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^50. Provnyial - Corresponden). u. D«zâ i8?o.

Achter Jahrgang.

Eröffnung Des Landtages Der Monarchie, am 14. Dezember 1870.

Rede des Staats-Ministers Grafen von ItzenPlitz.

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!

Des Königs Majestät haben mir den Auftrag zu ertheilen geruht, den Landtag der Monarchie in Allerhöchst Ihrem Namen zu eröffnen.

Seit Monaten nimmt ein blutiger Krieg für des Vater­landes Unabhängigkeit die ganze Kraft des Volkes in Anspruch. Unsere Heere kämpfen unter unseres theuren Königs Führung mit unübertroffener Tapferkeit und Ausdauer einen langen und schweren Kampf: des Volkes Herzen und Gedanken sind bei unseren Kriegern. Aber Gottes Gnade hat es gefügt, daß der vaterländische Boden vom Feinde frei geblieben ist, und daß wir, neben der Erfüllung der unmittelbaren Anforderun­gen des Augenblicks, die Fürsorge für die regelmäßige Ordnung des Staatswesens nicht ruhen zu lassen brauchen.

Inmitten der sich drängenden großen Ereignisse der Zeit durfte die Staatsregierung zwischen bem Endpunkte der Legis­latur - Periode und der Bildung eines neuen Abgeordneten­hauses keinen Zeitraum eintreten lassen, in welchem sie außer Stande gewesen wäre, den Landtag der Monarchie um sich zu versammeln. Zwar ist ein erheblicher Theil der Wahlberechtig­ten durch die Einberufung zu den Fahnen von der wirksamen Betheiligung an den Wahlen ausgeschlossen gewesen: allein in dieser Zeit, wo Ein Geist und Ein Pulsschlag die Söhne Preußens in der Heimath und im Felde belebt, konnte das unvermeidliche Fernbleiben, eines Theiles der Wähler auf das Ergebniß der Wahlen von keinem wesentlichen Einflüsse sein.

Die Staatsregierung hält es für ihre Pflicht, dem Land­tage den Staatshaushalts - Etat für das Jahr 1871 so früh­zeitig, als die Verhältnisse es gestatteten, zur Bcschlußnahme vor­zulegen.

Die wichtigen Aufgaben der inneren Reform-Gesetzgebung, welche die Landesvertretung zum Theil bereits beschäftigt haben, müssen vor den außerordentlichen Ereignissen, welchen die ganze Aufmerksamkeit der Nation zugewendet ist, vorübergehend zurücktreten. Die Staatsregierung wird dieselben nach der Rückkehr des Friedens und mit der Zuversicht wieder auf­nehmen, daß der versöhnende Geist, welcher in dieser Zeit mächtig erwachter Vaterlandsliebe die Schroffheit sonstiger Gegensätze ausglcicht, auch die Lösung jener Aufgaben erleichtern werde.

Indem Sie, meine Herren, an ihre Arbeit gehen, werden Sie sich mit uns in dem Wunsche vereinigen, daß Gott unseren Königlichen Herrn bald mit dem Kranze des Siegers und der Palme des Friedens zurückkehren lassen, und daß der Frieden uns und künftigen Geschlechtern in Preußen und in ganz Deutschland reichen Segen bringen möge.

Im Auftrage Seiner Majestät des Königs erkläre ich die Session des Landtages für eröffnet.

Der Norddeutsche Reichstag und das Deutsche Reich.

Der Reichstag des Norddeutschen Bundes hat den pa­triotischen Erwartungen des Vaterlandes entsprochen und seine Thätigkeit in würdigster Weise abgeschlossen, indem er dem gro­ßen Werke der deutschen Einigung das Siegel der Bestätigung aufdrückte.

Bei den Verhandlungen über die mit den süddeutschen Staaten abgeschlossenen Verträge traten zuletzt die Beden­ken gegen einzelne der darin enthaltenen Bestimmungen vor der freudigen Genugthuung über die Größe und Bedeutung des schon gewonnenen Ergebnisses zurück. Alle Abänderungs­vorschläge , welche von verschiedenen Seiten gestellt wor­den waren, um der neuen deutschen Verfassung die Ver­heißung sogenannter Grundrechte einzuverleiben oder die den süddeutschen Staaten, namentlich Bayern, gemachten Zu­geständnisse zu beseitigen, wurden entweder zurückgezogen oder abgelehnt. Die Zustimmung zu dem bayerischen Vertrage er- folgte mit überwältigender Mehrheit, nachdem der Reichstag

fast durch StimmemEinhelligkeit die Verträge mit Baden, Hessen und Württemberg genehmigt hatte.

