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werden, will sie die Schule von der Kirche befreien, die Civilehe ein- sübrcn, die indirekten Bundcssteucrn in direkte verwandeln u. s. w. Das heißt doch, Feldzugc-pläne machen ohne irgend eine Rücksicht auf die Sircitkräfte, die man besitzt. Und nun gar die »Mitentscheidung über Krieg und Frieden«, die dem Parlament noch über fein Budget- und Anlciherccht und über seinen großen moralischen Einfluß hinaus for­mell gesichert werden soll!

sy)at diesem Recht in der Hand würde das preußische Abgeord- netcnhaus 1864 die Erwerbung Schleswig - Holstein» und 1866 den Krieg gegen Oesterreis vereitelt haben. Meint man wirklich, daß diele Erfahrungen das deutsche Volk lüstern gemacht haben nach der Ausübung von Befugnissen, die der Namr der Sache nach in Einer Hand liegen muffen? Ahnt man gar nicht, wie start die Monarchie aerobe jetzt durch ihre Leistungen geworden ist? Ein König, von Natur einer der friedfertigsten Monarchen, führt, unterstützt durch geniale Staatsmänner und Generale, für die höchsten nationalen Ziele die glänzendsten Kriege, welche die Welt je gesehen hat. Er entschließt sich zu dem letzten Krieg, gezwungen durch den Ueber- muth der Feinde, unter dem unermeßlichen Jubel der Station. Der 73jährige Greis unterzieht sich mit der strengsten Pflichttreue den Strapazen und Gefahren des Feldzugs, er wird der populärste deutsche Fürst, der jemals seit dem alten Fritzen gelebt bat; er wird der glücklichste, der gefeiertste von allen ohne Ausnahme, die jemals gelebt haben. Und diesen Fürsten und diesen Zeitpunkt sucht man sich aus, um ein -Mitemscheldungörccht über Krieg und Frieden- zu erobern? Welche Selbsttäuschung!

Die Lust, von vorn anzufangen, daS geschichtlich Gewordene weg. zuwcrfen, in einer einzigen Parlamentssession alle denkbare Freiheit und Gleichheit urkundlich festzuslellm, ist nickt entfernt ein deutscher Gedanke/ es ist vielmehr eine der vielen französischen Oberfläch­lichkeiten , die aus dem phrasenh«ftcn Pariser Kammerwesen zu uns herübcrMrnngen sind.«

Der Verfasser geht sodann auf die Stellung der Südstaatcn bei dem Eintritte in den bisherigen Norddeutschen Bund näher ein und betont, daß bei den Aenderungen , welchen die Verfassung des Bundes im Einzelnen zu unterwerfen sein würde, jedenfalls auch daS Interesse Preußens und seiner naturgemäßen Stellung im Bunde zu wahren sein würde. Er schließt mit den Worten:

» Die große Mission, die zerrissenen Glieder des deutschen Reichs wieder zu sammeln, bat dem Staate Preußen von jeher die härtesten Anstrengungen, seinen Unterthanen die gewaltigsten Lasten auf­erlegt. Jeder Schritt vorwärts wurde bezahlt mit dem Blut und den Steuern des Landes/ zum Schutz des gemeinsamen Vaterlandes mußte Preußen die Lücken in den dürftigsten Leistungen der anderen Staaten ausfüllen/ um Deutschland wirthschaftlich zu einigen, mußte es Präcipua geben, um die norddeutsche Wehrkraft zusammenzu- fassen, den Kleinstaaten Srleicbterungm gewähren. Ueber all diese besonderen Lasten und Opfer hat man in Preußen niemals geklagte man hat sich mit der Ehre begnügt und den Partikulaiismus durch freigebiges Entgegenkommen entwaffnet. Auch jetzt klagen wir nicht, fordern weder Privilegien, noch Präcipua, sondern nur das noth­wendige Maß von Rücksicht auf die BevölkerunaSrerbältnisse und die reale Macht der einzelnen Bundesglieder. Der Nordbund ist heute die stärkste Macht Europas/ militärisch genommen bedarf er des Südens nickt, während dieser seiner bedarf/ seine innere Ver­fassung würde sich ohne den Süden rascher zur festen Einheit gestalten. Es ist also nicht das Streben nach eigener Verstärkung, es ist nicht einmal die Hoffnung auf Verbesserung unserer Institutionen, die uns treibt, dem Süden die Hand zu reichen. Es ist der nationale Natur- trieb, es ist die Idee des gemeinsamen Vaterlandes. Wir sind im Norden bereit, dafür abermals manches Opfer zu bringen, nur dürfen die Opfer nicht der Strt sein, daß sie den nationalen Zweck selbst schädi­gen. Wenn wir das Einheitswerk, welches seit vier Jahren geschaffen wurde, wieder anilösen oderauch nur lottern ließen, so würden wir am Schluß des ruhmvollsten deutschen Krieges nicht vorwärts, sondern rückwärts gekommen sein.«

