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über Beaumont und Sedan bis vor die Hauptstadt des Feindes ge­führt , ohne daß Frankreich noch eine Feldarmee hätte, dieselbe zu schützen oder zu entsetzen.

Als unsere Armeen vor 14 Tagen den Marsch auf Paris be­gannen , geschah es in der Erwartung, auf dem Wege dahin , bei ChLlonS oder unmittelbar vor der Stadt, die neu gesammelte und verstärkte Armee Mac Mahons zu finden, und die Aufgabe für unser Heer wäre keine leichte gewesen, wenn eine französische Feldarmee von 150,000 Mann sich zur Vertheidigung der Hauptstadt mit den dort gesammelten Kräften vereinigt hätte. Gestützt auf die festen Werke bei Paris hätte eine solche Armee unseren Operationen den größten Widerstand entgegensetzen können.

Doch die französische Kriegsleitung hat diesen Vortheil preis- gegeben: in der trügerischen Hoffnung, die beiden Armeen von Mac Mahon und Bazaine nochmals zu vereinigen hat sic die eine der­selben der Vernichtung entgegcngcführt, ohne doch dic^ andere befreien zu können, durch die Entscheidungsschlacht bei tot bau ist aller Schutz für Paris im offenen Felde verschwunden und der Weg nach der gewaltigen Hauptstadt liegt für unsere Armeen von allen Seiten frei.

(Die Schandthat von Laon.) Bald nach der Kapitulation von Sedan, zu deren Ausführung eine entsprechende Abtheilung unserer Truppen zurückblicb, nahmen die beiden 'Armeen des Kr-N- prinzen von Preußen und des Kronprinzen von Sachsen den Marsch auf Paris wieder auf, indem sie sich thcilwcisc wieder auf die früher innczebabten Linien der Ais ne und der Marne begaben, theilweise vom Nordrstcn her vorrückten. Der rechte Flügel ging auf der Straße, welche von Belgien her über Laon und Soissons nach Paris führt.

Die kleine Festung Laon war Der wenigen Tagen von den wirklichen Besatzungttruppen verlaffen worden und nur nocb von Mobilgarden besetzt." Als größere deutsche Truppenmassen Hcranrück'en, baten die Bürger der Stadt den Kommandanten, die Citadelle zu übergeben, da sie doch nicht zu halten sei. In der That übergab der Kommandant die Festung am 9. September dem Commandeur der 6. Kavallerie - Division Herzog Wilhelm von Mecklenburg. Nachdem die Kapitulation abgeschlossen war, besetzte eine Jäger-Compagnie vom 4. (sächsischen) Bataillon die Citadelle. In dem Augenblick aber, wo der letzte Mann der französischen Mobilgarden die Citadelle verlassen hatte, wurde das Pulvermagazin in die Luft gesprengt. Durch diese allem Völkerrecht Hohn sprechende That wurden 95 Jäger geiödt t oder verwundet. der Herzog Wilhelm von Mecklenburg (Reffe unser? Königs) gleichfalls verwundet. In der Citadelle und Stadt ivaren furchtbare Zerstörungen angecichlet und auch 300 der französischen Mobilgarden fanden dabei den Tod oder Verwundung.

Diese Schandthat ist ein neuer Beleg der nichtswürdigen Gesin­nung, von welcher daS französische Volk in letzter Zeit nach allen Richtungen hin so zahlreiche Beweise gegeben hat. Die Verworfenheit tritt noch schmählicher hervor, indem die Pariser Blätter, weit entfernt, die völkerrechtswidrige, ehrlose That zu beklagen, dieselbe als eine ver­dienstliche Handlung feiern.

Der traurige Vorfall wird jedoch unfehlbar auch seine guten Folgen haben, indem er unsere Armeen und deren Führet darauf hinweist, auf welche Art von Kriegführung sie sich von der hoch- civilisirtcn französischen Nation zu versehen haben, und hiermit zu­gleich die dringende Mahnung giebt, die bisherige hochherzige M'Ide und Rücksichtnahme dem Fe ndc gegenüber nicht über dasjenige Maaß hinaus walten zu lassen, welches mit der Wahrung der eigenen Sicher­heit vereinbar ist und über das hinaus sic zur Schwäche würde.

(Die Einschließung von Paris.) Inzwischen sind untere Truppen im Macnetha l bereits in die unmittelbare Nähe von Paris gerückt und schreiten auch von andern Seiten rasch vorwärts. Die Ein­schließung von Paris wird voraussichtlich in wenigen Tagen vor sich gehen/ vorbehaltlich der weiteren regelmäßigen Operationen wird zu- nächst wohl der Verkehr der Hauptstadt nach Außen überall abge- schnitten werden. Da unseren Truppen keine Feldarmee mehr gegen­über steht, so wird es unserer bedeutenden Kavallerie nichr schwer fallen, die Zugänge zur Stadt zu besetzen und alle Kominunikation zu hindern.

