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Jf 38.

Hroviryial - Corresponden). 21. September wo.

Achter Jahrgang.

Es hmmt wohl Eines $nm Anderen."

Als nach der Schlacht bei Leuthen Friedrich der Große von einem seiner allen Generale beglückwünscht wurde, erwiderte der König:

Das hat ein Höherer gethan!"

Ja," sagte der General,und Ew. Majestät vortreffliche Dispositionen."

Ach, was will Er mit seinen Dispositionen," rief der König,na, eS kommt wohl Eins zum Andern."

Wer sollte nickt bei unseren gegenwärtigen Erfolgen wie­derum die That deS Höchsten vor Allem, zugleich aberdie vortrcsflichcn Dispositionen" des Königs, sowie seiner Räthe und Generale anerkennen!

Auch König Wilhelm hat bei all dem Großen, das Ihm und dem deutsche.! Volke in dieser Zeit gelungen und wider­fahren ist, die Ehre und den Dank zunächst immer auf den Herrn der Heerschaarcn übertragen, und ganz Deutschland weiß sich auch in dieser aufrichtig demüthigen Gesinnung innig ver­bunden mit unserem König. Es ist ja eine der besten Früchte der jetzigen tiefen Bewegung in unserem Vaterlande, daß die Herzen überall in Hoffnung und Gebet, in freudigem Dank oder in Thränen der Ergebung auf Gottes Führung und Gnade gerichtet sind und daß das allmächtige Walten des Herrn so unmittelbar und gewaltig, wie nie zuvor, in das allgemeine Bewußtsein tritt.

Aber die rechte Demuth und Frönmrigkeit ist stets mit der reckten Erkenntniß dessen, was wir selbst in unserer Lebens­stellung zu thun haben, und mit dein reckten Ernste der Pflicht­erfüllung innig verknüpft, und der herzliche Dank gegen Gott schließt auch die Freude über das Gelingen der eigenen redlichen Arbeit in sich.

Und in der That, wenn unser König auf die über jedes Erwarten großartigen Erfolge dicses Krieges hinblickt, so darf er eine hohe Genugthuung darüber empfinden, daß das ernste und pflichttreue Streben seiner Regierung in so sichtlicher und unverkennbarer Weise gesegnet worden ist.

Der König hat nach dem Siege und der Kapitulation von Sedan den Dank für diese Erfolge auf die bedeutenden Männer übertragen, ^mit deren Rath und Hülfe er während seiner bis­herigen Regierung und für den jetzigen Feldzug alledie vor­trefflichen Dispositionen" im weitesten Sinne und Umfange getroffen hat,' welche zu dem großartigen Gelingen bcigctragen haben.

Er dankte zunächst dem Kriegs-Minister von Roon, mit dessen Hülfe erunser « chwert geschärft" hat. Wohl darf der König des Werkc-s der Armee-Reorganisation mit be­sonderer Genugthuung gedenken, welches er vom ersten Beginn seiner Regierung als die dringendste Aufgabe für Preußens Machtstellung bezeichnet hatte. Preußens Heer, sagte er, müsse mächtig und angesehen sein, um, wenn es gelte, ein schwerwie­gendes" politisches Gewicht in die Wagschaale zu werfen. So tief und fest war des Königs Ueberzeugung von seiner Pflicht in dieser Beziehung, daß er einen langjährigen inneren Kampf, daß er alle bittere Verkennung seiner Absichten nicht scheute, um das große Werk durckzuführen, bis die Zeit der glänzen­den Bewährung herankam, wo das gesummte Volk ihm und seinen Rathgebern Anerkennung und Dank dafür zollte. Zu den Erfolgen von 1864 und 1866 ist nun der über jedes Hoffen gewal­tige Erfolg von 1870 hinzugetrctcn. Schon in den Tagen der Vor­bereitung hat die Einrichtung des Norddeutschen Heerwesens einen großen Triumph gefeiert,- daß es möglich war, mitten aus dem tiefsten Frieden heraus, 14 Tage nach der überrmckcn- ben Kriegserklärung ein trefflich ausgerüstetes Hccr von einer halben Million Streitern kampfbereit an der Grenze zu ver- sammeln, das war eine Thatsache von so gewaltiger Bedeutung, daß schon hierdurch die Hoffnungen und Pläne des Feindes durchkreuzt und vereitelt wurden. Wie sich dann im Kriege selbst das geschärfte Schwert Preußens bewährt hat, davon zeugen die zehn hintereinander gewonnenen Schlachten und die Vernichtung der bisher gefürchtelsten aller Armeen.

