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Mit dem §11

Provinzial- Corresponden). 2. August 1871.

Nermte« Jahrgang.

KAs dem Borjahre.

Abschluß des Monats Juli und dem Anfang anst begeht das deutsche Volk in dankbarer Jahresfeier jener denkwürdigen Tage, welche stand und Frank-

des Monats August begeht das deutsche V Erinnerung die Jahresfeier jener denkwürdig der Eröffnung des Krieges zwischen Deutschi reich unmittelbar vorangingen und denen ball

bald daraus die ersten

Siegesbotschaften folgten.

Wie fest auch die Zuversicht auf den Muth, die Stand- haftigkeit und die Opferbereitschaft der Nation, auf die Treff­lichkeit der Staats- und Heeresleitung überall war, so trat doch beim Ausbruch des Krieges keine Spur jenes etteln Pochens auf unfehlbare Siege und Erfolge hervor, welches sich im feindlichen Lager so laut machte. Viel­mehr dachte man nüchternen und bescheidenen Sinnes auch an die Möglichkeit-ungünstiger Ereignisse und machte sich im Vor­aus bereit, allen Heimsuchungen mit unerschütterlicher Ruhe die Stirn zu bieten. Namentlich war man darauf gefaßt, daß der Feind sich den ersten Vorsprung seiner mit äußerster Eile betriebenen Rüstungen zu Nutze machen würde, «m sofort zum Angriff auf noch nicht gedeckte Grenzgebiete vorzugehen. Indessen schon in jenen Tagen, deren Gedächtniß sich jetzt er­neuert, trat eine Wendung ein, welche den Siegeshoffnungen der Nation eine feste Grundlage gab.

Am Schluß des Monats Juli wurde es zur Gewißheit, daß der Feind wegen der Gebrechen seiner Heeresversaffung außer Stande sei, von dem Vorsprung seiner Rüstungen Vortheil zu ziehen. Die deutschen Truppen hatten inzwischen ihre Mobilmachung in kürzester Frist, aber in vollkommen regelrechter Ordnung vollendet und standen nun bereit, jeden Zoll vaterländischen Bodens zu vertheidigen und mit unaufhaltsamem Sturmschritt in Feindesland vorzudringen.

Zwischen der vollendeten Kriegsbereitschaft und der er- " --------------' ' ^'sien

rungenen Siegesgewißheit lagen nur wenige Tage. Es , .. jene ersten gewaltigen Schläge, welche schon für sich allein ausreichten, den Ruhm der deutschen Waffen zu verewigen, obwohl sie nur noch glänzenderen und durchgreifenderen Erfolgen zur Ein­leitung dienten. Durch die Kämpfe von Weißenburg, Wörth und Spicheren wurde zwar das Geschick des Krieges noch nicht be­siegelt, wohl aber trat die Überlegenheit der deutschen Heeres- sührung über die französische in allen Eigenschaften zu Tage, welche sich im Lause eines langen und schwierigen Feldzuges stets bewährten, und, in Verbindung mit der Tapferkeit und Ausdauer unserer Truppen, den Sieg unablässig an die Fahnen

Deutschlands fesselten.

Indessen waren jene ersten Erfolge nicht blos ehrenvoll für die deutschen Waffen: sie brachten der Sache des Vater­landes auch noch einen höheren Gewinn. Durch eine glückliche Fügung hatten an der ersten heißen Arbeit des Krieges die Truppen Nord- und Süddeutschlands, unter der Führung des Kronprinzen zur HI. Armee vereinigt, einen gleichen Antheil. In gleicher Hingebung und Begeisterung kämpften bei Weißen­burg und Wörth die Stammesbrüder aus Süd und Nord/ neidlos wurde auf beiden Seiten der Heldenmuth der Genossen anerkannt, und Allen war es die höchste Freude, daß der Glanz des erkämpften Ruhmes auf das ganze Vaterland fiel und dem ganzen Vaterlands zu Gute kommen sollte. Die freudige Vor­ahnung, welche gleich bei der gemeinsamen Erhebung des Lan-

ganzen Vaterlands Zu Gute kommen sollte. Die freudige Vor­ahnung, welche gleich bei der gemeinsamen Erhebung deS Lan- des zur Abwehr des Feindes durch die Herzen des Volkes ging, wurde durch die Feuertaufe und die Siegesweihe der August­tage zur unumstößlichen Gewißheit: die heilige Sache der deut­schen Einheit war gewonnen.

81. Juli 4890. Des Könias Abschied. Amnestie. An Mein Volk!

»Indem Ich heute zur Armee gehe, um mit ihr für Deutschlands Ehre und für Erhaltung unserer höchsten Güter zu kämpfen, will Ich, im Hinblicke auf die einmütige Erhebung Meines Volkes, eine Am­nestie für politische Verbrechen und Vergehen ertheilen. Ich habe das Staats-Ministerium beauftragt. Mir einen Erlaß in diesem Sinne zu unterbreiten.

Mein Volk weiß mit Mir, daß Friedensbruch und Feindschaft wahrhaftig nicht auf unserer Seite war.

Aber herausgefordert, sind wir entschlossen, gleich unseren Vätern und in fester Zuversicht auf Gott den Kampf zu bestehen zur Erret­tung des Vaterlandes.« Wilhelm.

