der Gegner uns zugefügt hat, ungeahndet auf Euch sitzen zu lassen. Der friedliebende Bürger und Landmann aber/ das werde! Ihr Euch selbst sagen, steht unter dem Schutze der Humanität, unter preußischer Dis-
Ich vertraue Euch, daß Ihr weder die eine, noch fit andere Ausschreitungen, die nie von Euren Vorgesetzten gebilligt werden könnten, verleugnen werdet. Wann und wo der Feind sich uns entgegenstellen sollte, so erwarte ich, daß er mit der größten Entschiedenheit angegriffen wird. Für die Kavallerie ist es schon ein alter stehender Grundsatz, daß sie stets zuerst angreift. Die Entschuldigung, nichts haben thun zu können, kann ich da, wo der Kanonendonner zu hören ist, nicht gelten lassen. Es hat vielmehr jeder Truppentheil nach dieser Direktion zu marschirm, auf dem Schlachtfelde ngekom- men, sich schnell über das Gefecht zu orientiren, um angemessen sofort eingreifen zu können. Dasselbe muß auch bei dem rangirten Gefechte jedem höheren Truppenführer zur Richtschnur dienen — Noch auf Eins möchte ich aufmerksam machen: Was an einem Tage geschehen kann, muß nie auf zwei Tage vertheilt werden. Nur mit der größten Energie werden große Resultate und dadurch auch der Friede wieder herbeigeführt, den Gott uns nach siegreichem Kampfe geben wolle.
Armeebefehl des Kronprinzen.
Soldaten der III. Armee! Nachdem wir mit dem siegreichen Gefecht von Weißenburg die französische Grenze überschritten und darauf durch den herrlichen Sieg von Wörth den Feind gezwungen haben, den Elsaß zu räumen, sind wir heute bereits über das Gebirge der Vogesen hinaus, weit nach Frankreich hineingedrungen und baden die Verbindung mit der I. und II. Armee erreicht, vor deren Erfolg der Feind ebenfalls weichen mußte
Eurer bewundernswürdigen Tapferkeit und Hingebung, Eurer Ausdauer im Ertragen aller Schwierigkeiten und Anstrengungen verdanken wir die bedeutungsvollen Ereignisse. Ich danke Euch im Namen des Königs von Preußen, unseres Oberfeldherrn, sowie Jn dem der verbündeten deutschen Fürsten, und ich bin stolz, mich an der Spitze eines Heeres zu befinden, welchem der Feind bisher nicht Stand zu halten vermochte und auf dessen Thaten unser deutsche? Vaterland mit Bewunderung blickt.
11. August. Proklamation des Königs Wilhelm an das französische Volk.
Aus dem Hauptquartier Saarbrücken vom 11. August.
Nachdem der Kaiser Napoleon die deutsche Nation, welche wumchte und noch wünscht, mit dem französischen Volke in Frieden zu leben, zu Wasser und zu Lande angegriffen hatte, habe ich den Oberbefehl über die deutschen Armeen übernommen, um diesen Angriff zurückzu- weisen/ ich bin durch die militärischen Ereignisse dahin gekommen, die Grenzen Frankreichs zu überschreiten.
Ich führe Krieg mit den französischen Soldaten und nicht mit den Bürgetn Frankreichs. Diese werden demnach fortfahren, einer vollkommenen Sicherheit ihrer Personen und ihrrs Eigenthums zu genießen und zwar so lange, als sie mich nicht selbst durch feindliche Unternehmungen gegen die deutschen Truppen des Rechts berauben werden, ihnen meinen Schutz angedeihen zu lassen.
Die Generale, welche die einzelnen Corps kowmandiren, werden durch besondere Bestimmungen, welche zur Kenntniß des Publikums werden gebracht werden, die Maßregeln fesistzcn, welche gegen die Gemeinden oder gegen einzelne Personen, die sich im Widerspruch mit den KriegSgebräuchen setzen, zu ergreifen sind/ sie werden in gleicher Weise Alles, was sich auf die Requisitionen bezieht, festsetzen, welche durch die Bedürfnisse der Truppen als nöthig erachte! werden, sie werden auch die Coursdifferenz zwischen deutscher und sramösiicher Währung feststellen, um so den Einzelverkchr zwischen den Truppen und den Einwohnern zu erleichtern. Wilhelm.
