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sehr große Anzahl Gefangene eingebracht, deren Zahl sich noch stündlich vermehrt. Bis jetzt bereits über 2000, Aber auch der diesseitige Verlust bedeutend, bei der 5. Division allein ca. 1800 Mann. Die französische Armee weicht auf allen Punkten zurück. St. Avold von diesseitigen Truppen besetzt. — Patrouillen streifen bis 2 Meilen vor Metz.

Berichte aus Paris und dem französischen Lager.

Paris, 6. August, Nachmittags.

In der Stadt herrscht eine ungeheuere Aufregung. An der Börse waren Gerüchte über eine angeblich von den Franzosen ge­wonnene Schlacht ausgespreugt worden. Diese Gerüchte erwiesen sich bald als gefälscht. Eine unabsehbre Volksmenge begab sich vor das Palais d-s Staats • Ministeriums. Ollivier hielt vom Balkon eine Ansprache an das Volk, in welcher er strenge Bestrafung der Schuldigen verhieß und die Wiederkehr solcher Täuschungen zu verhüten versprach. Nach langen Bemühungen ge­lang es der öffentlichen Macht, die aufs Höchste leidenschaftlich "erregte Menge zum Auseinnndergehm zu bewegen.

Bis Mitternacht fehlen alle Nachrichten von Mac Mahon. Aus Metz wurde gemeldet, daß Frossard im Kampfe ist, aber nirgends Nachrichten über das Ergebniß. Paris ist in fieberhafter Aufregung.

Endlich bringt das »Journal officiel« folgende Mittheilung: »General Frossard ist im Rückzüge begriffen, Details fehlen. Es scheint fast, der Feind will uns auf unserem Territorium eine Schlacht anbieten. Es würde dies große strategische Vortheile für uns haben.« Depeschen des Kaisers Napoleon.

Metz, 6. Mitternacht.

Mac Mahon hat eine Schlacht verloren. Frossard ist an der Saar genöthigt worden, sich zurückzuziehen. Der Rückzug vollzog sich in guter Ordnung. Es kann noch Alles wieder ins rechte Geleise kommen.

Metz, 7. Morgens 3| Uhr.

Da meine Kommunikation mit Mac Mahon unterbrochen war, hatte ich bis gestern nur wenig Nachrichten von ihm. General Laigle meldete mir, daß Mac Mahon eine Schlacht gegenüber sehr beträcht­lichen feindlichen Streitkräften verloren und sich in guter Ordnung zurückgezogen habe. Das Gefecht begann um 1 Uhr und schien nicht sehr ernst, bis allmählich beträchtliche feindliche Streitkräfte hinzukamen, ohne indeß das zweite Corps zum Rückzug zu nöthigen. Erst zwischen 6.und 7 Uhr, als die feindlichen Massen immer kompakter wurden, zogen sich das zweite Corps und die Regimenter, welche auS anderen Corps zu seinem Soutien dienten, auf die Höhen zurückzog. Die Nacht war ruhig. Ich begebe mich in das Centrum unserer Auf­stellung. Napoleon.«

Metz, Sonntag, 7. August, Morgens 8 Uhr.

Die Stimmung der Truppen ist vortrefflich. Der Rückzug wird sich in guter Ordnung vollziehen. Nachrichten von Frossard liegen nicht vor; derselbe scheint sich indessen in guter Ordnung zurückgezogen zu haben. Napoleon.

Armeebefehl des Marschall Mac Mahon. nach der Schlacht bei Wörth.

