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großen Schwierigkeiten der Umladung, die Beschaffung von etwa 20,000 Zugpferden bei Nancy nöthig gewesen wäre.

Am 23. d. M. hat die Festung nach achtstündigem Bom- bardcment kapitulirt unter denselben Bedingungen, wie sie bei Sedan bewilligt worden waren. Es sind dabei 109 Offiziere, 2240 Mann, 107 bronzene Geschütze, 3000 Gewehre, 3000 Säbel und sehr bedeutende Borräthe jeder Art in unsere Hände ge­fallen.

Der hauptsächliche Erfolg aber ist, daß nunmehr die unun­terbrochene Eisenbahnverbindung bis vor Paris unvcrweilt hergestcllt worden und durch dieselbe der Transport der bisher gegen Toul gebrauchten, sowie der inzwischen in Nancy angc- kommmen und aus Deutschland noch hinzuschaffenden Bela­gerungsgeschütze nach Paris ohne Weiteres erfolgen kann.

Die Beschießung von Paris wird daher wohl nicht auf sich warten lasten.

So eben geht die h ucherfreulicke Nachricht ei«, daß Stratzburg am Dienstag (KT.) Nachmittags kapitulirt hat.

Ganz Deutschland wird Liese Kunde mit patrio­tischer Genugthuung begrüßen und der wieder ge­wonnenen deutschen Stadt nunmehr die herzlichsten Gesinnungen entgegenbringen.

Bon den Forderungen, welche Graf Bismarck am 19. für einen Waffenstillstand stellte und welche die Pariser Regierung ablehnte, sind nunmehr die beiden wesentlichen, die Uebergabe von Toul und Straßburg, anderweitig erfüllt. Verdun ist von untergeordneter Bedeutung.

Aus Süddeutschland.

Die Sache der deutschen Einigung, welche in den lctztver- flossenen Jahren in den Stimmungen Süddeutschlands das größte Hinderniß fand, wird in diesem Augenblicke dort nicht minder lebhaft, als in Norddeutschland aufgefaßt und gefördert.

Unter anderen Zeugnisten des nationalen Geistes darf ein Aufsatz der einflußreichenAllgemeinen Zeitung" in Augsburg über denZutritt des Südens" hervorgehoben werden.

Es heißt da:

-Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Kabincte von München und Stuttgart sich im Augenblick sehr ernstlich mit der Frage beschäftigen: mit nunmehr das Verhältniß von Bayern und Württemberg zum Norddeutschen Bunde geordnet werden könne. Es liegt auf der Hand, daß dieses Verhältniß nicht das unsichere, miß­trauische bleiben kann, wie cs nach 1866 wurde. Die gewaltigen Er­eignisse der letzten Wochen haben thatsächlich die Einheit von Süd und Nord vollzogen. Deutschtand ist dem Auslande gegenüber eins, ohne Hintergedanken, ohne den Wunsch, ja ohne die Möglichkeit, diesen heilbringenden Akt unserer Geschichte rückgängig 31t machen. Selbst diejenigen Parteien, welche bisher ber Verbindung des Südens mit dem Norden am leidenschaftlichsten entgegen arbeiteten, erkennen heute die unwiderstehliche Macht der Thatsachen auch in der Richtung an, daß die gänzlich veränderte Stellung nach außen nicht ohne Kon­sequenzen für die inneren Beziehungen bleiben kann.----

Es wird dereinst von unseren Nachkommen als ein wunderbares Geschenk der gütigen Vorsehung gepriesen werden, daß all der Groll und Kampf, den der Kampf von 1866 in Deutschen gegen Deutsche entzündet, schon nach vier Jahren, ehe er alle unsere Dcrhältnisie ver­giften konnte, in einer einmütbigen, herrlichen Bewegung der Nation begraben würde, welche die Feinde von eben zu innigstem Bunde zu- sammcnHhrte und sie mit einander Thaten verrichten ließ, vor deren strahlender Gloire aller kleine Hader der Vergangenheit in Nacht ver­sinkt. In der That, uns ist es vergönnt, einen Moment 311 erleben, in ihm thätig zu sein, der in der ganzen deutschen Geschichte einzig dasteht. Nie war unser Volk in allen seinen Theilen so herzlich eins, und nie vollbrachte cs ähnliche, die ganze Welt bewegende Werke. Die Hoheit bufU Tage dringt in jedes deutsche Herz, und was je unsere kühnsten Phantasien geträumt, von einer großen Wirklichkeit sehen wir es weit überflügelt. Wir erleben es, was die Einheit un­seres Volks bedeutet, und nie mehr wird man uns einreden können, daß die frühere Gethciltheit, daß die Selbstständigkeit von so und so viel Staaten die Grundlage unseres Volksglück« sei.

Und doch bangt manches Herz, wenn die Gedanken über die wundervolle Einheit der KriegSsührung hinaus an den Augenblick eilen, da nun im Frieden zuin staatlichen Ausdrück kommen soll, was unsere W- ffen nach außen errungen haben. Daß Süd und Nord in dem bisherigen lockeren Nebeneinander bleiben könnten, ist Jedem un- denkbar, daß.sie politisch für alle Zeiten befestigen müssen, was ein

wundervoller Moment kriegerischer Erhebung geschaffen hat, ist eine absolut selbstverständliche Forderung der Naiion. Aber leider waren wir ja schon öfter über daS Ziel einig, und die verschiedenen Wege, die wir einscklagcn zu müssen meinten, verwandelten über Nacht die Einmüthigkeit in leidenschaftlichen Hader. Könnte sich diese traurige Erfahrung nicht auch jetzt wiederholen? Sind nicht die zu überwin­denden Schwierigkeiten gar groß? Ist eS denkbar, daß Bayern und Württemberg sich dem Rordbund einfach einstigen? Oder daß auf der anderen Seite dieser Nordbund, der sich doch die in Frankreich er­rungenen Siege vornehmlich zuschrcibcn darf, seine Organisation wesentlich ändere, oder gar sich auflöse, um das schwierige Werk ter Konstituirung von Neuem zu unternehmen?----

