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wir Paris nach einer Belagerung von 100 Tagen aufrecht und wider­standsfähig sehen. Der verzweifelte Feind hat den Deutschen PariS nicht zu Weihnachten liefern können, wie er es versprochen hatte. Er fügt das Bombardement zu den verschiedenen Emschüchterungsversuchen hinzu, durch welche er versucht hat, die Vertheidigung zu entkräften. Man breitet vor der öffentlichen Meinung die Beschwerden des außerordentlichen Winters aus, und schließlich sagt man, die Regierung sei in sich ge­theilt. Die Armee hat in der Tbat große Verluste erlitten. Sie bedarf der Ruhe, welche der Feind ihr durch das heftige Lombarde- ment nicht zuläßt. Aber die Armee bereitet sich mit Beihülfe der Rationalgarde zur Aktion vor. Wir alle werden unsere Pflicht thun. Ich erkläre, eS besteht keine Meinungsverschiedenheit in der Regierung, welche eng verbunden ist in der Hoffnung auf Befreiung.-

Es scheint, daß Trochu einen neuen umfassenden Ausfall der Truppen und der Rationalgarde vorbereitet, um wo mög­lich mit einem Theile derselben durch unsere Armeen durchzu- brechen.

M Er wird aber sicherlich überall denselben Empfang Seitens unserer Truppen wie bei den früheren Versuchen finden.

Jedenfalls trieb wohl das Schicksal von Paris in nicht langer Zeit zur Entscheidung gelangen.

Grwz Friedrich; C^rl ist in der letzten Woche zum erneuten Angriff des Generals Chanzy vorgegangen, welcher mit den bei Le Mans gesammelten bedeutenden Truppenmassen einen nochmaligen Versuch machen wollte, auf Paris zu mar­schiren. Die zweite Armee stand in letzter Zeit von Orleans die Loire entlang bis Blois und von da nördlich nach Vendome am Loir. Ihre Aufgabe war zunächst, den Feind überall im Schach zu halten und jedcrwEntsatzversuÄ nach Paris entschieden zurückzuweisen. Prinz Friedrich Carl mußte eine Zeit lang seine Blicke ebenso nach Süden richten, wo General Bourbaki neue Kräfte bei Bourges und Revers gesammelt hatte, wie nach Westen gegen Chanzy. Nachdem jedoch Ge­wißheit darüber erlangt wär, daß Bourbaki nach Dijon auf­gebrochen sei, um mit der Armee von Lyon zusammen im Osten zu operiren, konnte unsere II. Arnice den Westen allein ins Auge fassen und Behufs besserer Abwehr alsbald zum Angriffüber- gehen. Auf dem Wege von Vendome nach Le Mans werden durch zwei Flüßchen zwei Abschnitte gebildet, der eine bei Azay, der andere bei Savigny. Unsere vorrückenden Truppen (vom 10. Hannoverschen Corps) hatten bereits am 6. heftige Kämpfe zu bestehen, in welchen sie den Feind siegreich über den Ab­schnitt von A-ay zurückwarfen und diesen Ort, sowie das Städtchen Montoire nahmen. Tags daraus gelangten die Unsrigen wiederum unter sehr heftigen Gefechten bis zu dem zweiten Abschnitte und nahmen Savigny und La Chartre. Weiter nördlich wurde von der Armee - Abtheilung des Großherzogs vonMeckleuburgRogent-le-Rotrou genommen, o daß unsere Armee bereits auf einer weit ausgedehnten Linie iegreich vorgedrungen war. Am dritten Tage wurde St. Ca- mis auf dem Wege nach Le Mans besetzt. — Durch dieses erfolgreiche Vorgehen der II. Armee dürfte dem General Chanzy die Hoffnung auf einen Entsatzversuch von Paris einstweilen wohl benommen fein.

Auch in: WorScn ist die Aufgabe unserer I. Armee, zunächst jedes Vorrücken der französischen Nord-Armee zu ver­hindern, durch General von Manteuffel fortgesetzt, glücklich gelöst worden. General FaidHerbe ist am 2. von Neuem zum Angriff übergeAngen/ zunächst hatte nur eine vorgescho­bene Brigade unseres VIH. (rheinischen) Armee-Corps bei Ba- paume den Kampf gegen eine große Ucbermacht zu bestehen, am folgenden Tage (3.) kämpfte eine Division gegen den noch immer fast dreifach überlegenen Feind, und wehrte alle Angriffe desselben siegreich zurück. General F ai d h er b e' bat in lügenhaften Berichten wiederum den Sieg für sich in Anspruch genommen, daß davon nicht die'Rede sein kann, geht einfach daraus her­vor, daß es ihm jetzt so wenig, wie in den früheren Kämpfen gelungen ist, sich feinem Ziele Paris auch nur um eine Meile zu nähern.

Inzwischen haben andere Abtheilungen der I. Armee mit großem Erfolge weiter westlich jenseits der Stine operirt und ein von dort anrückendes französisches Corps in einigen Ge­fechten völlig zersprengt.

Im Sfielt Frankreichs bereiten sich untcrdeß wichtige Entscheidungen vor. General Bourbaki ist mit anscheinend sehr zahlreichen Kräften über Dijon herangezogen und rückt im Verein mit den bei Lyon gesammelten Schaaren, sowie mit Garibaldi in der Richtung auf die Vogesen vor, vermuth­

lich um zunächst Belfort zu entsetzen und sodann durch die Vogcsmpässe auf Stand) zu marschiren und unsere Etappen- linie zu durchbrechen. Er soll sein Hauptquartier augenblick­lich in Rioz haben und in drei Abtheilungen vorzugehen be­reit sein.

