und in diesem richtigen Momente ergriffen wurde, um vorwärts zu gehen und den Feind niederzuwerfen? Daß nicht durch Zögerung die rechte Zeit verloren ging? Wir verdanken es unserem Kaiserlichen Feldherrn, in erster Linie dem Könige von Preußen und in zweiter Linie der deutschen entschlossenen Hingebung Seiner erhabenen Verbündeten. /
Wenn ein Monarch, an Jahren und an Ehren reich, mit dieser Entschlossenheit seine nach irdischem Maßstabe kurz bemessene Kraft, seine befriedigt-ruhmvolle Existenz einsetzte für sein Volk, wenn er in seinem hohen Alter einen Kampf durchkämpfte, der ganz anders ablaufen konnte, wenn er dann zurückkehrt und sich fragt: Wem verdanke ich, daß ich siegreich zurückkehre, daß unser Volk geschützt ist vor den Leiden und Drangsalen des Krieges, vor dem Druck des Eroberers, ja daß darüber hinaus Gott seinen Segen gegeben hat, das deutsche Volk in diesem Kriege, wo man es böse mit uns vorhatte, zu einigen und ihm seinen Kaiser wiederzugeben, und dieser erste Deutsche Kaiser kehrt zurück nach einem langen Interregnum (einer langen kaiserlosen Zeit), im Besitz der größten Vollgewalt und Macht, die in diesem Augenblicke in Europa, und fragt sich: durch welche Werkzeuge hat Gott mir das geschenkt, habe ich dies erreicht, wem bin ich Dank schuldig? Dann fällt sein Blick zuerst auf sein Heer und auf die Intelligenz der Führer, und es muß ihm ein Herzensbedürfnis? sein, hier zu lohnen, wo er kann.
Tapferkeit läßt sich im Einzelnen nicht belohnen, sie ist, Gott sei Dank, ein Gemeingut der deutschen Soldaten, so daß man, wollte man belohnen, jeden Einzelnen zu belohnen hätte. Aber die Tapfer- keit allein reicht nicht hin/ Muth haben auch die Franzosen bewiesen, mit Tapferkeit haben sich auch die französischen Soldaten geschlagen/ was ihnen fehlte, waren die Führer, die Pflichttr-euc, dieEinsicht derFührer, die entschlossene Leitung eines Kaiserlichen Monarchen und Feldherrn, der in voller Verantwortlichkeit um Krone und Reich an der Spitze stand, — diese Führung zu belohnen, muß ein Herzensbedürsniß des Kaisers sein.
Ich will von den Nützlichkensmomentcn nicht reden, die darin liegen könnten, daß man ihnen mitten in dem kargen Leben die Hoffnung auf ein ungewöhnlich großes Loos, die Hoffnung, die Napoleon den Marschallsstab im Tornister nannte, daß man sie ihnen nicht ab- schneidet durch eine rechnende Kargheit in dem Augenblicke, wo wunden-, blut- und siegreich das Heer nach Hause kommt, daß man in einem solchen Momente reich belehnt die Dienste, die zu leisten Jeder in die Lage kommen kann. Der gemeine Grenadier kann es bei uns bis zum General bringen / — ich habe Generale gekannt, die keinen anderen Ursprung hatten, von denen der eine eine hohe Stellung an der Spitze des Gencralstabcs einnahm, ein anderer an der Spitze des Remontewesens stand, ein anderer vom gemeinen Kürassier bis zum angesehensten Minister hinaufstieg — dergleichen ist in unseren Verhältnissen, bei unserer Gleichheit vor dem Gesetz überall, wo Auszeichnung da ist, möglich/ und wenn so mancher müde Soldat schließlich frühzeitig sich zurückzieht und sich sagen muß: ich habe es nicht erreicht, dann bleibt ihm die Hoffnung, seine Söhne können etwas Außerordentliches leisten und Belohnung im Dienste des Staates erwerben, wie sie der Kaiser von Ihnen bittet. In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, stellen Sie sich auf die Höhe der Situation und vergessen Sie einen Augenblick den geldbewilligen- den Abgeordneten, denken Sie daran, dieses Herzensbedürfnis Sr. Majestät des Kaisers zu befriedigen, geben Sie Ihm die Befriedigung, die Er durch Seine Hingebung und Seinen hohen Muth um Deutschland so wohl verdient hat.«
Diese Aeußerungen des Reichskanzlers machten augenscheinlich den lebhaftesten Eindruck auf den Reichstag.
Die Mehrheit der Versammlung beschloß nach der ersten Berathung die Vorlage einer Kommission zu überweisen, jedoch nach der ausdrücklichen Erklärung der hervorragendsten Redner nicht etwa um die Sache zu verzögern, sondern weil in der vertraulichen Berathung einer Kommission manche Gesichtspunkte leichter beleuchtet werden können, als in der ganzen Versammlung.
Die Regierung war mit diesem Wege durchaus einverstanden/ sie durste die Zuversicht hegen, daß durch die vertraulichen Mittheilungen über ihre Absichten zur Ausführung des Gesetzes die Bereitwilligkeit des Reichstages zur Bewilligung der beantragten Dotationen nur erhöht werden wird.
Beihülfe für Reservisten und Landmehrmünner.
