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wurde beschossen, aber das Bombardement führte noch nicht dazu, die Uebergabe zu erzwingen. Da sie am Rhein, abseit von der Eisenbahn und von der großen, an den Abhängen der Vogesen entlang gehenden Straße liegt und darum trotz ihrer Stärke nicht so einflußreich ist, als Schlettstadt, begnügte man sich einstweilen damit, sie zu cernircn, und wendete sich mit ganzer Kraft gegen die andere Veste. Hier war es nothwendig, zur förmlichen Belagerung zu schreiten. Der Angriff hat rasch zum glücklichen Ziele geführt,- denn schon am zweiten Tage nach Aushebung der ersten Parallele hat sich der Kommandant Gras Reinach zur Kapitulation veranlaßt gesehen.

Schlettstadt ist besonders deshalb von Wichtigkeit, weil cs ^die Straße vom Elsaß über Besanyon nach Lyon beherrscht, weil ferner eine Bahn von dort nach Luneville und Nancy geht. Außerdem ist Schlettstadt ein nothwendiger Stützpunkt für die weiteren Operationen im Ober-Elsaß, welche durch die neueren Unternehmungen Garibaldi's eine erhöhte Wich­tigkeit gewinnen. General von Schmeling wird jedoch zu­nächst wohl die wirksamere Belagerung von Neu-Breisach unternehmen.

Garibaldi, welcher nach allerlei inneren Zerwürfnissen mit den bisherigen französischen Truppenführern den Befehl über dic irreguläre Armee im Südosten übernommen hat, ist bemüht, vor Allem die Kräfte der südöstlichen Departements an Mobilgarden und Freischaaren in der Gegend von Besanyon zu sammeln und denselben einen festeren militärischen Halt zu geben. Er hofft sodann in Gemeinschaft mit der republika­nischen Arbeiterpartei im Elsaß einen Bandenkrieg in den Voge­sen zu organisiren. Es wird ihm jedoch schwerlich gelingen, die Kräfte, auf die er rechnen muß, noch rasch genug zu einer wirklichen militärischen Gestaltung zu bringen, um dem Vor­dringen unserer Armee erfolgreich begegnen zu können.

Unser 14. Armee-Corps unter General v.Werder ist von Epinal auf Vesoul in kräftigem Marsch vorgcdrungcn, während die französischen Mobilgarden und Freischaaren sich überall eiligst zurückzogen. Am 22. ist sodann die badensche Division bei Voray, nördlich von Besancon, auf größere französische Truppenmassen gestoßen und hat dieselben in siegreichen Ge­fechten überall geworfen und ihnen große Verluste bcigebracht. Der diesseitige Verlust betrug nur 7 Todte und 38 Verwundete. An Gefangenen sielen 2 Stabsoffiziere, 11 Offiziere und etwa 200 Mann in unsere Hände.

Das Werder'sche Corps ist im weiteren Vorrückcn begriffen und wird Garibaldi kaum viel Zeit lassen, um seine Neubil­dungen zu vollenden.

Ein Blick auf die militärisch? Gesammtlage ver­anlaßt ein wiener Blatt zu folgenden Aeußerungen:

Es ist . höchste Zeit, daß die Franzosen zur Einsicht kommen,- denn ihre Lage erscheint für Jeden, der die Verhält­nisse vollkommen vorurtheilsfrei betrachtet, hoffnungslos. Der ganze Norden Frankreichs, von der belgischen Grenze bis an die Mündungsgegend der Seine, von da bis jenseits der Loire und bis an die Quellgegend der Saone und bis an den Rhein, ist bereits von den 'deutscken Truppen in Besitz genommen, d. h. beinahe ein Viertel des Landes, und zwar jenes Viertel, welches durch Reichthum an Industrie- und Bodenerzeugniffcn, durch Tüchtigkeit und kriegerische Eigenschaften seiner Bewohner- gerade für die weitere Fortführung des Kampfes schwer ins Ge­wicht fällt. Die deutschen Heere umstehen in zwei großen Mafien die beiden größten Waffenplätze des Landes und haben ihre Abtheilungen nach allen Seiten, insbesondere aber nach dem Süden vorgeschoben, wo sie einerseits Tours und Bourges und andererseits Besancon und Lyon die letzten Zufluchtsstätten eines verzweifelten und aussichtslosen Widerstandes, bedrohen. Die deutschen Truppen können in jenen von ihnen besetzten Stellungen vor Metz und Paris ruhig abwarten, bis der im Süden sich orgamsirende Widerstand sich selbst aufzehrt,-und . zwar um so mehr, als die muthmaßliche Dauer der Verthei­digung von Metz nur nach wenigen Tagen und jene von Paris nach wenigen Wochen zu zählen sein dürfte. Haben diese beiden Orte kapitulirt oder find sie einmal erobert, dann ist auch Frankreich bis an die Loire und Rhone im deutschen Besitze. Zn diesen Landstrichen befinden sich aber die Geschützgießereien von Straßburg, Douai und Bourges, die Waffen fabriken von Mutzig, Klingenthal, Charleville und Maubeuge, die Pulvermühlen von Metz, Esquerdes, Le Bouchct, St. Ponce u. s. w., die Arsenale von Straßburg, Metz, La

