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August Herbelkommm sollte, um ihm zum Lvsbrechcn aus Metz die Hand zu reichen.

Vergeblich wartete die emgeschloflcne Armee auf den Schlachtcndonncr, der ihr das Zeichen des Herannahens der Mac Mahonschen Armee sein mußte/ Bazaine aber brach seinerseits zur verabredeten Zeit, am 31. August, aus Metz hervor, um den Durchgang nach Norden hin zu erzwingen. Vom Morgen des 31. August bis Mittag des 1. September dauerten unausgesetzt die Kampfe bei Noissevittc, an denen von unserer Seite vorzugsweise das 1. (preußische) Armee- Corps, ein Theil des 9. Corps, die vor Kurzem vor Metz ge­zogene Division des Generals von Kummer und die28. (west­fälische) Infanterie-Brigade betheiligtwaren. UnterdcmOberbefehl des Prinzen Fr i e d r ich K a r l hat der General v o n M a n t e u f f e l alle Versuche des Feindes bei Tag und bei Nacht in ruhmvollen Kämpfen znrückgeschlagm und die Franzosen wieder in die Festung zurückgcworfcn. Sie hatten mit großer Tapferkeit ge­fochten, fanden aber noch tapferern Widerstand/ ihre nächt­lichen Ucbcrfälle wurden mit ostpreußischcn Kolben und Bajo­netten zurückgewiesen.

Der gemeinschaftliche Plan Bazaine's und Mac Mahon'8 war auf allen Punkten gescheitert/ statt ihre Armeen vereinigt vor Paris führen zu können, sah sich Bazaine von Neuem in Metz eingeschlossen, in Mac Mahon's Armee aber war das letzte Hinder­niß des Vorrückens der deutschen Armeen gegen Paris beseitigt.

Die Kaiserliche Regierung sollte die militärische Nie­derlage nur wenige Tage überleben.

Der Kaiser hatte, als er sich unserem Könige als Gefan­gener ergab, ausdrücklich darauf hingcwicscn, daß er weder den Oberbefehl über die Truppen, noch die Regierungsgewalt mehr in Händen habe, indem er letztere bereits der Kaiserin als Regentin übergeben hatte.

Die Hoffnung, welche er hegen mochte, die Regierung, wenn nicht für sich, doch für seinen Sohn zu retten, wurde sehr bald zu Schanden gemacht.

Die Kaiserlichen Minister hatten bis zur letzten Entschei­dung den wahren Stand der Dinge dem Volke trügerisch vor­enthalten, noch während der Kämpfe bei Sedan hatten sie stets von Vorthellcu und Siegen der französischen Waffen gesprochen. Als nunmehr Alles verloren und die Verhüllung der Wahrheit nicht mehr möglich war, als somit das Lügengebäude zusammen- brach, sank unter den Trümmern desselben die Kaiserliche Re­gierung selbst dahin.

Kaum hatten die Ministerdas große Unglück, welches Frankreich betroffen", eingestanden, so gewann die revolutionäre Partei den Muth, rücksichtslos gegen die Kaiserliche Regierung vorzugehen. Volkshaufen erschienen im Sitzungssaale des ge­setzgebenden Körpers mit dem Rufe:Es lebe die Republik". Die Berathungen wurden geschlossen. Die Führer der republika­nischen Parte: aber, darunter der berüchtigte Rochefort, gin­gen mit den zusammengerotteten Volksmassen nach dem Stadt- Hause und setzten sich selber als provisorische Regierung ein. Ohne jeden Versuch des Widerstandes wich der Marschall Palikao mit den übrigen Kaiserlichen Ministern dieser revo­lutionären Regierung, welche alsbald den gesetzgebenden Körper außer Thätigkeit setzte und alle Gewalt an sich nahm.

In einem Aufruf an das französische Volk und an die Armee sagt die neue Regierung, daß ihr Zweck und Ziel einzig und allein die nationale Vertheidigung sei, die Republik habe im Jahre 1792 Frankreich von der feindlichen Invasion befreit, das solle auch jetzt ihre Aufgabe sein.

Die Wirkung der Regierungsänderung auf die französische Bevölkerung läßt sich fürerst nicht übersehen. Dieselbe wird jedoch schwerlich dazu dienen, die Derthcidigungskraft der Hauptstadt und des Landes zu erhöhen/ es ist vielmehr wahr­scheinlich, daß diese durch inneren Zwiespalt nur noch abge- schwächt werde. Vielleicht würde es einer republikanischen Ge­waltherrschaft gelingen, größere Kräfte zur Vertheidigung zu organifiren, wenn ihr eine längere Frist dazu verstattet wäre.

