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in der Richtung auf Luncville vordringenden Spitzen der Armee von Lyon von den Badensern in einem 1 bimsten Gefechte geschla­gen. Die badische Brigade des General von Degenfeld, welche von Strasburg du,ch die Vogesen marschirte, stieß am 6. d. M. auf beträchilicke, mehr al« das Doppelte so starke feindliche Streitkräfte, etwa 14/000 Mann stheils Li-uentruppen, theils Mobil- garde) unter General Duprs. Der Feind wurde sofort mit großer Energie angegriffen und nach blutigem sechsstündigen Kampfe, in welchem drei Orte von den Badensern mit dem Bajonett genommen wurden, gezwungen, in wilder Flucht nach Westen abzuziehen.

Von badischer Seite nahmen 6 Bataillone, 2 Escadrons und 2 Batterien an dem Gefechte Tbül und. erlitten einen Verlust an Todten und Verwundeten von 20 Offizieren und 410 Mann. Der Feind verlor mehr als das Dreifache und ließ 6 Offiziere und.600 Mann mwcrwundctc Gefangene (meist Linie) zurück. Zahlreiche Waffen sind vLn'drn badcnschm Truppen erbeutet worden, welche den Tag als einen glorreichen für ihre Waffen mit vollem Recht bezeichnen, da ' sie gegen doppelte Uebkkmacht siegreich gekämpft und den. Feind auseinandergksprengt haben.

An der Loire hatten in letzter Zeit wiederholt Patrouillen- mib Voipopengefechte zwischen den vorgeschobenen Abtheilungen der Loire- Armee und den zur Rekognokzirung und auf Requisitionen dort er­scheinenden Abtheilungen unserer 4. Kavallerie-Division stattgefunden. Dadurch, daß unsere Truppen nach Erfüllung ihrer jedesmaligen Aufgaben die berührten Orte immer wieder verließen, fanden sich die Franzosen ermuthigt, Waffenerfolge ihrerseits zu verkünden und all- mâlig mit größeren Abtheilungen vorzugehen. Um diesen Ver­suchen ein Ende zu machen, rückte die Armee - Abtheilung unter General von der Tann über Etampes auf Orleans zu und cs kam zunächst am 9ten bei Etampes zu einem größeren Vorpostcngcfccht, am 10. bei Orleans zu einem bedeutenden Gefecht, in welchem von den bayerischen und preußischen Truppen unter General von der Tann ein größerer Theil der Loire- Armee geschlagen, 1000 Gefangene gemacht und drei Geschütze erobert wur­den. Der Feind zog sich in regelloser Flucht zurück und wurde von unserer Kavallerie verfolgt. Nach dem französischen Bericht war bei dem G'fechte zunächst die Brigade Longerue, dann auch der Ge­neral Rcyan mit einer erheblichen Troppmzahl beteiligt; auch die französische Regierung kann diesmal nicht verhehlen, daß ihre Truppen »geworfen« worden sind.

So sind denn die beiden in der Bildung begriffenen französischen Armeen gleich von vorn herein wieder erschüttert worden, und es wird vH doppelt schwer sein, sie zu festen militärischen Körpern zu entwickeln.

Im Norden Frankreichs brejten unsere Truppen daè Gebiet ihrer Operationen gleichfalls immer weiter aus, ohne auch dort erheb­lichen Widerstand zu finden.

Der Angriff gegen Paris ist durch die überaus großen Schwierigkeiten der Herbeischaffung und Aufstellung des Belagerungs­geschützes einigermaßen Verzöger» lvorden. Gegen frühere Annahmen ist jede Operation bis dahin ausgesetzt worden, daß. nach Herbeiziehung des gesammtm zur Verwendung bestimmten schweren Geschützes das Bombardement sowohl gegen die Forts wie gegen die Stadt mit voller allseitiger Kraft iuS Werk gesetzt werden kann. Die wesent- liehen Schwierigkeiten dürften nunmehr soweit gehoben sein, daß man der Kunde von dem Beginn der Operationen in naher Zeit entgegen­setzen darf.

Unsere Regierung hat eS inzwischen als eine Gcwisscnöpflicht er- ackter, die europäischen Regierungen im Voraus auf die Gefahr einer Hungersnolb aufmerksam zu machen, welcher die Stadt Paris mög­licher Weise durch eine verspätete U«Vergabe ausgesetzt mürbe.

Eine Denkschrift, welche mehreren neutralen Mächten mitge­theilt ivorden ist, sagt darüber Folgende-:

»Die Herrn Iulias Favre gestellten Waffenstillstands-Bedingungen, auf Grund deren die Anbahnung geordneter Zustände in Frankreich erstrebt werden sollte, sind von' ihm und seinen Kollegen verworfen worden. Dir Fortsetzung eines nach dem bisherigen Gange der Er­eignisse für das französische Volk aussichtslosen Kampfes ist damit ausgesprochen. Die Chancen dieses opfere ollen Kampfes haben sich für Frankreich seitdem noch verschlechtert. Toul und Straßburg sind gefallen. Paris ist eng cernirt und die beuifeben Truppen streifen bis zur Loire. Die vor jenen Festungen engagirt gewesenen beträchtlichen Streitkräfte sieben der deutschen Armee- südrung zur freien Verfügung. Das Land hat die Kon­sequenzen des von den französischen Machthabern in Paris gefaßten Entschlusses eines Kampfes â outrance zu tragen, seine Opfer werden sich unnützerweise vergrößern und die sozialen Zustände in immer gefährlicheren Dimensionen sich zersetzen. Dem entgegen zu wirken, sieht sich die deutsche Armeeführung leider nickt in der Lage. Aber sie ist sich über die Folgen des von den französischen Macht­habern beliebten Widerstandes völlig klar und muß namentlich auf einen Punkt die allgemeine Aufmerksamkeit im Voraus leiten. Es betrifft dies die speziellen Verhältnisse in Paris. Die bisher vor dieser Hauptstadt geführten größeren Gefechte am 19. und 30. v. M., in welchen der Kern der dort vereinigten feindlichen Streitkräfte nicht

