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Paris, namentlich auch das Hauptquartier in Versailles bc- droht werden.

Der Wachsamkeit unserer Heeresleitung entging jedoch die unerwartete Bewegung des Feindes nicht, und die Armee des Großherzoys von Mecklenburg folgte derselben zeitig genug, um den kühnen Plan von vornherein zu vereiteln.

Der Großherzog rückte mit seinen 4 Infanterie- und 3 Kavalleri^Divisionen auf der Linie Chartrcs-Dreux vor, am 17. schlug die 17. (Hanseatische) Division unter dem General- Adjutanten vonTresckow (welcher statt des erkrankten Generals von Schimmelmann das Kommando übernommen hatte) beuDoudan eine starke Abtheilung französischer Mobilgardcn und nahm die Stadt Dreux ein, am 18. hatte die 22. Divi­sion (General W ittich) ein siegreiches Gefecht etwa? südlicher bei Chateauneuf. Die Verfolgung des Feinde? scheint theils in westlicher, theils in nordwestlicher Richtung nachdrücklichst vor sich zu gehen.

Ein Gelingen der beabsichtigten Vereinigung der vcrschie- denen französischen Abtheilungen ist jetzt um so weniger noch zu besorgen, als auch bereits General von Manteuffel mit einem Theil der I. Armee sich nahe genug an Paris Herange- zogen hat, um in die Operationen zur Abwehr der erwähnten Unternehmungen erfolgreich eingreifen zu können.

Bei Orleans aber und nördlich davon in der Richtung auf Paris wird inzwischen der FcUmarschall Prinz Friedrich Karl mit dem 3. und 9. Armee-Corps in die Stellungen ein« gerückt sein, welche früher das Tann'sche Corps innegehabt hat. Ihm wird zunächst die Wudercinnahme von Orleans und so­dann die weitere Sicherung unserer Herrschaft auch in ben, mittleren Provinzen Frankreichs zufallen.

lieber das Verbleiben der Loire-Armee in ihren Haupt- bestandtheilen herrscht im Augenblicke noch einige Unklarheit/ darüber darf man jedoch beruhigt sein, daß nicht nur der jüngste Plan derselben gescheitert ist, sondern daß sie auch außer Stande sein wird, dem weiteren Vordringen unserer Armeen ernstlich zu widerstehen.

Puris sicht somit die letzte Hoffnung schwinden, durch welche es zum Ausharren in der Vertheidigung ermutdugt wurde: an einen Entsatz von außen ist nicht mehr zu denken, General Tro «hu selbst scheint diese Hoffnung aufgcgcben zu haben, und er hat wohl deshalb auch den MasseneMhaU, der im Zusammen­hänge mit jener Erwartung seit Wochen in Aussicht genommen und vorbereitet war, seither nicht zur Ausführung gebracht. Man sagt jetzt, daß es zu einem bloßen Ausfall vielleicht gar nicht mehr kommen werde, daß dagegen die wirklichen regulären Truppen von Paris noch einen Durchbruch durch unsere Einschlicßungslime versuchen werden. Auch das würde gewiß ein vergebliches und verhängnißvolles Beginnen sein. Unsere Aufstellungen und Einrichtungen vor Paris sind überhaupt so getroffen und so befestigt, daß ein erfolgreicher Angriff gegen dieselben nicht mehr zu besorgen ist.

In PariS selbst scheinen die Zustände und die Stimmungen immer mehr der freiwilligen Uebcrggbc entgegen zu reifen. Die Lebensmittel gehen zu Ende und mit denselben der trotzige Muth, welcher bi? vor Kurzem die ganze Bevölkerung zu er­füllen schien. Man sieht die Schrecken der Hungersnoth hcran- nahen, ohne irgend eine Hoffnung, von denselben noch recht- zeitig errettet zu werden. Deshalb kann die Stimme der Ver­nunft und Besonnenheit endlich zur Geltung gelangen, und eine Zeitung nach der andern erhebt zunächst den Ruf nach einem Waffenstillstände und nach Einberufung einer Volks­vertretung , durch welche man zum Friedensschlüsse zu ge­langen hofft.

Von einem blossen Waffenstillstände freilich wird unserer­seits jetzt vollends nicht die Rede fein können, denn die Dinge stehen so, daß- wir schon in nächster Zeit der endlichen Er­füllung unserer militärffchen Ausgaben vor Pares ebenso wie an der Loire und im Norden mit vollster Zuversicht entgegen­setzen können.

Die Garibaldianer, welche ihre Stellungen im Osten und die Unternehmungen nach den Vogesen aufgcgcben haben, sind zunächst nordwestlick nach Autun vorgedrungen, wo sie freilich viel mehr gegen Klöster und Priester als gegen den Feind ihre Heldenthaten geübt haben.

Am 19. ist es ihnen dagegen gelungen, bei Chatillon eine Abtheilung Landwehr zu überfallen und mit Verlust von 120 Mann zum Rückzug zu zwingen.

Näheres über den Vorfall, bei welchem es sich jcdenfall um ein kühnes Vordringen der Garibaldi'schen Schaaren han­delt, ist noch nicht bekannt.