Soldaten! An dem Tage des 8. August hat das Schicksal euren Muth im Stich gelassen,' aber ihr habt eure Positionen erst nach einem heroischen Widerstand verloren, der nicht weniger als neun Stunden gedauert hat. Ihr wäret 35,000 Streiter gegen 140,000 und seid durch die Ueberzahl erdrückt worden. Unter solchen Umständen ist eine Niederlage ruhmreich und die Geschichte wird sagen, daß die Franzosen in der Schlacht bei Froschwiller die größte Tapferkeit ent­wickelt haben. Ihr habt empfindliche Verluste erlitten, aber diejenigen des Feindes sind noch beträchtlicher. Wenn ihr nicht verfolgt worden seid, so sucht die Ursache davon in dem Schaden, den ihr ihm zugefügt habt. Der Kaiser ist mit euch zufrieden und das ganze Land ist euch dankbar dafür, daß ihr die Fahnenehre so würdig aufrecht er­halten habt. Wir haben schlimme Prüfungen durchgemacht, die wir vergessen müssen. Das erste Corps wird rekonstituirt werden und mit Gottes Hülfe wird es bald eklatante Revanche nehmen.

Mac Mahon.

[Sie Belohnung hervorragender Heerführer und Staats­männer.^ Der Reichstag hat in seiner letzten Sitzung der Gesetzes- vorlage der Reichsregierung in Betreff der Dotationen hervorragender deutscher Heerführer seine Zustimmung ertheilt. Da über die Aus­führung dieses Gesetzes mehrfach irrige Angaben verbreitet werden, so sind die thatsächlichen Vorgänge in Erinnerung zu bringen, aus denen erhellt, daß die Absichten des Kaisers im Voraus dem Reichstage mit- getheilt und allgemein gebilligt worden waren.

In der zurVorberathung des Entwurfs niedergesetzten Kommission hatte die Regierung vertrauliche Mittheilungen gemacht, wonach für die Dotationen folgende Personengattungen in Aussicht genommen waren:

1) Die Heerführer selbständig operirender Armeen, welche große Schlachten siegreich geschlagen,' 2) einer und der andere Heerführer, der, ohne eine selbständig ope- rirende Armee geführt zu haben, doch in wichtigen kriti­schen Momenten erfolgreich selbständig cingegriffen hat) 3) die Chefs des Generalstabs der ganzen Armee

und der großen Armeen,' 4) die Männer, denen man die Organisation und Befestigung der nationalen Wehr­kraft verdankt.

Die Kommission und der Reichstag haben in Uebereinstimmung mit der Regierung einen Zusatz zu dem Entwürfe angenommen, wo­nach außer den Heerführern auch »deutschen Staatsmännern, welche bei ben nationalen Erfolgen in hervorragender Weise mitgewirkt haben«, Dotationen verliehen werden können.

Der Bericht erstatt er der Kommission, Abgeordneter v on Ben- nigsen, ging bei der Berathung im Reichstage noch ausführlich auf die Bedeutung und den Zweck des Gesetzes ein. Er wies zunächst auf das Jahr 1813, wo den Feldherren gleichfalls Dotationen gegeben worden feien, und fuhr dann fort:

»Das, was wir 1815 gethan haben, können wir heute noch viel mehr verantworten, und in gewisser Weise sind wir noch viel mehr dazu verpflichtet, wie damals, wenn wir die Thaten und Erfolge der jetzigen Zeit mit den damaligen vergleichen. Meine Herren! Erinnern wir uns doch,.daß Deutschland 1813 sich nur mit äußerster Anstren­gung erhob, wiederholt selbst uneinig, auf auswärtige Hülfe ange­wiesen, in einem verzweifelten, an den größten Wechselfällen reichen Kampfe, endlich doch die napoleonische Weltherrschaft und die Fremd­herrschaft in Deutschland überwältigend, aber selbst nach diesem un- erhörten Siege, der mit den äußersten Anstrengungen, welche er dem mitlebenden, dem damaligen Geschlechte zumuthete, in eine eben so große Ermattung überging, selbst mit diesem Siege konnten wir doch desselben und des Preises des Kampfes nicht froh werden.

