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Zur Begründung der Adresse äußerte sich der Antragsteller Abg. Lasker wie folgt:

Wir alle sind erfüllt von den schweren Opfern, welche der ver- Hängnißvollc Krieg mit Frankreich vom Volke erfordert, sind aber ebenso fest entschlossen, durch den Schmerz über diese Opfer uns nicht davon abhalten zu lassen, das Werk, welches wir in seinem Abschlusse für ein wahrhaftes Friedenswerk halten, indem wir auf fremdem Bo­den die Sicherheit des eigenen Landes vertheidigen , bis zu Ende zu führen.

Wir können uns ferner nicht enthalten, Dank auszusprechen der gemeinsamen Waffenthat des gcsammten Deutschlands, welches, bin- aukgehcnd über die Folgen auf dem Schlachtfclde, auch im Frieden die Vollendung des EinigungSwerkeS verspricht, und gestützt hierauf, so wie auf die Beschlüsse, welche wir gefaßt haben, aber indem wir uns nicht begnügen mit Paragraphenworten, sondern lebendig von Mund zu Mund sprechen wollen, richten wir an Sc. Majestät den König von Preußen die Bitte, daß es ihm gefallen möge, die Kaiser­krone anzunehmin und so bat Werk der Einigung zu erreichen.

Wir erwarten von dieser Wandlung nicht bloß eine Veränderung der Form, sondern auch eine Veränderung deS Inhalts, der Bund soll ein Reich werden, ein geeinigter und geschlossener Staat, und wir erwarten von bittern Staat, daß er uns Macht, Frieden, Wohlfahrt und den Schutz gewähren wird, der allein den Bürger im Frieden befriedigen kann: der Schutz durch die Gesetze.

Und dann, meine Herren, in dem letzten Absätze, doch keineswegs zuletzt, sondern voran in unserem Gefühle, danken wir den Tha en der Armee und ihrer Führer, welche unsere Grenzen geschützt haben und gegenwärtig noch nicht ermüden, alles, was sie besitzen, das Leben freudig dafür hinzugeben in dem Bewußtsein, daß sie einem edlen Volke nicht nur seine Grenzen sichern, sondern auch eine neue und segensreiche Zukunft eröffnen.

Meine Herren! Begeistert, wie wir im Kriege sind, und so, daß jeder deutsche Mann, während noch irgend eine Gefahr vorhanden ist, keine anderen Gedanken hegte, als den Schutz deS eigenen Landes und die Besiegung des Feindes — mitten in dieser Arbeit, drängt cs uns doch, auszusprechen, daß wir unserer Natur nach kein kriegerisches Volk sind, d. h. kein Volk, welches den Krieg führt, sei cs um deS Ruhmes oder um anderer Nebenabsichten willen. Nur um uns selbst zu schützen, zu retten gegen ungerechten Angriff, zu schützen gegen die Eifersucht eines neidischen Nachbarn, können wir dahin gedrängt wer­den, die Waffen in die Hand zu nehmen. Und herausgefordert war dieser Nachbar nur durch die Zwiefpaltigkeit, welche in Deutschland selbst geherrscht hat, für die Zukunft aber hegen wir die Hoffnung, daß da» Einigungswerk, welches wir jetzt vollzogen haben, ganz Europa ankündigen wird, daß fortan auf die Schwäche Deutschlands nicht mehr gerechnet werden darf.

Und daran knüpfen wir die Hoffnung, daß unsere Einigung nicht blos der eigenen Nation zu Gute kommt, sondern ohne Ueberhebung, als ob wir den Frieden diktirten, lediglich durch die moralische Macht, welche die Friedensliebe Deutschlands ausübt, hegen wir die Hoff­nung, daß fortan unser Reich der Anfang sein wird eines wahren und gesicherten Friedens.

