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Führer, deren Ehrsucht die Gerechtigkeit mit Füßen trete, Ducrot | (der eidbrüchige GcncW der nach der Kapitulation von Sedan, trotz seines gegebenen Ehrenwortes von Ranzy floh, um von Neuem gegen Preußen zu dienen) legte Angesichts der ganzen französischen Nation das feierliche Gelübde ab, daß er nur a^§ Leiche oder siegreich in die Mauern der Stadt zurückkehren wolle.

Aus diesen Kundgebungen darf man schließen, daß es sich jetzt in der That um die so lange vorbereiteten Massenausfälle handelte. Dieselben haben am 29. und 30. November und am 2 Dezember stattgefunden und zwar in der Richtung nach Süden und Südosten, auf Orleans und Fontainebleau zu, von wo her man an jenen Tagen das Borrücken der Loire - Armee freilich vergeblich erwartete. . r

Der Angriff am 29 richtete sich gegen den Bahnhof von Eh oisy- le-Roi und gegen mehrere Dörfer an der großen Straße nach Fon­tainebleau.

Der Kampf dauerte etwa sechs Stunden, in denen es den fran­zösischen Truppen nicht gelang, dem ihnen gegenübernehcnden 6. (schle­sischen) Armee-Corps auch nur die geringsten Vortheile abzugewinncn, vielmehr wies letzteres den Angriff endlich erfolgreich ab, intern ec, bei eigenen geringen Verlusten, dem Angreifer 2300 «»verwundete Ge­fangene abnahm, während derselbe ferner an Todten und Verwundeten starke Verluste hatte.

Von noch größerer Bedeutung als dieser Ausfall war der, welcher am folgenden Tage, den 30., in südöstlicher Rich­tung und unter der persönlichen Leitung des Generals Trochu unter­nommen wurde. Nach 24stüirdigem starken Feuer entwickelte der Feind an diesem Tage überlegene Streitkräfte, welche zwischen Seine und Marne ausbrachen und denen es anfangs in Folge ihrer großen Ueber- legenheit gelang, sich der etwa 1| Meilen südöstlich Paris gelegenen Ortschaften Bonneuil, Champigny und Villiers vorübergehend zu be­mächtigen.

Deutscherseits hielten dem weit stärkeren Feinde zunächst die Württembergischen Truppen mit hervorragender Tapferkeit und bei großen Verlusten Stand, bis ihnen Truppcnthetle des 12. (König­lich sächsischen), des 2. (pommerseben) und 6. (schlesischen) Corps Unterstützung zu bringen vermochten. Der Angriff, bei welchem den Franzosen außer ihrer Ueberzahl auch das Terrain zu Statten kam, wurde nicht nur durch ein starkes Geschsttzfeuer aus den beiden Forts und den Befestigungen von St. Maur, sondern auch durch Gewchrfcucr von der gleichnamigen Halbinsel und dem linken Marne­ufer unterstützt, während andererseiis sogar gepanzerte Eisenbahn- Waggons und die Kanonenboote auf dem Flusse in das Gefecht sollen eingegriffen haben. Während nach dieser Richtung hin ein bedeu­tender Kampf stattfand, versuchte auch an anderen Punkten der Feind mehr oder minder energisch unternommene Ausfälle, unter denen der im Norden gegen Epinay bei St. Denis einer der bedeutende­ren war.

Alle diese Ausfallsgefechte vom 30. November waren mit be- deutenden Verlusten verknüpft, in Folge deren am nächsten Tage die Waffen ruhten. Am 2. Dezember wurden die vom Feinde 24 Stunden innegehabten Positionen bereits mit Tagesanbruch von den Unsrigen wieder genommen, speziell Champigny und Brie-sur- Marne zurückerobert. In der zehnten Vormittagsstunde desselben Tages versuchte General Trochu einen abermaligen und wiederum mit überlegenen Kräften unternommenen Angriff gegen die diesseiti­gen VertheidigungSstellungen zwischen Seine und Marne, ohne daß cs demselben gelang, in einem achtstündigen Kampf dem 12., 2. Armee- Corps und der württembergischen Division die zurückeroberten Po­sitionen wieder abzugewinnen. Eine neueste Depesche meldet, daß die Franzosen ihre Brücken über die Marne wieder abgebrochen haben,' sie scheinen demnach die Absicht erneuter Ausfälle dort aufgegeb-n zu haben.

DaS Gesammtergebniß ist, daß die Ausfälle überall, zwar mit großen Verlusten unsererseits, aber mit bei weitem größeren auf Sei­ten des Feindes, energisch zurückgewiesen und vereitelt worden sind und daß dem General Trochu trotz guter Dispositionen und der größ­ten Begünstigung durch die Terrainverhältnisse ein Zusammenwirken oder gar eine Vereinigung mit der Loire-Armee nicht gelungen.

An bet Loire waren inzwischen noch entscheidendere Schläge gefallen. Die dort gesammelte zahlreiche Armee, welche von den Machthabern selbst als »die letzte Hoffnung Frankreichs« bezeichnet worden war, hat trotz, tapferen, mutigen Ringens ihre Aufgabe nicht erfüllen können,' der Versuch, unsere Armeen zunächst vereinzelt mit Uebermacht zu durchbrechen, um sich den Weg nach Paris zu bahnen, ist an dem siegreichen Widerstände der deutschen Truppen gescheitert, schließlich aber haben die Armeen des Prinzen Friedrich Carl und des Großherzogs von Mecklenburg den Feind in starken Schlägen auf Orleans zurückgeworfen und zur fluchtähnlichen Räumung des wichtigen Platzes genöthigt.

