Vaterland hcraufzuführen. In ihnen wird es rasch heilenden Balsam finden für die Wunden, die ihm auch dieser großartigste aller jemals von deutschen Waffen erfochtenen Siege nicht ersparen konnte.
Mit diesem Wunsche wollen Eure Königliche Majestät die ehrfurchtsvollen Grüße Allerhöchstihrcr getreuen Residenzstadt huldvoll entgegen nehmen.«
Dieselbe Begeisterung wie in Berlin ist in allen Theilen der Monarchie und in ganz Deutschland in ähnlichen Kundgebungen hcr- vorgetreten. Ueberall hat der nationale Aufschwung zugleich das Band befestigt, welches die Bevölkerung mit den Regierungen verknüpft, — überall findet auch der Dank und die Verehrung für unseren Heldenkönig den freudigsten Ausdruck.
Es ist leicht erklärlich, daß die Freude und Genugthuung über das Wiedererstehen Deutschlands besonders in denjenigen Städten und Landschaften, welche früher das Gefühl, einem großen und mächtigen Staate anzugehören, nicht gekannt hatten, jetzt besonders mächtig hervortritt. So ist es in Hamburg , in Bremen, in Frankfurt und in den kleineren deutschen Staaten. Es ist unmöglich, hier auch nur eine flüchtige Uebersicht über alle jene Aeußerungen nationaler Begeisterung zu geben. Um nur ein Beispiel solcher Kundgebungen anzuführcn, — so wird aus Bremen berichtet, daß sich auf die erste Wiegeskunde Tausende und aber Tausende aus dem Markiplotzc versammelten, während von der Gal- lerie des Rathhauses die deutschen Kernlieder »Eine feste Burg ist unser Gott-- und »Nun danket Alle Gott- erschollen. Ein Geistlicher sprach von der Rathhaustreppe zur versammelten Menge:
Bürger Bremens! Deutsche Männer! Deutsche Frauen! Wenig sind der Wochen und kaum hat der Mond seinen Lauf vollendet, da ging ein Gelübde durch alle deutschen Lande, des Dichters Weissagung:
Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern,
In keiner Noth uns trennen noch Gefahr!
Und das Gelübde fand Wiederhall in allen deutschen Herzen. Es ist bezahlt voll und ganz. Deutschlands Söhne alle folgen dem Aar von Hohenzollern. Die deutschen Waffen, gestählt vom deut- fchcn Geist, haben gesiegt auf jeder Wahlstatt in Feindes Land, und beute bringt eine Botschaft an unser Ohr, die Botschaft des Sieges über -den alten bösen Feind-. Und heute jubeln Millionen deutscher Herzen: Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben den Tag des Heils ge- febem die Sonne der Freiheit, die aufgeht über die deutschen Fluren! Die Trümmer einer großen Aprme haben ihre Waffen gestreckt und der feindliche Kaiser, der sich vrrmaß, zu sprechen: mein Kaiserreich heißt: Frieden! steht heute gebeugt, besiegt von Deutschlands König, den er zu grausamem Kampfe herausgefordcrt. Er bittet um Gnade. Sie ist ihm geworden. Nicht sind's die Worte der Botschaft bloß, die uns so tief ergriffen, mehr ist's der deutsche Geist, der Königliche Sinn, welcher aus den Worten dieser Botschaft weht: Deutschlands Selben- könig hat die höchste Heldcntugend bewährt, die Mäßigung des Siegers im Siege. Nun gilt es, Bremens Bürger, Bremens Frauen, aus dem Heilig- thum unsers Herzens einen Gruß zu senden an Deutschlands König! Und ebe dieser Gruß aufDlitzesflügeln an unseres Königs Ohr schlägt, sollst Du diesen Gruß weihen mit dem heiligsten Hauch Deiner Lippen. Der Redner verlas nun das Telegramm.
Sr. Majestät dem König Wilhelm von Preußen.
Dem hohen-Schirmherrn der deutschen Nation, der unter Gottes gnädigem Beistand durch seine und des deutschen Heeres Tapferkeit uns von der Geißel des Krieges befreit, jauchzt aus innerstem Herzen zu
das dankbare Bremen.
