tapfere Armee zu rekonstituirm/ die gestörte Ordnung wieder herzustellen,' die uns zu Grunde richtenden Ausgaben einzustellen, wenn auch nicht unsere Finanzen, was nicht das Werk eines Tages sein kann, doch unseren Kredit wieder zu erheben, was das einzige Mittel ist, dringlichen Verpflichtungen die Spitze zu bieten,' nach dem Lande, in die Werkstätten unsere Mobilen und Mobilisitten zurück zu senden,' die unterbrochenen Landstraßen wieder zu öffnen, so die überall unterbrochene Arbeit wieder ins Leben zu rufen, welche allein unsern Arbeitern und Bauern wieder ihre Thätigkeit verschaffen kann? Giebt es irgend Jemand, der uns lagen könnte, daß es etwas Dringlicheres gebe, als alles dieses? Rein! Rein! Meine Herren! Frieden machen, reorganisiren, den Kredit erheben, die Arbeit beseelen -r- dies ist die einzig mögliche, in diesem Augenblicke allein begreifliche Politik.«
Nach dieser rückhaltlosen Aeußerung konnte es keinem Zweifel unterliegen, daß es Herrn Thiers mit den Friedensabsichten im Interesse Frankreichs voller Ernst sei.
Die Verhandlungen in Versailles begannen am 21. Februar. Herr Thiers war an diesem Tage mit den übrigen Unterhändlern von Bordeaux in Paris eingetroffen und hatte noch für denselben Tag eine Zusammenkunft mit dem Bundeskanzler Grafen Bismarck in Versailles erbeten, zu welcher er in Begleitung von Jules Favre dort eintraf.
Die erste Unterredung bestätigte durch ihren Verlauf die Aussicht auf eine Verständigung und führte demzufolge alsbald zu einer Verlängerung des Waffenstillstandes, welcher am Freitag (24.) zu Ende gehen sollte, zunächst bis zum Sonntag (26.).
Am Mittwoch (22.) kam Herr Thiers wiederum aus Paris nach Versailles und hatte nicht nur eine längere Konfe enz mit dem Grafen Bismarck, sondern wurde auf seinen Wunsch auch von Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser empfangen. Auch dem Kronprinzen hatte er seine Aufwartung gemacht und in einer Unterredung, welche fast eine Stunde währte, sich über die Verhältnisse Frankreichs sehr eingehend ausgesprochen.
Die Grundlagen der deutschen Friedensbedingungen, insbesondere die Forderung einer Gebietsabtretung, scheinen bei den gegenwärtigen Verhandlungen von vorn herein jenem grundsätzlichen Widersprüche, an welchem die früheren Verhandlungen gescheitert waren, nicht mehr begegnet zu sein.
Freilich war das Streben des Herrn Thiers darauf gerichtet, die Gebietsabtretungen auf das geringste Maß zu beschränken, und es scheint, daß in dieser Beziehung die berechtigten deutschen Ansprüche nur Schritt vor Schritt durchgesetzt werden konnten.
Während aber die Abtretung des wesentlich deutschen Elsaß mit Straßburg, wenn auch mit Widerstreben, zugestanden werden mußte, scheint dagegen die Abtretung eines größeren Theils von Lothringen und namentlich der Festung Metz auf den heftigsten und hartnäckigsten Wiederstand gestoßen zu sein.
Die französischen Unterhändler scheinen sich hierbei, abgesehen von ihren eigenen Auffassungen, zugleich auf gewisse Kundgebungen der öffentlichen Meinung in England gestützt zu haben, ohne zu erwägen, wie wenig praktische Bedeutung derartigen Aeußerungen bcizu- messen ist.
Auch die Forderung, daß deutsche Truppen noch in Paris ein- marschiren, begegnete dem lebhaftesten Widerstreben der französischen Unterhändler, welche darin eine neue, tiefe Demüthigung für die Hauptstadt erkennen wollten und zugleich vermöge der Erregung der Bevölkerung die größten Gefahren für die einrückenden Deutschen verkünden zu müssen glaubten.
Einen Augenblick schien es, als sollten die unter den besten Anzeichen begonnenen Verhandlungen schließlich scheitern, indem Herr Thiers namentlich die Verantwortung für die Abtretung von Metz nicht übernehmen zu können meinte. Er machte den Versuch, einen Verzicht Deutschlands auf Metz unter der Bedingung zu erreichen, daß Frankreich sich verpflichte, die Festungswerke zu sschleifen; — er soll endlich ein Arrangement vorgeschlagen haben, durch welches Deutschland einen anderweitigen Ersatz für Metz erhalten hätte z — Graf Bismarck aber bestand unbedingt auf der Erwerbung von Metz, welches für Deutschland in militärischer Beziehung noch bei Weitem wichtiger ist, als Straßburg, und in diesem Betracht durch kein anderes Zugcständniß ausgewogen werden könnte.
Um den Franzosen dagegen den Beweis zu liefern, daß die deutsche Politik in der That nur auf dem bestehe, was sie aus überwiegenden Gründen des nationalen Interesses fest halten muß, willigte Graf Bismarck schließlich darein, daß Belfort an Frankreich zurückgegeben werde. Auch diese Festung, welche jüngst mit blutigen Opfern von uns errungen wurde, ist zur Vertheidigung des südlichen Elsaß von einiger Wichtigkeit, — doch nicht von so unmittelbarer und durchgreifender, wie Straßburg und Metz. Wenn es gelang, durch den Verzicht auf Belfort ohne Erneuerung des Krieges einen Friedensschluß zu sichern, der uns diese Hauptbollwerke in die Hand gab, so war dieser Erfolg gewiß eines solchen Opfers werth, und die tapferen Krieger, welche um Belfort gerungen, haben ssch auch bei
solchem Ausgange ein großes Verdienst um den glorreichen Erfolg des Krieges errungen.