Kurz vor der Abreise versammelte der Monarch die Minister um sich und hielt eine kurze, ernste Ansprache an dieselben. Er wiederholte den Ausdruck seiner großen Freude und Genugthuung über den herr­lichen einmüthigen Geist, der sich während der letzten Wochen im ganzen Vaterlande kundgegeben und von welchem er so erhebende Be­weise erhalten habe. Diesen Geist zu erhalten und zu beleben, werde die Aufgabe der hier zurückbleibenden Minister sein, vor Allem wenn, was Gott verhüten wolle, Augenblicke eintreten sollten, wo die Nach­richten vorn Kriegsschauplätze ungünstiger lauteten. Preußens Volk und Armee seien durch den beispiellos glücklichen Verlauf der Kriege von 1864 und 1866 einigermaßen verwöhnt, man dürfe nicht an- nehmen, daß es auch in diesem Kriege ohne unglückliche Tage abgehen werde. Wenn solche eintreten, dann werde sich der Ernst und die Kraft der jetzigen begeisterten Stimmung zu bewähren haben, um den im Felde Kämpfenden, und denen, welche sie führen, eine rechte Stütze zu sein.

8. August. Tagesbefehl des Königs.

An die Armee.

Ganz Deutschland steht einmüthig in den Waffen gegen einen Nachbarstaat, der uns überraschend und ohne Grund den Krieg erklärt hat. Es gilt die Vertheidigung des bedrohten Vaterlandes, unserer Ehre, des eigenen Heerdes. Ich übernehme heute das Kommando über die gesammten Armeen und ziehe getrost in einen Kampf, den unsere Väter in gleicher Lage einst ruhmvoll bestanden. Mit Mir blickt das ganze Vaterland vertrauensvoll auf Euch. Gott der Herr wird mit unserer gerechten Sache sein!

Mainz, den 2. August 1870. Wilhelm.

A. August. Das Kriegs-Vorspiel bei Saarbrücken. Preußische Depesche.

Am 2. August, Vormittags 10 Uhr, ist das kleine Detachement in Saarbrücken von 3 feindlichen Divisionen angegriffen, die Stadt mit 23 Geschützen beschossen worden. Am 12 Uhr wurde die Höhe des Exerzierplatzes, um 2 Uhr die Stadt von dem Detachement ge­räumt und der Rückzug zum nächsten Soutien angetreten.

Verlust verhältnißmäßig gering.

Offizieller französischer Schlachtbericht.

Gestern, am 2. August, 11 Uhr Vormittags, haben die französi­schen Truppen ein ernstes Engagement mit den Preußen gehabt.

Unsere Armee hat die Offensive ergriffen, die Grenze überschritten und das preußische Gebiet besetzt.

Ungeachtet der Stärke der feindlichen Position reichten einige unserer Bataillone aus, um die Höhen wegzunehmen, die Saarbrücken beherrschen, und unsere Artillerie säumt nicht, den Feind aus der Stadt zu jagen. Der kühne Anlauf unserer Truppen war so groß, daß unsere Verluste nur gering sind.

Das Gefecht hat um 11 Uhr angefangen und war um 1 Uhr beendet.

Der Kaiser wohnte der Operation bei und der Kaiserliche Prinz, der ihn überall begleitete, hat auf dem ersten Schlachtfelds die Feuer­taufe erhalten.

Seim Geistesgegenwart, sein kaltes Blut in der Gefahr, waren des Namens würdig, den er trägt.

Am 4 Ahr kehrten der Kaiser und der Kaiserliche Prinz nach Metz zurück.

Aus einem Artikel des »Staats-Anzeigers« über die Vorgänge bei Saarbrücken.

Wie bekannt, hatte sich die französische Hauptmacht an dem Tage, an welchem in Berlin der Befehl zur Mobilmachung erst gegeben wurde, gegen die Saar, und spezicll gegen Saarbrück, in Bewegung gefetzt. In letzterer Stadt befanden sich nur ein Bataillon des Re­giments Nr. 40 und drei Schwadronen des Ulanen-Regim-nts Nr. 7. Wurden diese Truppen herauSgezogen, so lagen die deutschen Lande aus dem linken Rheinuser weithin dem Gegner offen. Man war sich bewußt, welche Gefahr diese schwache Abtheilung lief; aber es galt, dem Gegner zu imponiren und sich in den Rüstungen der Armee trotz der drohenden Gesahr nicht stören zu lassen. Diese Aufgabe wurde von jenem Detachement mit unermüdlicher Thätigkeit und glänzendster Ausdauer gelöst, während zum weiteren Schutz an an­deren Punkten der Saar wenige Compagnien und Escadrons aus den nächsten Garnisonen vorgesandt wurden. In einer, in der Kriegsgeschichte bisher unerhörten Weise, blieb seit der mit seltsamer voreiliger Hast erfolgten französischen Kriegserklärung dieses uner­schrockene Häuflein 14 Tage lang ganzen Divisionen des Feindes gegenüber stehen.

Als die Nachrichten ergaben, daß schließlich zwei französische Corps dem schwachen Detachement auf nächster Nähe gegenüberstanden, wollte die oberste Führung, um die tapfere Schaar nicht zu opfern, dieselbe zurückziehen, umsomehr, als zu jener Zeit die diesseitigen Rüstungen sich ihrem Ende näherten. Aber der dortige Commandeur, Oberst-Lieutenant von Pestel, telegraphtrte zurück und bat, ihn auf diesen Ehrenposten zu belassen, indem er hinzufügte: »Das Benehmen der Franzosen I zeigt, daß sie sich vor uns fürchten.« Unter diesen Verhältnissen wurde