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VrovnyiN - Correspondenz 29. Mq isn.

Neunter Jahrgang.

Fürst von Bismarck.

In der denkwürdigen Stunde, wo sich die Vertreter des neuen Deutschen Reiches zum ersten Male um den Thron des Deutschen Kaisers versammelten, ist der Bundeskanzler Graf von Bismarck zum Fürsten erhoben worden.

Kaum hätte zur Verleihung dieser Würde ein bezeichnen- derer Tag gewählt werden können/ denn mit der Wieder- erstehung deS Deutschen Reiches wird der Name Bismarck für alle Zeiten innig verknüpft sein, und in dem großen welt­geschichtlichen Akte, welcher am 21. März 1871 im Schlosse unserer Könige vollzogen wurde, durfte der neue Fürst- Reichskanzler mit tiefer Genugthuung die Frucht seines langjährigen politischen Denkens und Schaffens erblicken.

Es ist jetzt nicht die Zeit zu geschichtlichen und politischen Rückblicken/ die Gegenwart mit ihren gewaltigen Eindrücken nimmt die Geister zu mächtig in Anspruch. Die künftige Ge­schichtsschreibung aber wird mit Bewunderung die stetig aus­steigende Entwickelung der Bismarckschen Politik in ihrem inneren Zusammenhänge überschauen und würdigen: von dem unscheinbaren Anfänge, der raschen und gebieterischen Lösung der langjährigen turhessischen Wirren, von der festen Haltung Europa gegenüber in der Frage des Pol- Nischen Aufstandes, von der Abweisung des Frankfurter Fürstentages bis zu dem glorreichen Frieden von Versailles, welcher zwei seit Jahrhunderten von Deutschland getrennte Pro­vinzen in die nationale Gemeinschaft zurückführt, geht derselbe Geist selbstbewußter Kraft und klarer fester Entschlossenheit, dasselbe Streben einer wahrhaft deutschen Großmachtspolitik durch die ganze Reihe immer wichtigerer diplomatischer Thaten hindurch.

Diese Thaten und ihre großen Ergebnisse verdienen aber um so höhere Bewunderung, als sie lange Zeit hindurch der widerstrebenden öffentlichen Meinung des eigenen Landes ab- gerungen werden mußten und eine freudige Mitwirkung zum Theil erst cintrat, als die wesentlichsten Erfolge bereits errun­gen, als der Grund zum nationalen Neubau bereits sichtlich gelegt war.

Der Bundeskanzler hat die hohe Genugthuung, daß die deutsche Entwickelung in den Bahnen, in welche er sie geleitet hat, rascher als irgend Jemand es ahnen konnte, zum glor­reichen Abschlüsse gelangt ist, daß aus den Keimen der Eini­gung zwischen Nord und Süd, die er gepflanzt und sorglich gepflegt hat, in der Stunde, der Entscheidung die reise Frucht der vollen Einheit und Kraft hervorging. Die nationale Er­hebung Süddeutschlands im vorigen Sommer und die glor­reiche Waffengemeinschaft, welche Deutschland schützte und Frank­reich niederwarf, waren nur möglich in Folge jener umsichtigen, wahrhaft bundesfreundlichen Politik, welche in den letzten Jah­ren unsere Beziehungen zu Süddeutschland leitete.

»Setzen wir Deutschland in den Sattel, reiten wird es schon können«, — rief Graf Bismarck beider Gründung seines nationalen Werkes allen Zweiflern zu, — und seine Zuversicht hat sich in wunderbarer Weise erfüllt. Durch den Ritt des geeinigten Deutschlands nach Frankreich hinein ist nicht blos die Kraft des deutschen Volkes herrlich er­probt und bewährt, sondern ein neues Zeitalter der europäi- schen Politik ist eingeleitet worden.

Der neue Fürst - Reichskanzler ist eine der großen weit« 'geschichtlichem Persönlichkeiten geworden, deren Wirken weit hinäusragt über den Bereich des Landes, welchem sie angehören.

Die jüngste feierliche Kundgebung von dem Throne des Deutschen Kaisers hat Zeugniß davon gegeben, in welch er- habenem Geiste die Seböpfer der neuen Ordnung der Dinge ihre und des deutschen Volkes weitere Aufgaben erfaßt haben: ein glorreicher Reichsfrieden, ein Wettkampf der Völker um die Güter des Friedens soll das Ziel der ferneren deutschen Politik sein.

