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nisterk, der faktischen Regierung für die auswärtigen Angelegenheiten angewiesen sind.

Ich kann daher kaum annehmen, daß Ew- rc. in der kritischen Lage, an deren Herbeiführung Wie einen so wesentlichen Antheil hatten, Sich der Möglichkeit w erden berauben wollen, zu einer Lösung mitzuwirken, wofür die Verantwortlichkeit auch Sie trifft.

gez. v. Bismarck.

In Folge dieses Schreibens wird Herr Jules Favre wohl von dem Wahne und der Anmaßung geheilt sein, gleich­sam auf den Ruf Europa's die Linien der deutschen Truppen anders passircu zu können, als mittelst der Gunst und Erlaubniß unserer militärischen Befehlshaber.

Er wird ferner im Voraus gewarnt sein, die völkerrecht­liche Geltung und das Ansehen, welches er auf der Londoner Konferenz für die von ihm vertretene Regierung beanspruchen könnte, nicht zu überschätzen.

Er wird endlich auf die Hoffnung verzichten müssen, daß die Mächte gegen den entschieden ausgesprochenen Willen Deutsch­lands sich zu einem Versuche der Einmischung in die deutsch- französischen Angelegenheiten veranlaßt finden könnten.

Wenn der Besuch der Londoner Konferenz Seitens Jules Favres einen politischen Gewinn für Frankreichs gegenwärtige Regierung bringen kann, so wird es vermuthlich nur der sein, daß ihrem Abgesandten im vertraulichen Verkehr mit den Ver­tretern der europäischen Mächte der Standpunkt über Frank­reichs hoffnungslose Lage klar gemacht wird.

Uebrigens bleibt es nach wie vor zweifelhaft, ob Jules Favre überhaupt noch an der Konferenz Theil nehmen wird.

Die Niederlagen der Republik.

(Uebersicht.)

Die letzten Wochen werden in der Geschichte des Krieges eine große Bedeutung haben: die militärische Niederlage der französischen Republik ist in dieser Zeit zum vollen Durchbrüche gelangt.

Ebenso wie im August und in den ersten Swtembertagen v. I. die militärischen Schöpfungen des Kaiscrihums zusammcnbrachen, 10 sinken setzt alle die überschwenglichen Hoffnungen dahin, welche die neue Republik auf ihre eigenen Schöpfungen gesitzt hatte.

Auf allen Punkten gleichzeitig bricht die vermeintliche Kraft des bloßen Massenaufgebots gegenüber der wirklichen und erprobten Kraft einer tüchtig organisirten militärischen Macht zusammen, und von Tage zu Tage handgreiflicher tritt die Unmöglichkeit eines nachhaltigen und erfolgreichen Widerstands Frankreichs hervor.

Der Zertrümmerung der Westarmee unter Chanzy ist eine neue schwere und vollständige Niederlage der Nordarmee unter Faidherbe auf dem Fuße gefolgt, und zu derselben Zeit hat die Südarmee unter Dourbaki, welcher die wichtigste Aufgabe für die Lähmung der deutschen Armeen zugedacht war, sich vor der heldenmüthigen stand­haften Gegenwehr eines vcrhälinißmäßig kleinen deutschen Co.ps zum Aufgeben ihres Planes entschließen müssen, um nicht beim Herannahen stärkerer deutscher Streitkräfte dem sicherem Verderben zu verfallen.

Während somit alle Operationen der neuen Feldarmeen vereitelt und ihre Kräfte großentheils aufgerieben worden sind, hat die Pariser Armee einen neuen aber vergeblichen Versuch gemacht, durch einen Ausfall mit großen Massen unsere Linien zu durchbrechen. Die kräftige Zurückweisung, welche auch diesem Versuche zu Theil gewor- den, muß für jeden Verständigen die Gewißheit erhöhen, daß ein Durchbrechen der Einschließungsarmee nicht mehr in Aussicht zu nehmen ist.

Noch scheint freilich die Einsicht in die wirkliche Lage nicht zur Herrschaft gelangen zu können, noch wird der Bevölkerung von Paris die Kenntniß der thatsächlichen Lage in den Provinzen vor­enthalten, noch kann deshalb die Stimme derer den Ausschlag geben, welche immer wieder zu verzweifeltem Widerstände antreiben.

Inzwischen nimmt jedoch der Mangel an Lebensmitteln in der belagerten Hauptstadt nach allen Anzeichen in bedrohlicher, verhäng- nißvoller Weise überhand, und gleichzeitig wird die Wirkung des Bombardements immer umfassender und verderblicher.

Wenn nicht Alles trügt, so wird, wenn auch nicht eine rechtzeitige Einsicht, doch eine unausweichliche harte Nothwendigkeit den Fall der stolzen Weltstadt und nach demselben die gänzliche Unterwerfung Frankreichs in naher Zeit herbeiführen.

Wir gehen, so Gott will, dem siegreichen Ende mit starken Schritten entgegen.

. Im Ästen Frankreichs hat sich das Vertrauen in die Tapfer­keit unserer Truppen glänzend bewährt.

, Eine Depesche vom Kaisertage in Versailles, dem 18. Januar, die erste Depesche des Kaisers an die Kaiserin und Königin Augusta, brächte folgende in ganz Deutschland mit Jubel begrüßte Botschaft:

Bourbaki hat nach dreitägiger Schlacht sich vor dem Werder'schen heldenmüthigen Widerstände zurückgezogen^ Werder und seinen tapferen.Truppen gebührt die höchste Anerkennung. Wilhelm.

