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schon durch Württembergische Artillerie, die die Flanke des Feindes be­schoß, veranlaßt, sich zurückzuziehen.

In den folgenden Tagen hat ein erneuter Angriff nicht stattge­funden, obwohl man einen solchen gerade für die Weihnachtstage vielfach angekündigt hatte. Die Franzosen, denen das Weihnachtsfest in deutscher Weise fremd ist, die aber wissen, welchen Werth das deutsche Volk gerade auf diese Feier legt, haben so viel von Weih­nachten und von der Sehnsucht unserer Truppen nach der Heimath geredet und daraus allerlei Schlüsse auf die Kriegsmüdigkeit der deut­schen Armee gezogen, daß die Meinung, sie möchten stch am Ende das Weibnachtsfest zu einem Hauptstöße auècrsehen haben, nicht unbe­gründet schien.

Doch sei es nun, daß die Mißerfolge der jüngsten Versuche, sei es, daß die seit dem 24. auch dort eingetretene Kälte ihren Eifer ab- gekühlt, — sie haben seit dem 22. auf weitere Angriffe verzichtet und selbst das Feuer aus ihren Forts erst am 26., jedoch ohne alle Wir­kung, wieder begonnen.

Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß die Zweifel an der Möglichkeit erfolgreichen Widerstandes und demzufolge eine gedrückte, trübe Stimmung in der Bevölkerung von Paris immer mehr Ver­breitung gewinnen. Dies wird voraussichtlich in noch höherem Maße der Fall sein, wenn erst die Kunde von dem Mißgeschick, welches inzwischen die Nordarmee ereilt hat, nach Paris gelangen wird.

Niederlage der Nordarmee. Auf die Nachricht von den Unternehmungen der neu gebildeten Nordarmce hatte General von Manteuffel seine Operationen über Rouen hinaus einstweilen be­schränkt und war mit einem beträchtlichen Theil seiner (I.) Armee wieder auf Amiens gerückt, um von dort aus dem Vorrücken Faid- Herbe's Halt zu gebieten Dieser hatte bei Lille zahlreiche Truppen- Massen gesammelt (wie von französischer Seite verkündet wurde, etwa 60,000 Mann) und rückte über Arras auf Amiens vor. Am 23. und 24. kam es nördlich von AmienS zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher die deutschen Waffen wieder einen glänzenden Sieg erfochten.

General Manteuffel traf den Feind 1| Meilen nordöstlich von Amiens an beiden Uferil des Flüßchen Ha llue , das dort in die Somme fließt, in fester Stellung mit zahlreicher Artillerie und in augenscheinlicher Ueberzabl. Er griff denselben sofort an, der Kampf dauerte von Vormittags 11 Uhr bis Nachmittags 6 Uhr, also bis nach dem völligen Einbrüche der Dunkelheit. Die Franzosen schrieben sich in den vom ersten Tage verbreiteten Nachrichten den Sieg zu oder wollten wenigstens auf dem rechten Flügel gesiegt haben, aber sie selber muffen, zugestehku, daß schon an jenem ^.age die Mitte if ■ er Aufstellung durchbrochen und damit ihre Schlachtordnung zerrüttet war. Es steyr überdies fest, daß eine Reihe von Ortschaften, welche sie besetzt gehal­ten , von den deutschen Truppen erstürmt und, trotz aller erneuten Angriffe, siegreich behauptet wurden. Alles, was eingeräumt werden kann, ist, daß die Franzosen tapfere Gegenwehr geleistet und nicht gleich am 23. den vollen Rückzug angetreten haben. General Faidherbe hat vielmehr noch am 24. die Angriffe erneuert, ver­muthlich jedoch, um den nunmehr cingelciteten Rückzug zu decken. Auch diese Angriffe wurden von unserer Armee erfolgreich abgewicsen und am 25. (bcm ersten WeihnachtSfeiertag) begann die Verfolgung des .Fein­des, welche alsbald biè Albert (4 Meilen nordöstlich von Amiens) fortgesetzt wurde. Der Feind hat erhebliche Verluste erlitten und außer einigen Geschützen über 1000 unuerwundete Gefangene in unsern Händen. gelassen Die Zahl unserer Opfer ist noch nicht be­kannt. Die I. Armee aber hat sich ein neues großes Verdienst um die erfolgreiche Durchführung unsrer Kriegsaufgaben erworben,' denn wie im Süden, so dürfte jetzt im Norden jede Hoffnung für Paris dauernd beseitigt sein. Die eingeschloffene Hauptstadt wird sich jetzt vollends auf ihre eigene Widerstandskraft angewiesen sehen/ sie wird ohne ferner trügerische Hoffnungen nähren zu können, mit sich zu Rathe gehen müssen, ob sie im Stande ist, das ihr drohende Unheil abzuwehren. __

