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JW 25. Provinzial - Correspondenz. 21.3« wn;

Neunter Jahrgang.

Schlnß des Reichstages.

Thronrede Sr. Majestät des Deutschen Kaisers vom 15. Juni 1871.

Geehrte Herren!

Als Ich Sie vor drei Monaten an dieser Stelle begrüßte, bezeichnete Ich es als den ehrenvollen Beruf des ersten Deutschen Reichstages, die Wunden, welche der Krieg geschlagen hat, nach Möglichkeit zu heilen und den Dank des Vaterlandes Denen zu bethätigen, welche den Sieg mit ihrem Blute und ihrem Leben bezahlt haben. Sie haben diesen Beruf nach dem Herzen des deutschen Volkes erfüllt. Mit freigebiger Hand haben Sie für die an ihrer Gesundheit geschädigten Krieger und für die Hinter­bliebenen der Gefallenen gewährt, was die Dankbarkeit des Vaterlandes erstatten kann.

Sie haben die verbündeten Regierungen in den Stand ge­fetzt, die Nachtheile zu mildern, welche der Ruf zur Fahne für die Erwerbsverhältnisse vieler Berufenen herbeigeführt hat.

Zum Ersatz der Schäden, welche die Anwohner unserer bisherigen Grenzen und die für Deutschland rückerworbenen Gebiete erlitten haben, zur Ausgleichung der Verluste, welche die deutsche Schiffahrt durch den Krieg erfahren hat, und zur Erleichterung der Lage, in welche deutsche Mitbürger durch ihre Ausweisung aus Frankreich versetzt worden sind, haben Sie bereitwillig Ihre Mitwirkung gewährt.

Im Vereine mit den verbündeten Regierungen haben Sie es Mir ermöglicht, den Dank des Vaterlandes den Männern darzubringen, welche das deutsche Heer zu seinen Thaten er­zogen, dasselbe von Steg zu Sieg geführt und die glorreichen Errungenschaften des Krieges sichergestellt haben. Ich erfülle ein Bedürfniß Meines Herzens, indem Ich Ihnen dafür in Meinem und des deutschen Heeres Namen Meinen Kaiserlichen Dank ausspreche.

Durch die neue Redaktion der Reichsverfassung haben die staatsrechtlichen Verhältnisse Deutschlands die den Verträgen entsprechende Form gewonnen und durch den Nachtragsetat für 1871 haben die finanziellen Beziehungen der Bundesstaaten zum Reiche ihre Regelung gefunden. Der größte Theil der Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes ist zur Gesetzgebung des Reiches geworden und die letztere hat im Beginn ihrer ge­meinsamen Thätigkeit die Haftpflicht industrieller Unternehmun­gen in einer Weise geregelt, deren Wohlthaten an erster Stelle den Invaliden der Arbeit zugute kommen werden.

Für die Einrichtungen, welche in Elsaß und Lothringen zu treffen sind, ist die gesetzliche Grundlage gewonnen. Die Ver­handlungen, welche darüber in Ihrer Mitte stattfanden, werden den Bewohnern dieser Gebiete die Ueberzeugung gewähren, daß den deutschen Regierungen und dem deutschen Volke, wie auch über einzelne Fragen die Ansichten abweichen mögen, der eine Gedanke und der eine Wille gemeinsam ist, das rück- erworbene Land, unter Schonung bewährter Einrichtungen, durch eine milde Verwaltung und durch eine freiheitliche Ent­wickelung seiner Gesetzgebung zu einem auch innerlich verbun­denen-Gliede unseres großen Vaterlandes zu machen.

Während der Dauer Ihrer Versammlung ist der Frieden mit Frankreich endgültig abgeschlossen worden.' Dieser Abschluß und die Wiederherstellung gesetzlicher Gewalten in Frankreich haben es zu Meiner Freude möglich gemacht, einen großen Theil des Heeres in das Vaterland zurückkehren zu lassen. Der Schluß Ihrer Thätigkeit fällt zusammen mit dem Einzüge der siegreichen Truppen aller deutschen Heerestheile in Meine Haupt­stadt. Sie werden, geehrte Herren, Zeugen des Einzuges sein, und wenn Sie unter dem Eindrücke dieser nationalen Feier in Ihre Heimath zurückkehren, werden Sie die freudige Gewißheit mit sich nehmen, daß die patriotische Hingebung der deutschen Volksvertretung an der großartigen Entwickelung des Vater­landes und an dem Glänze der Siegesfeier ihren berechtigten Antheil hat. Möge, wie Ich zu Gott hoffe, und wie Ich nach den neu begründeten Beziehungen des Deutschen Reiches zu allen auswärtigen Mächten überzeugt sein darf, der Frieden, dessen wir uns erfreuen, ein dauernder sein.

Die Siegesfeier in der Deutsche»! KatseLftadt.

Die Feier des Siegeseinzuges der heimkchrenden Truppen hat am 16. in Berlin und fast gleichzeitig in mehreren der großen deutschen Städte, wie in Hamburg, Bremen, Breslau u. s. w. in glänzendster und wahrhaft erhebender Weise statt» gefunden.