Und diese Gefühle wollten wir, ehe wir, der Norddeutsche Reichs­tag, scheiden, nicht allein in einem Beschlusse, sondern in einer An­rede an Se. Majestät den König von Preußen, der in wenigen Tagen der Träger und der Ausdruck des gejammten deutschen Reiches sein wird, richten. Das ist der Sinn der Adresse, und ich meine, ich brauche sie nicht mehr zu befürworten, denn sie ist aus dem Gefühle des ganzen Hauses, ja, aus den Gefühlen des Volkes hcrvorgcgangen

Kaiser und Reich.

Aus einem Aufsatze der -Schlesischen Zeitung«.

Das schon lange in der Luft schwebende Gerücht, daß unserem Könige von den deutschen Fürsten die Deutsche Kaiserwürde angetragen werden würde, hat sich bewahrheitet. Die Annahme preußischerseits ist unzweifelhaft. Kaiser und Reich ist somit als fertig anzusehen.

Ramen, Titel und Symbole werden in unserer Zeit häufig als etwas Gleichgültiges angesehen. Doch darf man auch in der Gegen- wart die Bedeutung von Symbolen und Namen nicht unterschätzen, wo sich in ihnen eine nationale Idee offenbart, wo ein großer ge- schichtlicher Wendepunkt im Leben eines Volkes auch nach einem entsprechenden Ausdrucke ringt.

An einem solchen Wendepunkte seiner Geschichte steht das deutsche Volk am Jahresschlüsse 1870. Was wir kaum in unsern kühnsten Träumen für unsereSöhne und Enkel zu hoffen wagten, sind wir selbst noch mit eigenen Augen zu schauen gewürdigt. Deutschland steht heute mächtiger, einheitlicher da, wie in dcm ganzen Laufe seiner G.e- schich te.

Wir fragen nicht mehr mit dem deutschen Dichter, wo unser Vaterland liegt; es ist nicht mehr ein utopisches Etwas, sondern der mächtigste Nationalstaat der Gegenwart, mitten im Herzen Europas. Vierzig Millionen Deutsche sind unter Einer Verfassung geeinigt, in Einem Parlament vertreten. Der deutsche Nationalstaat kann nur als »Deutsches Reich« in die Welt treten.---

Dem Reiche darf aber' der Kaiser nicht fehlen. = ™ — In den östlichen Provinzen ?eS preußischen Staates ist man sich oft darüber nicht klar, welchen gchenmnißvollen Zauber noch heutzutage die Namen »Kaiser und Reich« im Süden und Westen unseres Vater­landes aurüben. Ostpreußen hat nie pm Reiche gehört? dem Bran­denburger und dem Pommer war das Rrich längst entfremdet. Seit Friedrich deS Großen Zeiten galt ihm mit Recht fein König mehr? als alle Kaiser. Bei dem Reiche dachte er mehr an Roßbachs Schmach, als an des Rothbarts Herrlichkeit. Auch heute kann für diese Pro­vinzen die Annahme der Kaiserwürde mehr nur die Bedeutung haben? daß dadurch ein gewisser übertriebener preußischer PartikulariSmus gebrochen, das deutsche Gesammtgcfühl dagegen gestärkt wird. Ganz anders liegt die Sache im südlichen und westlichen Deutschland, am Rheine, in Schwaben, Franken, Bayern und Thüringen. Dort ist noch heutzutage die Erinnerung an Kaiser und Reich eine Macht in den Gemüthern der Menschen, welche auch für unser heutiges Staats- leben verwerthet werden muß. El gilt von nun an die großen Tra­ditionen unserer preußischen Geschichte im Bewußtsein des Volkes mit den erhabensten Erinnerungen der deutschen Vergangenheit zu ver­schmelzen. —

Durch Annahme der Kaiserwürde bildet sich zuerst ein näheres persönlicher Band zwischen dem Reichsoberhauptc und den nicht preußischen ReichSanzchörigen, welches in mancher Beziehung wohl als ein moralisches Aequivalent mehrerer höchst bedenklicher Ver- fassungsbcstimmungen betrachtet werden kann. Vor allem bedeutsam Wird aber die Annahme der Kaiserwürde auf die längst entfremdeten, jetzt wieder erworbenen deutschen Brüder in Elsaß und Lothringen wirken. Alles, war in jenen Landen noch irgendwie deutsch fühlt, knüpft an Kaiser und Reich an.