Nachschrift. Soeben geht die wichtige Nachricht ein, daß am 27. Dezember vor Paris der Angriff unserer Delagerungs.Artillerie zunächst gegen die Batterien auf dem Mont-Avron (östlich von Paris), begonnen hat.

ES handelt sich hier noch nicht um die Beschießung der Stadt, ja noch nicht unmittelbar um die Beschießung der Forts, wohl aber um die wirksame Einleitung dazu.

Der Mont Avron ist eine Höhe im Osten von Paris, welche nahe vor dem Fort Rosny liegt. Die Franzosen haben dort zur Sicherung und Verstärkung dieses Forts Verschanzungen angelegt, von denen aus sie theilweise auch ihren Ausfall am 21. ins Werk setzten.

Es gilt bei dem jetzigen Angriff zunächst, ihnen diese bedrohliche Stellung zu entreißen. Sobald dies aber gelungen ist, wird nicht blos das Vorgehen gegen die nächsten Forts wesentlich erleichtert, sondern möglicher Weise auch ein Beschießen nahe liegender Theile der Stadt selbst ermöglicht sein.

Die Vorbereitungen zur kräftigen Durchführung der gewaltigen artilleristischen Aufgabe sind seit Anfang Dezember, von dem Augen­blicke an, wo mit der Niederlage der Loire-Armee die Gefahr einer

Störung von außen zurückgetreten war, in umfassendster Weise ver­vollständigt worden, und in diesem Augenblick ist vor Paris eine Zahl schwerer Feitungsgcschütze ausgestellt, wie sie vielleicht noch niemals um einen Punkt vereinigt war.

Das Werk, das jetzt unternommen wird, gehört zp den größten und schwierigsten der ganzen Kriegführung. DieFortssind an und für sich sehr stark und durch neuere Werke noch verstärkt worden/ sie sind überdies vortreff­lich armirt und gut vertheidigt. Es wird daher immerhin schwere und harte Kämpfe kosten, bis durch die Einnahme einiger Forts erst die Möglichkeit gewonnen wird, Paris selbst den vollen vernichtenden Ernst eines Bombardements empfinden zu lassen.

Die große Aufgabe wird jedoch jetzt um so sicherer durchgeführt werden, je weniger die Belagerungsarmee von irgend einer Seite noch einen Angriff von außen her zu besor­gen hat.

Während die zweite Armee unter dem Feldmarschall Prinz Friedrich Karl und die mit ihr vereinigte Armee- Abtheilung des Großherzogs vonMecklenburg die Wacht nach Süden und Westen (an der Loire und Sarthe) halten und die erste Armee unter General von Manteuffel jeden Angriff vom Norden abwehrt, — werden die dritte und vierte Armee unter unserm Kronprinzen und dem Kron­prinzen von Sachsen die vermeintlich »heilige Stadt­endlich zum Bewußtsein ihrer Rett nngslosigkcit und ihres tiefen Falls bringen, Mit der Hauptstadt wird dann hoffentlich bald auch Frankreich sich in sein unabwend- arcs Geschick fügen.

