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und Kranke. Heute Nachmittag wird die Armee und Gar­nison das Gewehr strecken.

Das ist eines der wichtigsten Ereignisse in diesem Mo­ment. Dank der Vorsehung! Wilhelm.

Durch eine weitere Depesche des Königs vom 28. Oktober wurde gemeldet, daß die Stadt und die Forts am 29. besetzt werden sollten, und daß die Zahl der Gefangenen 173,000 betrage, dabei 3 Mar­schälle und über 6000 Offiziere.

So ist denn die Hoffnung erfüllt, welche in den letzten Wochen so mannichfach erregt, aber kurz zuvor erst wieder vereitelt worden war/ denn die Verhandlungen, welche der Marschall Bazaine durch den General Boyer im Königlichen Hauptquartier angeknüpft hatte und bei welchen es sich für ihn, wie es scheint, um Erreichung gewisser politischer Zwecke und zugleich um außerordentliche Begünstigungen seiner Armee bei deren Ergebung handelte, waren so eben gescheitert. Im Rathe unseres Königs hatte man auch hier wieder die thatsächliche Lage der Dinge richtig beurtheilt, und so dringend man die Befreiung unserer Armee vor Metz aus ihrer schwierigen Lage wünschte, so war man doch über­zeugt, daß die Uebergabe Bazaine's auch ohne besondere Zugeständ- niffe in kürzester Zeil erfolgen mußte.

Und rascher noch, als es erwartet werden konnte, trat die Er­füllung dieser Zuversicht ein. Die harte Nothwendigkeit trieb Ba­zaine und seine Armee zur unvermeidlichen Ergebung.

Die Zustande in Metz waren unerträglich geworden: die Glättungsmittel waren aufgezehrt und schon vor einiger Zeit hatte der eigentliche Festungs-Kommandant, General Coffinisres, dem Marichall Bazaine angekündigt, daß er den geringen Rest des Pro­viants für seine Bcsatzm gstruppen Vorbehalten müsse, der vor Metz lagernden großen Armee des Marschalls dagegen keine Nahrung mehr verabreichen könne. Deshalb hatte Bazaine zunächst eine Kapitulation nur für seine Truppen, nicht für die Festung zu erreichen versucht, was jedoch unsererseits entschieden zurückgcwiesen worden war. Als inzwischen die Roth und der Hunger immer zu­nahmen, liefen die Soldaten Bazaine's, mit Zustimmung ihrer Offi­ziere, zu Hunderten zu unseren Vorposten über/ man hoffte auf diese Weise die Ernährung für die Zurückbleibenden etwas zu erleichtern. Aber preußischer Selts wurden die Ueberläufer, wo sie in Massen kamen, zurückgewiesen.

Es scheint, daß man nun zunächst den Entschluß faßte, noch einmal einen Durchbruch mit Waffengewalt zu versuchen/ die Nacht vom 24. zum 25. sollte dazu bestimmt sein, und auf unserer Seite war man in Folge gewisser Anzeichen auf einen nochmaligen Kampf vorbereitet. Doch die kalte Ueberlcgung siegte innerhalb der französischen Armee, der militärischen Ehre war durch die heißen Kämpfe, welche noch jüngst mit großer Tapferkeit, wenn auch vergeblich geführt worden, genügt, der überwältigenden Roth gegenüber schien Nichts mehr übrig zu bleiben, als die Ergebung in den Willen des Siegers. Auch der Kommandant entschloß sich nunmehr, für die Festung ebenso wie für die Armee zu, kapituliren, und es wurde noch am 24. spät ein Bote an den Prinzen Friedrich Carl entsandt, um ihm die Absicht der Kapitulation mitzutheilen. Unsere bereits zu dem erwarteten Kampfe ausgerückten Truppen konnten wieder in ihre Quartiere zurückkehren.