Born Kriegsschauplätze.

(Uebersicht.)

Während die große Entscheidung vor Paris vorbereitet wird, haben die deutschen Truppen auf mehreren anderen Punkten Frank­reichs von Neuem die militärischen Unternehmungen des Feindes vereitelt.

Vor Metz hat der Marschall Bazaine wieder einen ernsteren Vorstoß gegen die ihn cinichlüßenden CoipS versucht. Einen eigent- liehen Durchbruch hat derselbe feit der Schlackt bei Noisscvillc, welche mit dem Verrücken Mac Mahons zu ferner Befreiung zusammenfiel, nicht mehr unternommen. Vom 1. September an war drei Wochen lang zwischen bett Belagerten und Belagernden von Metz eine Periode absoluter Ruhe emgetreten. Von da ab zeigte sich der Feind wieder regsamer, und cs kam eine Reihe kleinerer Gefechte vor, welche aber keine andere Bedeutung hatten, als die Fouragicungen desselben von den umliegenden Dörfern zu decken. Es fehlt dem Feinde an Heu und Stroh für die Pferde/ cs fehlt ihm an Salz rind |

I Kartoffeln. Alles das suchten die Franzosen aus den Dörfern, in denen noch unsere Vorposten stehen, zu holen. Der Feind geht in dichten Truppenmassen gegen die Vorposten vor, welche in solchem Falle die ausdrückliche Instruktion haben, bei Angriffen sich in die fortifizirten Stellungen zurückzuziehen. Es entspinnt sich dann ein Kamps mehr oder weniger ausgedehnt, mehr oder weniger heftig, einzelne Dörfer Werben in Brand gesteckt Gelingt es dem Feinde, seine Absicht zu erreichen, so pflegt er sich unter dem Schutze des Geschützfeuers aus den Forts, die gegen eine Verfolgung von Seiten der Preußen gerichtet sind, zurück zu ziehen, und gegen Abend sind gewöhn­lich die Positionen der Vorposten wieder in unsern Händen. — So lange sich Straßburg hielt, konnte man annehmen, würde auch der Oberbefehlshaber der Armee von Metz noch immer nicht den Ge­danken aufgeben, nach Süden hin einen Durchbruch zum Entsätze von Straßburg zu versuchen. Mit dem Falle von Straßburg mußte auch diese Kombination fallen. Wenn Marschall Bazaine entweder um der Waffenchre zu genügen, oder auch um eines wirklich prak­tischen Vortheils willen, jetzt noch eine Absicht hegen konnte, die preußische Cernirungslinic zu durchbrechen, so konnte es nur nach Norden sein, entweder um Thionville zu entsetzen oder mit der Armee auf neutrales Gebiet überzugehen. Auf diese Möglichkeit schienen mehrere Operationen des Feindes hinzudeutcn.