Schließlich war dem Reichstage die Aufgabe vorbehalten, den Bau des deutschen Einigungswerkes durch die Herstellung des Deutschen Reiches und der Deutschen Kaiser- würde zu krönen. Der hochherzige Entschluß des Königs von Bayern hatte überall freudige Zustimmung gefunden, und in Folge dessen hatte der Reichstag über eine Vorlage des Bundes­rathes zu beschließen, welche die aus Kaiser und Reich bezüg­lichen Bestimmungen in die neue Bundesverfassung einfügt. Die Genehmigung wurde wiederum mit einer an Einstimmig­keit grenzenden Mehrheit ertheilt.

Nachdem der Reichstag noch beschlossen, den Ausdruck seiner patriotischen Empfindungen in einer Adresse an Sc. Majestät den König niederzulcgcn, erfolgte der Schluß der Sitzungen am Sonnabend.

Der Reichstag tritt von dem Schauplatze zurück, um fortan der Gesammtvcrtrctung der deutschen Nation seine Stelle einzuräumen. Er scheidet mit dem Bewußtsein, durch eine reiche und fruchtbare Wirksamkeit den Dank des Vaterlandes verdient und zur Begründung des großen nationalen Baues wesentlich beigetragen zu haben. Schon durch seine frühere Thätigkeit und noch mehr durch seine jüngsten Beschlüsse und durch den patriotischen Inhalt der an den König gerichteten Adresse hat er Zeugniß dafür abgelegt, daß ihm ein volles Verständniß für die Stimmungen und die Bedürf- Nisse des deutschen Volkes beiwohnt. In seinen Be­schlüssen wie in der Adresse leiht er der Gewißheit Ausdruck, daß die deutsche Nation sich mit freudi­ger, begeisterterZustimmung dem durch das Einver- ständniß der Fürsten geschaffenen Werte anschließt, welches durch Herstellung von Kaiser und Reich nicht blos die allein würdigen Namen, sondern auch eine tief ernste, vom Volksbewußtsein ersehnte Weihe erhält.

Adresse des Reichstags anSe. Majestät den König.

Allerdurchlauchtigster, großmächtigster König, Allergnädig­ster König und Herr! Auf den Ruf Ew. Majestät hat das Volk um seine Führer sich geschaart und auf fremdem Boden vertheidigt es mit Heldenkraft das frevelhaft herausgeforderte Vaterland. Angemessene Opfer fordert der Krieg, aber der tiefe Schmerz über den Verlust der tapferen Söhne erschüttert nicht den entschlossenen Willen der Nation, welche nicht eher die Waffen ablegen wird, bis der Friede durch gesicherte Grenzen besser verbürgt ist gegen wiederkehrende Angriffe'des eifersüch­tigen Nachbarmtz-

Dank den Siegen, zu denen Ew. Majestät die Heere Deutschlands in treuer Waffengenossenschaft geführt hat, sieht die Nation der dauernden Einigung entgegen.

Vereint mit den Fürsten Deutschlands naht der nord­deutsche Reichstag mit der Bitte, daß eZ Ew. Majestät gefallen möge, durch Annahme der deutschen Kaiserkrone das Einigungs- wcrk zu weihen.

Die deutsche Krone auf dem Haupte Ew. Majestät wird dem wieder aufgerichteten Reiche deutscher Nation Tage der Macht, des Friedens, der Wohlfahrt und der im Schutz der Gesetze gesicherten Freiheit eröffnen.

Das Vaterland dankt bem Führer und dem ruhmreichen Heere, an dessen Spitze Ew. Majestät heute noch aus dem er­kämpften Siegesfelde weilt. Unvergessen für immer werden der Nation die Hingebung und die Thaten ihrer Söhne bleiben. Möge dem Volke bald vergönnt sein, daß der ruhmgekrönte Kaiser der Nation den Frieden roiebergiebt; Mächtig und sieg­reich hat sich das vereinte Deutschland im Kriege bewährt unter seinem höchsten Feldherrn, mächtig und friedliebend wird das geeinigte deutsche Reich unter seinem Kaiser sein.

Euer Königlichen Majestät allerunterthänigste, treugehorsamste

Der Reichstag des norddeutschen Bundes.