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Der Bedarf für d>,e weitere Kriegführung.

Durch das Bundesgesetz vom 21. Juli d. 3- war n den verbün- deten Regierungen die Mittel zur bisherigen Kriegführung in Höhe Von 120 Millionen zur Verfügung gestellt worden.

Die durch den Krieg veranlaßten Ausgaben der Militärverwal­tung haben bis zum 15. November d. 3 im Ganzen 119,104/000 Thaler betragen, denen circa 2 Millionen Thaler KriegsauSgaben der Marineverwaltung hinzutreten. Der bewilligte Kredit ist sonach be­reits vollständig erschöpft.

Die verbündeten Regierungen dabei» nun, auf daß der Krieg auch ferner mit allem Nachdruck durchgeführt werde, eine weitere Kredit- bewilligung von 100 Millionen Thalern beantragt. In welcher Höhe von diesem Kredit Gebrauch zu machen ist, wird von dem weiteren Gange der Kriegsereignisse abhângen.

In seinen Einzelbestimmungen schließt sich der jetzige Entwurf der Hauptsache nach dem Kreditgesetze vom 21. Juli d. 3 an. Nur sind auch Bestimmungen getroffen, durch welche es ermöglicht werden soll, den Bundespapieren auch eine für den ausländischen Markt geeignete Form zu geben.

Die ReichstagSvcrhandlungen über die neue Kreditforde- rung haben entschiedenes Zeugniß von der allseitigen begeisterten Zu­stimmung zu der von der Regierung befolgten Politik und von der tiefen Genugthuung unseres Volkes über den Gang der Ereignisse gegeben.

Es war zuerst die Absicht gewesen, die geforderten Mittel zur Kriegführung ohne eigentliche Erörterung zu bewilligen, um hierdurch von Neuem das rückhaltlose Vertrauen zur Regierung zu bekunden.

Eine kleine Zahl sozial-demokratischer Abgeordneten aber, deren Bestrebungen gegen alle unsere staatlichen und gesellschaftlichen Zu­stände gerichtet sind und die der Regierung zumuthen, jetzt nach Einsetzung einer Republik in Frankreich ohne Weiteres Frieden zu schließen, erhob Widerspruch gegen die Bewilligung weiterer Mittel zum Kriege und namentlich gegen die vom Grafen Bismarck in Uebereinstimmung mit der öffentlichen Meinung ganz Deutschlands kundgegebene Ab­sicht, Elsaß und Lothringen als Siegespreis von Frankreich zu ver­langen.

Diese vatcrlandsvcrrätherische Kundgebung hatte nur den Erfolg, die hervorragendsten Vertreter aller Parteien im Reichstage von der konservativen Rechten bis zur äußersten Fortschrittspartei zum leb­haftesten patriotischen Zeugniß für die nationale Politik der Regierung aufzu fordern.

Der Abgeordnete Reichensperger, welcher mit vielen katho­lischen Gesinnungsgenossen die deutsche Politik der Regierung seit 1866 meist bekämpft hatte, sprach sich jetzt in folgender Weise aus:

»Dieser Reichstag hat im Juli in seiner Adresse bereits die feier­liche Erklärung abgegeben, daß das deutsche Volk vor keinem Opfer zurückschrecken wird, um den ihm aufgedrungenen Krieg zu Ende zu führen. Unsere Arniccn stehen noch heute vor dem Feind, um ihr Blut einzusetzen für den Schutz des Vaterlandes, und wir können keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß dieser Reichstag das Gut des Volkes zur Verfügung stellen wird, soweit es irgend möglich ist. Ich möchte aber auch nicht schweigend diese Bewilligung aussprechen, da das Herz jedes Deutschen jetzt so voll ist von patriotischem Gefühl über die un geheueren Ereignisse, die vor unsern Augen vorgegangen sind, gegen­über der Abwendung jener ungeheuern Gefahren, denen unser Vater­land noch vor wenigen Monaten ausgesetzt schien, gegenüber den Bürg- schäften, die jeder Tag von Neuem dafür bringt, daß das deutsche >Volk wieder eingetreten ist in den Rang, der ihm nach seiner Geschichte, seiner Bildung und seinem nationalen Charakter in der Vöikerfämilie Europas von Rechtswegen zukommt.