Der König dankte für diesen Erfolg demnächst dem Gene­ral v. Moltke, der das Schwert geleitet hat, und wer sollte

nicht mit dem aufrichtigsten Dank gegen Gottes Führung zu­gleich die menschliche Leitung und Führung gerade in diesem Feldzüge mit der freudigsten Bewunderung anerkennen? Die Kriegskunst in ihrer höchsten Ausbildung hat niemals so ge­waltige und zugleich so allgemein verständliche Triumphe ge­feiert, wie bei allen den Operationen, die sich vom ersten Auf­märsche der Armeen an unserer Grenze bis zu dem Schlage bei Sedan vor den staunenden Augen der Welt vollzogen ha­ben,' niemals ist so offenkundig gewesen, welchen Antheil die vortrefflichen Dispositionen" der Feldherren an dem Er­folge gehabt haben.

Und in dem Danke gegen den leitenden General hat der König zugleich die Anerkennung für das ganze, bewunderungs­würdige Zusammenwirken aller Kräfte in der Armee ausge­sprochen,- denn die Ausführung der Dispositionen in ihrer Genialität und zugleich in ihrer großartigen Einfachheit würde ja nicht möglich sein, wenn unsere höchsten Hecresführer nicht mit unbedingter Zuversicht darauf rechnen könnten, daß Jeder im Heere, vom General bis zum jüngsten Soldaten herab, mit voller, aufopfernder Hingebung, mit freudigem, rückhälttzlosen Gehorsam und zugleich mit Umsicht und selbstständigem Ver­ständniß zur Erfüllung der gestellten Aufgaben mitzuwirken entschlossen ist.

Mit dem Norddeutschen Heere aber haben auch die Trup­pen Süddeutschlands zu den Erfolgen mitgewirkt, und vom ersten Augenblicke hat das Zusammenstchen aller brutschen Fürsten und Stämme die glücklichen Entscheidungen wesentlich mit herbeigeführt.

Dieses nationale Zusammenwirken ist vor Allem der Po­litik des Grafen von Bismarck zu danken, welche nach des Königs WortenPreußen auf seinen jetzigen Höhepunkt ge­bracht hat," als deren tiefster Kern aber immer entschiedener und siegreicher der Gcdanke der nationalen Einigung zur Gel­tung gelangt ist.

Schon bei dem Friedensschlüsse mit den süddeutschen Staa­ten im Jahre 1866 war Graf BismaWk vorzugsweise von der Fürsorge für die nationale Einigung zwischen Nord und Süd erfüllt gewesen,- seindeutsches Herz" hatte ihm bie rück­sichtsvollste, schoncndste Behandlung der Süddeutschen einge­geben. Schon damals gelang cs ihm, den Grund zu neuen nationalen Beziehungen zu legen, welche sich im Laufe der Jahre unter seiner sorglich und vorsichtig pflegenden Hand immer mehr befestigt haben. Im Vertrauen auf die innere Macht des nationalen Bewußtseins und auf den patriotischen Sinn der deutschen Regierungen wies er es von sich, dieselben zu Entschließungen zu drängen, zu welchen die Verhältnisse noch nicht überall reif waren. Dieser Mäßigung ist es zu danken, daß jetzt, in der Stunde der Ent­scheidung, das deutsche Bewußtsein überall um so unbefangener und rückhaltloser sich geltend machte, und die - süddeutschen Truppen in herzlicher Waffenbrüderschaft mit dem norddeutschen Heere für bie gemeinsame deutsche Sache kämpften und siegten.

Auch diese herrlicke Einigung ber Geister in Deutschland in ihrer ungeahnten, überwältigenden Kraft hat freilichein Höherer" zu Stande gebracht,' aber dievortrefflichen Disposi­tionen" unserer Politik hatten es vorbereiten geholfen, und so kommt auch hier Eines zum Anderen.

Nun denn auch unser Volk wird das Eine thun und das Andere nicht lassen: cs wird dem Könige und seinen Rä­then, welche sich durch ihre ^vortrcsflichcn Dispositionen" als treue und tüchtige Werkzeuge der höheren Führung unter uns erweisen, dankbare Verehrung widmen, gleichzeitig aber bie Gnade Gotccs preisen, bie Alles über menschliches Wissen und Können so herrlich hinausführt.

Parrs.

(Uebersicht.)

Die Belagerung von Paris ist ein militärisches Ereigniß, wie cs in der Kriegsgeschichte in ähnlicher Weise noch nicht vor- gefommen ist: noch niemals ist eine Stadt von einer solchen Ausdehnung urld Volkszahl als Festung vertheidigt worden.