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deshalb kann nicht oft genug wiederholt werden, daß alles Reden und Kritisiren dieser Dinge durch hausbackene Politiker in der Heimath nicht nur überflüssig, sondern fast ein Ver­gehen gegen die ist, welchen die Oberleitung in, allen diesen Be­ziehungen hier anvertraut ist, Zeder vor Paris, vom obersten Feldherrn bis zum gewöhnlichen Soldaten, hat in jeder Mi­nute seine Pflicht und Schuldigkeit im höchsten Maße gethan, und verdient deshalb von den Zurückgebliebenen nichts als ehrende Anerkennung und ungetheiltes Lob.

Die BeschikKNNE der SÄdfrsst trat erst einige Tage später ein. Die erste Meldung darüber kam vom Könige an die Königin in folgendem Telegramm:

BsrsaiAes, &. Januar, ZE Nhv WLorgrnS. Seit $ Uhr beginnt die Beschießung Lee GW- FortS von Paris bei herrlichem windstille« Winter­tage und D Grad Kälte Nhns Schnee.

LT i il h e l M.

Ein weiteres Telegramm aus dem großen Hauptquartier meldete:

Versailles, 5. Januar. Die gegen die Südfront von Paris errichteten Batterien, deren Armirung vom Feinde nicht gestört worden, beschossen im Laufe des heutigen Tages die Forts Issy, Vanvres und Montrouge, die Verschanzungen von Villejuis, den Point du Zour und Kanonenboote, Gleichzeitig wurde die Beschießung der Nord- und Ostfront kräftig fortge­setzt, zum Theil aus neu errichteten Batterien. Erfolg sehr günstig trotz ziemlich starkem Nebel."

Der Angriff auf der Südseite hatte schon am 1. Januar erfolgen sollen, war jedoch durch die Beschädigung einer Brücke verzögert worden. Am 3. Nachmittags konnten sodann die letzten Vorbereitungen getroffen werden. Mit bereinbrechender Dunkelheit wurden die Batterien armirt. Der König mit zahl­reichem Gefolge war dabei anwesend. Um Mitternacht waren die Geschütze in ihren Stellungen schußfertig. Zahlreiche In­fanterie stand auf den Höhen von Meudon und Clamart, um das Vorschüben unserer Feldwachen 311 unterstützen. Kurz nach 12 Uhr Nachts war diese Operation glücklich vollzogen. Wider­stand wurde an keinem Punkte geleistet,' die französischen Feld­wachen wurden vollständig überrascht und theils ausgehoben, theils mit wenig Flintenschüssen vertrieben, die noch ziemlich zahlreich anwesenden Bewohner, alte Leute der ärmsten Klaffe, aufgebracht und nach Versailles 'geleitet. Unsere Vorposten stehen nunmehr dicht an der Seine.

Am 4. d- früh mit Tagesanbruch sollte die Beschießung von Fort Issy beginnen; dichter Nebel lagerte aber auf der ganzen Gegend und verurtheilte unsere schweren Geschütze zu noch längerem Schweigen. Auch Nachmittags und Abends» wich der dicke Schleier bei grimmiger Kälte nicht und es kehr­ten die zahlreich an Ort und Stelle anwesenden Herren des großen Hauptquartiers nach Versailles zurück.

Am 5. früh endlich begann das Bombardement. Ein Augenzeuge schreibt darüber:Punkt 8 Uhr 20 Minuten früh wurde der erste Schuß abgefeuert. Er kam aus einem 24-Pfün- der, der mit Granaten auf Bresche arbeitete. Rasch folgten der einen Batterie andere, und das Gedröhne der öOpfündigen ge­zogenen Mörser ist so stark, daß der Tisch, an dem ich schreibe, nicht zittert, sondern zu zerspringen scheint. Die Geschosse der »fündigen Mörser, theils bayerische, theils preußische Pracht- exemplare der artilleristischen Kunst, wiegen nicht weniger als 2 Zentner und reichen 10,000 Schritte weit. Sie helfen, Alles zerstörend, was von ihnen getroffen wird, den breschelegenden Apsündigm, ebenfalls gezogenen Geschützen nach."

Ju Betreff Der B-festigungen der Gridfront ist zur besseren Uebersicht der Operationen Folgendes hervorzuheben: Die Ostfront endigt auf dem rechten Ufer der Seine mit dem Fort Charenton, weiches in dem VereinigUngswinkel von Seine und Marne gelegen, mit den Redouten der Halbinsel von St. Maur den Zugang zur Stadtumwallung im Südosten sperrt. Auf dem linken Ufer der Seine, 4000 Schritt vom Fort Cha­renton, beginnt du südliche Befestigungslinie mit dem etwas erhöht liegenden Fort d'Ivry. In fast gerader Linie von Osten nach Westen folgen sich in fast gleichen Abständen von durch­schnittlich 3000 Schritt die Forts de Biestre, de Montrouge, de Vanves (oder Danvres) und d'Issy. Das letztere liegt etwa fünfzig Fuß über der hier wieder aus dem Stadtgebiet treten­den Seine. Zwischen denselben gehen die Eisenbahnen nach Limours bez. Sceaux und die nach Versailles (Route gauche)

hindurch. Die Südforts reichen also von dem Eintritt der Seine in die Stadt Paris bis dahin, wo der Strom die Ring­mauer wieder verläßt, um in einem nach Süden geschlossenen, das Gehölz von Boulogne umfassenden Bogen "bei Sevres, St. Cloud und dem Mont Valörien vorüber wieder nordwärts nach St. Denis zu fließen. Der Punkt im Südwesten der Stadtumwallung, wo die Seine aus der Stadt au stritt, ist der in der Depesche erwähnte Point du jour, den die Pariser Vertheidigung neuerdings sehr verstärkt hat.

