wesenden, daß das künftige deutsche Kaiserihum auf einen felsenfesten Unterbau gegründet sein wird, der nicht verfehlen kann, dem deutschen Namen Achtung durch alle Welt zu verschaffen.
Es war des Königs Wunsch gewesen, daß der Empfang der Reichstags-Deputation nach beendigtem Gottesdienst stattfinden solle.
Gegen 10 Uhr versammelte sich vor der Scbloßkapelle auf der »Place d'Armes«, um daS Denkmal Ludwigs XIV., der Kronprinz mit seinem Stabe, die Prinzen deS Königlichen Hauses, die deutschen Sürsten, die Generäle und Offiziere, um Se. Majestät zu erwarten.
)er König betrat, dem glänzenden Gefolge um wenige Schritte voran, die Kirche, nach allen Seiten den Gruß der versammelten Soldaten erwidernd, und nahm Platz zur Rechten des Altars, an Seiner Seite die Prinzen und Fürsten. Die vordersten Reihen der linken Seite waren von den Abgeordneten eingenommen. Nach dem Gesang eines Militärchors: »Ehre sei Gott in der Höhe«, und einem Von der Militärmusik begleiteten Choral hielt Hof- und Divisions- Prediger Rogge aus Potsdam die Predigt, die auf die Bedeutung des Tages Bezug nahm.
Die Ueberreichung der Adresse fand um 2 Uhr in dem großen Empfangssaale der Präfektur statt. Auf den Korridoren, welche die Eintretenden passiren mußten, versahen Mannschassen von der Stabswache des großen Hauptquartiers die Ehrenposten. Eingeladen waren die Fürsten mit den höchsten Chargen ihrer persönlichen Umgebung, der Bundeskanzler, die Generale, die höheren Beamten des Königlichen Hofstaates.
Se. Majestät nahm am Ende des Saales Platz. Zur Rechten standen Se. Königliche Hoheit der Kronprinz, die Prinzen Carl und Adalbert von Preußen, die Großherzöge von Baden, Sachsen und Oldenburg, die Herzöge von Koburg und Meiningen, der Prinz Wilhelm von Württemberg, die Erbgroßherzöge von Sachsen, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenbura-Strelltz und Oldenburg, der Herzog Eugen von Württemberg, der Erbprinz von Hohenzollern. Es folgten die Generale v. Roon, v. Podbielski, v. Blumenthal, v. Hindersm, v. Kirchbach u. a. General Graf von Moltke hatte sich den De- putirtc» angeschlossen, die in der Mitte des Saales vor Sr. Majestät Aufstellung genommen hatten. Zur Linken Sr. Majestät des Königs stand der Bundeskanzler, die Herren vom Civil- und Militâr-Kabinet, die Flügel-Adjutanten, der Hofstaat.
Tiefe Stille herrschte, als der Präsident Dr. Simson die Feierlichkeit mit der folgenden Ansprache an Se. Majestät eröffnete:
»Allerdurchlauchtigster König, Allcrgnädigstcr König und Herr!
Ew. Königliche Majestät haben huldreich gestattet, daß die von dem Reichstage des Norodeutschen Bundes am 10. d. M. beschlossene Adresse Allerhöchstdenselben in Ihrem Hauptquartier zu Versailles überreicht wird. ' . “ ™
Dem Beschluß der Adresse war die Zustimmung zu den Verträgen mit den deutschen Südstaaten und zu zwei Verfassungsänderungen voraufgegangen, mittelst deren dem künftigen deutschen Staat und seinem höchsten Oberhaupt Benennungen gesichert werden, auf denen die Ehrfurcht langer Jahrhunderte geruht, auf deren Herstellung das Verlangen des deutschen Volkes sich zu richten niemals aufgehört hat.
Ew. Majestät empfangen die Abgeordneten des Reichstages in einer Stadt, in welcher mehr als Ein verderblicher Heereszug gegen unser Vaterland ersonnen und ins Werk gesetzt worden ist. Nahe bei derselben sind — unter dem SDruct fremder Gewalt — die Verträge geschloffen, in deren unmittelbarer Folge daS Reich zusammen» brach.
Und heute darf die Nation von eben dieser Stelle her sich der Zusicherung gelrösten, daß Kaiser und Reich im Geist einer neuen lebensvollen Gegenwart wieder ausgerüstet und ihr, wenn Gott ferner hilft und Segen giebt, in Beidem die Gewißheit von Einheit und Macht, von Recht und Gesetz, von Freiheit und Frieden zu Theil werden.
Ew. Majestät wollen geruhen, den Befehl zu ertheilen, daß der Wortlaut der Adresse verlesen und die Urkunde in Ew. Majestät Hände gelegt werde.«
Nachdem Se. Majestät Allcrâöchstihre Zustimmung gegeben, verlas der Präsident Dr. Simson die Adresse, welche auf Pergament geschrieben, in rothem Einband eingeschlossen, Sr. Majestät überreicht und von Allerhöchstdemsclben dem Flügel-Adjutanten Grafen Lehndorff eingehândigt wurde. Se. Majestät der König verlasen darauf die bereits mitgetheilte Antwort an die Deputation.