Der Ausbruch des letzten Krieges hat Hunderttauscnde von ihrer friedlichen Arbeit hinweg zur Abwehr eines von Deutschland nicht hcrausgcfordcrten Angriffs zu den Waffen gerufen. Viele von diesen haben ihre Hingebung für die heiligsten Interessen des Vaterlandes mit ihrem Blute besiegelt. Für sie und für ihre Hinterbliebenen wird das dankbare Vaterland die Fürsorge übernehmen.
Aber auch von vielen der Krieger, welchen es vergönnt ist, unversehrt aus dem Kampfe an den heimischen Heerd zurück- zukehren, hat der Krieg mannigfache materielle Opfer gefordert: Opfer, welche in nicht wenigen Fällen sogar bis zur Gefährdung der gesummten wirthschaftlichen Existenz sich gesteigert haben.
Die Regierung hat deshalb beim Reichstage beantragt, daß aus der von Frankreich zu zahlenden Kriegskontribution den Bundesregierungen die Summe von vier Millionen Thalern zur Verfügung gestellt werde, um aus derselben den durch ihre Einziehung zur Fahne in ihren Erwerbsverhältniffen besonders schwer geschädigten Offizieren, Aerzten und Mannschaften der Reserve und Landwehr die Wiederaufnahme ihres bürgerlichen Berufs nach Möglichkeit zu erleichtern.
Die verbündeten Regierungen gingen hierbei von der Erwägung aus, daß die den Betheiiigtcn zu gewährende materielle Hülse zwar an und für sich Sache der einzelnen Regierungen sein würde, daß aber bei der Dringlichkeit der Lage und in Erwägung des Umstandes, daß die Landesvertretungen, an welche die bezüglichen Anträge um Bewilligung der erforderlichen Mittel eventuell zu richten sein würden, im gegenwärtigen Augenblick in keinem Bundesstaat versammelt sind, es sich rechtfertige, den Weg der Reichsgesetzgebung zu betreten.
Die Angelegenheit war vor Kurzem durch einen von Seiten des Reichstages gestellten Antrag zur Anregung gekommen, in der Richtung, daß direkt von Reichswegen die erforderliche Hülfe gewährt werden solle. Der Minister Del drück hatte damals geltend gemacht, daß die Regierungen einer besonderen Anregung auf diesem Gebiete nicht bedürften, da sie in der Anerkennung für die von den Wehrmännern gebrachten Opfer und in dem Wunsche, den Bedürftigen nach Möglichkeit zu Hülfe zu kommen, mit dem Hause völlig übereinstimmten, daß jedoch die Behandlung dieses Gegenstandes als einer Reichsangelegenheit auf große Schwierigkeiten stoße. Dagegen ward ausdrücklich in Aussicht gestellt, daß die verbündeten Regierungen es sich angelegen sehr lassen würden, auf angemessenem Wege den vorhandenen Bedürfnissen abzuhelfen.
Die jetzige Vorlage der Regierung kommt den Wünschen des Reichstages wesentlich entgegen.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck sprach sich über die Stellung der Regierung in Folgendem aus:
»Ihr Einverständnis mit den Absichten, welche unserem Anträge zu Grunde liegen, hat sich bereits bei einer anderen Gelegenheit bekundet. ES wird sich nur um die Einzelheiten der Ausführung handeln. Die verbündeten Regierungen sind der Meinung gewesen, daß es sich hier um Befriedigung eineS Bedürfnisses handelt, welches nicht in allen Bundesstaaten überhaupt, namentlich nicht in allen gleichmäßig, auftritt. Es waren deshalb von einigen unserer Bundesgenossen Bedenken dagegen geltend gemacht worden, die Sache überhaupt auf dem Reichswege zu behandeln. Diese Bedenken, auf statistische Nachweise basirt, erschienen der Mehrheit der verbündeten Regierungen nicht unbegründet und es ist daher längere Zeit der Gegenstand der Erwägung der Regierungen gewesen, wie sich ein Verfahren finden ließe, nach welchem das Bedürfniß da, wo es vorhanden war, befriedigt und den Regierungen da, wo es nicht vorhanden war, die Opfer nicht auferlegt wurden oder wenigstens nicht in ungleichem Maße auferlegt wurden.
Das Einfachste und Naheliegendste war, diese ganze Sache der Fürsorge der einzelnen Regierungen zu überlassen. Es stand dem nur eins entgegen, und das wurde von denjenigen Regierungen , die das Bedürfniß mehr empfinden, namentlich wo größere Städte und industrielle Bezirke heimisch sind, geltend gemacht/ das Hinderniß war dieses, daß keiner der deutschen Landtage zur Zeit versammelt ist, und daß nach dem Stande der Jahreszeit einige Zeit vergehen wird, ehe ein Landtag, und namentlich einer der größeren, versammelt werden kann.
Es trat deshalb an den Bundesrath die Aufgabe heran, der Ab- Hülfe dieser Bedürfnisse gewissermaßen vorschußweise nahe zu treten und denjenigen Regierungen, welche Mittel dazu verwenden wollen, aber keine konstitutionelle Möglichkeit haben, sich die Mittel im Augenblick zu verschaffen, diese Mittel vorschußweise zu gewähren. In diesem Sinne bitte ich unsere Vorlage aufzufassen.
Es ist nicht damit gemeint, daß durch diese ReichSbewilligung daS