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dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, hat sich nach der Einnahme von Toul nordwestlich gewandt, um zunächst Soissons auf der Straße von Paris nach Belgien zu belagern und in jener Richtung weiter vorzudringen. Ein Ausfall der Garnison von Soissons wurde von unserer Land­wehr (den Bataillonen von Landsberg, Frankfurt a. O., Woldenberg) kräftig zurückgewiesen.

Inzwischen ist durch die Einnahme von Straßburg der größere Theil der bisher bei der Belagerung verwandten Truppen zu anderweitigen Operationen frei geworden. Ihnen und der bereits am oberen Rhein bei Freiburg zusammenge­zogenen vierten Reserve-Division ist nunmehr die Aufgabe zu­gefallen, auch den oberen Elsaß mit Mülhausen, Colmar zu besetzen und die festen Plätze Belfort, Schlettstadt, Neu-Breisach zu nehmen oder cinzuschließen. Nach der vermuthlich nicht lange Zeit erfordernden Erfüllung dieser Aufgabe werden die erwähn­ten Truppen auch von dort aus weiter ins Innere Frankreichs vordringen können.

Bei dem bisherigen Vorrücken nach der Loire, wie nach Westen und Norden ist kein Anzeichen für das wirkliche Vor­handensein neuer größerer Streitkräfte Frankreichs Hervorgetre- ten, und es wird immer unwahrscheinlicher, daß die beabsich­tigte Neubildung zweier Armeen, die bisher nur dem Namen nach bestehen, zur Arisführung gelangen könne.

Der innere Zerfall Frankreichs, welcher immer größere Fortschritte macht, hindert jede wirksame neue Organi­sation. Die provisorische Regierung, deren Hauptsitz für die Ändesverwaltung jetzt in Tours ist, scheint nur in einem kleinen Theile Frankreichs Gehorsam zu finden: im Süden, in Lyon, Toulouse u. s. w. haben sich besondere noch radikalere Regierungen gebildet, welche ihre eigenen Wege gehen.

In anderen Theilen Frankreichs beginnen sich die Anhänger der Kaiserlichen Regierung wieder zu regen. Nirgends aber hat die provisorische Regierung Mittel in Händen, sich Ansehen und Gehorsam zu sichern. Während sie demzufolge außer Stande ist, neue wirkliche Armeen zu bilden, sind die von ihr ins Leben gerufenen Haufen sogenannter „Freischützen", welche dazu bestimmt sind, den Feind überall im Rücken anzu­fallen und zu beunruhigen, — durch ihre Räubereien und Meutereien vielmehr eure Plage für die französische Bevölkerung selbst geworden.

Das Vorrücken unserer Kavallerie in der Richtung auf Tours hat die provisorische Regierung, der es an jedem zu­verlässigen Schutze fehlt, bereits zu Vorbereitungen einer wei­teren Verlegung ihres Sitzes nach dem Süden bewogen. Ebenso glaubt man bereits Vorsichtsmaßregeln zum- Schutze der Hafen­städte gegen Angriffe Seitens unserer Truppen von der Land­seite treffen zu müssen.

Die Regierung in Paris selbst steht augenscheinlich unter der Herrschaft der Masse, welcher auch der General Trochu mit Verleugnung seiner besseren militärischen Einsicht zu schmeicheln und nachzugeben genöthigt ist. Es liegen mehrfache Anzeichen vor, daß in den Straßen von Paris innere Kämpfe stattgefunden haben und daß die besonneneren Kreise der Be­völkerung durch die Gewalt der untersten Bevölkerung nieber= gehalten werden.

Die Hoffnung der Republik, bei den europäischen Groß­mächten irgendwie Hülfe zu finden, ist inzwischen gleichfalls völlig geschwunden. Der Abgesandte der provisorischen Regie­rung, Thiers, hat wie in London, so auch in Wien und Petersburg keinen Boden für die gewünschte europäische Vermittelung gefunden.

In Petersburg scheint er von eigentlichen Anträgen Ab­stand genommen zu haben, vermuthlich weil er sich überzeugte, daß dieselben völlig vergeblich sein würden. Die Regierung .des Kaisers hat, abgesehen von den erneuten Zeichen ihrer sym­pathischen Bewunderung für die deutsche Kriegführung, ihre eige­nen friedlichen Absichten neuerdings nach allen Seiten zu er- kèân gegeben.

Hoffentlich wird das Scheitern der Thiers'schen Sendung dazu beitragen, das Friedensbedürfniß in Frankreich endlich zum Durchbruch gelangen zu lassen. Dies ist freilich in ent- scheidender Weise nicht früher zu erwarten, als bis auch Paris den Ernst der Belagerung vollauf erfahren haben wird.

Die Armeen vor Paris haben seit den siegreichen Gefechten vom 19. v. M. ihre Stellung um die Hauptstadt immer fester geschloffen, die III. Armee im Westen und Süden mit dem Hauptquartiere unseres Kronprinzen zu Versailles, die Maas-Armee im Norden und Osten mit dem Haupt­quartier des Kronprinzen von Sachsen in Grand- Tremblay. Die Uebergänge über die Seine im Silben und im Nordwesten sind in unserer Hand.

