Mit der Kapitulation von Metz ist nunmehr die letzte der feindlichen Armeen, welche uns beim Beginn des Feldzuges entgegentraten, vernichtet worden. Diesen Augenblick benutze Ich, um Euch Allen und jedem Einzelnen, vom General bis zum Soldaten, Meinen Dank und Meine Anerkennung auszu- sprcchen. Ich wünsche Euch Alle auszuzeichnen und zu ehren, indem Ich heute Meinen Sohn, den Kronprinzen von Preußen, und den General der Kavallerie, Prinzen Friedrich Carl von Preußen, die in dieser Zeit Euch wiederholt zum Siege geführt haben, zu General-Feldmarschällen befördere.
Was auch die Zukunft bringen möge, — Ich sehe dem ruhig entgegen, denn Ich weiß, daß mit solchen Truppen der Sieg nicht fehlen kann, und daß wir Unsere bis hierher so ruhmreich geführte Sache auch ebenso zu Ende führen werden
Wilhelm.
Dom Kriegsschauplätze sind in den letzten Tagen zwei wichtige Nachrichten eingegangen: In der Nacht zum 7. hat das Fort Morticr und am 8. die Festung Verdun kapitu- lirt. Das Fort Mortier ist ein vorgeschobenes Werk der Festung Neu-Breisach im Ober-Elsaß, und die Einnahme desselben wird den Fall dieser Festung vermuthlich bald nach sich ziehen.
Inzwischen ist eine Landwehr-Division unter dem General von Tresckow, welche den südlichen Theil des Ober-Elsaß von den feindlichen Schaaren zu säubern hatte, überall erfolgreich vorgedrungen, hat zwischen Colmar und Belfort mehrfache siegreiche Gefechte gegen Freischaaren und Mobilgarden gehabt und ist am 3. zur Einschließung der Festung Belfort geschritten. Gleichzeitig hat die Division ihre Verbindung mit dem weiter westlich und südlich operirenden Corps des Generals von Werder hergestellt.
Die Kapitulation der Festung Verdun ist für unsere Operationen im Nordosten Frankreichs und besonders für unsere Verbindungen nach dem Kriegsschauplätze von größter Bedeutung. Von unserer Rheinprovinz geht die gerade Verbindung mit Paris über Metz und Verdun, und die Freilegung dieser Straße wird für die Verpflegung unserer Armee, sowie für andere militärische Zwecke eine wesentliche Erleiterung bieten.
Das Gefecht des Garde-Corps bei Le Bourget ist durch den kommandirenden General Prinz August von Württemberg in folgendem Armeebefehl rühmend anerkannt worden:
Soldaten des Garde-Corps!
Der dem Garde-Corps befohlene Angriff auf Le Bourget ist heute Morgen von der 2. Gardc-Infanterie-Dtvision mit den ihr zugetheilten Truppen aller Waffen glorreich durchgeführt worden.
Ein mit hohen steinernen Mauern umschlossenes, zur Vertheidigung eingerichtetes und mit den besten Truppen der Pariser Garnison stark besetztes Dorf ist einem Feinde entrissen worden, der so hartnäckig jedes einzelne Gehöft vertheidigte, daß oft erst der Pionier für den Infanteristen den Weg öffnen mußte.
Sind die Verluste, mit welchen der Sieg erkauft ist, ver- hältnißmäßig auch sehr groß, so hat das Garde-Corps dafür doch einen neuen Ruhmestag in seiner Geschichte gewonnen.
Im Namen des Corps spreche ich daher den: hcldcnmüthi- gen Commandeur der 2. Garde - Infanterie - Division, der mit der Fahne in der Hand die sperrende Barrikade zuerst überstieg, sowie den betheiligten Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten der Infanterie, Kavallerie, Artillerie unb Pioniere den Dank für die Ehren aus, welche sie heute dem Garde-Corps erkämpft haben.
Vertrauensvoll kann man. solchen Truppen die Lösung der schwierigsten Aufgaben übertragen.
Es lebe der König!
Adresse des Hannoverschen Provinzial-Laudtags
an Se. Majestät den König.
Allerdurchlauchtigster Großumchtigster König!
Allergnädigster König und Herr!