Und jetzt zum ersten Mals hat ganz Deutschland, aber Deutsch­land allein, ohne fremde Hülfe, einig auch zum ersten Male in seiner Geschichte, unter allen feinen Fürsten und Völkern sich erhoben gegen einen Angriff des Nachbars, der uns durch Jahrhunderte vergewaltigt hat. ES hat mit diesem Nachbar eine Schlußabrechnung gehalten und aus diesem Kriege, der, wenn wir besiegt wären, unS Ueberschwem- mung durch den Feind, Verwüstung des Landes, Verewigung unserer Uneinigkeit und damit das Brechen der nationalen Kraft zugezogen hätte — aus diesem Kampfe gerade ist nach der Bestegung Frank­reichs das Höchste, was eine Nation in Anspruch nehmen kann, seine Einheit aus jahryundcrtlanger Uneinigkeit, feine staatliche Geschlossen­heit hervorgegangen.

Diese Ereignisse, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, sind so übergroß und gewaltig, daß man, um etwas Gleiches oder Aehnlichcs zu finden, auf Jahr­tausende zurückliegende Zeitalter greifen muß, etwas Gleich es oder Aehnliches, das die GemütherderMenschen in solcher Art erschüttert und bewegt. Meine Herren! Wir, nachdem wir auf deutsche Art aus den Aufregungen und den Er- folgen dieses mächtigen Kampfes zurückkehren an unsere Arbeit, wir müssen es uns oft klar machen, in welcher großen Zeit wir leben.

Wenn an diesem Kampf das ganze Volk in seinen besten Kräften betheiligt gewesen ist, so sind doch aus der Gesammtheit eines so kräf­tigen Volkes eine Anzahl Männer hervorleuchtend ausgezeichnet, welche vor Allem das Verdienst in Anspruch nehmen, daS ange­legt und gesichert zu haben, was allerdings zur Durch­führung der Kraft des ganzen Volkes bedurfte. Diese Männer in nicht zu großer Zahl in einer besonderen Weise auszu- zeichnen, das konnte meiner Meinung nach dem Gefühl, den Absichten einer edelmüthigen, einer kraftvollen Nation nicht widerstreben.

Sollen wir jetzt zögern, wenn uns eine Vorlage gemacht wird, wodurch dem Kaiserlichen Feldherrn, dem Träger der Vertreter der Gesammtheit, die Möglichkeit gegeben wird, reich und voll diesen Männern zu ihrem inneren Werthe und dem Bewußtsein desselben, zu der Anerkennung, die sie haben und behalten werden, für alle Zu­kunft noch die äußere Auszeichnung, für sich und die Ihrigen den Schmuck des Daseins hinzuzufügen?«

Der Eisenbahnbetrieb hat durch die Kriegsverhältnisse und namentlich durch die Militär-Transporte mancherlei Störungen er­litten. Auch in jüngster Zeit ist noch vielfach über Verspätungen und Anschluß-Versäumnisse Klage geführt worden. Mit Rücksicht hierauf sind von Seiten der vorgesetzten Behörde die erforderlichen Weisungen ergänzen, damit der Eisenbahndienst wieder zur vollen, dem Verkehrs­bedürfnisse entsprechenden Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit zurück- kehre. Durch Verfügung des Handels-Ministeriums ist den Eisenbahn- verwaltungen aufgegeben worden, für die genaue Durchführung der festgestellten Fahrpläne nachdrücklich Sorge zu tragen. Um den Nach­theilen der Verspätung auf Anschlußpunkten vorzubeugen, ist in Aus­sicht genommen, der auf einzelnen Linien schon bestehenden Einrich­tung von Extrazügen für die Nachsendung verspäteter Reisenden eint größere Ausdehnung zu geben.___________

Unser Kaiser hat nach einem zweitägigen Aufenthalt in Co- blenz und Wiesbaden seine Reise über Mainz nach Homburg fortgesetzt und wurde überall in herzlichster und freudigster Weise begrüßt. Am 10. gedachte der Monarch Homburg zu verlassen unb aus der Weiterreise nach Gastein zunächst einen Ausflug nach Ischl zu machen, um daselbst dem KaiserMranz Joseph einen freundschaft­lichen Besuch abzustatten.

SkrontwwUi^: E. Ardtl« in Berlin.

Berti», Drnck mt Setlag der Königlich« Drffl»«! LberHsgmchdr«ck»ei lR. k Decker).