Die Loire-Armee stand bis vor Kurzem diesseits Orleans an der Eisenbahn nach Paris, in einer durch Wälder und Hügel, namentlich durch den ausgedehnten Höhenzug des Waldes von Orleans, gedeckten Stellung, die er außerdem durch Verhaue, Barrikaden und Schanzen wohl befestigt hatte. Seine Vortruppcn befanden sich in Artenay

an der Eisenbahn, 3 Meilen nördlich von Orleans). Von dieser festen Position aus versuchte er zuerst, im Nordosten, nach der Seine zu, in der Richlung auf Fontainebleau und Melun durchzu- brechcn und den ausfallenden Parisern im Osten der Hauptstadt, zwischen Seine und Marne, die Hand zu reichen. Er warf sich auf den linken Flügel der Armee des Prinzen Friedrich Carl,' aber der Angriff scheiterte bei Beaune la Rolande an der Tapferkeit des 10. (hannoverschen) Armeccorps und endete mit einer Niederlage. Ein zweiter Versuch folgte nun im Nordwesten, zwischen der Eisenbahn Paris-Orleans und der Linie von Paris nach Tours. Hier stand der Großherzog von Mecklenburg -Schwerin mit sei­ner Armee-Abtheilung zum Empfange bereit.

Am Freitag, den 2. d. M., warf dec Großherzog auf der Linie Orgsees-Baignaux den Feind in siegreichem Kampfe zurück und drang bis in die Nähe von Artenay vor. Tags darauf, am Sonnabend, den 3 d. M., erlitten die Franzosen eine neue Niederlage,' Prinz Friedrich Carl warf sie mit dem 3. und 9. Corps bei Chevilly (an der Eisenbahn zwischen Artenay und Orleans, noch 2 Meilen von dem letzteren entfernt) und bei Cbilleues (3 Meilen nordöstlich von Orleans, auf dem Wege nach Pithiviers) in den Orleans - Wald hinein.

Französische Mittheilungen aus Tours verkündeten nun, der General Aurelles habe sich in seine festen Stellungen bei Orleans zurückgezogen, aber fast gleichzeitig traf schon die Meldung unsers Königs ein, daß nach der zweitägigen Schlacht, welche die Armeen des Prinzen Friedrich Carl und des Großherzogs von Mecklen­burg dem Feinde geliefert, das 9. Armee - Corps (18. Division von Wrangel und 25. hessische Division) bereits am Sonntag (4.) Abends die Vorstadt St. Jean und den Bahnhof von Orleans besetzt hatten und daß die anderen Corps bereit wären, am Montag (5) die Stadt zu nehmen. An 40 Geschütze und viele tausend Gefangene waren in unsere Hände gefallen.

Am andern Morgen aber kam die weitere Freudenbotschaft des Königs an die Königin:

--Orleans ist noch in dieser Nacht (zum 5.) besetzt worden, also ohne Sturm. Gott sei gedankt.«

Aus den neuesten Mittheilungen der französischen Regierung in Tours ist zu ersehen, daß General Aurelles, der überzeugt war, daß seine Truppen nicht mehr Stand halten würden, mit zwei Corps bereits aus Orleans abmarschirt war und daß dann die Stadt in Folge der Androhung eines Bombardements auch von den beiden übrigen Corps geräumt wurde.

Wohin General Aurelles de Paladine marschirt, das wird unsere Kavallerie wohl bald zu melden wissen,' denn eine Depesche aus dem Königlichen Hauptquartier sagt: »Der Feind wird unaus­gesetzt verfolgt« Eine weitere Depesche meldet, daß in Orleans 77 Geschütze und 4 armirte Dampfschiffe genommen, 10,000 Gefangene gemacht und die Loire-Armee nach allen Richtungen zersprengt sei.

Das ist der Ausgang der mit so großen Hoffnungen begonnenen Campagne der Loire-Armee.

Wenn in der Leitung Frankreichs vernünftige Erwägungen noch Raum fänden, so könnte der Entschluß, dem Kriege ein Ende zu machen, nicht mehr hinausgeschoben werden/ denn nicht nur die Hauptstadt, sondern das ganze Land geht mit jedem Tage größerer Zerrüttung, größerem Elend entgegen.

Aber »die Launen« der jetzigen »Despoten« Frankreichs sind für das Land noch verhängnißvoller, als die Fehler der früheren Regie­rung, und es ist wohl möglich, daß die Fortsetzung des ohnmächtigen Widerstandes auch weiter versucht wird.

Der Reichstag hat sich bisher nur mit der allgemeinen Berathung der Verträge mit den süddeutschen Staaten beschäftigt.

Von Seiten der beiden konservativen Fraktionen ist die unbedingte Annahme der Verträge in Aussicht gestellt, ebenso werden die Alt- Liberalen , sowie die Mitglieder aus Sachsen größeren Theils den Verträgen zustimmen.

Dagegen will die national- liberale Partei im Verein mit der Fortichrittspartei bei der zweiten Lesung den Versuch wachen, erheb­liche Aenderungen in den Verträgen durchzusetzen, vorbehaltlich weiterer Entscheidung bei der dritten Lesung.

Es dürfte jedoch bald die Ueberzeugung zur Geltung gelangen, daß die beabsichtigte Amendirung der Verträge einer Ablehnung derselben gleich zu achten wäre, daß aber ein solcher Beschluß nicht blos die deutsche Sache, sondern auch den Friedensschluß erheb­lich gefährden würde.

Der Reichstag wird möglicher Weise am Sonnabend (10.), spä­testens in den ersten Tagen der nächsten Woche seine Berathungen beendigt haben.

Der Landtag der Monarchie wird voraussichtlich zum Montag (12.) berufen werden.

Der Zusammentritt der Konferenz in Betreff der Frage des Schwarzen Meeres ist allseitig gesichert,' die bestimmten Ein­ladungen dürften demnächst Seitens der englischen Regierung ergehen.

Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).