Möge es dem Fürsten von Bismarck vergönnt sein, als herrlichste Frucht seines an Mühen und Erfolgen so reichen Wirkens fortan auch den Dank des Volkes für einen wahrhaft segensvollen Reichsfrieden und eine immer blühendere innere Entwickelung Deutschlands zu erndten.

Dank des Kaisers.

Nach dem nunmehr glücklich beendigten Kriege in die Hei- math zurückgekehrt, sind Mir an Meinem Geburtstage nicht nur aus sämmtlichen Provinzen der Monarchie, sondern auch aus allen übrigen Theilen des deutschen Vaterlandes von Ge­meinden, Korporationen, Vereinen, Festversammlungen und einzelnen Personen zahlreiche Glückwünsche schriftlich wie telegra­phisch zugekommen. Diese Kundgebungen, welche Mir als'ein Beweis treuer Liebe und Anhänglichkeit gelten, haben Mich mit freudiger Bewegung und Genugthuung erfüllt. Mein Herz drängt Mich, Allen Meinen aufrichtigsten und tiefgefühltesten Dank dafür auszusprechen. Ich beauftrage Sie, dies zur öffent­lichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, den 24. März 1871. Wilhelm.

An den Minister des Innern.

Armeebefehl des Kaisers beim Scheiden aus Frankreich.

Soldaten der deutschen Armee! Ich verlasse an dem heutigen Tage den Boden Frankreichs, auf welchem dem deutschen Namen so viel neue kriegerische Ehre erwachsen, auf dem aber auch so viel theures Blut geflossen ist. Ein ehrenvoller Frieden ist jetzt gesichert und der Rückmarsch der Truppen in die Heimath hat zum Theil begonnen. Ich sage Euch Lebe­wohl, und Ich danke Euch nochmals mit warmem und ge­hobenem Herzen für Alles, was Ihr in diesem Kriege durch Tapferkeit und Ausdauer geleistet habt. Ihr kehrt mit dem stolzen Bewußtsein in die Heimath zurück, daß Ihr einen der größten Kriege siegreich geschlagen habt, den die Weltgeschichte je gesehen, daß das theure Vaterland vor jedem Betreten durch den Feind geschützt worden ist unb daß dem Deutschen Reiche jetzt Länder wiedererobert worden sind, die es vor langer Zeit verloren bat. Möge die Armee des nunmehr geeinten Deutsch­lands dessen stets eingedenk sein, daß sie sich nur bei stetem Streben nach Vervollkommnung auf ihrer hohen Stufe er­halten kann, dann können wir der Zukunft getrost entgegen- sehen.

Nancy, den 15. März 1871. (gez.) Wilhelm.

Stiftung eines WerdicustkreuzeS für Frauen und Jungfrauen.

Erlaß des Kaisers und Königs an das Staats-Ministerium.

Indem Ich der großartigen, opferfreudigen Thätitzkeit, welche die Frauen und Jungfrauen des gesummten Deutsch­lands dem Wohle der Kämpfenden und deren Angehörigen ge­widmet haben und noch widmen, Meine volle Anerkennung zolle, fühle Ich Mich gedrungen, hervorragenden Verdiensten auf diesem segensreichen Felde durch ein gemeinsames Zeichen die Dankbarkeit des Vaterlandes zu sichern. Der Luisen-Orden vermag diesem Zwecke nicht zu dienen. Nach den Statuten darf die Verleihung der vor allem in Betracht kommenden ersten Abtheilung desselben nur in der geringen, zur Zeit ohnehin erfüllten Zahl von einhundert erfolgen/ überdies sind beideAbthei- lungcn jenes Ordens auf Angehörige der preußischen Monarchie beschränkt. Zur Erreichung Meiner Intention ist demnach die Stiftung eines besonderen Ordens unerläßlich. In solcher Er­wägung habe Ich die Mir vom Staats-Ministerium vorgelegte Urkunde über die Stiftung des Verdienstkreuzes für Frauen und Jungfrauen vollzogen, und veranlasse das Staals-Mimste- rium, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, den 22. März 1871. Wilhel m.

(Das Ordenszeichen besteht in einem Kreuz von schwarzer Emaille mit silbernem Rande, welchem ein rothes, weißgerän- dertes Kreuz aufgelegt ist. Dasselbe ist auf der Rückseite in der Mitte mit dem Namenszuge des Kaisers und der Kaiserin, in der oberen Spitze mit der Königlichen Krone, in der unteren Spitze mit der Zahl 1870/71 versehen und wird an einem weißen, schwarzgeränderten Seidenbande mit gleicher Schleife und silbernem Ringe auf der linken Brust getragen.)