Entsprechend den veränderten Verhältnissen war am 1. Oktober eine anderweitige Vertheilung der Einschließungs-Armee vorgenommen worden. Jedenfalls hatte der Feind in Folge dieser veränderten. Truppenstellungcn die schwächer gewordene Besetzung des Moselthales links ersannt, um am nächsten Tage seine besten Truppen Hinzuwer- fen und so leichten Sieg zu haben. Am 2. Oktober früh hatte er die Feldwachen der Landwehr-Division von Kummer verdrängt und sich dann in den Besitz des Dorfes St. Nsmy zu setzen gesucht. Die Landwchrtluppen, namentlich die Bataillone Freystadt, Neu- wmysl, hielten sich, im Verein mit den 10. Jägern, über alle Maßen brav und wacker. Wiederholte Angriffe der Franzosen aufSt. Remy wurden mit glänzender Bravour von den Landwehrtruppen zurück- geschlagen. Die Affaire, im Anfang ausschließlich Infantencgefecht, ging in einen Artilleriekampf über und St. Rsmy ist in unserem Be­sitz geblieben. Der braven Truppe wurde für den Ruhm dieses Tages von hem Prinzen Friedrich Carl, dem Oberbefehlshaber der Cer- n rungs-Armee, eine Anzahl Eiserner Kreuze zuerkannt.

Am 7. Oktober machte die gestimmte Besatzung von Metz, ein­schließlich der Garde, wiederum einen Ausfall nach Norden, auf beiden Ufern der Mosel. Ihr Angriff auf die verschanzten Stellungen der deutschen Truppen würbe abgcwicsen, und sie kehrte mit einem Ver­lust von etwa 2500 Mann in die Festung zurück. Unser Verlust wird auf 600 Mann veranschlagt.

Der Marschall Bazaine wird wohl jetzt auch die Hoffnung auf­geben, daß cs ihm gelingen könne, sich nach Norden durchzuschlagcn/ denn wohin er sich aut$ wenden möge, findet er unsere Truppen in fester Stellung und in genügender Stärke, um ihm den Durchbruch zu wehren.

Wie lange er seine Armee noch in Metz zu erhalten vermag, darüber ist ein annähernd sicheres Urtheil nicht möglich/ doch müßten ganz ungeivöhnliche Verhältnisse obwalten, wenn ihm noch eine län­gere Frist vergönnt sein sollte.

Die neuen Truppenbildungen in Frankreich finden vornehmlich im Südosten bei Lyon und in der Mitte Frank­reichs an der Loire statt. Die neuen Ansammlungen von Trup? pen werden alS Armee von Lyon und als Loire-Armee bezeichnet. Beide haben als festen Kern eine Zahl regulärer Truppen, angeblich von etwa 20,000 Mann, vorzugsweise aus Depot (Ersatz-) Bataillonen/ dazu sollen an 50 bis 60,000 Mann Mobilgardcn mit ganz kurzer milü arischer Vorbereilung und Nationalgarden (Bürger- wehr) stoßen, — so daß jede der beiden Armeen etwa 70 bis 80,000 Mann betragen soll. Dieselben scheinen jedoch keineswegs schon in solcher Zahl zusammcngczogcn, vielmehr noch in den erwähnten Gegenden auf weitere Bezirke aus- gebreitct zu sein. Soviel von beiden Armeen schon bereit war, ins Feld zu rücken, das wurde von Lyon nördlich bis nach den Vogesen hin und an der Loire über Orleans vorgeschoben, um im Rücken unserer vor Paris stehenden Armee zu operircn und nament­lich die Linie, auf welcher die Verbindung derselben mit Deutschland und daher die sichere Heranziehung von Nahrungsmitteln beruht, ab- zuschneiden.

Dieses Vorhaben ist so eben durch das siegreiche Dorrücken ein- Seiner unserer Armec-Abthciiungcn vereitelt worden.

Während die Truppen, welche bisher vor Straßburg operirt batten, unter dem General von Werder (als 14. Armee-Corps) die Aufgabe erhielten, durch die Vogesen gegen die Armee von Lyon zu operircn, wurde von der (3.) Armee unseres Kronprinzen eine besondere Abtheilung (eine bayerische Division und einige preußische Truppen) abgczweigt, um unter dem Befehl des bayerischen Generals von der Tann gegen die Loirc-Armee vorzugehen.

In beiden Richtungen haben die deutschen Truppen gleich in den ersten Tagen bedeutende Erfolge errungen.

Bei Epinal, am westlichen Abhänge der Vogesen, wurden die