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mittag fand der Einzug des Großherzogs von Mecklenburg an der Spitze pommerscher, Magdcburgischcr, hessischer Festungs- Ar­tillerie, schleswigscher Pioniere, der Landwehr-Bataillone Frankfurt, Küstrin, Landsberg, Wolderberg, Brandenburg, Ruppin, Prenzlau, Züterbogk, und der Halberstadter schweren Reiter statt. 4000 Gefan­gene, 132 Geschütze sind bei der Kapitulation in unsere Hände gc- fallen.

Der Fall bcn Soissons hat zwar nicht die große militärische, oder politische Bedeutung, wie die Einnahme ven Toul und Straßburg, ist aber doch entschieden ein sehr erfreulicher Erfolg. Soissons sperrte e bie Bahn, welche aus dem Norden ü er- Laon auf Paris führt, und gleichzeitig die eine der Linien, durch welche der wichtige Eisenbahn- KtwMipunh Rheims mit der Hauptstadt verbunden ist. Durch die Beseitigung büfet Sperre erhalten wir nunmehr von Chaions aus neben der Bahn im Marnethale noch eine zweite Linie bis Paris zur Benutzung. Dies ist um so wichtiger, als die Mamethal-Bahn durch einen gesprengten Tunnel vor Mearx unterbrosen ist, während sich erwarten läßt, daß wir über Rheims und Soissons bald bis dicht an unsere Einschließungktruppen vor Paris werden fahren können. Der- pflegung und Etappendienst, Herzuführung von Munition u. s. w. werken dadurch eine bedeutende Erleichterung und eine neue Siche­rung gewinnen.

Vor Paris sind die umfassenden Vorbereitungen zum Bom- bardemcnt der Forts ihrem Ende angeführt. D e Pariser haben cs nicht mehr gewagt, unsere Sh beiten durch einen Ausfall zu stören, zum besten Beweise, daß die 500,000 Mann, wèlche zur Verrheidigung der Haupt­stadt bereit stehen sollen, entweder in solcher Zahl bei Weitem nicht vorhanden fü b oder daß man zu ihrer militärischen Tüchtigkeit nur ein sehr geringes Vertrauen tat. Der Minister Gambetta hat zwar in einer feierlich prahlerischen Ankündigung von glänzend n Ausfällen der pariser Truppen und von einem -ersten Sieges derselben ge­sprochen z es ist jedoch kein wahres Wort an seiner Mittheilung, da eben gar kein Ausfall ü 'tgefunben hat.

Die einzige That, welche bie Pariser v reichtet haben, ist sie Ein­äscherung des berühmten unb schönen Schlosses von St. Clocid, welches von Paris aus am 14. in Brand geschossen worden ist. Den anscheinenden Grund oder Vorwand für diese That der Zerstöruligs- Wuth mag der Umstand gegeben haben, daß unsere Truppen in der oberen Etage des Schlosses einen Bcobachtunpspostcn ausgestellt hatten - doch würde dies allein, da der Posten von uns auch anderwärts ersetzt werden kann, die Zerstörung rocht nicht veranläßt haben, wenn nicht St. Cloud als ein Lieblingsschloß des Kaisers den jetzigen Machthabern verhaßt wäre. Unsere Mannschaften haben von den Kunstgegenständen und der kostbaren Bibliothek gerettet, was irgend möglich war Unter den Möbeln befand sich auch der Tisch, auf welchem der Kaiser Na­poleon die Kriegserklärung gegen Preußen unterzeichnet hat!

Inzwischen dürften die Belagerungsgeschütze trotzaller Schwierigkeiten des Transports vollständig vor Paris eingetroffen sein, und die bevorstehende Woche wird kaum vergehen, ohne daß die deutsche Artillerie ihr ge­waltiges Werk in voller Ausdehnung begonnen hat.

Die Gerüchte von Irie dens Vermittelungen, welche im Königlichen Hauptquartiere Seitens neutraler Mächte neuerdings versucht sein sollen, sind mit größter Vor- sicht aufzunehmen. Jedenfalls w'erden alle etwaigen Friedensversuche zunächst darauf gerichtet sein müssen, die Franzosen selbst zum vollen Bewußtsein ihrer Friedensbedürftigkeit und zum vorläufigen Anerkennt- niß der unerläßlichen Grund lagen des möglichen Friede ns zu bringen.