Die Ausführung des Frankfurter Friedens nimmt Nicht den schnellen und regelrechten Fortgang, auf den nun mit um so größerer Zuversicht hoffen durfte, als von deutscher Seile nicht nur alle Verpflichtungen des Friedensvertrages gewissenhaft beobachtet, sondern auch manche wesentliche Zugeständnisse gemacht wurden, um den Wünschen der französischen Reg,erring nach Möglichkeit entgegenzukommen. Die Letztere legt natürlich besonderen WeAH darauf, die Räumung des französischen Gebiets zu beschleunigen und sucht diesen Zweck durch Zahlungsanerbietungen zu erreichen, welche eine Verkürzung der vertragsmäßigen Fristen in Aussicht nehmen. Zunächst ist jedoch darauf zu Hallen, daß die von Frankreich ange- botenen Zahlungsmittel auch volle Sicherheit bieten Außerdem muß berücksichtigt werden, daß die Vollendung des Friedenswerkes n cht ausschließlich in der Zahlung der Kriegskosten und d r Verminderung des Okkupationsheeres besteht. Es ist dringend nothwendig, daß die in Frankfurt schwebenden Unterhandlungen zur näheren Ausfüb ung des Friedensvertrages baldigst einer befriedigenden Lömng entgegen- geführt werden und daß man endlich in Frankreich die unablässigen Hetzereien zur Ruhe verweise, welche noch jüngst zu meuchelmörderischen Angriffen auf deutsche Truppen geführt haben und einen dauernden Friedensstand ernstlich gefährden.
Was die Räumung französischen Gebietes betrifft, so wirb dieselbe in dem Maße vorschreiten, als Frankreich den Vechslichinngen des Friedensvertrages genügt. Da die französische Regierung sich er.
verantwortlich: E. Weilte in Berlin.
boten hat, schon in nächster Zeit die Zahlung einer dritten halben Milliarde auf die Kriegsentschädigung ,u leisten, so sind auf Befehl des Kaisers rechtzeitig die erforderlichen Vorbereitungen getroffen worden, um eintretenden Falles mit der Räumung des französischen Gebietes und mit der Zurückführung der deutschen Truppen vorzugehen. Nach den bisherigen Bestimmungen würden zunächst die 2. Division (Danzig) und die 22. Division sCass l) in die Heimatd zurückkehren. Auch die Räumung der noch von deutschen Truppen besetzten Pariser Forts ist in Aussicht genommen. Diese Maßregel würde die Zurück- führung des noch daselbst befindlichen Kriegsmaterials und der Festungs - Artillerie - Compagnien, soweit dieselben nicht für die Besetzung von Toul und MezisreS bestimmt sind, zur Folge haben. Selbstverständlich sollen alle diese Anordnungen erst zur Ausführung gelangen, wenn die entsprechenden Verpflichtungen von französischer Seite regelrecht erfüllt sind.
Mit Rücksicht auf die von der französischen Regierung angeknüpften Unterhandlungen, welche auf die Zahlung der dritten und vierten halben Milliarde der Kriegsentschädigung Bezug haben, ist an die Vorschriften des Friedensvertrages ü->er die Zahlungs-und RäumungsBedingungen zu erinnern. Nach demselben sind die Zahlungstermine (über welche eine, durch Wegfall einer Zeile unvollständig gewordene, Angabe in der letzten Nummer der »Peovinzial - Correspondenz» zu einer irrigen Auffassung des SachveibäitmfftS verleiten konnte) in der Weise bestimmt, daß die französische Regierung verpflichtet ist, nach Zahlung der ersten 500 Millionen Fes eine weitere Milliarde im Laufe des Jahres 1871 und noch eine halbe Milliarde am 1. Mai 1872 zu entrichten. Die letzten drei Milliarden der Kriegsentschädigung sind am 2. März 1874 zahlbar.