Aehnliche Kundgebungen sind, wie gesagt, aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes an unsern König, sowie an die einzelnen Lan- desfürstcn gerichtet worden.
Der Stasts » Minister Delbrück, Präsident des Bundeskanzler - Amtes / hat sich in Folge einer Aufforderung des Bundeskanzlers nach dem Königlichen Hauptquartier begeben.
Das Gefecht bei Mars-la-Tour
war bisher meist nur im Zusammenhänge der großen Operationen vor Metz dargestcllt worden. Eine bestimmtere zuver- lässige Darstellung des Verlaufs des wichtigen Tages fehlte bisher. Ein neuerer Bericht aus dem Hauptquartier des Ober- Kommandos der II. Armee (Prinz Friedrich Karl) giebt darüber, nach einem Rückblick aus das Gefecht vor Metz vom 14. August, durch welches der Feind bei seinem Rückzüge von Metz aufgehalten wurde, folgende Mittheilungen:
»Nach aller Wahrscheinlichkeit konnte sich der Feind nur westlich zurückgezogen haben, um hinter Metz eine naturgemäße Rückzugslinie nach Chaions und von da nach Paris wieder zu gewinnen. Am Morgen des 16. erhielt der Kommandirende des III. Armee ■ Corps, General von Alvensleben, die Meldung, daß bei Vionville feindliche Vorposten und dahinter feindliche Zeltlager bemerkbar seien. Alle
Anzeichen deuteten darauf hin, daß der Feind nach nördlicher Richtung abzichen wolle. Die Franzosen hatten das Dorf Vionville, das Vorwerk Flavigny und die westlich und südwestlich daran, gelegenen Höhen stark besitzt/ mit ihren Massen standen sic nördlich und östlich von Vionville in der Richtung auf Rezonvillc.
Zunächst gingen die 5. Division (v. Stülpnagel) und die 6. (von Buddenbrock) zum Angriff des Feindes auf den Höhen vor. Dieselben wurden dem Feinde nach schwerem Kämpfe abgenommen, ebenso die beiden Dörfer Vionville und Flavigny durch die Artillerie lebhaft beschossen, angegriffen, dem Feinde entrissen und trotz der vielfachen Ostcnsivstöße desselben während des ganzen Tages gehalten. Ebenso hat sich die in der Richtung von Gorze nach Flavigny ausgestellte Corps-Artillerie, obwohl sic die oft wiedccholten Offensivstöß' des Feindes mehrfach in daS stärkste Artillericfeuer brachten, wâhrer^ der ganzen Schlacht siegreich behauptet. Die 5. Infanterie - Division, welche das Debouchiren des Feindes zu verhindern aufs Lebhafteste bemüht war, trieb denselben mit Bajonettangriffen bis nach Rezonvillc zmück. Sic hielt mit ihrer Infanterie und Artillerie den Rand des Plateaus und des Bois St. Arnould besetzt und hatte während eines fast zehnstündigen Kampfes die heftigsten Offcnsivstößc des Feindes auszuhalten, die sich zwar jedesmal am Feuer der Arnlleric und Infanterie brachen, aber auch viele Verluste in den Reihen der tapferen brandenburgischen Reginicnier zur Folge hatten*). Auf die eingegangene Meldung, daß feindliche Infanterie in Unordnung sich zurückzöge, machte die 6. Kavalleric-Division (Herzog Wilhelm von Mecklenburg) eine mit glänzender Bravour, aber mit vielen Verlusten ausgeführtc Kavallerie-Attaque, jedoch nicht auf die abgehende, sondern auf die zu einem Angriff auf Vionville vergehende intakte Infanterie, die sich sofort in die Chausseegräben warf und ein lebhaftes Gewehr- feuer unterhielt.
