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^ 24. Promnzial - Correspondenz. u IM im.

Meuntsr Zahrgang.

Die Tage des Dsnkes.

Unsere Hauptstadt rüstet und schmückt sich in diesen Tagen, um den heimkehrenden Truppen einen festlichen Empfang zu bereiten.

Zum dritten Male in einer kurzen Reihe von Jahren ist uns vergönnt, solche patriotische Festtage zu begehen, und immer erhebender sind die Thatsachen und Empfindungen, welche der Freude unseres Volkes zu Grunde liegen.

Am 7. und am 17. Dezember 1864 fand der erste Sreges- einzug in Berlin statt. Seit einem halben Jahrhundert hatten Preußens Waffen geruht und Viele meinten an der schlagfer­tigen Kraft derselben zweifeln zu dürfen, als zuerst in Dem Feldzuge für Schleswig-Holstein die neue Organisation unseres Heeres hoffnungsvoll erprobt und bei Düppel und Alsen Preußens Kriegsruhm glänzend erneuert wurde.

Noch nicht zwei Jahre waren seitdem verfloffen, als unsere Hauptstadt am 20. und 21. September 1866 dem Heere einen Triumphzug von ganz anderer Bedeutung bereiten konnte: die Tage von Nachod bis Königgrätz, sowie der Feldzug am Main hatten auch die kühnsten Hoffnungen, welche nach jener ersten Erprobung auf das verjüngte Heer gesetzt wurden, bei Weitem übertroffen und die Stellung Preußens und Deutschlands unter den Weltmächten gesichert und erhöht. Nicht ein augenblicklicher Siegesrausch lag der damaligen Festfreude zu Grunde, sondern das tief begründete patriotische Ahnen und Bewußtsein, daß durch die Siege unseres Heeres eine neue Zeit der deutsch­nationalen Wiedergeburt und Erhebung angebrochen sei. In dieser Zuversicht lag zugleich der Keim der Versöhnung für die deutschen Stämme, welche damals an unseren Freudengcsühlen nicht Theil nehmen konnten. >

Und am 16. Juni 1871 feiert unsere Hauptstadt wiederum ein Siegesfest, — aber diesmal feiert es ganz Deutschland mit uns. Unter Führung unsers Helden-Königs und -Kaisers ziehen mit unserer alten preußischen Königsgarde die Vertreter des gesammten deutschen Reichsheeres in die deutsche Kaiser­stadt ein, und die Herzen des Volkes im weiten deutschen Vaterlande geleiten sie.

Einen solchen Festtag hat das alte Preußen in seiner ganzen ruhmreichen Geschichte, hat Deutschland in seiner mehr als tausendjährigen Entwickelung noch nicht gefeiert. Es ist ein Siegesdankfest in der seltensten Bedeutung: in einem Kampfe gegen die stolzeste aller Militärmächte war der Sieg vom ersten bis zum letzten Augenblicke an unsere Fahnen ge- feffelt, von den ersten überraschenden Erfolgen bei Weißenburg und Wörth bis zu der schließlichen Katastrophe Bourbaklv war das Vorgehen unserer Armeen ein ununterbrochener bei­spiellos glänzender Siegeslauf.

Auch in diesem gewaltigen Kriege, wie in den beiden jüngst vorhergegangenen, ist der heimathliche Boden von jedem feind­lichen Einbrüche verschont geblieben: die Gefahren, welche un­seren westlichen Provinzen und dem Süden Deutschlands beim Beginn des Krieges und in der letzten Stunde wieder zu drohen schienen, sind durch die Weisheit der militärischen Führung und durch die Tapferkeit der Armeen auf fast wunderbare Weise abgewendet worden.

Doch unsere Festfreude gilt nicht blos dem Siege und seiner unmittelbaren Bedeutung, sie gilt vor Allem auch den mächti­gen dauernden Erfolgen der siegreichen deutschen Erhebung. Inmitten der militärischen Triumphe feiern wir Deutschlands Auferstehung zu einem mächtigen Reiche, und der Jubel über die Kriegserfolge ist um so größer und inniger, als wir in der errungenen Macht die Bürgschaft einer weiteren friedlichen und segensvollen Entwickelung finden dürfen.

Niemals gewiß hat ein Volk mehr Grund zu freudigem Danke gehabt, als das preußische, das deutsche Volk in diesen herrlichen Tagen.

So soll denn auch der Dank nicht blos in festlicher Be­grüßung, sondern nach allen Seiten mit der That erstattet werden.

Während die Bevölkerung den heimkehrenden Siegern einen würdigen Empfang bereitet, wird unser Kaiser in Folge der Zustimmung des Deutschen Reichstages die Gesetze verkünden

können, in welchen die dankbare Fürsorge des deutschen Volkes für diejenigen Männer und deren Familien bethätigt wird, welche im Dienste des Vaterlandes ihr Blut oder ihre Kraft dahingegeben oder sich hervorragende Verdienste um den glor­reichen Ausgang des Krieges erworben haben.

