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unserer gejammten Volkskraft den Beginn einer neuen glück­lichen Friedenszeit hofft, wer demüthig in unserem Sieg und in der Niederlage unserer Feinde ein hehres Gottcsurthcil ver- ehrt, der möge jetzt seine Treue an den Kriegern unseres Volks­heers und an ihren Zugehörigen erweisen!

Die Staatshülfe allein, selbst wenn sie verhältnismäßig reichlich bemessen werden kann, ist außer Stande, die große Zahl der Invaliden und Hinterbliebenen zu unterhalten. Diese Hülfe gewährt nur das Nothwendigste, ist unvermeidlich an allgemeine Normen gebunben und vermag nicht auf die Be­dürfnisse des Einzelnen einzugchen.

Große Anstrengungen freiwilliger Hülfe werden diesmal nöthig sein, denn gewaltig, wie der Erfolg, waren auch die Verluste des Krieges.

Wie dieser Krieg ein einheitliches deutsches Heer geschaffen hat, in welchem die Söhne aller Stämme in brüderlichem Wettstreit der Tapferkeit rangen, so soll auch die Sorge um die Invaliden und Hülstosen, welche der Krieg zurückläßt, eine gemeinsame deutsche Angelegenheit werden, an welcher Norden und Süden unseres Vaterlandes gleichen Antheil nehmen.

Frühere Erfahrungen haben gelehrt, daß es nicht nur gilt, mit warmem Herzen Geldbeiträge zu spenden. Nicht weniger wichtig und mühevoller ist die zweckmäßige Bertbeil ung, liebe­volles Eingehen auf die persönlichen Verhältnisse, endlich das Schwerste: Vorsorge, daß die Unterstützung nicht die noch vor­handene Erwerbskraft schwäche, anstatt sie zu stärken, und daß sie wahrhaft heilsam für das. Leben der Unterstützten wirke.

Es ist daher zu wünschen, daß sich überall örtliche und landschaftlicke Vereine bilden, welche in Anschluß und Unter­ordnung unter gemeinsamen Vorstand die Sammlungen leiten und ebenso die Ermittelung, Prüfung und Annahme dcrHülfs- bedürftigen in ihrem Kreise übernehmen und denselben vor­sorgliche Pflege dauernd zu Theil werden lassen.

Da die im Jahre 1866 zu gleichem Zwecke für den größ­ten Theil Deutschlands gegründete Vrctoria-National - Invaliden-Stiftung diesen Ansprüchen genügt und sich in ihren Einrichtungen bewährt hat, so beauftrage Ich hiermit den geschäftsführenden Ausschuß dixser Stiftung, die Organisation und Leitung einer Invaliden-Stiftung für Deutschland zu übernehmen und zu Beiträgen wie zur Bildung neuer Zweig­vereine aufzufordern.

Se. Majestät der König, Oberfeldherr des deutschen Heeres, hat Mir, wie in den Jahren 1864 und 1866, die Ge­nehmigung zu solchem vaterländischen Unternehmen ertheilt. Diesmal ist Mir das Glück geworden., ein Heer in das Feld zu führen, in welchem der Bayer, der Württember­ger, der Badenser neben dem Preußen fochten, und Ich darf Mich an die Herzen aller Deutschen wenden. Auch dies Liebeswcrk sei gemeinsame Arbeit zwischen uns für das Vater­land und die Einleitung zu vielen einmüthigen, segenstiftendcn Werken des Friedens!

Hauptquartier Rheims, den 6. September 1870.

Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen.

Ueber den Derrath zu Samt ist folgender Bericht des Com­mandeurs der 6. Kavallerie-Division (Herzog Wilhelm von Mecklen­burg) angegangen:

Laon, den 9. September 1870.

Der Lieutenant v. Rohr mit einem Zuge des Ulanen-Regiments Nr. 15 hatte am gestrigen Tage den Kommandanten der Citadelle von Laon zur Kapitulation aufMordert und batre hierauf der Kom­mandant sich bis Nachmittag 4 Uhr Bedenkzeit ausgebetm. 8118 diese Meldung der Division zuffng, wurde der Oberst von AlvenS- teben mit der 15. Kavallerie - Brigade und der reitenden Batterie nach Laon gesandt mit einer diesseits aufgesetzten Kapitulations- Verhandlung. Dem Oberst von Sllvemlcbat gegenüber machte der Kommandant wieder Schwierigkeiten und bat sich endlich eine neue Bedenk.eit bis heute früh 9 Uhr aus. Das Jäger- Bataillon Nr. 4 war gestern noch nach Eppes herangezogcn mw eine Batterie des 4. Corps in - t. Quentin eingetroffen. Heute früh 6 Uhr brach die 14. Kavallerie-Brigade und diese zweite reitende Datierte ebenfalls nach Laon auf. In Eppcs angekommen, meldete Oberst von Alvensleben, daß die Kapitulation abgeschlossen fei und die Ci­tadelle mit allen Truppen und Armcematerial um 11| Ubr an die Division übergeben werden würde. Die Division rückte in Laon ein, die beiden Batterien fuhren vor der Stadt auf, neben denselben for­mtet sich die 14. Kavallcrie-Brigadc, die 15, hatte alle Straßen um

Laon gestern schon besetzt und blieb in ihrer Stellung. DaS Jäger- Bataillon ließ eine Compagnie in den Vorstädten zur Besetzung der­selben, zwei Compagnien marschirten auf dem Marktplatz von Laon auf und besetzten alle AuSgänge, die vierte Compagnie marschirte mit dem DivisionS-Stab und den beiden Brigade-Stäben nach der Citadelle. Der Intendantur-Vorstand der Division und der Haupt­mann Mann der reitenden Batterie kamen ebenfalls mit, ersterer zur Uebernahme der Vorräthe, teurer zur Uebernahme der Festungs­geschütze und tu3 Armee - Materials Sim Eingänge der Citadelle stand eine Wache der MPbilzardc, welche sofort durch eine Sektion Jäger abgclöst wurde. Auf dem Hofe der Citadelle stand die Garni­son der Citadelle, bestehend auS co. 20 Mann Modilgarde und einem Zug Linien-Infantcrie des 55 Regiments.

