniß der Schlacht von Gravelotte gewidmet. Der Erfolg der Kur ist äußerst erfreulich und macht sich sowohl in dem frischen Aussehen, wie in der heitern Stimmung deS Kaisers wahrnehmbar, der übrigens in gewohnter Weise neben dem Kurgebrauch alle Geschäfte seines hohen BerufeS regelmäßig erledigt.

Der deutsche Reichskanzler,' Fürst von BiSmarck, ist am 17. August am späten Abend in Gastein eingetroffen und hat sich dem Gebrauch einer Badekur unterzogen. Der deutsche Staatsmann hat mehrfache Besprechungen mit dem österreichischen Reichskanzler, Grafen Beust, gehabt, welcher vor Kurzem nach Beendigung seiner Kur von Gastein abgeretst ist. '

DenmtrvoMch: E. Lkdtke in Berlin.

SB cd«, Druck mit $3 «lag bei KöxigLchm EHUmm Obl»S°!buchimckkr«t (St d. Dick«).