klären, werden stattfinden. Als Versammlungsort ist Bordeaux bestimmt.
Sämmtliche Forts von Paris werden sofort übergeben. Der Stabtwall wird desarmirt.
Die Linie, Seetruppen und Mobilgarde sind kriegsgefangen, außer 12,000 Mann für den inneren Sicherheitsdienst. Die Kriegsgefangenen bleiben während des Waffenstillstandes innerhalb der Thore der Stadt. Ihre Waffen werden ausgeiiefert. Die Nationaigarde und die Gensdarmerie behalten die Waffen für den Sicherheitsdienst. Alle Francs- tireurs-Corps sind aufzulösen.
Deutscherseits wird den französischen Kommissarien di.e Verproviantirung von Paris möglichst erleichtert. Zum Verlassen von Paris ist französische Erlaubniß und deutsches Visa nöthig.
Die Gemeinde Paris zahlt eine städtische Ko ntribut-.on von 200,000,000 Francs innerhalb 14 Tagen. Alle deutschen Kriegsgefangenen sollen sofort gegen eine entsprechende Anzahl französischer Gefangenen ausgewechselt werden. Desgleichen Schissskapitäne und andere beiderseitige Gefangene vom Civil.
Sit Aufnahme der Kapitulation in Paris scheint zu bestätigen, daß Jules Favre die Stimmung der Bevölkerung richtig beurtheilt hat. Es ist bisher kein Anzeichen hervorgetreten, daß durch die Bekanntmachung des Abkommens eine ernstere Mißstimmung hervorgerufen worden sei oder daß die Aus- führung desselben auf Widerstand stoße. Die nächsten Tage werden jedoch erst volle Gewißheit darüber bringen, inwieweit die Entwaffnung der Mobilgarde, welche seither die Hauptstadt zu beherrschen suchte, ohne Schwierigkeit von Stätten gehen wird. Für uns ist es jedenfalls ein großer Vortheil, daß diese Aufgabe nicht unseren Truppen, sondern der Pariser Regierung und Nationalgarde zufällt.
Die Stimmung in der schwer heimgesuchten Stadt wird freilich wesentlich versöhnt durch die Befreiung von dem bittern Mangel, in welchem sie sich bereits befand, und von dem Schreckgespenst der völligen Hungersnoth, welches in den letzten Tagen immer drohender aufstieg.
Unsere Heeresleitung zeigt sich in jeder Beziehung besorgt dafür, die Herbeischaffung von Lebensmitteln für die Stadt zu erleichtern und zu fördern und hat fürs Erste aus den eigenen Beständen unserer Armeen reichlich Hülfe geleistet.
konnte nicht darin willigen, daß die Belagerung Belforts einen Stillstand erfahre, noch auch daß die reife Frucht der Operationen gegen die bisherige Bourbakl'sche Armee uns entzogen werde.
Gerade in den Tagen, wo die Verbandlungen zu Versailles gepflogen wurden, vollzog sich im Jura für die erste Armee der jetzigen Republik dasselbe Geschick, welches bei Sedan in den Ardennen die kaiserliche Armee Mac Mahons ereilte hatte. Bourbaki, welcher das Unternehmen gegen General Werder und Belfort hatte aufgeben mitten, als er von dem Herannahen der übrigen Corps unserer neuen Südarmee Kunde bekam, vermochte seinen Rückzug auf der Straße nach Besan^on nicht mehr rasch genug zu bewerkstelligen, um unseren herbeieilenden Corps zuvorzukommen. Er fand den Rückzug nach dem Süden bereits verlegt und sah sich in die Vorberge des Jura nach der Schweizer Grenze hin gedrängt. Bourbaki scheint den schmählichen Ausgang des mit so stolzen Hoffnungen begonnenen Feldzuges nicht haben überleben zu wollen, und soll Hand an sich gelegt haben, ohne sich jedoch den Tod geben zu können. General Clinchant ist zu seinem Nachfolger ernannt und mirb demnach wohl den bedenklichen Ruhm haben, die Armee entweder zur Ergebung auf Gnade und Ungnade oder über die Schweizer Grenze zu führen, da dieselbe sich in Kurzem von allen Seiten eingeschlossen sehen wird. Sckon hat die Avantgarde unseres 7. (westfälischen) Corps sie erreicht und ihr in einem ersten Gefecht die verhällmßmäßig sehr große Zahl von 3000 Gefangenen und 6 Geschützen abgenommen.
Auch dort vollzieht sich das Geschick, welchem die Armeen der jetzigen Republik nach ihrer Natur und Zusammensetzung nicht entgehen können.