Die Nothwendigkeit weiterer kräftiger Rüstungsnraß- regeln behufs gänzlicher Niederwerfung Frankreichs wird von dem oft erwähnten militärischen Berichterstatter der »Schlesischen Zeitung« in folgender Weise begründet:

»Fällt die feindliche Hauptstadt binnen wenigen Wochen, so haben die inzwischen im äußersten Norden und Westen, namentlich aber in den weiten Gebieten des Südens erfolgenden Rüstungen des Feindes nichts Bedenkliches. Gehen aber noch viele Wochen hin, ehe die Haupt­stadt bezwungen ist, so kann die Nothwendigkeit eintreten, abermals eine neue Campagne zu Unternehmen, ähnlich der eben bei Amiens und Orleans siegreich auggetragenen. Wir zweifeln nicht daran, daß auch in dieser neuen Campagne der Sieg unseren Fahnen treu bleiben würde, dennoch aber läßt diese Eventualität darauf bedacht sein, unsere Heere möglichst zu verstärken. Der Moment ist gesäumten, wo wir alles in die Wagichaie werfen müssen, was wir irgend aufzustellen vermögen. Wir sind deshalb darauf, gefaßt, daß an die Leistungs­fähigkeit, die Ovferwilligkeik imb' den Patriotismus Deutschlands ein neuer Appell ergehen wird.

Es handelt sich nicht allein darum, des Sieges gewiß zu sein, wenn Trochu feine immer mehr zu Soldaten hrranrcifcnoen Mobil- garben neben der Linie noch zu Maffmausfällen verwenden, oder wenn abermals Entsatzheere den Weg gen Paris cinschlagen sollten, sondern — und hierin erkennen wir das wes.ntiichstcMomcnt — nach dem Falle von Paris große Hceceswassm auf französischem Boden zu haben, um dem Gegner die Hoffnungslosigkeit weiteren Widerstandes klar zu bemonstriten, nöthigenfalls aber sofort nach dem südlichen Frankreich Vorstößen zu können, .ohne unsere Okkupation des Nordens zu beein­trächtigen.

Wir dürfen weder uns wundern noch erschrecken, wenn in der nächsten Zeit alle noch in der Heimath befindlichen schlagfähigen Truppenkörper sofort über die Grenze geführt, wenn neue junge Rekruten eingestellt, alle zeitweis a!s unbrauchbar bezeichneten Leute einer neuen Revision unterworfen, wenn die ältesten noch dienstpflichtigen Leute zu den Fahnen gerufen, überzählige Reservisten der Kavallerie- behufs Verwendung im Besatzungsdienst mit dem Gewehr ausgebildet und andere ähnliche Maßregeln getroffen werden. Wollen wir einen baldigen Frieden erzwingen und dabei die volle Frucht unserer Siege ernten, soll kein Tropfen edlen Bltties vergebens geflossen sein, dann muß der Volkskrieg dem Volkskrieg mit vollem Gewicht ent­gegengesetzt werden. Dann erst wird sich der Segen unserer trefflichen Hecresorganication in seiner ganzen Fülle offenbaren, dann erst wer­den wir die Früchte der Opfer und Anstrengungen ernten, die wir seit einem halben Jahrhundert her unserer Wehrhaftigkeit gebracht haben.«

Der Präsident des Bundeskanzler-Amtes Staats-Minister Delbrück hat sich von Neuem in das Große Hauptquartier zu Versailles begeben.

Die Verkündigung der Verfassung des neuen deutschen Reiches wird erfolgen, sobald die Genehmigung der abgeschlossenen Verträge über den Eintritt der einzelnen-süddeutschen Staaten endgültig erfolgt ist.

Bald nach der Verkündigung der Verfassung dürften sodann die Wahlen zu dem künftigen Reichstage im ganzen Gebiete des deutschen Reiches ausgeschrieben werden.

Verantwortlich-. E, Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).