Die letzte und höchste Weihe aber wird die dankbare Stim­mung unseres Volkes am 18. Juni vor dem Angesichte des Herrn aller Heerschaaren suchen, der uns über ^Bitten und Verstehen gegeben hat, was wir bei dem Beginn des Krieges im gemeinsamen Gebete erfleht hatten.-

Dank des Kaisers und des Volkes für die deutschen Heerführer.

Der letzte Krieg, welcher Deutschland seine Einheit wieder- gegeben und das geeinigte Vaterland auf eine kaum in einer früheren Epoche seiner Geschichte erreichte Stufe der Macht ge» hoben hat, steht, wie in seinen Erfolgen, so auch in dem Glänze seiner Kämpfe und Siege, unübertroffen da.

Die verbündeten deutschen Heere haben in diesem Kriege, wetteifernd in Tapferkeit und edler Mannßzucht, durch eine Reihe glorreicher Siege die Einigung Deutschlands mit ihrem Blute besiegelt/ ihnen voranleuchtend in allen kriegerischen Tu­genden heldenmüthige Heerführer, welche die nationale Wehr­kraft für den vorliegenden Entscheidungskampf gefestigt und unter deren umsichtiger und erfolgreicher Leitung, gleich stark und unüberwindlich in Angriff wie in Abwehr, alle Theile der deutschen Heeresmacht auf feindlichem Boden sich unverwelkliche Lorbeeren errungen haben.

Dieser Männer Andenken wird die Nachwelt in treuer Verehrung bewahren. Das dankbare Vaterland aber will Verdienste, welche der Geschichte angehören, auch auf eine der Gegenwart würdige Weise ehren.

Die Kaiserliche Regierung hat der Vertretung des deutschen Volkes die Gelegenheit geboten, den Heerführern, welche zu dem glücklichen Ausgange des Krieges in hervorragender Weise bet« getragen haben, den Dank des Vaterlandes abzustatten, indem sie einen Gesetzentwurf verlegt, durch welchen zur Verleihung von Dotationen (Staatsschenkungen) an diese besonders ver­dienten Männer dem Kaiser eine Summe von Vier Millionen Thalern aus der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädi- gung zur Verfügung gestellt werden soll.

Der Reichskanzler Fürst BisMarck gab bei der ersten Berathung des Gesetzentwurfs im Reichstage folgende nähere Begründung des Antrages:

-Es handelt sich hier um einen Akt Königlicher Freigebigkeit, zu dem Se. Majestät der Kaiser Sie bittet, ihm die Mittel zu gewähren. Es ist ein ungewöhnlicher und seltener Fall, in welchem ich auch Nachsicht dafür in Anspruch nehme, baß ich von dem konstitutionellen Brauche, die Person des Souveräns hier nicht zu nennen, mich ent­ferne. Ich will picht von dem Souverän im eigentlichen Sinne des Wortes sprechen, ich will von dem Kaiserlichen Feldherrn reden und auch von diesem nicht direkt, sondern Sie nur indirekt bitten, sich die Frage zu stellen, wie etwa diese Verhältnisse hätten ablaufen können, wenn auf dem Throne von Preußen sich ein anderer Monarch als Seine jetzt regierende Majestät befunden hätte.

War es nicht möglich, daß dieser große Krieg, der größte unseres Zeitalters, der ein Menschenalter, ein halbes Jahrhundert hindurch wie eine große Wolke am Horizonte Deutschlands schwebte, daß der bei dem Monarchen, der auf dem mächtigsten der deutschen Throne steht, nicht die gleiche Entschlossenheit, den gleichen Muth, diesen hohen Muth, der Krone, Reich und Leben freudig einsetzt, vereinigt fand, — war es nicht möglich, daß dieser Krieg entweder im Allgenblicke vermieden worden wäre unter Umständen, die das deutsche Rational- gefühl schwer geschädigt und gekränkt hätten, — war es' nicht mög­lich, daß er aufgeschoben worden wäre, bis der Feind Bundesgenossen gegen uns gefunden hätte. — Alles dies nicht aus dem Gesichtspunkte einer Aengßlichkeit, die ich bei keinem deutschen Fürsten voraussetze, aber aus dem Gesichtspunkte wohlwollender, väterlicher Friedensliebe, die nicht zu rechter Zeit das Schwert zu ergreifen versteht? War es nicht möglich, daß dieser Krieg mit weniger Geschick, mit weniger nützlicher Verwendung aller Mittel, vor allen Dingen mit weniger vorbereiteten Mitteln geführt wurde?

Wem verdanken wir alles Dies? Wem verdanken wir, daß die Mittel sorgfältig vorbereitet waren, daß der Krieg mit diesem Geschick, mit dieser Entschlossenheit