Es ist wahr, daß noch vor wenigen Monaten unser Vaterland in die größte Gefahr gekommen war, durch fremde Heere überschwemmt zu werden, an deren Spitze afrikanische Horden cinhermarfchirten im Namen der Civilisation. Heute, meine Herren, hat dieses französische Heer wirklich alle deutschen Gaue überschwemmt, als Kriegsgefangene mit ihrem Kai er. Heute stehen unsere Armeen in einem «roßen Theile des feindlichen Landes und eine siegreiche Armee hat mit un- widerstchlichen, eisernen Armen die Hauptstadt umspannt. Nun, meine Herren, es ist nicht des Deutschen Eigenschaft, im Glück sich zu überleben. Er weiß auch jetzt nur im Glück zu lernen, wie er vor 60 Jahren aus dem Unglück gelernt hat. Und diese Lehre werden wir alle und das ganze deutsche Volk gewiß in aller Zeit festhalten,' es ist die Lehre: daß das. deutsche Volk verhöhnt, verkleinert, zertreten war, so lange es in inneren Streitigkeiten seine Kräfte zersplitterte, daß e? dagegen hoch, mächtig und geachtet dastedt, wenn cs einig ist.

Es war ein Angstruf, welchxn vor 1800 Jahren der stolze Tacitus aus seinem gepreßten Herzen ausgestoßen hat, daß die Uneinigkeit unter den Deutschen bewahrt werden möchte, damit sein Volk be­stehen könne. Dieser Wunsch ist lange genug in Erfüllung gegangen. Heute aber ist es anders. Die Deutschen haben den Kampf ausge­nommen, und wenn auch noch so viele und schwere Wunden aus diesem Kampfe heimgetragen wurden, so sagen wir es uns doch laut, daß die große, die schmerzliche Wunde Deutschlands ausgeheilt ist in diesem Kampfe, die Wunde, die das Jahr 1866 zurückgelassen hat. Ich vertraue darauf, daß alle Erinnerungen an jene Vergangenheit

ausgeglichen sind in dem nationalen Siegesbewußtsein Alldeutsch- lands. Wir alle vertrauen, und die Eröffnungsrede bat uns die Zusicherung gegeben, daß Deutschland aus diesem siegreichen Kampfe auch die Bedingungen seiner ferneren Sicherheit erhalten wird.

Es sind die vormals deutschen Länder in einer Zeit der Zwie­tracht und Zerrissenheit dem deutschen Reiche entfremdet worden, sie haben als AusfallSthor gedient, sobald unsere Feinde auszogen, natür­lich um die deutsche Freiheit zu schützen. Dieses Auèfallstbor wird, daS vertrauen wir Alle, in deutscher Hand ein für allemal bleiben. Es wird und muß der Blick deS Nachbars von unseren schönen Rhein- landen abgewendet werden, von jener Wiege deS deutschen Reiches. Diese Nothwendigkeit hat schon der große Friedrich erkannt, als er sagte, daß mit der Losccißung von Elsaß und Lothringen Frankreich seine Herrschaft an dem'Rheine befestigt und von da an unablässig darnach getrachtet habe, seine Herrschaft über das ganze Reich auszu'- dehnen. Dem wird und muß ein Ende gemacht werden im Interesse des Friedens nicht blos für Deutschland, sondern für Europa.«