Der Verzicht Deutschlands auf Belfort scheint in der That die stockenden Verhandlungen wieder belebt und den Entschluß der französischen Unterhändler, sich in die Abtretung von Metz zu fügen, ermöglicht zu haben.
Auch der Widerspruch gegen den Einmarsch deutscher Truppen in Paris konnte nicht aufrechi erhalten werden, da es für unsere siegreichen Truppen jedenfalls verletzender wäre, auf den Eintritt in die bezwungene Hauptstadt verzichten zu müssen, als für die Pariser, die Feinde, welche von den Forts auS bereits die Stadt beherrschen, auch innerhalb der Thore derselben zu sehen.
In Betreff der Kriegsentschädigung fanden die deutschen Ansprüche zunächst gleichfalls lebhaften Widerspruch,' es erfolgte schließlich eine Verständigung über eine Zahlung von 5 Milliarden (5000 Millionen) Francs oder 1333 Millionen Thalern.
Nachdem die Verhandlungen noch in der Nacht vom 25. zum 26. mit großer Lebhaftigkeit geführt worden waren, gelangten sie am Sonntag (26.), dem letzten Tage des Waffenstillstands, zum Abschlüsse.
Unser Kaiser richtete noch am26. folgendes Telegramm an seine erhabene Gemahlin:
Mit tiefbewegtem Herzen, mit Dankbarkeit gegen Gottes Gnade zeige ich Dir an, daß so eben die Friedenspräliminarien unterzeichnet sind. Nun ist noch die Einwilligung der National-Versammlung in Bordeaux abzu- warten. Wilhelm.
Ferner mürbe gemeldet: Die Friedenspräliminarien enthalten: Die Abtretung von Elsaß außer Belfort, von Deutsch-Lothringen einschließlich Metz? eine Kontribution von 5 Milliarden wird in 3 Jahren gezahlt, und so lange bleiben Theile Frankreichs außerhalb der neuen Grenzen besetzt-
Der Kaiser richtete ferner an König Ludwig von Bayern am 27. folgendes Telegramm:
„Mit dankerfülltem Herzen gegen die Vorsehung zeige ich Ihnen an, daß gestern Nachmittag die Friedenspräliminarien hier unterzeichnet worden sind, auf welche der Elsaß, aber ohne Belfort, Deutsch-Lothringen mit Metz an Deutschland abgetreten worden sind, 5 Milliarden gezahlt werden und Theile Frankreichs besetzt bleiben bis zur Abzahlung dieser Summe, Paris wird theilweise besetzt. Wenn die Ratifikation in Bordeaux erfolgt, so stehen wir am Ende dieses glorreichen, aber auch blutigen Krieges, der uns mit Frivolität ohne Gleichen aufgezwungen wurde und an dem Ihre Truppen so ehrenvollen Antheil nahmen. Möge Deutschlands Größe sich nur in Frieden konsolidsten. Wilhelm."
König Ludwig hat die Mittheilung durch das folgende Telegramm erwidert:
„Innigst bewegt von der erhebenden Friedenskunde bringe ich Ihnen meinen tiefempfundenen Dank für eine Nachricht, welche von mir und memem treuen Volke aufs Wärmste begrüßt wird. Deutschland ist nach schweren Kämpfen zu ungeahnter Größe emporgestiegen und mit Recht werden Mrt- und Nachwelt Ew. Majestät als den glorreichen Gründer dieser neuen Aera preisen. Ludwig."
Nachdem die Friedenspräliminarien abgeschlossen waren, ist der Waffenstillstand aufs Neue um mehrere Tage verlängert worden, um der Nationalversammlung in Bordeaux Zeit zu gönnen, ihren wichtigen Entschluß mit ruhiger Ueberlegung zu fassen.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Versammlung eben so wie die Regierung und die Kommission, welche aus dem Schooße der Versammlung hervorgegangen sind, den vereinbarten Frudens- bedingungen zustimmen wird, weil sie die unausweichliche Nothwendigkeit dazu klar erkennen muß. Weiche Ueberwindung es sie auch kosten möge, sie wird mit Herrn Thiers sagen:
-Frieden machen, — das ist die einzig mögliche, in diesem Augenblick allein begreifliche Politik.«
Wer hat Paris bezwungen?
Der Einmarsch unserer Truppen in Paris ist auf Mittwoch (1. März) angesetzt: es handelt sich nicht um einen bloßen Durchmarsch, sondern um die zeitweise Besetzung einzelner Theile von Paris bis zur endgültigen Vollziehung der Friedenspräliminarien.
Die Pariser haben Alles daran gesetzt, jeden Einmarsch deutscher Truppen in ihre Stadt zu hintertreiben, aber der Eifer und die Leidenschaft, womit sie es gethan, hat nur dazu führen können, unsere Regierung von der moralischen und politischen Nothwendigkeit des Einmarsches immer mehr zu überzeugen.
Die Pariser Blätter erklärten es für eine Schmach, wenn die Feinde den vermeintlich -geheiligten- Boden der Hauptstadt beträten, und hatten im voraus nicht genug Worte her Schmähung für die -Horden von Barbaren«, welche ihnen auch diese Beleidigung noch anthun wollten.