Die Kapitulations Verhandlungen wurden zunächst durch den greifen General Changarnier, einen der berühmtesten Generale aus der Zeit der Kriege in Algier, eingeleitet. Derselbe war als Republikaner und als Gegner Napoleons lange aus Frankreich ver­bannt gewesen, nach der unglücklichen Schlacht bei Wörth aber zurück- gekehrt, um Frankreich wenigstens mit seinem militärischen Rathe zu dienen. Er hatte jetzt die traurige Aufgabe der ersten Verhandlungen übernommen. Er wurde am 26. Oktober früh von zwei preußi­schen Offizieren bei unseren Vorposten abgeholt und mit verbundenen Augen zum Prinzen geführt. Die Besprechung dauerte eine halbe Stunde, worauf er wieder bis zum Wagen begleitet wurde. Der General Changarnier war gebrochen, und dos Letzte, was er zu un­sern Offizieren sagte, war: »Wir werden fallen, aber mit Ehren. Ich wünsche Ilmen, meine Herren, daß Sie und kein braver Soldat so etwas erleben mögen- Damit brach ein Strom von Thränen aus seinen Augen. Mit verbundenen Augen führte man ihn bis über die Vorposten zurück/ er äußerte sich schließlich noch sehr rühmend über unsere Soldaten.

Die eigentlichen Verhandlungen wurden vom Generalstabs-Chef des Marschall Bazaine, General Iarras und von dem General- stabs-Chcf der Armee des Prinzen Friedrich Carl, General von Stichle in dem Schlösse Frescaty geführt. Dieselben schienen zuerst erfolglos verlaufen zu sollen, da die Franzosen die ihnen be- willigten Bedingungen nicht annehmen zu können glaubten. General Zarras febrte nach Metz zurück, wo ein Marschallsratb gehalten sein soll. Am 27. früh gebieten die Verhandlungen zum Abschlusse und an demselben Abend 8 Uhr wurde die denkwürdige Kapitulations­Arkunde von den beiden Bevollmächtigten unterzeichnet.

Die Bedingungen der Kapitulation sind im Wesentlichen die von Sedan, die Uebergabe der Glrmec und Festung, die Armee kriegsgefangen, das Material der Festung als Kriegsbeute/ den Ossi- I

zieren ist wie bei Sedan die Wahl gelassen, auf das Ehrenwort, daß sie im jetzigen Kriege nicht mehr dienen wollen, in Frankreich zu bleiben oder nach Deutschland zu gehen. Zn Anbetracht der bewiese­nen Bravour ist ihnen der Degen gelassen.

Ueber die Ausführung der Kapitulation liegt bisher nur eine kurze Nachricht vor. Am 29. Oktober ist Metz von dem 7. Armee-Corps besetzt worden. Zunächst wurden am Morgen die Forts von unserer Artillerie in Besitz genommen. Nachmittags 1 Uhr verließ die Kaiserliche Garde mit Waffen die Stadt und legte bei FreScati die Waffen nieder. Die anderen französischen Truppen hatten die Waffen bereits in der Stadt in dem Arsenal niedergelegt und marschirten dann nach den ihnen angewiesenen Kantonnements außerhalb der Forts, um dort die Abführung nach Deutschland ab- zuwarten. Um 4 Uhr wurden die französischen Posten in Metz von preußischen abgelöst, nachdem zwei Regimenter Infanterie und ein Regiment Kavallerie einmarschirt waren. General v. Zastrow nahm darauf von dem Gouvernement der Stadt und Festung Besitz.

Die Bedeutung des Erfolges vor Metz wird überall in vollem Maße und bewundernd anerkannt. Von kundiger militäri­scher Seite wird geschrieben:

»Vergeben« wird man in der Kriegsgeschichte ein Beispiel aufzu­finden suchen, welches in seiner großartigen Eigenthümlichkeit der Ka­pitulation von Metz ebenbürtig zur Seite gestellt werden kann.

Einhundertundfunfzigtauscnd Franzosen, der Kern und letzte Rest der glorreichen französischen Armee, geführt von ihren tüchtigsten und bewährtesten Marschällen und Generalen, eingeschossen in einem be­festigten Lager, welches von den Franzosen mit stolzer Zuversicht als ein unüberwindliches Bollwerk betrachtet und gerühmt wurde, habe« gestern die Waffen strecken müssen, nachdem sie von einer numerisch nicht bedeutend stärkeren deutschen Armee seit dem Tage von Verne- Ville und St. Privat, mithin seit 70 Tagen, mit eisernem Arm eng eingeschlossen gehalten worden waren.