Der gegenwärtig versammelte Landtag der Provinz Hannover ist zu seiner regelmäßigen Thätigkeit in einer Zeit be
rufen, in welcher sich eine große geschichtliche Epoche vollzieht. Wenig« Monate sind verflossen, seitdem unter den nichtigsten Vorwänden von einem Verderben drohenden Feinde das deutsche Vaterland in einen schweren und blutigen Krieg gestürzt worden ist. Eure Majestät haben den Kampf um Deutschlands Geschicke ausgenommen in dem erheben- den Bewußtsein, nichts unversucht gelassen zu haben, uw, unter Wahrung der eigenen und Deutschlands Ehre, von dem Vaterlande die schwere Heimsuchung abzuwenden, in dem festen und gläubigen Vertrauen auf des Allmächtigen Beistand in der gerechten Sache, und in der gewissen Zuversicht, in dem entbrennenden Kriege durch die einmütigste Zustimmung und freudigste Begeisterung des gesammten deutschen Volkes die den siegreichen Ausgang des Kampfes verbürgende Stöße zu finden. Eure Majestät Erwartungen sind auf das Vollständigste erfüllt. Nord- und Süddeutschland haben sich die waffenblüdrrliche Hand gereicht,' und Dank dieser Bereinigung ’finb nach der gnädigen Fügung Gottes unter Eurer Majestät Führung Siege errungen, wie sie kein Volk der Welt in seinen Annalen aufjuwkiscn hat/ und während der mächtige Feind bis zum Rande der Vernichtung getrieben worden, sind Deutschlands Gefilde vor den Drangsalen eines verwüstenden Krieges durch die unvergleichliche Tapferkeit der deutschen Heere bewahrt werden. Es ist aber nicht allein der erworbene Kriegsruhm, welcher Eure Majestät und ganz Deutschland mit gerechtem Stolze auf die jüngste Vergangenheit zurückblicken läßt. Das Dankgefühl dafür wird erhöht durch die nahe Aussicht auf einen ehrenvollen und dauerhaften Frieden, welcher dem Vaterlande wiedergiebt, was eS in trüben Zeiten verloren, und durch die Zuversicht, daß es der Weisheit Eurer Majestät gelingen wird, gleichzeitig für das gestammte Deutschland eine Verfassung zu schaffen, welche unter Eurer Majestät Führung, Schutz- und Schirmherrschaft zum Heile aller Staaten und Volksstämme des großen Vaterlandes eine feste Grundlage für die Macht, das Recht, die Freiheit, so wie die geistige und materielle Wohlfahrt Deurlchlands in sich trägt. Eurer Majestät wird es, wie wir fest hoffen, beschieden sein, diese hohen Güter für Deutschland zu erwerben. Dann wird sich an den Namen Eurer Majestät der stete Dank der Mit- und Nachwelt knüpfen; — dann wird auch der Schmerz über die durch den Krieg geschlagenen tiefen Wunden seine Linderung finden, der herbste Verlust wird als ein auf dem Altare des Vaterlandes dargebrachtes Opfer mit unauslöschlichem Danke gegen Deutschlands todesmuthige Söhne getragen werden. Diese Gesinnungen theilt auch die Provinz Hannover, deren Söhne einen ruhmreichen Antheil an den Siegen der deutschen Heere genommen haben; auch sie ist durchdrungen von der Freude über die großen Errungenschaften, welche für Deutschlands Größe und Macht gewonnen sind, und aus dieser Empfindung wird in immer größere Kreise das Bewußtsein einer innigeren Vereinigung mit der Monarchie Eurer Majestät dringen.
Unser König setzt in Versailles seine unermüdliche Thätigkeit auf allen Gebieten seines erhabenen Berufes fort und hat in der letzten Woche namentlich an den Berathungen über den Waffenstillstand und Über die deutsche Angelegenheit den lebendigsten Antheil genommen. Wiederholt haben unter des Königs Vorsitz Konferenzen politischer und militärischer Art stattgefunden. Daneben finden die Vorträge des Militär- und Civllkabincts regelmäßig statt.
Am vorigen Sonntage besichtigte der König die bei Versailles eingetrossenen Bataillone der Garde-Landwehr, welche von dem Kronprinzen dem erlauchten Vater vorgeführt wurden. Der König ritt dann langsam an den Trupgen entlang, hielt vor der Front jedes Bataillons, um die Offiziere mit Händedruck zu begrüßen, lobte die Mannschaften wegen ihrer vorzüglichen Haltung und wurde von den Soldaten mit lebhaftem Morgengruß bewillkommnet.
Der Reichstag des Norddeutschen Bundes wird unmittelbar nach der Vollziehung der Wahlen zum Abzeord- nctcnhause, vermuthlich gegen den 20. p. M., einberufen werden, um einerseits über die Beschaffung der MittxlTzur weiteren Kriegführung, andererseits über den durch die Verhandlungen in Versailles vorbereiteten Eintritt süddeutscher Staaten in den Bund Beschluß zu fassen.
Nach dem bisherigen Verlaufe der Berathungen ist der Eintritt von Württemberg, Baden und Hessen in sichere Aussicht zu nehmen, während die Beziehungen Bayerns zum Bunde noch weiteren Erörterungen unterliegen.
Die genaueren BcftimmWgen über die Reichstagssession können nur unter Berücksichtigung der nächsten Aufgaben auf dem Kriegsschauplätze getroffen werden.
Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.
Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuch drucker»! (9t. v. Decker),