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je 8.

ProvmMl - Corresponden).

Neunter Jahrgang.

22. Februar 1871.

Am 36. März

soll das gesammte deutsche Volk von Mcmcl bis an den Bodensee, von den Gestaden der Nordsee bis an die Alpen zum ersten Male eine gemeinschaftliche Vertretung zum deut­schen Reichstage wählen.

Es ist die erste und zugleich die höchste Errungenschaft unserer glorreichen Erhebung, daß die deutsche Nation, wie sie mit einigem Sinn und Geist in den gewaltigen Kampf ein- trat, nunmehr mit gesicherter politischer Einigung als ein fest verbundenes Staatswesen aus dem Kampfe hervorgeht.

Dieses geistige Vermächtniß der jetzigen großen Zeit zu wahren und zu Pflegen, das wird das Streben aller wahr­haften deutschen Patrioten sein, — und in solchem Sinn wird unser Volk vor Allem auch an die ersten Reichstagswahlen schreiten.

Der Geist der Einheit und der Einigkeit, der Versöhnung und des inneren Friedens war es, dem wir Deutschlands wunderbare Auferstehung und Neugestaltung zu danken hatten: möge derselbe Geist das deutsche Volk an die Wahlurne geleiten, damit der erste deutsche Reichstag das Werk des Friedens und der Versöhnung vollauf bestätige und zur allseitigen Erfüllung bringe.

Nicht im Kampf der politischen Parteien, nicht durch Willkür und Gewalt, — sondern durch freudiges Entgegenkommen und unter allseitiger Achtung der geschichtlich begründeten Unterschiede und Eigenthümlichkeiten ist das einige Deutschland erstanden,- jeder achte Patriot wird jetzt dazu Mitwirken, daß die auf solchem Grunde angebahnte Entwicklung des Reiches nicht wieder durch das Vordrängen neuen Parteikampfes beinträch- tigt werde.

Festes Vertrauen und währe Gemeinschaft unter allen deutschen Stämmen, welche jetzt ein einiges Band umfaßt, — festes Vertrauen zu den Fürsten und Staatsmännern, welche in erhebender Uebereinstimmung mit dem Volksgeiste die jetzige Größe des Vaterlandes herbeigeführt haben, das wird hoffentlich der Grundton der Voltsstimmung bei den Wahlen sein.

Es bedarf kaum eines Hinweises darauf, wie sehr die Männer, welchen die Leitung des neuen Deutschen Reiches zunächst anvertraut ist, ein Anrecht auf das volle hingehende Vertrauen des Volkes erworben haben.

Deutschland weiß, unter welchen Schwierigkeiten und Kämpfen unsere Regierung einst den Grund zu der Politik gelegt hat, welche uns von Stufe zu Stufe zur immer glän­zenderen Erfüllung des alten Schnens der deutschen Herzen geführt hat, — welcher Festigkeit, Ausdauer und Umsicht es bedurfte, um zunächst zur Gründung des Norddeutschen Bundes, gleichzeitig aber zur Anknüpfung hoffnungsvoller Bande mit den süddeutschen Staaten zu gelangen, — wie alsdann die sorgsame, schonende Pflege dieser Beziehungen Seitens unserer Bundes­regierung, gegenüber dem ungeduldigen Drängen der Parteien, vornehmlich dazu beigetragen hat, den freudigen, rückhaltlosen Aufschwung nationaler Gemeinschaft in ganz Deutschland im vorigen Sommer zu ermöglichen. Wie sollten nicht die Wahlen des deutschen Volkes zum Reichstage vor Allem von dem Wunsche geleitet werden, daß die Volksvertretung in vertrauens­voller inniger Gemeinschaft mit dieser Regierung die Geschicke Deutschlands auf dem Vertrags- und verfassungsmäßig gelegten Grunde weiter segensreich gestalten helfe?

Wem es Ernst ist mit der patriotischen Freude über die großartige, herrliche Entwickelung, welcher unser Vaterland entgegengeführt ist, der wird am 3. März seine Gesinnung mit der That bekunden, und durch Abgabe seiner Stimme an der Wahlurne mit dahin wirken, daß Männer in den Reichstag ge­wählt werden, deren politischer Charakter und bis­herige Stellung zur Regierung Bürgschaft dafür geben, daß sie unserem glorreichen Kaiser und sei­nem bewährten Kanzler aus voller Ueberzeugung und mit aufrichtiger Hingebung helfen wollen, die einheitliche Kraft und die Wohlfahrt des deutschen

Reiches im Geiste des Friedens und wahrer Einig­keit immer wirksamer zu entwickeln.