Die pariser Regierung hat in der letzten Woche mit großer Energie alle Vorkehrungen getroffen, um die Stadt so kräftig als möglich zu vertheidigen. Die Reste wirklicher Truppen sind aus ganz Frankreich herangezogen worden/ die Zahl derselben wird, freilich wobt mit gewohnter Uebertreibung , auf 60,000 Mann berechnet, außerdem sind die Mobilgarden aus dcn Provinzen so zahl­reich wie möglich nach Paris gezogen worden, und neben der Nationalgarde neuerdings auch Arbeiter in großer Zahl bewaffnet und eincrcrzirt worden. Man rechnet darauf, etiva 300,000 Mann zur Vertheidigung der Wälle aufstellen zu können. Alle Begeisterung aber, von welcher diese Mannschaften für die äußerste Vertheidigung der Hauptstadt, als der letzte» Zuflucht Frank­

reichs, erfüllt sein mögen, wird schwerlich die mangelnde militärische Ausrüstung und Uebung ersetzen und einen erfolgreichen Widerstand gegen unsere bewährte, sieggewohnte Armee sichern können.

Mit Rücksicht auf die nahe Einschließung und Be- lagerung sind von den augenblicklichen Machthabern in Paris die äußersten Maßregeln ergriffen worden. Alle Bewohner des näheren Umkreises von Paris müssen mit Hab und Gut und allen Vorräthen in die Stadt hineinzichen, wogegen Tausende von mittellosen ober verdächtigen Personen aus Parrs ausgewiesen worden sind. Ferner ist angeordnet, daß mit dem Beginn der Belagerung der Betrieb der Gasanstalten eingestellt werden soll, um bei einem Bombardement die große Gefahr einer Explosion zu verhüten.

Da die Vertreter der fremden Mächte in Paris während der Belagerung nicht dort zu verbleiben gewillt waren, so hat die einstweilige Regierung beschlossen, daß eines ihrer Mitglieder sich mit dem diplomatischen Eorvi nach Tours begeben solle. Man darf begierig darauf fein, auf welche Weise während der gänzlichen Ein­schließung von Paris der Verkehr zwischen der dortigen Regierung und den Diplomaten in Tours aufrecht erhalten werden soll.

Die verzweifelten Anstrengungen für die Vertheidigung von Paris scheinen übrigens den jetzigen Machthabern selbst nur geringes Vertrauen in Bezug auf den schließlichen Erfolg cinzuflößen/ denn, während sie zur Beruhigung der Bevölkerung die Kraft und Wirksamkeit der getroffenen Anstalten auf jede Weise übcr- treiben, sind sie doch gleichzeitig ängstlich bemüht, bei den fremden Mächten Anhalt und Stütze für einen Waffenstillstand und für Fricdensvcrhandlunzen zu finden. Diese Bemühungen werden jedoch gewiß vergeblich sein. Zunächst setzte die republikanische Regierung ihre Hoffnungen auf die »guten Dienste« Nord-Amerikas, da von der dortigen Republik ebenso wie von Seiten der Schweiz eine rasche Anerkennung der neuen Regierung erfolgt war. Die Nord- Amerikanischen Freistaaten sind jedoch bei aller Sympathie für eine republikanische Regierung weit davon entfernt, sich in den Kampf zwischen Frankreich und Deutschland zu mischen, in welchem die Be­völkerung Nord-Amcrika'S nach den seitherigen Kundgebungen fast durchweg das Recht auf Seiten Deutschlands erblickt.

Jetzt hat man von Paris den alten oclcanistischcn Staatsmann Thiers nach London, Petersburg und Wien gesandt, um die dortigen Regierungen günstig für Frankreich zu stimmen. Derselbe wird jedoch vermuthlich überall erfahren, daß die Neigung der Mächte zu einer Einmischung in die schwebende Angelegenheit durch die Einrichtung einer republikanischen Regierung in Paris vollends beseitigt worden ist.

Man darf überhaupt bezweifeln, ob die jetzige Re­gierung in Parish welche ihre Vollmachten bisher nur von der pariser Straßendcmokratie hat, für geeignet und befugt gelten kann, Verhandlungen Namens Frank­reichs zu führen.

Was Deutschland betrifft, so darf eS jenenohnmäch- tigen diplomatischen Bemühungen der einstweiligen Republik mit der ruhigen Zuversicht zuschcn, daß wie der Krieg, so auch der Frieden »lokalisirt«, daS heißt zwischcn unS und Frankreich allein auSgetragen wer­den wird.

Unser König hat am 5. September mit dem großen Hauptquartier seinen Einzug in Rheims, die alte Krönungs- sladt der Könige von Frankreich, gehalten und im Palais des Erzbischofes Wohnung genommen. Bei dem Einzuge fuhr Se. Majestät in einem offenen Wagen und wurde von den an­wesenden Truppen mit begeisterten Hochs begrüßt.

Der König bewohnt in dem erzbischöflichen Palais die­jenigen Gemächer, welche vormals von den französischen Königen bewohnt mürben, wenn sie nach Rheims zur Krönung kamen.

Abends brachten die vereinigten Musikcorps des ganzen 6. Armee-Corps Sr. Majestät eine Abendmusik, bei der beson­ders die Volkshymnm »Heil dir im Siegerkranz« und »Zch bin ein Preuße« von den Soldaten mit großem Enthusiasmus ausgenommen und zum Theil mitgesungen wurden. Nach Beendigung des Stündchens schlugen die vereinigten Musikcorps den Zapfenstreich durch einige Straßen. Am 6. September, Vormittags gegen 11 Uhr, besuchte der König die Kathedrale und empfing dann den Erzbischof von Rheims.

Das Königliche Hauptquartier verblieb während des weite­ren Vorrückens der Armeen in Rheims.

Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheime» Ober-Hoftuchdruckerei (R. V. Decker).