Alle Zahlungen können nur in den hauptsächlichsten Handelsstädten Deutschlands gemacht werden und fol* len in Metall, Gold oder Silber, in Billets der Bank von England, in Billets der Preußischen Bank, in Billets der Königlichen Bank der Niederlande, inBillets der Rationalbank von Belgien, in Anweisungen auf Ordre oder diskontirbaren Wechseln ersten Ranges zum vollen Werthe geleistet werden
Nach Zahlung der ersten halben Milliarde und erfolgtet Ratifikation des Friedensverirages sollten die Dcparirments Somme, Seine- insscieure und Eure vollständig g-räu i werden, und diese Räumung bat auf Kaiserlichen Befehl stau gefunden, noch ehe die Abnahme der entsprechenden Zahlung regelrecht beendet war. Bei Zahlung der dritten halben Milliarde muß die Räumung der Departements Oise, Seine-et-Oise, Seine-et-Marne und «eine, sowie der Forts von Paris eintreten.
UebrIgenS wurden durch dm Frankfurter Vertrag die Bestimmungen des Präliminarabkommens vom 26. Februar d.I. bestätigt. Auf Grund derselben soll nach Zahlung roh zwei vollen Milliarden die deutsche Okkupation nur noch die Departements Marne, Ardennes, Hame-Marne, Meuse, VoSges, öiiunbr, sowie die Festung Delfort mit ihrem Gebiete umfassen, die als Pfand für die rückständigen drei Milliarden dienen. Die Zahl der daieibst befindlichen deutschen Truppen soll dann 50,000 Mann nicht überschreiten.
Unser Kaiser hat am 10. dieses Monats Homburg verlassen und die Reise nach Ischl und Gastein über Nürnberg und Regensburg an- gelreteu. Obgleich jeder feierliche Empfang verbeten war, so wurde doch der Monarch überall auf bayerischem Gebiete von der Bevölkerung wie von den Behörden mit « nbgebungen begeisterter Verehrung begrüßt. In Schwandorf (Eisenbahnstation zwischen Nürnberg und Regens bürg) hatte sich König Ludwig von Bayern in preußischer Husaren - Uniform eilig funden, um den Deutschen Kaiser zu empfangen. Nach herzlicher Begrüßung setzten beide Fürsten die Fabit nach RegenSburg fort, von wo aus der König von Bayern zurückreiste Am solge> den Tage traf der Kaiser auf dem Wege nach Ischl in Wels (bei Linz) ein, wo der Kaiser von Oesterreich in preußachcr Unisono seinen erlauchten Oheim im Bahnhof erwartete Kaiser Wilhelm, in österreichischer Uniform, verließ sogleich den Wagen, und die Fürsten begrüßten sich in herzlicher Umarmung. Nach kurz m Ausenihalt traten beide Monarchen in demselben Wagen die Weiterreise nach Schi an, wo sie um 11. dieses MoncuS, vom begeisterten Zuruf der Bevölkerung empfangen, nach 5 Uhr Nachmittags anlangten. Zu Mittagseffen begab sich Kaiser Wilhelm nach der Kaiserlich öst rckichtichen Villa, wo er von der Kaiserin Elisabeth nebst dem Kronmmz n und der Erzherzogin Gisela empfangen wurde. Gegen Anend fuhr der Deutsche Kaner an der Seite des Kav s Franz Joseph in offenem Wagen über die Brunn «Promenade und durch einige Theile der Stadt Feuerwerk und Illumination, welche f r den Abend vorbereit t waren, fanden auf besonderen Wunsch des Kaisers nicht statt. Am 12 reiste Kaiser Wilhelm, nachdem er wiederum mit der Kaiserlichen Familie gespeist, von Ischl nach Salzburg ab uno gelangte am 13. Abends im besten Wohlsein nach Gastein.
D r Reichskanzler Fürst Bismarck ist am 12. vonVarzin aus in B-e in emgetroffen und am 14. nach Gastein abgereist, um daselbst eine mehrwöchentliche Badekur zu gebrauchen.
Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Sostuchdruckerei sR. ». Decker).