^2. Provm)ial - Corresponden). n. sm« na
Neunter Jahrgang.
Dus republikauis-He Frankreich Msä Die Z^rrdsKse KonsUeuz.
Nach den Waffenstillstands-Verhandlungen, welche Graf Bismarck im September v. 3- mit dem Pariser Minister Jules Favre gepflogen hatte, wurde Seitens der republika- nischen Regierung behauptet: Graf Bismarck habe die Absicht geäußert, Frankreich zu einer Macht zweiten RangeS herab- zudrücken.
Eine solche oder eine ähnliche Aeußerung war nun, wie sich blüh ergab, von Graf Bismarck keineswegs gethan wor- den. Es war vielmehr nur die völlig unberechtigte Auffassung der französischen Regierung selber, daß Frankreich, wenn ihm irgend eine Landabtretung zugemuthet werde, von seinem Range als Weltmacht herabsteige.
Was aber die deutsche Politik nicht gefordert und nicht erstrebt hatte, das hat Frankreich sich selber angethan: die republikanische Regierung, welche sich aus eigener Macht eingesetzt hat, unter dem Vorwande, Frankreich zu retten, hat das unglückliche Land so tief zerrüttet und zu solcher politischen Ohnmacht gebracht, daß dasselbe fürs Erste auf jeden Einfluß gegenüber den Weltereignissen verzichten muß.
Hiervon giebt das Verhalten der jetzigen Machthaber in Frankreich in Bezug auf die bevorstehende Konferenz über die Angelegenheit des Schwarzen Meeres Zeugniß.
Die Aufforderungen zu der Konferenz, welche demnächst in London stattfinden soll, sind Seitens der englischen Regierung ergangen und auch an die gegenwärtige französische Regierung in Paris gelangt.
Diese schien von vorn herein bereit, der Aufforderung Folge zu leisten. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Herr Jules Favre in Paris, wollte selbst an der Konferenz Theil nehmen, zu welchem Zweck ihm von dem deutschen Hauptquartier freies Geleite zugesichert wurde.
Auf Seiten der republikanischen Regierung waltete dabei zunächst wohl der Hintergedanke ob, durch die Betheiligung an dieser europäischen Berathung zugleich eine ausdrückliche Anerkennung der Republik Seitens der Mächte zu erreichen. Hierzu konnte jedoch nirgends eine Bereitwilligkeit vorhanden sein, aus dem sehr einfachen Grunde, weil man eine Regierungsform nicht anerkennen kann, die in dem betreffenden Lande selbst gar noch nicht erklärt und anerkannt ist. Die Republik hat in Frankreich bisher noch keine gesetzliche Begründung/ — die bisherigen Machthaber haben jeden Schritt von der Hand gewiesen, der zu einer solchen Begründung hätte führen können/ sie haben ihre augenblickliche Macht ausdrücklich nur für die Vertheidigung und Rettung des Vaterlandes in Anspruch genommen: wie könnten sie verlangen, daß Europa in seiner Anerkennung weiter gehe, als es Frankreich selbst bisher zugemuthet worden ist?
Nachdem die französische Regierung sich überzeugt hatte, daß sie für die Förderung ihrer eigenen. Interessen vermittelst der Konferenz wenig Aussicht habe, scheint ihre Geneigtheit zur Betheiligung an derselben mehr und mehr geschwunden zu sein.
Die Gründe freilich, welche in französischen Blättern für diese Enthaltung geltend gemacht werden, können die wirklich maßgebenden und entscheidenden Beweggründe nacht sein. Es wird einerseits angedeutet, daß Jules Favre sich in dem gegenwärtigen wichtigen Zeitpunkte nickt von der Pariser Regierung entfernen könne/ — andererseits werden Bedenken dagegen erhoben, daß der französische Abgesandte vermöge des angebotenm freien Geleites gleichsam nur durch die Gunst des feindlichen Hauptquartiers bie Zulassung zur Konferenz erlangen solle. Beide Gründe, Falls sie ernstlich ins Gewicht fielen, würden ja einfach dadurch erledigt werden können, daß ein anderer gegenwärtig nicht in Paris eingeschlossener Politiker zur Konferenz entsandt würde.
In dem bedeutendsten englischen Blatte dagegen dürfte ein Hinweis aus den wirklichen tieferen Grund der Zurückhaltung Seitens Frankreichs zu finden fein: nämlich die Besorgnis? der französischen Regierung, daß ihr Vertreter auf der Konferenz inz gegenwärtigen Augenblick zumal dem Vertreter Deutschlands gegenüber eine peinliche Rolle spielen würde. „Mit
welchem Vertrauen (heißt es) würde er die Ansichten einer Regierung vertreten können, deren Mitglieder in dem Augenblicke, wo er seine Stimme erhebt, bereits Kriegsgefangene sein können?"
