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Die Operationen im Norden Frankreichs werden demnächst im Zusammenhang mit den Bewegungen des rechten Flügels unserer zweiten Armee (unter dem Großherzog von Mecklenburg) eine noch größere Ausdeh­nung und Bedeutung gewinnen.

Eine Depesche vom 25. Januar meldet, daß die seit etwa einer Woche beschossene Festung Longwy (zwischen Thionville und Scdan, hart an der luxemburgischen Grenze gelegen) am oben bezeichneten Tage kapitulirt und sich mit 4000 Gefangenen und 200 Geschützen ergeben hat.

Bor Paris hat der lang verkündete MassenauSfall am 19. statk- gefunden.

General Trochu, welcher für seine Person jede Hoffnung auf das Gelingen eines solchen Ausfalls längst aufgegeben zu haben schien, mußte dennoch dem Drängen Gambetta's und der unverständigen Masten nachgeben, und brach am genannten Tage mit einer Macht von 100,000 Mann gegen unsere Positionen im Südwesten von Paris, in der Nähe von Versailles, hervor.

Es war darauf abgesehen, dort nach der Richtung von Le Mans durchzubrechen, um dem vermeintlich heranrückenden General Chanzy die Hand zu reichen. Man wußte in Paris nicht, daß derselbe längst geschlagen und weit von der Hauptstadt zurückgedrängt war.

Der Ausfall wurde mit größerer Energie, ais alle früheren, aber nicht mit besserem Erfolge unternommen. Das tapfere 5. (Posensche) Armee-Corps schlug benjelben kräftig zurück und brächte dem Feinde namentlich durch die Artillerie sehr große Verluste bei.

Die Franzosen blieben jedoch am Abend außerhalb Paris auf dem Gebiete hinter dem gewaltigen Fort Mont Valerien stehen und schienen den Kampf am 20. erneuern zu wollen. Trochu ver­zichtete jedoch darauf, nachdem er, wie es heißt, inzwischen von der Niederlage Chanzy's und von der Unmöglichkeit rmer Vereinigung mit demselben Kunde erhalten hatte.

In Paris ist in Folge dieses Ausgangs zunächst der Anmuth gegen Trochu, dessen Energie man schon lange nicht für genügend hielt, gestiegen. Der General scheint nunmehr dazu gedrängt worden zu sein, den Oberbefehl niederzulegen. Sein Rücktritt dürfte der An­fang tieferer innerer Zerwürfnisse sein, welche vermuthlich die End- katastrophe beschleunigen werden.

Die Verkii«Dignng des Kaiserthums im Preußischen Landtage.

Die Ansprache an das deutsche Volk, in welcher der König die Annahme der Kaiserwürde erklärt, wurde den beiden Häusern deS Landtags am 18. Januar von dem Staats-Minister Grafen Itzen- Plitz im Beisein der übrigen Minister verkündet.

Im Hcrrenhause sprach nach der V ricsung der Allerhöchsten Bot­schaft der Präsident des Hauses, Graf Eberhard zu Stolberg, fol­gende Worte:

Ich glaube wohl im Namen des Hauses zu sprechen, wenn ich erkläre, daß wir Alle mit tiefbewegtem Herzen die Proklamation unseres theueren Königs und Herrn vernommen haben. Wir wessen, daß das Band, welches uns mitIhm vereinigt, kein festeres werden kann. Aber mit freudiger Zuversicht wollen wir im Aus­blick auf die wunde bare Fügung des gnädigen Gottes vpn Herzens- Wunsch unsere Zustimmung dadurch austprechen, daß wir ausrufen: Sc. Majestät, unser Allergnädigster König Wilhelm, der Kaiser von Deutschland, lebe hoch!

Am folgenden Tage theilte der Präsident mit, daß er nachstehendes Telegramm an Se. Majestät den König Wilhelm gerichtet habe:

Ew. Kaiserlich n Königlichen Majestät erlaubt sich der unterihä- nigst unterzeichnete Präsident des Herrenhujes die ehrfurchtsvolle Anzeige zu erstatten, daß die so eben stattgefundene Veröffent­lichung Ew. Majestät Kundgebpng über die Annahme der Deut­schen Kaiser würde von dem Herrenhause mit freudier Zustim­mung und in der festen Zuversicht entgegengenommen ist, daß das Kaijerthüm in Deutschland durch Ew. Majestät und Allerhöchst- deren Nachfolger in dieser Würde nicht minder zum Segen des ganzen Deutschlands gereichen werde, als das an dem heutigen Tage vor 170 Jahren inaugmirte Königthum in Preußen die Würde, die Macht, die Wohlfahrt und den Gsanz dieses Königreichs begründet, gefördert und bis auf diesen Tag gewahrt hat. Das Herrenhaus, das in gleicher Treue wie zu dem Könige von Preußen zu rem Deutschen Kaiser stehen wird, hat seinem Gefühle in einem begeisterten dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den König Wilhelm, den Deutschen Kaiser, Ausdruck gegeben.

Graf zu Stolberg.

Darauf sei nachstehende Antwort einsezangen:

Ich spreche dem Hcrrenhause Meinen tiefgefühlten Dank für seinen Zuruf zu dem sich heute vollzogenen geschichtlichen Ereignisse aus. Stöße es Mir vergönnt sein, für das geeinte Deutschland den Grundstein zu legen zu einer so, glorreichen Geschichte nach 170 Jahren, wie Preußen heute seit 170 Jah­ren vor der Welt dastcht. LLilhelm.