Ueberhaupt haben wir es nicht mehr blos mit den ur­sprünglichen Befestigungen zu thun. Ein Theil der südlichen Forts wird seit Einführung der gezogenen Geschütze von den weiter südwärts gelegenen Höhen, von Meudon, Clamart und Chatillon beherrscht. Die Versuche, noch vor dem Beginn der Einschließung diesem Mangel durch neue vorgeschobene Werke abzuhelfen, kamen nicht mehr zur vollen Ausführung, und am 19. September fiel die Schanze bei Chatillon in die Hände der Deutschen. Sie' ist von den Unsrigen unbearbeitet und für Vertheidigung und Angriff hergerichtet worden. Die Ausfälle, durch welche sich der Feind wieder in den Besitz der Höhen zu setzen versuchte, wurden abgeschlagen. Die Forts von Sicetre, Montrouge und Vanvres liegen bedeutend niedriger als die Anhöhe, sie können von oben Ungesehen werben; dagegen ist das Fort von Issy, auf einem einzeln stehenden Bergkegel ge­legen, von fast gleicher Höhe mit der Schanze bei Chatillon.

Während der Dauer der Einschließung hat nun General Trochu es sich angelegen sein lassen, die Süd front nach Kräf­ten fester zu machen, Verbindungslinien zwischen den einzelnen Forts (so auch vom Fort Issy zur Seine) herzustellen und die Befestigungen weiter gegen die Stellungen der Belagerer hinaus- zuschieben.

Vor einem Angriffe auf die Forts Ivry nnd Bicotre müssen erst (ähnlich wie bei dem Mont Avron im Osten) die vorgeschobenen Werke überwältigt werden, und so erklärt es sich, daß in der obigen Depesche jene beiden Forts fehlten und dafür die Verschanzungen von Villejuis als Gegenstände der Be­schießung genannt wurden.

Die Grfysgs des BsmbardeKeeuts waren aus der Südfront ebenso wie auf der Ostfront vom ersten Augenblick über Erwartung bedeutend. Das Feuer von zwei Forts ist gedämpft und in dem Fort Montrouge ist eine Kaserne in Brand geschossen.

Von großer Wichtigkeit ist aber besonders die Gewißheit, daß unsere Granaten vom ersten Tage an über die Forts und die Ringmauer hinweg in die Stadt selbst und zwar zunächst in den Garten deS Pallastes Luxemburg (an der Grenze der beiden Stadttheile Faubourg St. Germain und St. Jacques, der sogenanntelateinische Stadttheil") eingeschlagen sind.

Nachdem somit die günstigsten Erwartungen über die Tragweite der Wirkung unserer Artillerie erfüllt sind, ist der Angriff alsbald einen Schritt weiter gegangen und neben den Forts geradezu und bestimmt auch aus die Stadt selbst gc- ricktet worden.

Die letzte Depesche besagt ausdrücklich, daß im Laufe der Nacht vom 8. zum 9. die Stadt Paris von unseren Batterien stärker beschossen worden ist.

Es ist anzunehmen, daß dieses eigentliche Bombarde­ment von Paris nicht nur vom Süden her, sondern, wie schon neulich angedeutet wurde, gegen einige der östlichen Stadttheile wird gerichtet werden können.

Seit dem PreiSgeben des Mont Avron und dem flucht­artigen Rückzug der Truppen aus den östlichen Kantonnements in tue Stadt, hat sich in der Bevölkerung von Paris, nament- lich in der aus Arbeitern bestehenden Nationalgarde, eine große Erregung/ Zegen den General Trochu entwickelt, welcher zu großer Schlaffheit und Unthätigkeit angeklagt und hier und da bereits als Verräther -wie Bazaine« bezeichnet wird. Er hat es sich gefallen lassen müssen, daß ihm ein Rath von mehreren Personen an die Seite gesetzt worden ist, um seine Schritte zu kontrolliren. Wie es heißt, wird der Verdacht gegen ihn von Bordeaux aus durch Gambetta genährt. Auch mit General Ducrot soll er völlig zerfallen sein.

Um die Pariser Bevölkerung augenblicklich zu beschwichtigen, hat sich Trochu zum Erlaß folgender Proklamation bewogen gesehen:

»ES werden große Anstrengungen gemacht, um die Einigkeit und daS gegenseitige Zutrauen zu brechen, welchem wir es verdanken, daß