Einzelbild herunterladen
 

geschichtlichen Drama zu geben, ist der Zweck des oben bezeich­neten Werkes. Der nationale Krieg gegen Frankreich bildet den wesentlichsten Inhalt desselben,- gleichzeitig aber umfaßt dasselbe die ganze politische Entwickelung von der Errichtung deS Norddeutschen Bundes bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs.

Die Borrede sagt über diesen Gesammtinhalt des Werkes:

Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüngsten Krieges ist vor Allem in dem Zusammenhänge desselben mit der Entwickelung der nationalen Einheit Deutschlands beschlossen: in Verblendung herauf- beschworen, um diese Entwickelung im Keime zu ersticken, hat der Krieg unter dem offenbaren Walten Gottes gerade dazu ' geholfen, daß die innerlich vorbereitete Einheit des deutschen VolkSbewußseins mit wunderbarer Kraft alle Hüllen durchbrach und vermöge dieser gewaltigen Beihätigung zu unwiderruflicher Vollendung gelangte.

Es entspricht daher dem tieferm geschichtlichen Zusammenhänge, daß die Darstellung des militärischen und politischen Verlaufs des jüngsten Riesenkampfes, welche den Kern des Buches bildet, in den Rahmen der deutschen Entwickelung eingeschlossen erscheint.

Je gewisser die rückhaltlose Bethätigung deS deutschen Geistes im Sommer 1870 eine Frucht der Politik der letzten Jahre war, um so mehr erschien es innerlich gerechtfertigt, durch den Rückblick auf die bedeutendsten Momente jener Entwickelung das Entstehen und die einmalige Sicherung des nationalen BodenS erkennen zu lassen, auf welchem allein jener so spontane und mächtige Durchbruch des ge­meinsamen vaterländischen Geistes möglich war.

Jetzt, wo die Früchte jener vorsehenden, politischen Arbeit, jener Arbeit voll Hoffnung und Zuversicht, aber auch voll Selbstbeherr­schung in reifer Fülle vor uns liegen, jetzt wird man vollends die Klarheit und Folgerichtigkeit in den mannichfachen Kundgebungen deS Leiters der Bundespolitik würdigen. Von den ersten Erklärungen des Bundeskanzlers über Wesen und Geist der Norddeutschen Vertassung bis zu den vorjährigen Aeußerungen über den Beitritt Badens zum Bunde waltet überall dieselbe umsichtige Sorge für die Entwickelung eines nationalen GemeingeisteS von innen heraus, durch die Schwerkraft der Thatsachen und Interessen und durch die eigne Kraft des Volks- bewußtseins. Wenn der Bundeskanzler stets mit Zuversicht daran festhielt, Deutschland die Gestaltung zu geben, in der es am stärksten und am einigsten sei, jedoch immer und immer wieder darauf hinwies, daß wir die Geschichte nicht machen können, sondern nur abwarten, daß sie sich vollziehe — wenn er warnte, nicht nach unreifen Früch­ten zu schlagen, um nicht ihr Wachsthum zu hindern und zu verder­ben, — wenn er ungeduldigem Drängen gegenüber im Februar 1870 geltend machte, daß unser König ein Stück Kaiserlicher Gewalt auch schon in Süddeusschland ausübe, wie es im Besitze der deutschen Kaiser seit 500 Jahren nicht gewesen, daß seit der Zeit der ersten Hohen- staufen ein so unbestrittener Oberbefehl im Kriege, eine so unbestrittene Gemeinschaft, dem Feinde gegenüber im deutschen Lande nicht vor- Handen gewesen sei, — so sind alle diese Auffassungen und Versiche­rungen durch den gewaltiger: Gang der jüngsten Ereignisse wunderbar rasch und glänzend bestätigt worden.

An der Schwellender neuen Entwickelung, welche im Wesentlichen auf denselben pc^rtischeu Grundlagen ruht, erschien es von hohem Werth, alle I^lw-bedeutungsvollen Aeußerungen, sowie die wichtigsten DvchUWrntk' in Betreff der fortschreitenden inneren Gestaltung des Norddeutschen Bundes und seiner Beziehungen zu Süddeusschland in kurzem Rückblicke wieder vorzuführen.

Den Mittelpunkt des Werkes bildet jedoch der militärische und politische Verlauf des Krieges gegen Frankreich.

Von dem Beginn der Krisis in Folge der Hohenzollernschen Kan­didatur bis zum Friedensschlüsse sind die einzelnen politischen und militärischen Abschnitte 'zwar nach der Zeitfolge, zugleich aber nach ihrem sachlichen ZIneinandergreifen behandelt, unter jedesmaliger Gegenüberstellung der deutschen und oer französischen amtlichen Mit­theilungen und mit kurzen thatsächlichen Uebersichten und Vorblicken, wre sie während des Laufs der Ereignisse in amtlichen und halbamt­lichen Organen gegeben wurden.--

Die schlichte Würde der deutschen Siegesdeprschen tritt durch den Kontrast mit der Frivolität der französischen Berichte um so mehr hervor. Jenes erste frische Bild des unvergleichlichen Siegeszuges von dem genialen strategischen Aufmarsch bis zum Heldenkampfe vor Bel­fort, jenes Bild, wie es schon in den amtlichen Depeschen in großen, klaren Zügen gegeben ist, wird eines der theuersten Vermächtnisse für unser Volk bleiben.