Nach beendeter Rede schritten Se. Majestät auf den Präsidenten Dr. Simson zu, begrüßten ihn auf daS Huldvollste und kündeten ihm die Verleihung des Sterns zum Rothen Adler - Orden zweiter Klaffe an. Se. Majestät reichten dann allen Mitgliedern die Hand, und sprachen mit Jedem einige Worte. Ein Hoch des Präsidenten auf Se. Majestät den König Wilhelm, den Obersten Feldherrn des deutschen Heeres, schloß die Feier.
Um 3 Uhr waren die Abgeordneten in die Villa »Les Ombrages«, das Hauptquartier der III. Armee, eingeladen, wo noch eine besondere Begrüßung von Seiten Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen stattfinden sollte. Derselbe unterhielt stch etwa eine Stunde lang mit den einzelnen Mitgliedern der Deputation, befragte sie über die politischen Verhältnisse und schloß die Audienz mit einer längeren Ansprache an die Deputation.
Um 5 Uhr war Festdiner bei Sr. Majestät dem Könige in der Präfektur. Vor dem Diner überreichten Se. Majestät der König dem Präsidenten Dr. Simson den ihm verliehenen Stern.
Am 19. verließ die Deputation Versailles und traf am 23. wieder in Berlin ein.
ALreffe deS Herrenhauses an Se. Majestät den König.
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr!
Euer Königlichen Majestät in dieser großen Zeit zu nahen, ist dem allerunterthänigst unter- zeichneten Herrenhause bei seiner Berufung durch Allerhöchst- dieselben das erste Bedürfniß.
Treue Sorge, vor Allem aber hohe Begeisterung erfüllt unsere Herzen, unseren Königlichen Herrn, umgeben von Deutschlands Fürsten, vor den Thoren von Paris, aus dem Heerlager die Neugestaltung Deutschlands vollziehen zu sehen.
In einem Siegeslauf voller Wunder hat unser Heer, die Blüthe der Nation, in treuer Waffengemeinschaft mit seinen Verbündeten, die kricgsiüchtigsten feindlichen Armeen vernichtet. Deutsche Macht allein hat den übermüthigen und mächtigen Feind niedergeworfen, welcher Deutschland seit Jahrhunderten zu entzweien, zu erniedrigen und seiner Lande zu berauben suchte, wie er auch den gegenwärtigen Krieg muthwillig Hervorries.
Deutschland ist einig, wie es seit Jahrhunderten nicht war, und erweist sich in dieser Einigkeit unter Ew. Königlichen Majestät Führung mächtig, wie kaum je zuvor.
Edle Landcstheile, in der Zeit seiner Schwäche von ihm abgerissen, gewärtigen die Wiedervereinigung mit dem deutschen Vaterlande und dessen nationalem Leben und bieten unsern Grenzen eine größere Sicherheit gegen die Wiederholung unberechtigter Angriffe.
Euer Königliche Majestät, von den Fürsten und freiem Städten Deutschlands zum Kaiser erkoren, werden als solcher dem Deutschen Reiche den Rechtsschutz gewähren und die freie Entfaltung deutschen Geistes in seiner reichen Mannichfaltigkeit und Stammcseigmthümlichkcit pflegen, wie es der Wahlspruch Allerhöchstderen Hauses verbürgt, ohne daß darum das Königliche Preußen den durch eine Geschichte ohne Gleichen und eine Reihe großer Fürsten ihm theuer gewordenen Königsnamen ein büßt.
Dank gegen Gott für diese Seine Führungen bewegt mit Euer Königlichen Majestät unsere Herzen. Allerhöchstdenselben bringen wir in aller Treue unserer ehrfurchtvollsten Huldigun- gen dar und legen den Dank des Vaterlandes gegen unsere heldenmüthige Armee, welche unter Euer Königlichen Majestät Führung, das Leben freudig einsetzend, so Großes vollbrachte, zu Allerhöchstderen Füßen nieder.
Das preußische Herrenhaus hat Euer Königlichen Majestät alle Zeit treu zur Seite gestanden,- mit der Geschichte des Landes eng verwachsen, kennt es kein anderes Streben, als das Heil Euer Königlichen Majestät und das damit völlig gleichbedeutende des Vaterlandes.
Die Reichsgesetzgebung, in ihrer Kompetenz durch die neuen Verträge noch erweitert, beschränkt nothwendig den Einfluß des Landtages der Monarchie in wichtigen Beziehungen,- ohne Neid wird das Herrenhaus dies sehen, wenn jenes Ziel seines Strebens voller in dem Deutschen Reiche zur Geltung kommt.
Allergnädigster König und Herr!
Ein großer, gerechter und nationaler Krieg hat aus der Glut heißen Kampfes die deutsche Einheit erwachsen lassen. Das neue Deutsche Reich entsteht, wie Preußen durch die Thaten seiner Fürsten entstanden und gewachsen ist.
Die Kräfte, echt deutschen, preußischen und monarchischen Geistes, bei der Entstehung thätig, werden auch die weitere Entwickelung tragen und bedingen, und im Verein mit den deutschen Fürsten und freien Städten wird Euer Königlichen Majestät Weisheit diejenigen Institutionen zu begründen wissen, welche dem neuen Reiche die Entwickelung in jenem Geiste sichern und gewährleisten.
In tiefster Ehrfurcht ersterben wir
Euer Königlichen Majestät
allerunterthänigste, treugehorsamste
Berlin, den 21. Dezember 1870.
Das Herrenhaus.