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von Paris einzog, um alle Täuschungen der Pariser zu zerstören und durch einen deutlichen Akt kund zu thun: daß Paris wirklich in unseren Händen war, und daß die Räumung der Stadt von der Ge­nehmigung deS Friedens durch die Versammlung in Bordeaux »ab­hängig gemacht war.

Warum Frankreich Frieden schließe» nlnßte.

In der Sitzung der Nationalversammlung, in welcher über die Annahme der Friedenspräliminaiien entschieden wurde, äußerte sich das Haupt der jetzigen Regierung, Herr Thiers, über die Lage Frankreichs wie folgt:

Der Krieg hat zwei Perioden gehabt: zuerst die, welche auf die berüchtigte Kriegserklärung folgte, und dann die Periode nach dem 4. September (nach der Erklärung der Republik). Ich will über Niemand richten, will Niemand verurtheilen. Ich bin überzeugt, daß Jeder gethan Hat, was in seinen Kräften stand. Was mich betrifft, so habe ich mit jenen beiden Perioden nichts zu thun gehabt,' wenn der Krieg keinen glücklichen Verlauf genommen hat, so kann man weder mich, noch meine Kollegen, welche mir die Versammlung seit einigen Tagen zur Seite gestellt hat, dessen anklagen.

Als ich unterbandeln mußte, fand ich die Ucbergabe von Sedan. von Metz, von Paris vor, fand die Armeen zerstreut, welche der Hauptstadt zu Hülfe eilen sollten, es aber nicht vermochten.

Ich habe die Unterhandlungen mit allem Patriotismus, dessen ich fähig war, geführt. Ich habe mit aller meiner Kraft Tage lang gekämvft. Ich habe nicht mehr thun können, als ich gethan habe. Glauben Sie bessere Bedingungen erlangen zu können, so schicken Sie andere Unterhändler,' Sie werden mir einen großen Dienst damit erweisen. Sie werden mich von einer drückenden Last befreien. Wenn Jemand glaubt, noch militärische Hülfsquellen zu haben, so komme er her, und lege sie uns dar.

Sprechen Sie nicht von Ehre gegen Leute, die ebensoviel Ehre haben wie Sie, welche dieselbe aber nicht darin finden, das Wohl ihres Landes auf's Spiel zu setzen, um einer falschen Popularität willen.

Ich für meinen Theil zweifle nicht an der Macht meines Landes, wenn ich sage, daß wir jetzt nicht mehr kämpfen können. Nein, ich zweifle nicht an Frankreichs Macht, und der Feind, den wir vor uns haben, zweifelt ebensowenig daran..... Wenn er einen so großen Theil unserer Reichthümer fordert, so thut er das eben nur in der Hoffnung, uns zu schwächen. An Frankreich zweifle ich also nicht. Ja, diese Macht unseres Landes ist mem Trost in unserm heutigen Schmerz. Gewiß, ich glaube an seine Zukunft. Ja gewiß! ich glaube daran/ aber unter der Bedingung, daß wir endlich Vernunft annch- men, daß wir uns nicht mehr mit Worten abspeisen, sondern daß wir zu den Worten Thaten fügen, und daß wir nicht nur Vernunft, sondern auch den Muth der Vernunft haben.

Ich zweifle nicht an Frankreichs Macht, aber ich zweifle an seiner heutigen Organisation. Seine militärische Organisation ist gebrochen,' das ist das Geheimniß seiner Schwäche.

Warum ist diese Organisation gebrochen worden? Als man die Thor­heit begangen hatte, im vergangenen Monat Juli den Krieg zu erklären, da habe ich vom ersten Tage an gesagt, daß Frankreich.nicht vorbereiret sei. Wie konnte man Infanterie - Regimenter von 13—1400 Mann Effektivstärke tn acht Tagen zu 3000 Mann starken Kriegsregimentern machen? DaS war unmöglich. Ich hab? damals zu den Ministern gesagt: »Stellen Sie mich dem Kriegs-Minister gegenüber und ich werde ihm beweisen, daß Sie nicht vorbereitet find, daß Sie es nicht sein können.«

Sie wissen, was geschah. Um die Vollzähligkeit herzustellen, mußte man statt eines Regimentes zwei schicken) das heißt, man mußte, um mich so auszudiücken, die Cadres ohne Soldaten schicken, was ohne Beispiel in der Militärorganisätion war. Ich habe es allen Mächten wiederholt: Frankreich war dasselbe, was es immer gewesen war,' aber seine Organisation war durch die Unklugheit und llncr- fahrenheit der gefallenen Regierung zerstört worden.

Man führte also den Krieg mit leeren Cadres. Und was ge- schah? Bon 120 Regimentern wurden 116 bei Sedan uyd Metz zu Gefangenen gemacht. In Folge dessen wurde man gezwungen, den Krieg ohne Cadres, ohne Offiziere fortzusetzen, mit tapferen Soldaten — der Feind selbst hat ihre Tapferkeit mir gegenüber anerkannt —; aber Soldaten ohne Organisation, ohne Offiziere können tapfer fein; sie bilden darum noch keine Armeen. Diejeni­gen, welche das nicht einsehen, können höchstens ihr Land preisgeben, wenn sie die Leitung seiner Angelegenheiten übernehmen.

Merken Sie wohl! man kann nicht plötzlich Armeen schaffen. Selbst die Revolution, auf welche man so oft hinweist, hat nichs Plötzlich Armeen geschaffen. Sie führte einen ersten Krieg. mit einem Mann von überlegenem Geist, den ein glücklicher Zufall ihr zugeworfen hatte, mit dem General Dumouriez, aber er führte die alte Königliche Armee. Mit dieser Armee hat die Revolu­tion ihre ersten Siege davongetragen Später wandte sich die Sache lange Zeit, bis zu dem Augenblick, wo sie endlich wirkliche Armeen schaffen konnte.