Der freudige Jubel, welchen die Kaiserbotschaft im Schooße des Reichstages Hervorruf, wird lauten Wicderhall finden in dem Herzen der deutschen Nation. Den Tag wird sie aber als den glücklichsten in den Annalen unserer zweitausendjährigen Geschichte eintragen, wo der neue Kaiser, an der Spitze seiner fieggetonten Heere, zuerst den vaterländischen Boden betritt. Von den Gestaden der deutschen Meere bis zu den ewigen Fclscnburgcn der Alpen tönt es dann aus Millionen deutscher Herzen dankerfüllt , begeisterungsvoll, wie eine einzige große Stimme:

Hoch lebe Wilhelm I., Kaiser der Deutschen!

Die Kämpfe rrnd Siege an der Loire.

(Uebersicht.)

Unsere Siege an der Loire sind nicht von vorn herein in ihrer ganzen Größe allseitig erkannt und gewürdigt worden. Die Bedeutung derselben tritt immer glänzender hervor, seitdem sie in ihrem Zu­sammenhänge zu überschauen sind, seitdem ferner die Stärke und Kraft der feindlichen Armeen bestimmter als vorher zu erkennen ist.

fDie Rüstungen.^ Es kann jetzt keinem Zweifel mehr unter­liegen, daß die neue französische Republik weit größere Kräfte auf- zustcllcn vermocht hat, al» man bis vor Kurzem angenommen hatte,- iS muß ferner zugestanden werden, daß cs ber feurigen Thatkraft und rücksichtslosen Energie des republikanischen Gewalthabers Gambetta gelungen war, den gesammelten Mannschaften in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Ausrüstung und Organisation zu geben, an die man vorher nicht geglaubt hatte.

Den Kcru zu der neuen Armee haben freilich die Reste der früheren Kaiserlichen Armee-Einrichtungen bargeboten. Die Armee auf Kriegsstärke sollte mindestens 650,000 Mann betragen. Die ur­sprünglich ins Feld gerückten Kaiserlichen Heere betrugen etwa 400,000 Mann. Rach deren Vernichtung oder Gefangennahme mögen sich in den Ersatzdcpots, in den Festungen, in Algier, in Paris, sowie an Marinctiuppcn noch über 200,000 Dèann vorgefunden haben, welche den Kern der neu zu bildenden Armeen hcrgaben. Die Zeit nun, welche seit dem Sturz des Kaiserthums ver­flossen ist und während welcher unsere Hauptarmeen theils vor Metz, theils vor Paris festgchalten waren, ist von der republikanischen Regierung benutzt worden, um an jenen Kern von Truppen Mobilgarden, Nationalgarden und Freicorps in ausgedehntester Weise heranzuzichen. Nach und nach wurde die ge- sammte männliche Bevölkerung von 20 — 40 Jahren und darüber hinaus zu den Fahnen gezogen,- durch die Ankündigung von Erfolgen der jungen Republik, so unbegründet dieselbe war, wurde die Opfer- willigkeit des Volkes angefeuert. Der große Reichthum Frankreichs, zumal in den Provinzen, welche vom Kriege noch nicht berührt waren, gewährte die Mittel zu den umfassenden Rüstungen. Geschütze, Mi- traiUcusen u. f. w. wurden in französischen Fabriken mit angespann­tester Thätigkeit beschafft, Gewehre in Unmassen auS England und Amerika angekauft, Pferde für die höchsten Preise auS allen Ländern herbeigezogen.

fDie Loire-Armee.1 Die größte Sorgfalt war augenscheinlich auf die Bildung und Kräftigung der voirc-Armce gerichtet, welche von vornherein und vorzugsweise dazu bestimmt war, die Befreiung von Paris zu sichern. Im Mitttclpunkte Frankreichs, in der Gegend von Bourges und Revers, wurde dieselbe zusammmgezpgcn find fest ge,