Unser Kaiser und König wird, so Gott will, bald nach den Wahlen heimkehren zu seinem Volke, nachdem er für das Vaterland so Großes vollbracht und erreicht hat, wie nie ein deutscher Fürst vor ihm. Möge das preußische und deutsche Volk dem er­habenen Träger unserer neu gewonnenen Macht und Größe den Zoll des Dankes, der Verehrung und des innigen Vertrauens auch in der Wahl der Volksvertreter entgegenbringen.

Aus Frankreich.

(Uebersicht.)

Die Friedenshoffnungen haben sich im Laufe der jüngst verflossenen Woche befestigt, und wir dürfen jetzt mit einiger Zuversicht der nahen Erfüllung derselben entgegenschen.

Die Versammlung in Bordeaux hat durch ihre ersten Schritte die Erwartungen bestätigt, welche sich an den Ausfall der Wahlen knüpften: der Geist patriotischer Ergebung in die unabwendbaren Folgen der gewaltigen Niederlage Frankreichs und vor Allem die Einsicht in die absolute Nothwendigkeit eines schleunigen Friedensschlusses scheint ihr ganzes Verhalten zu leiten.

Die Versammlung hat sich mit den vorbereitenden Geschäften beeilt, um schon am zweiten Tage zu ihren wichtigen Aufgaben schreiten zu können.

Die bisherige Regierung der nationalen Vcrthcidi- gung hat sofort ihre seither geübten Gewalten in dicHände der Ver­sammlung niedergelegt.

Jules Favre äußerte sich dabei Namens der Regierung wie folgt:

-Seit dieMitglieder dcrNcgierung der nationalenVertheidtgung mit der Last betraut wurden, die sie angenommen, hatten sie keine andere Sorge, keinen anderen Wunsch, als den Tag herankommen zu sehen, an welchem es möglich wäre, sich den Vertretern des Landes gegen­über zu befinden. Wir sieben vor Ihnen unter den schmerzlichsten und grausamsten Verhältnissen,' aber Dank Ihrem Patriotismus) der Einheit aller, die durch das Unglück, den gesunden Menschenverstand, durch die Interessen unseres theuren Vaterlandes geboten ist, wird es uns gelingen, unsere Wunden zu heilen und die Zukunft neu zu gründen. Ihnen, meine Herren, gehört dieses große Werk an. In Erwartung der Konstituirung einer neuen Regierung, welche die wahre legitime sein und die über die Geschicke Frankreichs entscheiden wird, habe ich die Ehre, auf dem Tische des Hauses folgende Erklä­rung niederzulegen: -Die unterzeichneten Mitglieder der Regierung der nationalen Vertheidigung, sowohl in ihrem Namen und als in dem ihrer Kollegen, haben die Ehre, ihre Gewalten in die Hände des Präsidenten der Nationalversammlung niederzulcgm. Sie werde» zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Ausführung der Gesetze bis zu ihrer regelmäßigen Abberufung auf ihrem Posten bleiben.«

Meine Pflicht war es, in Ihrer Mitte so schnell als es mir möglich war zu erscheinen. Unter den peinlichen Verhältnissen, welche ich später in ihren Einzelheiten mitzutheilen Gelegenheit haben werde, habe ich auf den 8. Februar die Wahl der Deputirten Frankreichs, auf den 12. ihre Bereinigung festgesetzt. Es war fast eine Unmöglich­keit, aber ich zählte auf die Vaterlandsliebe der Kammer, und ich wußte, daß, wenn ich von ihr diese höchste und fast wunderbare An­strengung verlangte, wir erhört werden würden. Der beste Beweis, daß ich mich nicht geirrt habe, ist der, daß Sie hier sind. Ich erbitte von Ihnen die Erlaubniß, in einigen Tagen auf meinen Posten zurück- zukehre«, wo ich schwierige Pflichten zu erfüllen habe. Ich kann mich nicht auf andere Weise erklären Angesichts aller Schwierigkeiten, welche uns umgeben,' aber Sie begreifen sehr wohl, daß, da wir dieses Werk unter unserer Verantwortlichkeit begonnen haben, wir es nur auf­geben werden, indem wir Ihnen gegenüber das Urtheil annehmen, welches Sie über unsere Haltung in Ihrer Gerechtigkeit fällen werden.

Unsere erste Sorge wie unsere erste Pflicht wird die sein, denen, mit welchen wir unterhandeln, die Bekräfti­gung zu überbringen; daß Frankreich bereit ist, seine Pflicht muthig zu erfüllen, gleichviel, was auch kommen möge. Die Versammlung wird in voller Freiheit be- schließen, wie es den Repräsentanten des Landes zusteht, welche nur das Heil Frankreichs zuRathe ziehen, und die keine andere Sorge haben, als seine Ehre. Dieses muß der Feind wissen.