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Um jenen Zweck zu errettn und dauernd zu sichern, verlangen sie die sclbstständige Regierung der Kommune ron Paris, die freie Wahl und Absetzung aller Führer der Rationalgarde, ferner die ab­solute Beseitigung alles Militärs in Paris und dergleichen mehr.

Die Regierung in Versailles sucht zur Zeit Kräfte herbeizuzichen, um ihre Herrschaft über Frankreich zu behaupten und demnächst auch Paris gegenüber wieder zur Geltung zu bringen.

Daß ganz Frankreich, mit Ausnahme der Volks­massen in den großen Städten, die Wiederherstellung einer festen Ordnung ersehnt, davon haben die Wahlen zur Nationalversammlung, »die freiesten, welche jemals in Frankreich stattgefunden,« unwiderleglich Zeugniß gegeben. Bei der tiefen Zerrüttung und Zerfahrenheit aller Verhältnisse wird es jedoch überaus schwer halten, eine »Armee der Ordnung- den'revolutionären Gewal­ten gegenüber wiederherzustellen.

Vor Allem scheint es innerhalb der Regierung an einem Mann der That zu fehlen, welcher die Energie und das Ansehen besitzt, um die Kräfte, welche der Ruhe, der Ordnung noch zur Verfügung stehen oder für die­selben aus allen Theilen des Landes zu gewinnen sind, zu organisiren und erfolgreich zu verwenden.

Die Rettung Frankreichs vor unsäglichem Elend hängt davon ab, wie bald sich ein solcher Mann findet.

Die Stellung unserer Regierung und unserer Armeen gegenüber den inneren Wirren Frankreichs war vom ersten Augenblicke klar vorgezeichnet: dieselbe wird lediglich durch die Fürsorge für die Aus­führung der mit der Regierung Frankreichs vereinbarten Friedens­präliminarien und für die Erfüllung der durch dieselben Seitens Frankreichs übernommenen Verpflichtungen bedingt.

Seitens des deutschen General - Gouverneurs in den von uns besetzt gehaltenen Gebieten, des General von Fahr ice, ist der Re- gierung in Versailles am 22. folgende Mittheilung Namens der deut­schen Regierung zugegangen:

»3$ habe die Ehre, Sie davon in Kenntniß zu setzen, daß An­gesichts der Ereignisse, die so eben in PariS geschehen, und kaum mehr die Ausführung der Konvention für die Folge erwarten lassen, der Ober-Befehlehaber der deutschen Armee vor Paris jede Annäherung an unsere Linien vor den von uns besetzten Forts untersagt, binnen 24 Stunden die Wiederherstellung der bei Pantin zerstörten Tele­graphenleitung verlangt und Paris als feindliche Stadt be­handeln wird, sobald sie sich zu den Friedensprälimi­narien in Widerspruch setzt, was sofort zur Folge haben würde, daß aus den von uns besetzten Forts das Feuer auf die Stadt eröffnet wird.»

Von militärischer Seite wurde Namens des kommandirenden Generals vor PariS dem Kommandirenden in Paris mitgetheilt, daß unsere Truppen sich gegen Paris friedlich und passiv verhalten würden, so lange nicht die Ereignisse in Paris einen feindseligen Charakter gegenüber den deutschen Armeen annehmen. Es handelt sich hierbei vor Allem um das Verhältniß der beiderseitigen Vorposten. Jules Favre antwortete auf die Mittheilung des Generals von Fabrice Folgendes:

»Die aufständische Bewegung, welche in Paris triumphirt hat, ist nur eine Ueberraschung gewesen, vor welcher sich die Regierung nur für den'Augenblick zurückgezogen hat, um den Bürgerkrieg zu ver­meiden. Sie ist das Werk einer Handvoll von Aufwieglern, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung verleugnet, von den Maires energisch bekämpft wird, welche muthig Widerstand leisten. Die Depar- tements sind einstimmig, sie zu verdammen und der Versammlung ihre Mitwirkung zu versprechen. Die Regierung wird sie bemustern und wenn sie es nicht gleich morgen thut, so ist es, um Blutvergießen zu vermeiden. Ew. Excellenz kann also beruhigt sein, unsere Verpflichtungen werden gehalten. Sie werden gegenüber diesen Thatsachen und unserer be- stimmten Erklärung, der Stadt Paris, welche durch die Friedens­präliminarien geschützt wird, nicht das Unheil einer militärischen Exe­kution zufügen wollen. Es wäre das, Unschuldige die Verbrechen einiger verderbten Menschen büßen lassen, welche die Feinde ihres Vaterlandes sind.

Ich habe die Ehre, Ew. Excellenz zu wiederholen, daß, Dank dem - gesunden Sinne der großen Mehrzahl der Bevölkerung von Paris, Dank der festen Haltung der Versammlung und der unbe­dingten Unterstützung der Departements, die Sache des Rechts übcr- wiegen wird, und in wenig Tagen wird es mir möglich sein, Ew. Excellenz eine vollständige Genugthuung zu geben für diejenigen Ihrer Reklamationen, welche unsere Verpflichtungen rechtfertigen.«

Herr Favre hat hier die Lage augenscheinlich günstiger beurtheilt, als sie war.