Das englische Blatt will das Gewicht dieser Gründe nicht durchaus bestreiten, mahnt aber Frankreich, um seiner Zukunft Willen auf seinen Platz in der Konferenz nicht zu. verzichten, da weder zu wünschen, noch irgend zu glauben sei, daß Frankreichs Einfluß für alle Zeit vernichtet werden solle.
Diese Betrachtungen und Mahnungen sind um. so lehrreicher, als sie von einem augenscheinlich wohlwollenden Standpunkte ausgehen.
Alles Rühmen der republikanischen Machthaber über ihre Thaten und Erfolge für die Wiedcrcrhebuüg Frankreichs kann vor dem unbefangenen Urtheil Europas die Thatsachen nicht verhüllen und verdunkeln, welche laut und vernehmlich verkündigen, daß die gegenwärtige Regierung einen tieferen inneren und äußeren Verfall Frankreichs herbeigeführt hat, als es die Macht und das Streben des Feindes irgend vermocht hätte.
Bsm Kriegsschauplatz.
(Uebersicht).
DaS Bombardement von Paris ist nunmehr im vollsten Umfange zur Thatsache geworden. Von der Beschießung des Mont Avron ist man zur Beschießung der Forts auf der Ostseite von Paris und wenige Tage darauf zum Angriff aus der Südseite und gleichzeitig im Norden über« gegangen. Nachdem die amtlichen Depeschen zuerst nur von der Beschießung der feindlichen Positionen vor der Ostfront gesprochen hatten, wurde zuerst aus französischen Berichten, bald darauf auch aus den diesseitigen Meldungen gewiß, daß unmittelbar nach der Eroberung des Mont Avron auch zum Angriff gegen die drei östlichen Forts Noisy, Rosny und Nogent übergegangen worden war, und zwar mit solcher Wucht, daß das feindliche Feuer aus denselben bald fast gänz- üch verstummte.
Aus den Mittheilungen französischer Blätter ist zu erkennen, daß die Wirkung und der Eindruck des Bombardements von vornherein geradezu überwältigend waren. Schon vom 29. Dezember wurde von der Beschießung des Forts Rosny gemeldet: „In 5 Stunden fielen 155 Bomben allein in die Kaserne zur Linken. Die Kasematten, welche man für bombenfest gehalten hatte, wurden durchschlagen. Von 8 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends fielen gegen 2000 Geschosse in die En° ceinte, auf die Escarpe und Eontre-Escarpe. Ein Schuß verwundete in den Kasematten 6 Artilleristen der Nationalgarde. Ein so furchtbares Bombardement erweckt ein Gefühl der Un« ausweichbarkeit (inevitabilite), welches auch den Tapfersten beängstigt. Niemand, auch keiner der kriegsgewohntesten Soldaten, kann sagen, daß er ein solches Feuer, wie bei Rosny, Noisy und Avron erlebt habe, denn dies ist ein ganz neuer Krieg, mit neuen Wurfgeschossen, so daß auch die Wirkung und Eindrücke ganz neue sind."
Ein Bericht aus Versailles knüpft an den Anfang des Bombardements Zogen die Ostfront folgende Bemerkungen:
Die fabelhaften, schnellen und sicheren Erfolge, welche dieser verhältnismäßig nur schwache Versuch von unserer Seite nach sich gezogen hat, dürften möglicherweise eine Höhe und einen Umfang erreichen, die sich von _ber Ferne her ebenso wenig mit voller Genauigkeit abschätzen lassen, wie die Mühen und Drangsale, welche unser Belagerungsheer ausgestanden hat, die unendlichen Schwierigkeiten und die Aufgaben, welche unser Genie- und Artilleriewesen zu überwinden hatte, um überhaupt solche Resultate ermöglichen zu können. Wer die kolossalen Arbeiten nicht selbst gesehen hat, welche unsere braven Soldaten mit Aufbietung aller Kräfte vor Paris vollenden mußten, um überhaupt die Beschießung der Forts möglich zu machen, kann sich trotz der genauesten und eingehendsten Detailschilderung derselben kein richtiges Bild von ihnen entwerfen, und wer sie gesehen hat, kann dies auch nur bann thun, wenn er selbst Sachverständiger ist oder unter der Führung eines solchen sie sämmtlich durchwanderte. Und