Vor einigen Tagen ist ein vom Marschall Bazaine abgesandter General im Hauptquartiere eingeiroffen und hat mehrere Besprechungen mit dem Bundeskanzler Grafen von Bismarck gehabt. Ob diese Verhandlungen jedoch die Kapitulation von Metz zum Gegenstände und Ziele haben, bleibt abzuwarten.

Die französische Flotte, welche vor drei Wochen die Nord- und die Ostsee verlassen hatt, ist vor 8 Tagen unerwartet von Neuem bei Helgoland erschienen und bedrohete anscheinend von Neuem unsere Küsten. Bis jetzt ist jedoch von irgend einem Versuche des Angriffes nirgends etwas wahrzunehmcn/ die französischen Befehlshaber wür­den, falls sie einen solchen Versuch wagen sollten, jedenfalls bald die Ueberzeugung gewinnen, daß zu ihrem gebührenden Empfange auch jetzt Alles in Bereitschaft ist.

Die »Weser-Zeitung« (in Bremen) schreibt in dieser Beziehung:

»Als die ersten Nachrichten von dem Wiedererscheinen feindlicher Schiffe einliefen, bürste man mit gutem Grund an ihrer Richtig­keit zweifeln. Daß die Flotte, nachdem sie vor vier Wochen ihre Operationen abgebrochen hatte, jetzt im Spätherbst in die Nordsee zurückkehren, daß Fourichon seinen Nachfolger beischicken sollte, um bei schlechtem Wetter die Lorbeern zu pflücken, die der gegenwärtige Marine-Minister bei gutem Wetter sich zu holen außer Stande gewesen war, das erschien zu unglaublich.

Was uns die Ehre dieses zweiten Besuchs verschafft, ist vollkom­men unklar. Soll er eine Wiederaufi ahme der Blockade bedeuten, die bann Tibet jedenfalls erst wieder amtlich zur Anzeige gebracht wer­den müßte? Soll damit verhindert werden, daß König Wilhelm und Genossen auslaufen, um die französischen Schiffe und die französischen Häfen zu beunruhigen? Oder war es nur auf einen kurzen, vorüber- gehenden Besuch, vielleicht ruf eine lleberraschung und Abschneidung unserer Panzerschiffe abgesehen? Rechneten die feindlichen Befehlshaber auf eine Vernachlässigung der Küstenbewachung und der Vertheidigungè- waßregcln, auf den Abmarsch der Truppen, die Auflösung der See- Wehr, die Wiederherstellung der Seezeichen, bie Wegnahme der Tor­pedos- wollen sic jetzt Küstenbatterien und Hafenstädte angreifm und das Bombardement von Hamburg endlich zur Wahrheit machen? Oder soll lediglich der eben wieder aufleknnde Verkehr durch einen Schreckschuß unterbrochen werden? Wir wissen es nicht und müssen uns damit trösten, daß die französische Kriegführung zu Wasser wie zu Lande gar viel des Räthselbaften darbictet, dessen Lösung dem künftigen Geschichtsschreiber vorbehalteü bleiben muß.

So viel ist gewiß, daß der erneute Besuch der feindlichen Flotte schwerlich große Beängstigungen der Gemüther Hervorrufen wird. Wir haben sitzt die Erfahrung für uns. Bisher tat sich der Seekrieg von 1870 durch nichts so ausgezeichnet, als durch feine außerordentliche Harmlosigkeit, man möchte sagen: Gemüthlichkeit. Es ist der reine Kartcffelkrieg gewesen. Wären nicht unglücklicher und ungeschickter Weise eine Anzahl unserer eigenen Leute bmd) Torpedos zu Schaden gekommen, so wäre auf dem »Kriegsschauplatz zur See« auch noch kein Tröpfchen Blut geflossen.