Nach französischen Nachrichten hätte am folgenden Tage ein größeres fünfstündiges Gefecht zwischen den deutschen Trup­pen und den Garibaldianern bei Nuits, südlich von Dijon, stattgefunden, wobei der Sieg den Unsrigen geblieben sein muß, da gleichzeitig gemeldet wird, daß dieselben Nuits besetzt haben. Doch muß auch hierüber Bestimmteres abgewartet werden.

Urtheil eines englischen Geschichtsforschers über Deutschlands Forderungen an Frankreich.

Der berühmte englische Geschichtsschreiber Carlyle hat in dem großen englischen Blatte -Times« ein Schreiben veröf­fentlicht , in welchem er sich über Deutschlands Siegespreis folgendermaßen äußert.

»Steine Station hat jemals einen so schlechten Nachbar gehabt, als Deutschland ihn seit den letzten 4 Jahrhunderten in Frankreich besaß, schlcchr in jeder Weise, einen frechen, raubsüchtigen, unersättlichen, un- ermüdlich raufsüchiigen Nachbar. Dafür hat nun aber auch noch nie ein frecher untcrcchtcr Nachbar eine so vollständige, rasche und schmach­volle Züchtigung erhalten, keiner ist so arg zusammengedroschen wor­den, wie Frankreich jetzt von Deutschland.

Ich kenne kein Naturgesetz, keinen Himmclsbeschluß, wonach die Franzosen «Kein unter allen irdischen Kreaturen geraubtes Gut nicht hcrauszuzcbcn brauchten, wenn der Eigenthümer, dem sie es. genom­men, im Stande ist, cs ihnen wieder abzunehmen. Das konnten doch nur die Franzosen sich und Andern cinbilden. Elsaß und Lothringen wurden wahrhaftig nicht in besonders göttlicher Mission ge­raubt. Richclicu's Pfiffigkeit und der lange Arm Ludwig'S XIV. sind die einzigen Rechtztitel auf diese deutschen Länder. Richelieu und Turenne schraubten sic los und Louis le Grand that das Ucbrige. Auch eine gute Portion von Rechtsverdreherei war dabei. Straßburg wurde sogar einfach durch HauSeinbruch genommen, Metz und die drei BiSthümer wurden c5 durch betrügerische Pfandleihe. König Wilhelm hat sie den Franzosen wieder abgenommen und ich meine, cs ist vollkommen gerecht, vernünftig und weise, wenn diese Länder Deutschland wieder an sich nimmt nnb durch gute Befestigung seines eignen alten Wasgau (Vogesen) und Hundsrück sich bei Zeiten gegen neue französische Visiten schützt

Die Französin schreien fürchterlich über angedrohten -Ehren­verlust« und lamcntosc Zuschauer stimmen ein: Entehrt Frankreich nicht, laßt seinen Ehrenschild rein! Abcr rettet eS die Ehre, wenn Frankreich sich weigert, die Scheibe zu bezahlen, die cs muthwlllig in des Nachbars FcnScr cingcschlagen? Daß es diese Scheibe einschlug, das ist seine Unehre Frankreichs Ehre kann nur durch tiefe Reue ge­rettet werden, durch den ernsten Entschluß, cs nie wieder zu thun, und genau das Gegentheil von dem zu thun, was es gethan. Je eher cs die unerbittliche Thatsache erkennt, daß es machtlos ist gegen die deutschen Sieger, desto bester. Es ist eine herbe Thatsache für daS ruhmgierige Land, aber wir hoffen, daß es noch genug Wahrheitsliebe und Recht­schaffenheit in der Ration giebt, um diese Thatsache anzunchmcn.

Vor hundert und etlichen Jahren herrschte in England das leb- Haftestc Verlangen, ja es wurden einmal sogar wirkliche Anstren­gungen gemacht, Elsaß und Lothringen dcn Franzosen wieder zu entwinden. Daß Bismarck und Deutschland mit ihm jetzt das Gleiche wollen, nimmt auch also durchaus nickt Wunder. Nach solchen Anfeindungen und solchen Siegen ist der Entschluß vernünftig, ge­recht und selbst bescheiden. Alle Achtung vor der Einsicht und Mäßi­gung des Grafen Bismarck/ beharrlich geht er auf sein Ziel zu/ er verlangt nicht mehr, aber ist auch entschlossen, sich nicht mit Geringe­rem zu begnügen. Und ich denke, er wird Elsaß bekommen und was er von Lotbrinzen haben will, und gleicherweise glaube ich, daß er damit nicht allein sich, sondern auch uns und der ganzen Welt, ja selbst Frankreich einen guten Dienst erweist.«

Thiers und $<id Krieasrecht. Wiederum verlautet, daß die Regierung in Tours Waffenstillstands- und Friedens- Verhandlungen anknüpfen wolle/ aber wiederum wird alsbald binaugefügt, daß dabei von Gebietsabtretungen nicht die Rede sei.

Die jetzigen Machthaber in Frankreich haben sich in der That bisher jederzeit grundsätzlich gegen jede Abtretung franzö­sischen Gebietes ausgesprochen.

Dem gegenüber wird es nicht ohne Interesse sein, daran zu erinnern, wie sich der Staatsmann, welchen die Herren Gambetta und Genossen jüngst zu ihtem Unterhändler ge» wählt, über Kriegsrecht und Kriegsgebrauch doch ganz entgegen­gesetzte Auffassungen in seinen früheren Schriften nieder» gelegt hat.