Die erste Rückwirkung des Gefechts vom 19. war eine große Aufregung in Paris selbst gewesen, wo die in wilder Flucht eintreffenden Regimenter allgemeinen Schrecken verbrei­teten. Namentlich hatte ein Fuaven-Regiment auf das erste Vorrücken unserer Truppen die Flucht ergriffen und war in solcher Angst und Hast in die Stadt gedrungen, daß der Schrecken auch dort die Bürger erfaßte. Der Gouverneur, General Trochu, ließ zur Strafe 200 Mann von dem Regi- menie erschießen. Seit bem 19. hatte die pariser Besatzung 10 Tage lang keinen weiteren Ausfall versucht.

Unsere Belagerungs - Armee hat diese Zeit benutzt, um ihrerseits an mehreren wichtigen Punkten Schanzen aufzu­werfen, vornehmlich auch, um sich in der am 19. gewonnenen Verschanzung bei Clamart vollständig festzusetzen. Die Werke bei Clamart - Chatillon waren von den Franzosen noch in der letzten Zeit vor dem Eintreffen unserer Truppen vor Paris in großer Eile angelegt worden, weil von den dortigen Höhen die südlichen Forts^Issy, Montrouge u. s. w. leicht gefährdet wer­den können. Durch den siegreichen Kampf vom 19. war das wichtige Werk in unsere Hände gefallen, und cs ist inzwischen an der weiteren Befestigung dieses werthvollen Besitzes eifrig gearbeitet worden.

Am 30. v. M. «rächte Trochu einen neuen wohl ange­legten Ausfall auf mehrere Punkte der Einschließungs-Armee. Der Hauptangriff war gegen das südlich stehende 6. (schlesische) Armee-Corps gerichtet, dessen Truppen bei dieser Gelegenheit größtentheils zum ersten Male während dieses Feldzuges in's Feuer kamen. Gleichzeitig gingen geringere französische Ab­theilungen gegen die Vortruppen des 5. Armee-Corps und eine Brigade des I I.Armee-Corps (westlich und südwestlich) vor. Diese Scheinangriffe wurden jedoch mit höchst unbedeutenden Ver­lusten unsererseits zurückgewiesen, während das 6. Corps den Hauptangriff des fast ganzen Vinoyffchen Corps unter den Augen des Kronprinzen mit großer Bravour zurückschlug. Der Feind verlor gegen 1200 Mann und 200 Gefangene, während unsere Verluste sich auf etwa 200 Mann beliefen.

Inzwischen ist Alles vorbereitet, um zum Angriff gegen die Forts und zum Bombardement von Paris zu schreiten. Das Belagerungsgeschütz ist von Meaur trotz aller Schwierig­keit der Wege an Ort und Stelle geschafft. Nachdem die erste Periode der Belagerung, die Cernirung, so vollständige Resul­tate ergeben hat, daß in der That eine ganze Bevölkerung von zwei Millionen Menschen durchaus abgesperrt ist, verspricht auch die zweite Periode um so mehr Erfolg, als sie sofort mit äußerstem Nachdruck angefangen werden wird. Der Muth und die Opferfähigkeit der Pariser Bevölkerung werden erst jetzt ihre entscheidende Probe zu bestehen haben.

Die Kapitulation von Straßburg ist den Einwohnern der Stadt von dem Gouverneur, General llv rich, durch eine Prokla­mation verkündet worden, welche mit folgenden Worten begann:

»Einwohner von Straßburg! Da ich heute erkannt habe, daß die Vertheidigung des Platzes von Straßburg nicht mehr möglich ist, und da der Vertheidigungsrath einstimmig meine Ansicht theilte, habe ich zu der traurigen Nothwendigkeit meine Zuflucht nehmen müssen, in Unterhandlungen mit dem General - Kommandanten der Belage- rungsarnicc einzugehen. Euere mannhafte Haltung während dieser langen Tage schmerzlicher Prüfungen hat mir erlaubt, den Fall Euerer Stadt so viel wie möglich zu verzögern,' die bürgerliche Ehre, die militärische Ehre sind unversehrt.»

Am 27., Nachmittags 5 Uhr, wurde eine weiße Flagge auf dem Thurm des Münster aufgezogen, und cs erschien bei den deutschen Vorposten ein Parlamentär, welcher meldete, daß der Gouverneur zur Uebergabe bereit sei. Er begab sich selbst in das Hauptquartier des Generals v. Werder, wo während der Nacht die Kapitulation abgeschlossen wurde. Um 8 Uhr Morgens wurden die Thore der Stadt besetzt,' um 11 Uhr zogen unsere Truppen ein.

Ein Augenzeuge berichtet über den Einzug unserer Truppen und über die Verhältnisse in der Stadt. »Aus dem Hauptwalle hatte sich die Straßburger Bevölkerung, Männer, Weiber, Kinder, eingefunden,