Nicht minder aber werden die diplomatischen Dokumente, welche von dem Geist und Gange unserer Politik in dieser großen Epoche Zeugniß geben, dem deutschen Volke immerdar als Denkmäler von erhebendster nationaler Bedeutung gelten. So groß die patriotische Befriedigung war, welche jede der betreffenden Aeußerungen gleich bei ihrem Erscheinen im Verlaufe der politischen Entwickelung ber- vorrief, so tritt doch der erhabene Charakter der m ihren Zielen ebenso klaren und festen, wie in ihren Wegen umpchugen und erfin­dungsreichen Politik jetzt bei dem Ueberblick jener Reihe inhaltreicher und folgenschwerer Aeußerungen in ihrem Zusammenhänge vollends in das glänzendste Licht.

Der Herausgeber i.jließt mit dem Wunsche, daß dieses

Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.

Buch dazu beitragen möge, die Größe und Erhabenheit der jüngsten Epoche der vaterländischen Geschichte immer allge­meiner zum Bewußtsein zu bringen, daß aber der erschütternde Verlauf dieser Zeit dem deutschen Volke vor Allem eine nach­haltige Mahnung sei, seine neu errungene Größe durch die ernste Pflege wahrhaft sittlicher Grundlagen des öffentlichen Lebens zu wahren und sich vor den schweren und Verhängnis vollen Verirrungen zu hüten, unter deren Folgen eine der größten Nationen jetzt in innerer Zerrüttung und Ohnmacht dahinsinkt. ___

Zur Beihülfe für Reservisten und Landwehr- männer, welche durch ihre Einziehung zur Fahne in ihren Erwerbsverhältnissen besonders schwer geschädigt worden sind und zur Wiederaufnahme ihres bürgerlichen Berufs einer Un­terstützung bedürfen, sind auf Antrag der Reichsregierung vom Reichstage 4 Millionen Thaler bewilligt worden, welche aus die einzelnen Staaten nach einem vereinbarten Maßstabe ver­teilt werden.

Die preußische Staatsregierung hat Anordnungen getroffen, um die unverzügliche Ausführung der wohlthätigen Absicht des Gesetzes in Preußen unter Mitwirkung der Provinzialstände zu .sichern. Es soll der größte Theil des auf Preußen fallenden Betrages. alsbald aus die einzelnen Provinzen vertheilt, der Rest aber zu.einer späteren Ausgleichung vorbehalten werden. Als Maßstab sür die Bertheilung soll das Verhältniß zur An­wendung gebracht werden, in welchem in den einzelnen Pro­vinzen Offiziere, Aerzte und Mannschaften des Beurlaubten- standes zu den Fahnen unberufen worden sind.

In welcher Weise die Untervertheilung der Beträge in den Provinzen zu bewirken und die Prüfung der Ansprüche zu regeln sein wird, darüber soll den Provinzialstandcn die Beschlußfassung überlassen sein. Es sollen zu dem Ende pro- Vinzialstäudische Kommissionen gewählt werden, welche unter dem Vorsitze her Ober-Präsidenten den Maßstab für die Unter- vcrthcilung feststcllcn, diese selbst bewirke^ und die Organe für die Prüfung der Anträge und für die Bewilligung der Beihülfen bestimmen und diese mit ben nöthigen Anweisungen versehen sollen. (Es werden wohl die nach dem Gesetz von 1850 überall bestehenden Unterstützungs-Kommissio- nen, welche mit den Verhältnissen der Landwehr-und Reservisten- Familien bekannt sind, als vorzugsweise geeignete Organe er­scheinen). Die Beihülfen dürften in der Regel in der Form von Darlehen, nur in dringenden Fällen als Schenkungen zu gewähren sein. — Um eine möglichst schnelle und wirksame Abhülfe des unter den entlassenen Wehrpflichtigen obwaltenden Nothstandes herbeizuführen, soll den großen Städten, in welchen das Unterstützungsbedürfniß am größten sein dürfte, ihr nach der Bevölkerung bemessener Antheil unmittelbar überwiesen und der Verwendung durch die städtischen Behörden überlassen werden. ___

Unser Kaiser hat sich am Montag (26.) in Begleitung des Kronprinzen auf einige Stunden nach Stettin begeben, um dort die aus dem Felde zurückgekehrten Truppen des 2. (pom- merichen) Armee-Corps zu begrüßen, namentlich aber, um der 9. Compagnie des Königs-Regiments (Nr. 2), welche aus der Heimkehr durch einen schweres Eisenbahnunfall betroffen wor­den war, seine marine landesväterliche Theilnahme zu bezeugen.

Am nächsten Freitag (30.) begiebt sich der Kaiser nach Hannover, um dort (am I. Juli) die heimgekehrten Truppen vom 10. (harmoverschen) Armee Corps zu begrüßen.

Auf die Einladung der harmoverschen Provinzialstände wird Se. Majestät der Kaiser und König am 30. ein von denselben veranstaltetes Festmahl annehmen.

Am I.Iuli (Vormittags 11 Uhr) gedenkt der Kaiser die Reise fortzusetzen, um sich über Kassel, Gießen und Wetzlar nach Bad Ems zu einer vier- bis fünfwöchentlichen Kur zu begeben. Der Kaiser wird in Ems noch mit Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland Zusammentreffen, welcher am 3. Juli von dort abzureisen gedenkt.

Möge unser Kaiserlicher Herr in diesem Jahre ohne störenden Zwilchensall die Ruye und Er- krischung in Ems finden, auf welche er nach der schweren und erfolgreichen Arbeit des letzten Jahres den vollsten Anspruch hat, und welche ganz Deutsch­land ihm von Herzen wünscht, auf daß er demnächst mit erneuter Kraft und Freudigkeit zu weiterem I segensreichen Wirken heimkehren möge.

Berlin/ Druck und Verlag der Königlichen Echrimm Ober-Hosbuchdruckerei (R. v. Decker).