einmal vermocht hat, die vorderste Linie der Cernirungsèruppen zurück- ruwerfen, giebt die Ueberzeugung, daß die Hauptstadt über kurz oder lang fallen muß. Wird dieser Zeitpunkt durch das Gouvernement provisoire de la désense nationale so weit binausgeschoben, daß der drohende Mangel an Lebensmitteln zur Kapitulation zwingt, so müssen daraus schreckenerregende Konsequenzen entstehen. Die französischeiseits in einem gewissen Umkreise von Paris ausgesührten widersinnigen Zer­störungen von Eisenbahnen, Brücken und Sandien haben die Fort­schritte der diesseitigen Sinn een nicht einen Augenblick nuszuhaltcn vermocht,' die für letztere nothwendigen Land- und Wasserkommumka- tionen find in sehr kurzer Zeit von ihnen rctablirt worden. Diese Wiederherstellungen beziehen sich naturgemäß nur auf die rein mili­tärischen Interessen,' die sonstigen Zerstörungen aber hemmen selbst nach einer Kapitulation von Parts die Verbindung der Kapitale mit den Provinzen ans lange Zeit hinaus. Der deutschen Armeeführung ist es, wenn jener Fall Antritt, eine positive Unmöglichkeit, eine Bevölkerung von nahe an zwei Millionen Menschen auch nur einen einzigen Tag mit Lebensmittel zu versehen. Die Umgegend von Paris bietet als­dann, da deren Bestände für den Bedarf der diesseitigen Truppen noihwendig gebraucht werden, auf viele Tagemärsche hin eben so w enig irgend welche Hülfsmittel und gestattet daher nicht einmal, die Be­wohner von Paris auf den Landwegen zu evacuirm. Die unaus- blei bliebe Folge hiervon ist, daß Hunterttausendc dem Hungertode verfallen. Die französischen Machthaber müssen diese Konsequenzen ebenso klar übersehen, rote die deutsche ArmWihrung, welcher nichts übrig bleibt, als den angcbotenen Kampf auch durchmführen. Walle» Jene cs bis zu diesem Extreme kommen lassen, so sind sie auch-sür die Folgen verantwortlich.»

Anser König hat am 5. d- sein Hauptquartier von Fcrrmrcs nach Versailles verlegt, wo sich auch das Hauptquar­tier unseres .Kronprinzen befindet. Um den Heldenkönig zu sehen, war bei der Ankunft desselben in Versailles auch die dortige Einwohnerschaft sehr zahlreich versammelt. Der Ge­burtstag der Königin ist noch in Ferrivres in Anwesenheit aller fürstlichen Personen deS Königlichen Hauptquartiers ge­feiert worden. Am 3. Oktober hatte Sc. Majestät auch die Trüppenaufstellungm im Südosten von Paris gemustert, nach­dem die Bcsichügung der Truppenstcllungen im Nordosten be­kanntlich schon früher erfolgt ist.

Der König widmet sich übrigens mit gewohnter Regel­mäßigkeit bm Nègierungsgeschäften und nimmt außer seinen militärischen Arbeiten täglich die Vorträge des Bundeskanzlers, des Civilsabincss und der ins Hauptquartier gezogenen höheren Beamten entgegen.

Die Königin Augusta, die in Folge ihrer unaus­gesetzten aufopfernden Theilnahme an den Ausgaben der Liebcs- ihätigkeit für die Kranken und Verwundeten der Armee, sowie für die Nothleidenden jeder Art sehr angegriffen'ist, hat sich auf den dringenden Wunsch Sr. Majestät des Königs zur Kur nach Homburg begeben, wo sie eine Zeit lang mit der Frau Kronprinzessin zusammen verweilen wird. Die hohe Frau wird den dortigen Aufenthalt benutzen, um auch den Laza- relhen jener Gegend ihre belebende und aufmunternde Theil­nahme zuzuwenden.

Neuwahlen zum Abgeordnctenhause. Die Staatsregierung hat nach weiteren Erwägungen davon Abstand genommen, das bis­herige Abgeordnetenhaus, dessen Mandat am 15. November ablänst, zur Beratbung des StaDbaushaltS für 1871 nochmals zu berufen. ES ist vielmehr die sofortige Neuwahl der Abgeordnetenhauses in Aussicht genommen, um demnächst den Landtag spätestens gegen Ende November berufen zu können. Vorh-r wird mit Rücksicht auf die weiteren Bedürfnisse der Kriegführung und auf die eingcleiietc Entwickelung der deutschen Verhältnisse möglicher Weise noch eine Session deS Norddeutschen Reichstages stattfinden.

Die Wahlen zum Ahgcoidnetcuhause werden, falls die geschält- lichen Vorarbeiten überall so gefördert werden können, vocauksicktlich in der Art ausgeschrieben werden, daß die Wahlen der Wahlmänuer etwa am 9. November, die Wahlen der Abgeordneten acht Tage darauf itatifmbcn.

Lerantvtvrtlich: 6. Liedtke in Berlin.

Berlin/ Druck und Derlag der Königlichen Gtheimerr Oder-HofÄuchdruckerei (N. V. Decker).