Ich will nicht etwa Frankreichs Schwäche vor Ihnen vertheidi­gen: ich sage nur, daß unsere Organisation gebrochen ist und daß Sie dieselbe nicht in einigen Tagen wiederherstellen können. Ich wieder­hole: nicht Frankreich ist gebrochen und ohnmächtig, sondern nur seine Organisat on ist durch eine Unklugheit phne Gleichen vom Beginn des Krieges an vernichtet.

Frankreich konnte zu allen Zeiten eine, zwei, drei Armeen auf- stellen. Diesmal ist ihm das nicht gelungen, weil man den Krieg nur mit Cadres führte, und weil es nachher keine Cadres mehr in Frankreich gab. So muthig die Dauern, die Bürger auch sein mögen,' wenn sie den Krieg nicht verstehen, sind sie keine wirklichen Soldaten. Der Beweis liegt in unseren letzten Niederlagen vor uns. Es waren tapfere und geschickte Männer: der General Faidherbe, der General Chanzy, der Genersl Bourbaki,' und trotzdem, welche Resultate haben sie erreicht? Es ist nicht ihre Schuld, ihrem Talent und ihrer Energie lasse ich Gerechtigkeit widerfahren.

Nicht weniger wahr ist es aber, daß die Armee des General Faidherbe zerstreut und in die festen Plätze geworfen worden ist,' daß der General Bourbaki, der das Unglück seiner Armee nicht überleben wollte und der es nur wider seinen Willen überlebt hat, gezwungen wurde, seine besiegle Armee der Schweiz zu überliefern, ohne seine Schuld,' und daß sogar General Chanzy sich zurückziehen mußte.

Nun, in dieser Lage möge Jemand kommen und mir sagen, daß wir einer regulären Armee von 500,000 Mann widerstehen können,' dann werde ich ihm antworten: Nein! Sie würden nur Frank­reichs Untergang herbeiführcn, Sie würden es in Armuth stürzen, Sie würden seine letzten Hülfsquellen verbrauchen, und Sie würden ihm dre Mittel nehmen, zu der Zukunft zu gelangen, die Sie ihm wünschen, und die hoffen zu dürfen, heute mein einziger Trost ist.

Ja, meine Herren, Sie wollen -ine andere Zukunft für daS Vaterland. Ich will es auch, ich wünsche es heiß,' und bei meinem hohen Alter hält mich nur die Hoffnung aufrecht, dazu beitragen zu können, wennauch nicht mehr lange, so döch noch einige Zeit. Der- halb aber müssen Sie die Wahrheit wissen,' Sie müssen den Muth haben, sie sich selbst zu sagen und daran zu glauben.

Nur dann werden Sie eine ernsthafte Nation sein und ein besse­res Schicksal verdienen. Es ist schwer, der Wahrheit Gehör zu ver­schaffen,' ja es ist sehr schwer, die Nationen zu bewegen, die Wahrheit anzuhören.

Meine Herren, wenn Sie jetzt die Wehrheit nicht hören und glauben wollen, dann werden Sie vielleicht noch titelte Rühmen von der Zukunft unserer Nation machen, aber in dem Augenblicke, ivo Sie unsere Zukunft auf solche Weise rühmen, werden Sie dieselbe ver­nichten.

Unser Kaiser hat am 7. März Vormittags die Rückkehr nach der Heimath angetreten; schon am frühen Morgen hatten sich die Ossiziercorps und die Truppen der Garnison vor dem Präfekturgebäude in Versailles versammelt, um dem geliebten Kriegsherrn einen Abschiedsgruß zuzurufen. Derselbe wurde, als er Heraußkam, um den Reisewagen zu besteigen, mit be­geistertem Hurrah empfangen. Er richtete Worte des Dankes und der Anerkennung an die Truppen und betonte dabei, daß im Gefühl des Sieges und der Genugthuung, mit denen die Truppen Versailles verlassen könnten, der Dank des Vater­landes und all seiner Kinder für die Gefallenen und Verwun­deten, welche nicht mit der Armee in die Heimath zurückkehrlen, nicht vergessen werden möge. Die Soldaten verbreiteten sich dann eilends bis ans äußerste Ende der Stadt und der Kaiser verließ unter ihrem jubelnden Abschiedsgruß die Stadt, in der er mit feinem Heere so Großes erlebt hatte.

Er begab sich nach Ferneres, dem Rothschildschen Schlosse, in welchem er auch das letzte Hauptquartier vor Ver­sailles gehabt hatte. Auf dem Wege dahin hielt er bei Villiers eine Heerschau über die bayerischen, sächsischen und württembergischen Truppen ab, auf denselben Feldern, auf welchen um die ersten Dezembertage die blutigen Kämpfe zur Abwehr eines der heftigsten Ausfälle aus Paris stattge- funden hatte. Der Kaiser wollte den tapferen Truppen und ihren Führern noch persönlich seinen Dank für ihr braves Verhalten aussprechen. Im Park zu Villiers stieg er zu Pferde und ritt nach der Ebene, wo die Truppen aufgestellt waren. Der Kronprinz von Sachsen, der Höchstkommandirende der Maas-Armee, überreichte den Rapport übtr 45,000 Mann. Der Kaiser sah zuerst die Württemberger, unter General von Obernitz, dann die Bayern, unter General v. d. Tann, endlich das sächsische (12.) Corps. Die Parade mit dem Vor­beimarsch dauerte zwei Stunden.