Starke, nach allen Regeln der neueren Befestigungskunst erbaute, weit vorgeschobene, ein großes Terrain umspannende Forts, im Mittel­punkt eine Cer bedeutendsten Festungen, boten dem Marschall Bazaine ein um so günstigeres Mannövrirfeld zu Ausfällen nach der einen oder der anderen Richtung dar, als ihm ein schneller und direkter Uferwechsel zu Gebote stand, während die Cerr.irungs - Corps im Falle erforderlicher Verstärkung der einzelnen Theile auf dem rechten oder linken Ufer die Mosel nur auf weiten Umwegen überschreiten konnten. Auch gewährte die Lage der Forts bei allen Ausfällen den Vortheil, daß mindestens zwei der­selben jeden Ausfall mit ihrem Feuer wirksamst zu unterstützen im Stande waren. Demungeachtet sind alle die einzelnen, ihrer Natur nach mehr oder minder überraschenden, mit großer Bravour und oft in beträchtlicher Stärke gemachten Ausfälle an der nie ermüdenden Wach­samkeit, der schnellen Konzentrirung der erforderlichen Streitkräfte und der ruhmeSwerthen Energie des Widerstandes der deutschen Einschlicßungs- truppen gescheitert. Ucberall, wohin auch die französischen Ausfalltruppen vorsticßen, fanden sie des Angriffs gewärtige todcèmuthige Gegner/ nur deren Vortruppen vermochten sie in Folge momentaner großer Ucberlegenheit zurückzuweifcn/ sobald sie auf die rasch gesammelten Reserven und vorbereiteten Hauptstellungen trafen, fanden sic unüber­windlichen Widerstand und mußten nach erheblichen Verlusten unter den Schutz ihrer Forts zurückkehren.

Die zehn volle Wochen unter den schwierigsten Dienstverhält­nissen teilweise bei ungünstigster Witterung ror Metz festg-bannte Armee des Prinzen Friedrich Carl hat ebenso große, vielleicht noch größere Strapatzen und Entbehrungen zu erdulden gehabt, als die gewiß vielfach von ihr beneideten anderen deutschen Armeen, denen es vergönnt war, im Siegeslauf bis in das Herz Frankreichs vorzu­dringen, während die erste und zweite Armee standhaft und festtreue Wacht vor Metz" hielt und dadurch indirekt so wesentlich mit die Fortschritte der Hauptarmee ermöglichte.

Dank der umsichtigen, für alle Fälle stets gewaffneten und schnell eingreifenden Leitung aller einzelnen Glieder der Einschließungs- Armee, Dank der stets gleichbleibenden, keinen Augenblick nachlassen- den Wachsamkeit und der im Kampf jederzeit bewiesenen zähen Tapferkeit der Truppen, hat die Armee Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl ihre überaus schwierige und schwer wiegende Aufgabe in schönster Weise glücklich gelöst. Nachdem sie unter Ent­sagungen aller Art in ächter Solkaicnwcisc auf dem anverteauten Posten treu ausgeharrt, von dem sic sich wohl oft zu ihren Kamera- dm im freien Felde fortgesehnt hat, steht sie jetzt bereit, auf anderen Punkten thätig dazu mit bcizutragen, auch den letzten französischen Widerstand zu brechen.

Mit der Armee Bazaine's ist auch das bisher noch nie bezwun­gene Metz, die jungfräuliche Ricsensestung neuesten Styls, unversehrt, mit allen ihren ungeheuren Krieqsdepotö in deutsche Hand gefallen und somit aus einem Punkt des hemmenden Widerstandes in einen bedeutungsvollen Stützpunkt für alle ferneren Operationen in Frank­reich umgewandelt worden. Es ist daher ein doppelter Sieg und Erfolg, den die Armee des Prinzen Friedrich Carl errungen hat.-