Weitere Depeschen aus dem Hauptquartier fügten hinzu:

»Am 17. erneuerter Versuch Bourbaki'ö gegen den Genetal Werder, der seine verschanzte und mit schwerem Geschütz verstärkte Position siegreich behauptete und alle Angriffe abwies.«

Und vom 19.:

»General von Werder hat die Verfolgung der Armee Bour- baki's unter glücklichen Gefechten begonnen «

»Je länger der Krieg sich hinzieht, schreibt ein norddeutsches Blatt, desto schwieriger wird es, irgend einem Theile der deutschen Armee, irgend einem Stamme des deutschen Volks den Preis zuzusprechen, welchen die Franzosen weiland ihrem Marschall Ney zuerkannten, »unter Tapfern der Tapferste« ^zu sein. Kaum haben die Branden­burger, die Ostpreußen, die Hessen, die Hannoveraner und Oldenbur- gcr anscheinend das Höchste und Außerordentlichste geleistet, so folgt ein Tag, wo Sachsen, Schwaben, Franken, Pommern ihnen den Ruhm streitig machen, und der Letzte scheint immer der Beste zu sein. Es braucht nur eine Gelegenheit einzutreten, welche Auszeichnung ge­stattet, und man kann sicher sein, daß die Gelegenheit benutzt wird, gleichviel, welchem Corps sie sich darbietet. Die Truppen des General Werder hatten bis dahin eine zwar wichtige, aber nicht sehr augenfällige Rolle im Kampfe gegen Garibaldianer und Francs-tireurs mit höchster Aufopferung durchgeführt, die Gelegenheit zu blendenden Thaten hatte ihnen die Laune des Zufalls versagt und ohne die drei Tage von Belfort würden sie in der Geschichte dieses Krieges einen zwar ehrenvollen, aber nicht sehr sichtbaren Platz ein­genommen haben. Von jetzt an können sie sicher sein, daß man ihren dreifachen Ehrentag neben den glorreichsten Waffenthatcn des ganzen Krieges nennen wird. Daß gerade den Badensern ein so glänzender Antheil an diesem Ruhme zufällt, wird allen denen besonders erfreu­lich sein, welche Badens Verdienste um Süddeutschlands Haltung zu würdigen wissen. Dem Deutschen Kaiser, welcher um die nämliche Stunde im Schlöffe zu Versailles ausgerufen ward, als Bourbakt's vier ArmcccorpS sich zum Rückzüge vor dem einen deutschen wandten, mag es wohl als gute Vorbedeutung gelten, daß gerade in dieser welt­geschichtlichen Stunde die Söhne der Grenzmark des Reiches dem wel­schen Nachbar am Fuß der Vogesen ein siegreiches »Bis hierher und nicht weiter!« zuricftn.«

Inzwischen dürfte Bourbaki auf seinem eiligen Rückzüge nicht unbehelligt bleiben: die beiden Corps, welche General von Man- teuffel zur neuen deutschen Südarmee herbeigeführt hat, das 7. (westfälische) und das 2. (P unmersche), sind gleich auf die südwest­liche Rückzugslinie der französischen Armee marfchirt, und bereits ist Dole, einige Meilen südlich von Besanyon, von unseren Truppen besitzt worden. Die nächste Woche wird uns vermuthlich neue wichtige Entscheidungen in Betreff des Schicksals von Bourbaki bringen.

Im Norden Frankreichs hat General von Goeben, welcher an Stelle des Generals von Manteuffel dort den Oberbefehl erhalten hat, seine Operationen alsbald mit einem glänzenden Siege eröffnet.

Em erstes Telegramm aus dem Hauptquartier vom 20. meldete:

Die I. Armee warf am 18. vorgeschobene Abtheilungen der Rord-Armee von Beauvais auf St. Quentin zurück, wobei der Feind 1 Geschütz und 500 unverwundete Gefangene verlor. Am 19. griff General v. Goeben die französische Rord-Armee in ihrer Stellung vor St. Quentin an, warf sie in 7stündiger Schlacht aus allen Positionen und nach hartnäckigem Kampfe nach St. Quentin hinein.

Es folgte alsbald ein Telegramm unsers Kaisers an die Kai­serin Augusta:

General von Goeben hat gestern vor St. Quentin den Feind abermals geschlagen, in die Stadt hrneingeworfen nnd will ihn heute verfolgen. So sind also alle drei Armeen zur Entsetzung von Paris ge­schlagen.

Der Kaiser meldete noch an demselben Tage weiter:

General von Goeben hat noch gestern Abend, nach dem Sturme des EiseNbahnhoses durch das LN. Regiment, St. Quentin durch die Division Prinz Albrecht Sohn und eine Brigade des 8. Corps besetzt und den nach Norden und Ästen zersprengten Feind heute verfolgt.

Von der I. Armce selbst ging noch folgendes Telegramm ein:

St. Quentin, 20. Januar. Erste Armee hat gestern einen, glänzenden Sieg bei St.Quentin erfochten,' hieran betbeilig- tm sich außer Truppen der I. Armee Truppen des sächsischen Gene­rals Graf Lippe. St. Quentin am Abend besetzt, nachdem das 19. Regiment von der Division des Prinzen Albrecht den Bahnhof mit Sturm genommen. Mehrfache glückliche Kavallerie-Attaken. 6 Geschütze und etwa 10,000 unverwundcic Gefangene genommen. Uebcrall Zeichen der größten Auflösung der feindlichen Armee. Unser Verlust noch nicht konstaiirt, der der Franzosen viel größer.

Unsere Armee hat die Verfolgung sofort kräftig ausgenommen und nach einer neuesten Meldung bereits das ganze Gebiet bis zu den nördlichen Festungen vom Feinde gesäubert. '