Unsere Regierung aber wollte, nachdem sie ihre Stellung bestimmt bezeichnet hatte, ihrerseits die Schwierigkeiten der Lage nicht erhöhen, sie hat vielmehr in jeder Beziehung die Verlegenheiten der französi­schen Regierung berücksichtigt. Um so bedauerlicher ist es, daß Herr Thiers sowohl, wie Jules Favre, es sich nicht versagt haben, in einzelnen Andeutungen den völlig sinnlosen Vorwurf gegen unsere

Regierung zu richten, als stien durch dieselbe die Vorgänge in Paris begünstigt worden.

Die öffentliche Meinung in Europa ist übrigens einstimmig darin, dem Verhalten der deutschen Regierung in dieser neuen Krisis ebenso entschieden Anerkennung zu zollen, wie sie sich von der Be­wegung in Paris mit Abscheu abwendet und die Schwäche der fran­zösischen Regierung beklagt.

Der Kö»iq Johann von Sachsen ist, nachdem in der letzten Woche fast alle Fürsten Norddeutschlands als Gäste unsers Kaisers in Berlin verweilt hatten, am 26. März gleich­falls zum Besuche am hiesigen Hofe eingetroffen und mit der Herzlichkeit und Auszeichnung empfangen worden, welche seinem hohen Verdienste um die Entwickelung der deutschen Verhält­nisse in den letzten Jahren und der herrlichen Bewährung der sächsischen Truppen im jüngsten Kriege entspricht.

Auszeichnungen. Nachdem unser Kaiser am 21. März den Reichskanzler Grafen Bismarck in den Fürstenstand er­hoben, ist am 22. März den um den Erfolg der Kriegführung vorzugsweise verdienten Generalen, nämlich unserm Kronprin­zen und dem Prinzen Friedrich Karl, dem Kronprinzen von Sachsen, dem General von Manteuffel, dem Ge­neral Grafen Moltke, dem General von Goeben und dem General von Werder das Großkreuz des Eisernen Kreuzes, dem Kriegs-Minister General von Roon der Stern der Groß- komthure des Königlichen Hausordens von Hohenzollern ver­liehen worden.

Dem Finanz-Minister Camphausen hat der Kaiser und König in Anerkennung der vorzüglichen Leitung unserer Finan­zen in der jüngsten schwierigen Zeit, durch welche es möglich wurde, den außerordentlichen Bedürfnissen in jedem Augenblicke gerecht zu werden, den Rothen Adler-Orden erster Klasse ver­liehen. ______________

Der Reichstag hat zu seinem ersten Präsidenten den alt bewährten Leiter deutscher Parlamente, den Präsidenten Simson, fast einstimmig gewählt, zum ersten Vize-Präsidenten den früheren bayerschen Minister Fürsten Hohenlohe-Schil- lingssürst, zum zweiten Vize-Präsidenten Abg.Weber (aus Württemberg).

Zu Ehren des Deutschen Reichstages fand am 23. im Schlosse unsers Kaisers ein Festmahl statt, zu welchem sämmtliche Mitglieder des Reichstages, sowie des Bundesrathes geladen waren. Vor dem Festmahle wurden die Reichstags­mitglieder einzeln Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin vorgestellt.

Die preußischen Finanzen. Die Frage, wie der Krieg auf den Gang und die Ergebnisse der preußischen Finanz. Verwaltung einwirken würde, hat namentlich im vergangenen Winter, als es sich um die Feststellung des Budgets für das Jahr 1871 handelte, lebhafte Aufmerksamkeit aus sich gezogen. Bei der jähen Störung des Friedens in der Mitte des vorigen Jahres mußte befürchtet werden, daß ein Krieg von so gewal­tigen Dimensionen nach vielen Richtungen hin aus den Haus­halt des Staates störend und lähmend einwirken würde. Als aber in Folge der ununterbrochenen Erfolge der deutschen Waffen bald auf allen Gebieten des Verkehrslebens das Vertrauen zurückkehrte und sich mehr und mehr befestigte, schwanden jene Befürchtungen, und die Regierung konnte schon gegen den Schlüß des vorigen Jahres bei den Budgetberathungen im Landtage die Erwartung aussprechen, daß die Finanzverwal­tung Preußens für das Jahr 1870 trotz des Krieges ohne ein- Defizit, vielmehraller Voraussicht nach mit einem Ueberschuß abschließen würde. Diese Erwartung hat sich in erfreulicher Weise erfüllt. Die Abschlüsse, wie sie von allen Kassen des Landes vorliegen, ergeben nunmehr als Gesammtresultat für das Jahr 1870 einen Netto-Ueberschuß von ca. sechs Millionen Thaler. Es ist außer Zweifel, daß ein solches Ergebniß nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht der Krieg einen so überaus glück­lichen Verlauf genommen hätte. Aber daß überhaupt ein Jahr, in welchem das Land in einen so schweren Krieg verwickelt war, einen so günstigen finanziellen Abschluß ausweisen kann, ist ein sicherer und erfreulicher Beweis dafür, daß das Finanz­wesen und das gesammte wirthschaftliche Leben in Preußen auf gesunden und festen Grundlagen ruhen.

Verantwortlich; E. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).