Ein nördlich von Vionville gelegenes Gehölz gewährte dem Feinde eine Position, die es ihm ermöglichte, immer neue Offensiv- flöße auf Vionville zu machen. Gegen dieses Gehölz erhielt das 24. Infanterie-Regiment Befehl vorzugehen. Das Regiment drang in den Wald ein und führte ein langwieriges, sehr lebhaftes Wald- gefecht, das vielfach hin und her wogte. Hier war der Punkt, wo augenblicklich die Entscheidung lag, umsomehr/ als die Meldung ein- traf, daß ein von Metz nach Doncourt abmarschirendes französisches Corps auf den Kanonendonner hin wieder Kehrt gemacht habe und im Begriffe sei, das Plateau südlich Bruville zu ersteigen.
In der Reserve des III. Corps standen 2 Bataillone des 20. Infanterie-Regimentes und das Oldenburg. Infanterie-Regiment Nr. 91.
Aber ehe diese zur Verwendung kamen traf die Nachricht ein, daß die 20. Division vom X. Armee-Corps im Anmärsche sei. Die reitenden Batterie!» des Corps trafen gegen 14 Uhr in der Nähe des Schlachtfeldes ein und wurden in eine hochgelegene Stellung nördlich der Straße dirigirt, von welcher aus einmal die feindliche Entwicke- lung südlich Bruville flanktrt, dann aber den» Feinde daS Fcstsctzen in dem Walde unmöglich gemacht wurde. Bald erschienen auch die Teten der 20., später der 19. Division und richteten mit großem Erfolge ihren Angriff auf den feindlichen rechten Flügel, um den Feind, entsprechend der von Morgens 110 Uhr durchgefützrten Idee, von seiner Rückzugsstraße abzudrängen. Zunr Theil hatte das Corps ohne Befehl die Richtung auf den Kanonendonner genommen. Durch ben fommanbirenben General von Voigts - Rhctz mar der Brigade von Wedell Befehl gegeben, ben rechten Flügel des Feindes auf den Höhen nordöstlich Mars-la-Tour anzugreifcn. Das Regiment Rr. 16 drang über Mars - la - Tour vor und erhielt Heftiges. Granatfeuer von ben Höhen, durch welches das Dorf in Brand gerieth. In vortrefflicher Ordnung und mit unübertroffener Bravour avancirten die Truppen gegen die Schlucht und die dahinter liegende Höhe.
3118 die Brigade v. Wedell der Ungunst des Terrains und der Uebermacht weichen mußte, machte das 1. Garde-Dragoncr-Rc- gim ent eine glänzende, aber ebenfalls von vielen Verlusten begleitete Attaque gegen den rechten Flügel der intakten feindlichen Infanterie/ die Brigade Barby, sowie das Dragoncr-Regiwent Nr. 13 und das Husaren-Regiment Nr. 10 warfen in einem glücklichen Kavallerie- gefechte mehrere Regimenter französischer Garde - Kavallerie und nahmen den Führer der feindlichen Division, General Mont- cyn, gefangen. Am späten Abend noch griffen auf dem äußersten rechten Flügel zwei Regimenter des 8. Corps, das 40. und 72. / ein, um den regelmäßig sich wiederholenden Offensiv- flößen deS Feindes zu begegnen. Eine allgemeine Attaque auf den zurürtweichcnden Feind, ausgcfübrt vom 3. (Zietcnschen) Husaren- Regiment,' vom 3. Ulanen- und 15. Ulanen-Regiment auf feindliche Infanterie und Garde-Kavallerie gewährte eine siegreiche Ausbeute des fast 12ftünbiqen Kampfes, eines Kampfes, in welchem preußische Infanterie , Kavallerie und Artillerie in ihren grandiosen Leistungen sich gegenseitig als ebenbürtige Truppengattungen ermtefen.«
*) Bei der Aufzählung der Truppenteile der tapferen Division ist jüngst das 3. Jäger-Bataillon durch ein Versehen übergangen wor- den. Von Lübben aus auf biefeS Versehen aufmerksam gemacht, bemerken wir, daß daS Iäger-Kataillon an dem Hcldenkampfe ruhmvollen Antheil gehabt hat.
Verantwortlich: & Liedtke in Berlin,
Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (N. v. Decker).