Ueber den Gegensatz der in Jahrhunderten gewordenen thatsäch­lichen Verhältnisse kann nur ein großes Vertrauen des einen Tb ils zum andern hinivrghedcn. Der Norden muß vertrauen, daß die mo­ralische Wirkung dieses großen Jahres jeden Partikularismus un­schädlich machen wird, und Bayern muß sich der Zuversicht gelrösten, daß der Norden in seinem dienen Interesse mit der größten Rücksicht einen Staat behandeln wird, dessen aufrichtiges Wohlwollen ULitt einen verwickelten politischen Organismus möglich machen kann. Will man sich beiderseitig alle wünschenSwerthen Garantien schwarz auf weiß verschreiben lassen, so wird man nie Übereinkommen, da die Natur der Verhältnisse einer solchen Aufgabe Absolut entgegensteht. B.ide müssen bauen auf die Macht der züsammenhaltenden Interessen, auf die Stärke deS verbindenden Nationalgcsühls, auf die heilsame Kraft eines Nationalbewußtseins, wie wir eS in diesem Maße nie besessen haben. Die Männer aber, in deren Hand dieses wichtige Werk gelegt ist, mögen erwägen, wie alle deutsche Zukunft sic segnen wird, wenn sie mit großem, freien Sinn die deutsche Politik auf die Höhe der deutschen Kriegskunst erheben und ihre Namen unzertrennlich denen der Helden zugesellcu, welche mit dem Schwert unS die Bahn zeh nen haben zu unvergleichlicher Wcltstcllung.«

Dev preußische Landtag. Durch den unerwarteten Au-'bruch des Krieges im Juli d. I. sind die Vorbereitungen zu den Neuwahlen für den Reichstag des Norddeutschen Bundes und für das preußische Abgeordnetenhaus, welche im August und September d. I. stattfinken sollten, unterbrochen worden. Der Reichstag wurde zunächst noch zu einer außerordentlichen Session berufen und verlängerte im Ein- verständniß mit der Regierung sein Mandat bis zum Ende des lau­fenden Jahres. Von den Neuwahlen zum Abgeordnetenhaus« wurde, mit Rücksicht auf die KriegSverhältnisse, für's Erste Abstand genommen, da das Mandat der Abgeordneten noch bis zum 15. No­vember d. 3. in Kraft ist.

Neuerdings hat die Staatsregicrung den Erwägungen in Betreff der Einberufung des Landtages und der Neuwahlen für daS Abgeord­netenhaus näher treten müssen: es kommt dabei einerseits die ver­fassungsmäßige alljährliche Einbcrrifung des Landtages, andererseits die rechtzeitige Feststellung deS Staatshaushalts in Betracht.

Der Landtag muß nach Artikel 76 der Verfassung regelmäßig in dem Zeiträume von Anfang des Monats Novembers jeden Jahres bis zur MittcIanuardcS folo cndenIahres berufen iverden. snernadniw' e an und für sich der 15. Januar der letzte Tcrinin für die Einbe­rufung dcS Landtages sein und bis dahin müßten die Neuwahlen unbedingt vollzogen sein.

Die Verfassung verlangt aber im Artikel 99 f rner, daß die Ein- nahmen und Ausgaben des Staats für jedes Jahr im voraus ver­anschlagt und durch den Staatshaushalt festgesiellt werden sollen; es ist demgemäß von der Regierung miebcrbolt die Verpflichtung aner­kannt worden, an ihrem Theile die Feststellung des Staatshaushalts vor dem Beginn des Etatsjahres zu sichern.

Dieser Forderung wird die Regierung sich auch in diesem IaM nicht entziehen, so schmierig cs unter den uegenwärtigen Umständen sein wird, einen alle Verhältnisse berücksichtigenden Etat für das nächste Jahr im Voraus aufzustellen.

Zur Erfüllung jener Aufgabe bieten sich zwei Wege dar: cs kann entweder der Landtag unverwcilt noch mit dem jetzigen Abgeordnettn- Hause berufen werden, um noch Vor dem 15. November das Budget zu berathen, oder eG müßten die Wahlen alsbald vollzogen und das neue Abgeordnetenhaus zeitig genug einberufen werden, um den Staatshaushalt vor Neujahr sesizustellcn.

Beide Wege haben ihre naheliegenden, sehr erheblichen Bedenken/ gegen die sofortigen Neuwahlen fällt besonders ins Gewicht, daß durch dieselben die Ausübung des Wahlrechts für einige hundert­tausend Wähler, welche sich bei den Fahnen in Frankreich befinden, thatsächlich nichtig gemacht würde.

Die Entscheidung für den einen oder andern Weg, welche in kürzester Zeit getroffen werden muß, hängt thcilwkise auch noch von dem Gange der Kriegsereigntsse, von der weiteren Entwickelung der Nut- scheu Verhältnisse und der dabei möglicherweise gebotenen Vciuvirk it'g des Reichstages ab.

Die StaatSrcgicrung hat einstweilen die erforderlichen Anorknun- gen getroffen, daß die Neuwahlen zum Abgeordnetenhause, falls k ren baldige Vornahme beschlossen wird, keinen geschäftlichen Aufenthalt finden.

Verantwortlich; E. Liedtke in Berlin,

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).