Im Abgeordnetenhaus« sprach der Präsident des Hauses von Forckenbeck Folgendes:

Mitten in dem Kriege, der unserem deutschen Vaterlands zur Wahrung seiner Rechte und seiner Ehre und zur Vertheidigung seiner Sicherheit aufgezwungen wurde, am Gedächtnißtage der Krö­nung des ersten Königs von Preußen, haben wir tief bewegt so eben die Allerhöchste Botschaft empfangen. Wir heffen, daß auch der letzte Deutsche Stamm bald dem großen Vaterlands seine Schuld abtragen werde, daß mit der Zerrisienheit Deutschlands und der Geiährdung seiner Grenzen der Zustand der Be­drohung aufhören und eine Zeit des steten Friedens beginnen werde in einmüthiger Vereinigung der deutschen Stämme unter der Leitung der Krone Preußen. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, allen diesen Gefühlen Ausdruck zu geben in dem Rufe: Seine Majestät der deutsche Kaiser, unser Allergnädigster König und Herr, lebe hoch!

Präsident v. Forckenbeck beantragte, zur Beantwortung der Allerhöchsten Botschaft eine Adresse an den Deutschen Kaiser zu richten.

Die darauf entworfene und in der Sitzung vom 19. ange­nommene

Adresse des Abgeordnetenhauses lautet:

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser! . —

Allergnädigster König und Herr!

Ew. Majestät Allerhöchste Botschaft, welche dem deutschen Volke die Erneuerung und Uebernahme der deutschen Kaiserwürde verkündet, hat das preußische Abgeordnetenhaus freudig begrüßt, voll Dank gegen Gottes gnädige Führung, welche Ew. Majestät die Wieder­herstellung des deutschen Reiches beschicken hat.

Auf den Ruf Ew. Majestät werden sich bald die Abgeordneten Deutschlands im Reichstage versammeln. Wir halten fest an der Hoffnung, daß auch die Vertreter des Stammes, dessen Söhne dem patriotischen Rufe ihres Königs folgend in der Besiegung des Feindes wetteiferten mit den übrigen deutschen Stämmen an Anstrengung und Tapfilkeie, uns nicht fehlen werden bei der friedlichen Arbeit des Rationalparlaments.

Als die Frucht und der Preis eines gewaltigen, an den edelsten Opfern reichen Krieges, der unser Ew. Majestät ruhmvoller Führung mit der Niederwerfung und Erschöpfung des Feindes nach menschlicher Voraussicht seinem Ende nahet, ist unserem Vaterlande nach bem mäch­tigen Ringen und Kämpfen einer ganzen Generation die politische Einheit und die einer großen Nation würdige Stellung zu Theil geworden.

Nicht Deutschland hat den Kampf gesucht,- ihm ist es nicht zu thun um die Demüthigung seines besiegten Nachbarn/ Deutschland wird jederzeit bereit sein, die Waffen niederzulegen, sobald ihm durch " den Wiederertoerb in Zeiten der Uneinigkeit und Schwäche verlorener^' Grenzlande mit ihren natürlichen und künstlichen Bollwerken Schutz vor erneuerten Angriffen gewährt ist. Gesichert gegen Frankreich, wird Deutschland die beste Bürgschaft bilden für einen dauernden euro­päischen Frikdur.

Mit ehrerbietiger Zustimmung und freudigem Danke begrüßen wir die erhebenden Worte Ew. Majestät, weiche, durchwehet von Hin­gebung und Treue gegen das Vaterland, der deutschen Nation unter dem Kaiserlichen Szepter Ew. Majestät und deren Rawfolger aus dem erlauchten Hause der Hohenzollern eine segensreiche Zukunft auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung in dem friedlichen Wetteifer der großen Kulturvölker verheißen.

Von dieser Arbeit des Friedens wird auch den Vertretern des preußischen Volkes ein werthvoller Antheil zufallen in überlieferter strenger Pflichterfüllung, in opferwilliger Hingebunr an das gemein- same dcutiche Vaterland und in voller Anerkennung der höheren Stuf- gäbe des deutschen Reichstages.

Möge Ew. Majestät unter Gottes gnädiger Leitung vergönnt sein, bald als ruhmgekrönter Sieger an der Spitze unserer tapferen Heere aus dem Feldzuge heimzukehren und noch lange Jahre des Frie­dens als deutscher Kaiier und Preußens König zu herrschen, getragen von der Dankbarkeit und Liebe eines treuen Volkes.

In tiefster Ehrfurcht verharren mir

Ew. Kaiserlichen Majestät

treugehorsamste »

Berlin, den 18. Januar 1871. Das Abgeordnetenhaus.

Die Adresse soll Sr. Majestät in Versailles durch die zwei ersten Präsidenten des Hauses überreicht werden.

Der deutsche Reichstag. Nachdem auch die bayrische Landesvertretung den Vertrag wegen des Zutritts Bayerns zum deutschen Bunde genehmigt hat und da mithin der erste beusfepe Re chstag unter Betheiligung aller deutschen Staaten zu berufen sein wird, so ist es unerläßlich, den Termin für die Berufung des Reichs­tages und zunächst den Wahltermin so festzusetzen, daß auch in Bayern die Vorbereitungen in Gewäßheit des Wahlgesetzes ordnungs- mäbig stattfinden können. Demzufolge ist als Wahltermin der 3. März, als Termin für die Berufung des Reichstages der 9. März in Au sicht genommen. Der Bundesrath wird voraus­sichtlich zum 20. Februar berufen werden.

Verantwortlich-. E. Lkdcke in Berlin, Vrrlm- Druck Md Verlag der Königlichen ©e^w .Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).

Folgt eine Beilage.