Seitens unserer Heeresleitung sind alle Vorkehrungen ge­troffen, um seinem Angriffe wirksam zu begegnen.

Aus den vereinigten Corps des Generals von Werder, des von Metz herbeigerückten Generals von Zastrow (VH. Armee-Corps), sowie bedeutenden anderweitig verfügbar gewordenen Truppen ist eine große Ost-Armee gebildet und unter ein einiges Ober-Kon: m.a ndo gestellt worden, dessen Operationen man mit größtem Vertrauen entgegen sehen darf.

Einstweilen hat der General von Treskow mit dem Reservecorps, welchem die Belagerung Belsorts obliegt, nicht blos in dieser erhebliche Fortschritte gemacht, sondern auch in glücklichen Rckognoszirungsgcfechten die vorgesandten Abtheilun­gen des Feindes zurückgewiesen und teilweise zersprengt.

Der Kriegs-Minister von Noon.

Am 9. Januar hat der Krieg«. und Marine-MiNister, General der Infanteci: von Roon, sein fünfzigjähriges DfenstHbiläum began­gen, fern vorn Vaterlande, aber inmitten einer sieg- und kuhmreiche« Armee, die feinem Organisationstalent und seiner unablässigen Für­sorge unendlich viel zu danken hat, und Angesichts der feindlichen Hauptstadt, mit deren Beilegung, so Gott will, der letzte Widerstand eines übermüthigen mächtigen Feindes gebrochen werden wird.

Pflicht der Dankbarkeit ist es, an diesem Ehren- und Festtage einen Rückblick zu werfen auf die verdienstvolle Laufbahn des in der Armee und Marine in gleichem Maße hoch verehrten Jubilars, der alle ihm zu Theil gewordenen Auszeichnungen der rastlosen Pflicht­treue verdankt, von der er in allen Abschnitten seines militärischen Lebens und in den mannigfachsten dienstlichen Stellungen durch und durch beseelt gewesen ist.

Am 9. Januar 1821 auS dem Kadetten-Corps, als einer der aus­gezeichnetsten Zöglinge dieses Instituts, als Seconde-Lieutenant im 14. Infanterie-Regiment angestellt, besuchte er in den Jahren 1825 bis 1827 die Allgemeine Kriegsschule und wurde, inzwischen in das

15. Insrntcrie-Regiment versetzt, im Jahre 1828 zur Dienstleistung beim Kadetten-Corps kommanhirt. Im Kadetten-Corps, dem er selbst seine erste Bildung verdankte, war er fast 4 Jahre als Erzieher und Lehrer segensreich thätig und trat in dieser Zeit mit seinem früheren verehrten Lehrer an der KnegSsSule, Professor C. Ritter, damaligem Studicn-Direktor des Kadetten-CorpS, in nähere dienstliche und wissen­schaftliche Beziehungen, denen die geographische Wissenschaft sehr viel zu danken hat. Der Meister, welcher die Geographie zuerst zur wah- ren Wissenschaft erhob und die Erdkunde zur Grundlage für alle historischen Forschungen hinzustellen verstand, übertrug seinem Lieb­lingsschüler von Roon, der am tiefsten in seine Ideen eingedrungen war, nicht nur die Fortsetzung der zuerst von ihm selbst in diesem Sinn gehaltenen höheren geographischen Vorträge an der Anstalt, sondern auch die Ausarbeitung eines zunächst für bab Kadetten-Corps bestimmten, bald aber auch in den meisten Schulen des Landes ein- geführten geographischen Leitfadens. Die v. Roon'schen »Anfangs­gründe der'Erd-, Völker- und Staatenkunde,« sichern dem Verfasser auf dem Felde der Geographie einen europäischen geachteten, wissen- schaftlichen Ruf für alle Zeiten.

Nachdem v. Roon 1831 zum Premier - Lieutenant ernannt, zum topographischen Bureau und zum Generalstabe kommandirt worden war, wurde 'er 1836 als Hauptmann in den großen Generalstab vc» setzt, in dieser Stellung zugleich alSLehrer an der Allgemeinen Kriegs­schule und als Examinator bei der Ober-Militär-Examinatons-Kom- mission verwandt, 1842 zuzn Major befördert und. 1846 zum mili- tärtschen Begleiter Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Carl er­nannt, in welchem Verhältniß er zwei Jahre verblieb.

Den Feldzug in Baden machte er als Chef deS Generalstabes des Generals von Hirschfeld mit, wurde 1850 zum Oberst-Lieutenant, in bemfefben Jahre zum Commandeur der 20. Infanterie - Brigade und zum Generak-Major, 1858 zum Commandeur der 14. Division, 1859 zum General-Lieutenant, 1864 zum Chef des Ostpreußischen Füsilier- RegimentS Nr. 33 und 1866 film General der Infanterie ernannt.

Ende 1859 eröffnete sich für General-Lieutenant von Roon, nach­dem er alle diese verschiedenen Dienst steife mit Auszeichnung durch» schritten, sich in den mannigfachsten besonderen Kommandos und Auf­trägen vielfach bewährt hatte, ein neues großes Feld dir angestreng­testen, vielseitigsten Thätigkeit, indem er von oem damaligen Regenten, Prinz von Preußen, zum -Kriegs - Minister er­nannt wurde. ES galt die Ausführung des in alle Hccres- verhÄtnisse so tief eingreifenden ReorganisationSplans der Armee, ewie Riesenarbeit der eingehendsten sachkundigsten Erwägungen, die gerade eine so rüstige Arbeitskraft und eine so betaillirte Kenntnis von den Armceverhältniffen erheischte, mit beides der neu emtretende