Doch wäre es immerhin möglich, daß der feindliche Admiral den Befehl hätte, um jeden Preis einen Schlag zu führen. Wir dürfen demselben mit vollkommener Ruhe entgegensetzen. Im August waren unsere Bertheidigungsanstaiten an vielen Stellen noch weit zurück/ jetzt sind mir besser gerüstet. In den verflossenen vier Wochen sind die Chancen für den Angreifer in jeder Beziehung schlechter, für den Vertheidiger besser geworden. Der Abzug des größten Theils unserer Besatzungstruppen thut nichts zur Sache, da eine Landung feind­licher Truppen nicht in Frage sieht. Dagegen fragt es sich, ob nicht die französische Flotte einen Theil ihrer besten Artilleristen an die Festungen und die Landarmee abgegeben hat, wo dieselben bitter nöthig sind. Sollte der Feind sich wirklich noch zu einem verzwei­felten Angriff ermannen, so mag er hier und da etwas Schaden thun/ schließlich wird er, dessen sind wir sicher, mit blutigem Kopfe hcimgc- setieft werden. Was er erreichen kann, ist eine Belästigung und Be­unruhigung des Handels, vielleicht die Wegnahme von ein Paar Kauffahrteischiffen, die er beim Friedensschlüsse doch wieder hcrauö- geben oder bezahlen muß.«

Ein Ehrentag der Landwehr vor Metz.

Bei dem letzten Ausfall aus Metz am 7. b. M. hat sich die Land­wehr besonders sehr tapfer und ruhmvoll bewährt.

In einem englischen Blatte (»Daily News«) ist ein anschaulicher Bericht über das Gefecht enthalten. Es heißt darin:

Bazaine hatte seine Dispositionen mit großer Umsicht getroffen. Unter dem Schutz dis Nebels hatte er so prompt operirt, daß, als es kurz nach 1 Uhr hell wurde, seine Anordnungen beinahe vollendet waren. Zunächst führte er einen heftigen Stoß gegen Ladonchamps, aber die Landwchrvorposten hielten das Dorf, als ob sie nicht 100/ sondern 10,000 Mann stark wären. Die Franzosen sen­deten ihre Infanterie in Schaaren hinein, während gleichzeitig ihre Artillerie zu spielen begann. Plötzlich ergoß sich auf die Dörfer Grandes und Petitcs Tapes, St. Remy und Maxe ein wahrer Strom von Franzosen. Die 59er Landwehr wollte nicht weichen, obschon sie es klugerweise hätte thun sollen. Sie stand, bis die Franzosen nach einem mörderischen Geschützfeuer und einem Regen von Chassepot- und Mitraillcusc- Kugeln den zusammengeschossenen Rest durch rein überwältigende Massen gegen die Chaussee dräng­ten. Auch die anderen Bataillone desselben Regimentes erlitten schreckliche Verluste, und bis dahin war Bazaine's Vorhaben ge­lungen. Er hatte die Dörfer zurückerobert und einige Batterien vor­geschoben, um das Feuer der Preußen zu beantworten, sich hier jedoch zu behaupten war er nicht im Stande.

Die preußische Artillerie schleuderte mittlerweile ihre Geschosse von drei Seiten des Parallelogramms und machte es ihm in der Stellung saper. Ohne Zweifel hätte er auch diesen ersten Angriff ge­macht, wenn er nicht etwas mehr, nämlich die Anknüpfung von Ver­bindungen mit Thionville beabsichtigt hätte. Voit St. Remy und den beiden Tapes aus hielt er das Fcucr der Preußen gehörig in Anspruch, und ließ aus Grandes Tapes Schaaren von Tiraillcurs auèschwâr- men, denen cs übrigens unter den Händen der Landwehr äußerst übel erging. Außerdem aber häufte er unter der Deckung des Dorfes Maxe Massen von Infanterie, mindestens 30,000 Mann an, um die Preußen, wo ihre Linien am schwächsten waren f dicht am Flusse zu durchbrechen. Der Moment war kritisch. Bis auf eine Brigade, die in Reserve stand, war die Landwehr sämmtlich im Feuer. Da erhielten indessen mehrere Regimenter vom 10. Armee • Corps, das unterdessen auf der Pontonbrücke die Mosel überschritten hatte,