Die Kapitulation erfolgte auf Grundlaxe der Kapitulation von Sedan. Sämmtliche Offiziere, welche ihr Ehrenwort gaben, nicht mehr gegen. Deutschland zu fechten, wurden entlassen. Die Waffen wurden niedergelegy und die Mobilgarde, nachdem sie ebenfalls ver­pflichtet war, nicht mehr gegen Demichland zu fechten, wurde eben­falls entlassen, die S seien Linien - Infanterie dagegen unter Eskorte nach der Stadt abgeführt. Ein großer Theil der Offijiecc, sowie der französische Kommandant blieben noch im Hofe der Cita­delle zurück, als, nachdem der letzte Mann der Mobilmrdc das Thor der Citadelle' passirt hatte, kurz hintereinander ;wei furchtbare Detonationen erfolgten. Das Pulvermagazin, auf das wahrscheinlich sämmtliche Bomben und Granaten gebracht waren, so wie alle Patronen und wahrscheinlich noch eine Mine gingen in die Last. Das Magazin steht und stand vielmehr am Rande deS Hofes der Citadelle Alle im Hofe der Citadelle anwesenden Personen, so wie die darin ausgestellte Compagnie Jäger würben unter Schutt und Trümmern beinahe begraben. Die Bamben und umherfticgen- den Steine und Mauerstücke flogen in die S abt, die Vorstädte und weit darüber hinaus. Die Verumstung war eine furchtbare. Fast alle im Hofe der Citadelle anwesenden Personen wurden theils ge- tobtet, theils leichter oder schwerer verletzt. Die Häl te der Compagnie Jäger liegt verstümmelt auf dem Platze. Alle Veiluste sind im Auacn- blièfc noch nicht zu übersehen. So weit bis jetzt bekannt, ist von Offizieren nm todt der Hauptmann Mann der reitenden Batterie des 4. Corps. Verwundet sind Unterzeichneter burch eine Kontusion des rechten Oberichenkels, Oberst Graf Gröben durch mehrere Kontusionen am Kopse und Körper, Biafor von Schönsels Kontusion am Backen und den Beinen, Rittmeister v. Treskow wurde am Kopfe, Lieutenant Graf Roß (noth unbekannt), Lieutenant Krause vom 16. Husaren- Regiment Kontusion an beiden Beinen, Divisionspfarrer Dietrich Kontusion an der Brust'.

Wilhelm, Herzog von Meckkenburg.

Bemerkung. Einem weiteren Bericht zufolge sind von der 4. Compagnie des Jäger-Bataillons Nr. 4 50 Mann todt, 45 ih-lls schwer verwundet, von den Mobilgarden circa 10 bis 12 Offiziere verletzt. In der Citadelle wurden 23 Geschütze und eine größere Anzahl von Gewehren vorgefunben.

Die französische Flotte hat die Nordsee verlassen, ohne die großen Ereignisse, welche noch jüngst von Paris aus als bevorstehend angekündigt wurden, in der Nord- und Ostsee hcr- beigeführt zu haben. Abgesehen von der Wegnahme einiger wehrloser Handelsschiffe, hat die gewaltige Panzcr- flotte ein thatenloses Dasein bei Helgoland geführt und nirgends auch nur einen Versuch gemacht, unsere Küsten zu _ beunruhigen. Die zur Vertheidigung der Küsten getroffenen Anstalten scheinen den Franzosen jede Zuver­sicht zu solchen Unternehmrmgeü benommen zu haben. Jetzt ist die Panzerflotte zurückgcrufen, um die vom Lande auS be­drohten Häfen Frankreichs zu schützen. Auch hierin erweist sich bte durchschlagende Bedeutung der von unseren Armeen erreichten Erfolge.

Die Blokade unserer Häfen ist zunächst in der Nordsee aufgehoben. Auch für bte Ostsee wird die Befreiung der Schifffahrt nicht auf sich warten lassen.

Die weitere Einigung Deutschlands. welche gegen­wärtig in erhebender Weise zu thatsächliche«! Geltung gelangt ist, soll nach der gemeinsamen Ueberzeugung bet' Regierungen und der Bevölkerung demnächst auch durch neue polnische Ein­richtungen für alle Zukunft gesichert werben.

Der Präsident des Bundrskanzier-Amtes, Staats-Minister Delbrück, welcher sich mit Bezug hierauf jüngst ins König­liche Hauptquartier begehen hatte, ist nach seiner Rückkehr von dort, dem Wunscke her bayerischen Regierung entsprechend, nach München abMccist, um eine Verständigung über die Grund­lagen der dcmnäcksügcn Einigung zunächst dort anzubahnen.

Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hosbuchdruckerei (R. v. Decker).