Der Abg. Lasker (von der national-liberalen Partei) wandte sich gegen die Behauptung, daß wir nach dem Sturze Napoleons keinen Grund mehr hätten, das französische Volk zu bekriegen. »In Frankreich, behauptet man, ist jetzt eine Regierung, mit ber wir den Krieg nicht begonnen haben. Aber das Volk ist dasselbe, das Volk will dasselbe, das Volk, daß diese jetzige Regierung erträgt und die vorige ertragen hat. Und diese jetzige Regierung besteht aus den ärgsten Kriegsschürern,' im Widerspruch mit allen ihren früheren Reden lügen sie jetzt, nie den Krieg gewollt zu haben, und doch glaubte Gambetta durch das Programm »Rache für' Sadowa« am ehesten den Volkèwünschen zu entsprechen und der Re­gierung des Kaisers entgegen zu wirken. ES ist klar, ein freventliches, ein schmähliches Spiel treiben diese Männer mit den heiligsten Interessen des französischen Volkes, und solche Männer, die heut widerrufen, was sie gestern heilig versichert, können uns kein Vertrauen einflößen,' feste, sichere Bürgschaften müssen wir haben, unsere uns geraubten Provinzen müssen wir unserem Vater- lande wieder cinverleiben. Dieses waukelmüthige Volk der Fran­zosen, ich spreche es offen aus, cs muß einsehcn, daß jeder frivol bcrbci- geführte Krieg seine harten Strafen nach sich zieht. Und Geldstrafen sind keine Strafen, schon bieten uns die Franzosen Geld, soviel wir nur haben wollen,' auch ihre gefallenen Söhne und Brüder werden sie bald vergessen haben, darum muß ihnen klar werden, daß sie zur Strafe für einen beabsichtigten frivolen Raubzug nicht nur diesmal Land verlieren, sondern daß sie der Versuch einer Wiederholung dahin führen kann, daS ganze französische Staatswesen zerstückelt zu sehen. Nichr behaupten wir darum, daß alle irgendwo lebenden Deutschen uns politisch verbunden sein müssen: eine solche Nationalitätspolitik treiben wir nicht. Aber wenn es sich darum handelt, unsere Grenzen, unsere staatliche Existenz zu sichern, dann nehmen wir unsere Stamm­genoffen, welche uns freventlich entrissen wurden, wieder in unsere Mitte auf. Das will auch das ganze Volk, das ist sein höchstes Streben, das ist ihm der schönste Lohn nach diesem Kriege.«

Der Abg. Dr. Löwe (von der Fortschrittspartei) sagte unter An­derem: »So lange die Regierung in Paris keinen Zoll Landes und keinen Stein der Festungen abtreten will, ist die Möglichkeit eines guten Friedens für uns noch nicht geschaffen und jene Regierung trägt die Schuld an der Fortdauer des Krieges. Die Abtrennung des Elsaß und Lothringens ist nothwendig, welche Folgen sie immer- hin für die Zukunft haben mag. Es handelt sich nicht um »Annexionen«, um Eroberung fremden Gebietes, sondern um die Rückforderung alten Eigenthums, dessen kriegerische Leistungsfähigkeit, dreifach höher angestrengt, als die der übrigen Provinzen Frankreichs, direkt gegen Deutschland gerichtet wurde. Die Republik in Frankreich ist eine Republik von Deutschlands Gnaden, dem Lande aufgedrängt durch unsere Siege. Nichts bürgt uns dafür, daß diese Republik Dauer hat. Es ist so gut wie unzweifelhaft, daß das allgemeine Stimmrecht den Kaiser Napoleon wieder zur Regierung beruft, dessen Unglück nur darin bestand, an der in Frankreich populärsten Idee, der Eroberung der Rheingrenze, unterzugehen. Derselbe geniale Bcranger, der den Franzosen den Kaiser aufgesungen hat, er hat ihnen auch den Krieg gegen den deutschen Rhein aufgesungen. Dieser Krieg hatte ganz Frankreich für sich, und so peinlich es Manchem ist, daß wir mit dem gestürzten Napoleon Frieden machen sollen, so darf darüber nur unser Interesse ohne irgend welchcSentimentalität entscheiden. Unsere Regierung thut wohl daran, mit jeder Macht Frieden zu schließen, welche die Kraft hat, ihn zu schließen und zu halten.«

Die Bewilligung deS neuen Kredits erfolgte mit 178 gegen 8 Stimmen. Den Sozial-Demokraten schloß sich nur noch ein Abgeordneter aus Hannover, ein leiden­schaftlicher Vertreter der Welfenpartei, an.

Dom Kriegsschauplätze.

(Uebersicht.)

Die letzten Tage haben uns eine Reihe wichtiger und erfreulicher Nachrichten aus Frankreich gebracht. Auf allen Punkten hat der Angriff gegen die neugebildeten Armeen der Republik kräftig begonnen