Die Zurüstungen, welche die deutsche Hauptstadt zum wür­digen Empfange der siegreichen Krieger getroffen hatte, ent- sprachen der erhabenen Bedeutung dieser Siegesfeier. Den An­ordnungen in ihrem ganzen Zusammenhänge lag ein hoher idealer Gedanke zu Grunde, und die Ausführung war durch­weg von dem mächtigen Schwünge getragen, welcher die deut­schen Herzen in dieser großen Zeit überall erfüllt und ge­hoben hat.

Es war eine gewaltige Aufgabe, die Siegcsstraße in ihrer diesmaligen Ausdehnung (von der Belle-Alliance-Straße durch die Königgrätzer Straße zum Brandenburger Thor und dann die , Linden entlang bis zum Lustgarten) nach einem einheit­lichen Gedanken und Plane zu gestalten und zu schmücken, und diesen Plan so zur Durchführung zu bringen, daß das Interesse vom ersten bis zum letzten Augenblicke nicht erlahmen konnte, vielmehr von Abschnitt zu Abschnitt gesteigert wurde. Aber Dank der erhabenen Auffassung, welche in den städtischen Be­hörden und in der von denselben eingesetzten Festkommission von vorn herein zur Geltung gelangte, und Dank der Hin­gebung, welche alle Betheiltgten, von den ersten Künstlern bis zum bescheidensten Handwerker, zur Erfüllung ihrer Aufgaben mitbrachten, ist die Siegesstraße nicht blos so prachtvoll, son­dern auch so künstlerisch schön und poetisch sinnreich ausge­schmückt worden, wie es auf solcher weiten Ausdehnung und bei so kurz bemessener Zeit kaum jemals in ähnlicher Weise gelungen sein möchte.

Und das redliche Mühen ist auch in diesem Schlußakte, wie in allen wichtigen Momenten des großen Kriegsjahres, durch die Gunst von oben gesegnet worden: es war als hätte der Sommer seine ersten glänzenden Tage diesmal für unser Sieges- und Friedensfest aufbewahrt, und »die Sonne der Hohenzollern-, von welcher überall der Volksmund spricht, strahlte im reinsten Glänze über dem Siegeszuge und der ihm dankbar zujauchzenden Bevölkerung.

Ueber die Siegessitraße und ihre Ausstattung, mit Bezug auf die innere Bedeutung der Siegesfeier, enthält das „Militär-Wochenblatt" Folgendes:

Von so manchem Triumph erzählt die Völkergeschichte, aber wohl keinen vermag sie an Reinheit und innerer Größe diesem Ehrentage der Deutschen an die Seite zu stellen! Ungesüßt kam uns der Krieg, durch den wir das Reich und des Reiches Grenzen wiederhergestclltz todesmuthig und mit immer wachsender Freudigkeit haben wir ihn durchfochten. In heißen Spätsommergluthen begann der Kamps? in Schnee und Eis wurde die letzte gewaltige Schlacht geschlagen,' lauer Lenzhauch wehte, als endlich deS Feindes Hauptstadt ihren festen Gürtel löste, und nun im Frühsommer kehrt die Spitze unseres ruhm- gekrönten Heeres zurück an den heimathlichen Heerd." Fast ein Jahr ist verflossen! Aber der ganze Krieg erscheint, wie er im Erntemond begann, auch wirklich nur als Eine Erntezeit! War der Kampf unS aufgedrungen, — gerüstet fand er uns. Wir hatten ihn nicht gewollt,' aber da er nun kam, so zogen wir in ihm die Summe der ganzen Staatsarbeit am neuen Deutschen Reich, das heißt: die Summe der ganzen preußischen Geschichte. — Und diesem wunderbaren Inhalt unseres Triumphs entspricht auch seine äußere Gestalt, entspricht die via triumphalis (die Siegesstraße)!

Das Feld von Tempelhof, auf dem die einziehenden Trup. Pen sich sammeln, ist für die preußische Armee altgeschichtlicher Boden? kein Schlachtfeld, aber ein Arbeitsfeld! In zwei Jahrhunderten hat auf dieser Erde unsre Garde ihre Schule durchgemacht^ diese Garde, welche seit jener großen Zeit, an die die eherne Kreuzbergssäule mahnt, Vertreterin der waffentüchtigen Jugend aller Provinzen des Landes ist. — Die Straße, welche von diesem Felde zum Thore führt, die Belle-Alliance-Straße — wie stolzes Erinnern weckt ihr Name! Das war die letzte Schlacht gegen den ersten Napoleon, gegen das tolle Frankreich der Hundert Tage. Durchschreitet diese Straße froh und stolz, Ihr Söhne, die Ihr Eurer Väter werth! ' ’

Schenkt auch dem altenLandwehrgraben (dem jetzigen Kanal) einen Blick! Einst im sorgenschweren Frühjahr 1813 sollte er wirklich