Före, Rennes, Douai, Paris, Lille u. s. w. Von wo will man dann die Mittel zum ferneren Widerstände nehmen, wenn diese Orte, deren großer Theil bereits jetzt in deutschem Besitz sich befindet, und mit ihnen die großen Hülfsmittel des an Schlachtvieh und Früchten so reichen Nordens für Frankreich ganz verloren gehen? Der komplete Belagerungspark zum Bombardement der Forts ist bereits vor Paris angekommen. Wenige Tage trennen uns vielleicht nur noch von dem Be­ginne der größten Artillerie-Aktion, welche die Weit je gesehen,' noch ist es Zeit, die Weltstadt vor einem schrecklichen Schicksale zu bewahren, und die gegenwärtigen Machthaber in Frankreich sollten wohl in sich gehen, bevor sie die Verantwortung vor der Mit- und Nachwelt auf sich laden für einen Scheinwider- stand, der unter den gegenwärtigen Umständen vollkommen hoffnungslos ist."

ZN Versailles

finden zur Zeit die Berathungen wegen des Beitritts der süd­deutschen Staaten zu dem bisherigen Norddeutschen Bunde statt. Außer dem Bundeskanzler Grafen von Bismarck nehmen diesseits der säcksische Staats-Minister von Friesen und der Präsident des Bundeskanzler-Amtes Staats-Minister Delbrück an den Verhandlungen Theil,' die süddeutschen Staaten Bayern, Würtemberg, Baden und Hessen sind durch die leitenden Minister und die Fachminister vertreten.

Es ist Aussicht vorhanden, daß die Ergebnisse der Verhand­lungen schon dem in der zweiten Hälfte des November zu be­rufenden Reichstage vorgelegt werden können.

Die in Berlin erscheinendePost" schreibt aus Anlaß dieser Verhandlungen:

In Versailles dem stolzen Herrschersitze der Bourbonen, dem prachtvollen Denkmal, das jener ländergicrigsteund ruhmsüchtigste der französischen Könige Ludwig XIV. sich und seiner Größe und Herrlichkeit errichtet hat, versammeln sich um den König von Preußen die Staatsmänner Süddeutschlands, um der in der Stunde der Gefahr geborenen, im blutigen Siegesläufe herrlich er­probtendeutschen Einigung den staatsrechtlichen Abschluß zu geben, der es vor der Welt bekunden soll, daß niemals wiederein frem­der Eroberer es hoffen darf, die Zersplitterung Deutschlands zum Fußgestell seiner Größe zu machen. Ein wunderbares, ergreifendes Schauspiel, wie die Welt deren wenige gesehen hat! In diesem Versailles, auf dessen Palaste die Fahne des deutschen Siegers weht, wurde die Brandfackel, entzündet, welche die Städte und gesegneten Fluren der Pfalz verwüsten sollte, hier wurde der Plan 'geschmiedet, das deutsche Straßburg mitten im Frieden zu überfallen und der französischen Monarchie einzuverleiben, von dieser Stätte der Pracht und Ueppigkeit gingen alle die Stürme aus, die ein halbes Jahrhundert hin­durch verheerend über Europa dahin brausten. Hier aber auch wurden in wüsten Orgien die überspannten Kräfte Frankreichs erschöpft, hier seine Reichthümer verpraßt, seine Sitten zerstört und vergiftet.

Und nicht weit von diesem Denkmal der bourbonischen Größe und des bourbonischen Falles liegt St. Germain, wo jener Friede geschlossen wurde, der den von seinen Verbünde­ten in Stich gelassenen großen Kurfürsten von Branden­burg um die Früchte seiner herrlichen Siege über Schweden brackte, bei dessen Unterzeichnung er aber prophetisch auf den Rächer hinwies, der aus seiner Äsche ihm erstehen werde.

Der alte Königssitz ist jetzt das Hecreslager der Streitmacht des gesammten Deutschlands, das geeinigt den Besitz zurück­fordert, der ihm in seiner Zersplitterung entrissen ist. Der Nachkomme des großen Kurfürsten führt die deutschen Heere. Deutschland hat keinen Bundesgenossen, es hat allein und mit eigner Kraft das Strafgericht über den unversöhnlichen Feind vollzogen und Niemand wird diesen vor den Föl'gen seines herausfordernden Uebermuthes schützen.

Der Angriff Frankreichs hatte den doppelten Zweck, von Neuem deutsches Gebiet dem französischen Staat einzuverleiben und die Anfänge des deutschen Einigungswerkes zu zertrüm­mern, den Staat aber, der allein dies Werk vollenden konnte, wie er ja auch den Grund gelegt hat, auf den Rang einer Mittelmacht herabzudrücken. Und jetzt kommen die Vertreter der süddeutschen Regierungen in dem preußischen Hauptquartier vor den Thoren der feindlichen Hauptstadt, in dem alten fran­zösischen Königssttz zusammen, um mit dem preußischen Staats-