General von Werd-r ist von Sr. Majestät dem Kaiser und König durch folgendes Telegramm geehrt worden:
„Ihre heldenmüthige, dreitägige, siegreiche Vertheidigung Ihrer Position, eine belagerte Festung im Rücken, ist eine der größten Waffenthaten aller Zeiten. Ich spreche Ihnen für Ihre Führung, den tapferen Truppen für ihre Hingebung und Ausdauer meinen .Königlichen Dank, meine höchste Anerkennung aus und verleihe Ihnen das Grobkreuz des Rothen Adler-Ordens mit den Schwertern als Beweis dieser Anerkennung."
Die Aufnahme der Kapitulation in Frankreich ist zunächst nur nach vorläufigen Anzeichen zu beurtheilen/ bisher erscheinen diese Anzeichen günstig.
Man mußte vor Allem auf die Aufnahme in Bordeaux gespannt sein, da der dortige Theil der Regierung unter Gam- betta's leidenschaftlicher Führung fort und fort den „Krieg bis aufs Messer" verkündet hatte. Aus Allem aber, was jetzt aus Bordeaux gemeldet worden ist, darf man schließen, daß selbst Gambetta nicht gesonnen ist, sich dem Schrille der Pariser Regierung entschieden zu widersetzen. Zuerst hieß es: er habe seine Entlassung genommen, was jedenfalls ein Beweis wäre, daß er nicht fein Ansehen als Mitglied der Regierung gegen das seiner Pariser Kollegen ein- zusetzen beabsichtige. Neuerdings wird jedoch berichtet, daß er von Jules Favre zunächst genauere Auskunft über die Gründe seines Verfahrens erbeten habe, wonach also das Gerücht von seinem Rücktritte nicht richtig wäre.
Inzwischen hat die Regierung in Bordeaux die Mittheilung von der Kapitulation und dem Waffen - stillstande amtlich zur öffentlichen Kenntniß ge- bracht, scheint mithin nicht Willens, sich der Ausführung zu widersetzen.
Auch liegen bereits vielfache Mittheilungen aus den verschiedenen Theilen Frankreichs vor, wonach die Bevölkerung die Wendung zum Frieden mit offener Zustimmung begrüßt.
Ausgenommen vom Waffenstillstände ist nach Obigem der Kriegsschauplatz im Osten und Süden, d. h. vor Belfort, am Doubs und bei Dijon. Unsere Heeresleitung
Ueber öas Wesen und die Vorzüge der Pariser Kapitulation
enthält die »Weser-Zeitung- folgende treffende Bemerkungen:
Ohne 33 et spiel wie die Belagerung war ist auch die Kapitulation. Ganz neue Formen mußten erfunden und angewendet werden, um eine noch nie dagewesene Aufgabe zu lösen. Die Festung, darüber war kein Zweifel, befand sich in unserer Gewalt/ binnen acht Tagen mußte sie sich uns auf Gnade und Ungnade ergeben/ mußte die hinter ihren Wällen eingeschlossene Armee hülflos das Gewehr strecken und die Befehle des Siegers über sich ergehen lassen.
Aber was sollten wir mit dem ungeheuren Beutestück, mit den zwei Millionen hungernder Einwohner, mit den 250,000 kriegsgefangenen Soldaten anfangen? Die Größe des Erfolges selbst war hier eine ernstliche Verlegenheit, und wenn schließlich die Schwierigkeit auch überwunden worden wäre, so bätte sie doch jedenfalls einen Aufwand von Kräften herbeigeführt, welcher den praktischen Rußen der Eroberung erheblich beeinträchtigt haben würde. Die Ueberführung der gefangenen Menschenmaffen nach Deutschland, ihre Unterbringung dort, ihre Bewachung hätte ganze Armee-Corps, hätte endlose Eisenbahnzüge und kaum zu beschaffende Räumlichkeiten erfordert.
Aber dies wäre nur die kleinere Hälfte der Last gewesen. Mit der Besetzung von Paris hätten wir die Verpflichtung übernommen, für geordnetes Regiment in der zerrütteten, gährenden Stadt zu sorgen und wir hätten uns kaum der Nothwenkigkeit entziehen können, die vom Hungertode bedrohte Bevölkerung wenigstens einige Wochen lang zu ernähren. Mit der einen Hand hätten wir die trilbe trotzige Stadt bändigen, mit der anderen Hand sie füttern müssen. Selbst bei diesem letzteren wohlwollenden Geschäfte wären wir auf unsere eigenen Anstrengungen angewiesen gewesen/ die Franzosen würden alle Mühe uns überlastn und wohl gar durch grollenden Widerstand die Arbeit noch erschwert haben. Für die höchsten Leistungen hätten wir nur Undank geerntet/ für jede Unterlassung wären wir mit Verwünschungen überhäuft worden,