In wenigen Tagen aber werden unsere siegreichen Armeen in der Nähe der Hauptstadt erscheinen, und bis dahin wird cs der neuen Regierungsgewalt gewiß nicht vergönnt sein, die Kräfte zum Widerstande erheblich zu vermehren.

Von eigentlichen Truppen ist nur ein Corps von höchstens 25,000 Mann unter General Vinoy übrig geblieben, welches

noch im letzten Augenblicke nach dem Norden entsandt war, um zu Mac Mahon zu stoßen, denselben aber nicht mehr rechtzeitig erreichen konnte. Es steht dahin, ob es diesem Corps gelingen wird, vor unseren Armeen, welche auf zwei Linien gegen Paris vorrücken, dorthin zu gelangen, oder ob auch diese 25,000 Mann abgeschnitten werden.

Die nächste Woche wird unfehlbar weitere wichtige Ent­wickelungen bringen, die schwersten und blutigsten Aufgaben für unsere braven Truppen liegen jedoch, wie man zuversichtlich annehmen darf, hinter uns.

Die neueste Gestaltung der Dinge hat übrigens die wich­tige Folge gehabt, daß kaum noch eine Macht daran denken kann, dem weiteren Verlaufe des Krieges durch eine fremde Einmischung Einhalt zu thun. Schon die Entscheidungen bei Sedan mußten solchen Neigungen Halt gebieten/ vollends hat die Negierungsveränderung in Frankreich der Möglichkeit einer diplomatischen Vermittelung allen Boden entzogen.

Der Kaiser Napoleon hat sich unmittelbar nach der Zusammenkunft mit unserem König in Begleitung zweier höherer preußischer Offiziere über Belgien nach Wilhelms­höhe bei Kassel begeben und ist dort am Montag (5.) Abends eingetroffen.

Du Kaiserin Eugenie und der Kaiserliche Prinz sind über Belgien nach England gegangen.

Inzwischen werden 100,000 gefangene Franzosen nach Deutschland gebracht. In Folge einer zwischen den Regierun­gen getroffenen Vereinbarung werden dieselben auf die einzel­nen Staaten nach deren Bevölkerungszahl verteilt werden.

Ueber die Unterbringung derselben in den Festungen, in Lägern u. s. w. und über ihre etwaige Heranziehung zu öffent­lichen Arbeiten werden noch weitere Beschlüsse gefaßt werden.

Der Eindruck der jüngste» großen Ereignisse ist in ganz Deutschland ein wahrhaft überwältigender und er­hebender.

Die Freude über die glänzenden Erfolge unserer Waffen hat zu­nächst in unserer Hauptstadt den bczeiuertsten Ausdruck gefunden. Die gefammte Bevölkerung beeilte sich, der Königin Augusta, welche in dieser großen Zeit ihre Stellung inmitten aller patriotischen Re­gungen und Bestrebungen mit der größten Hingebung und in er­habenster, wirksamster Weise erfüllt, den Zoll dcè begeisterten Dankes für unsern Königlichen Feldherrn und den Auedruck der nationalen Freude darzubringen. Das Königliche Palais war der Mittelpunkt aller populären Kundgebungen, welche die Kömain in herzlichster Weise erwiderte. Auch vor dem Rathhause fand Seitens der städti­schen Behörden unter Theilnahme von vielen Tausenden eine erhebende Festfeier statt.

Die städtischen Behörden richteten folgende Adresse an Se. Majestät den König:

»Seit Euer Königliche Majestät mit unvergeßlichen Worten Ihrem Volke ankündigten, daß Allerhöchstste im Begriffe ständen, zur Armee abzugehen, um mit ihr für Deutschlands Ehre und für Erhaltung unserer höchsten Güter zu kämpfen, begleiten den Königlichen Feld­herrn die Gedanken, die Gebete seiner Haupt- und Residenzstadt.

Mit Bewunderung gewahrt sie, wie die Begeisterung für die Er­füllung jener erhabenen Aufgabe der Last der Jahre ihre Schwere nimmt und Eure Königliche Majestät mit Iugendkiaft erfüllt, die Ent­behrungen, die Anstrengungen, die Gefahren dieses gewaltigen Krieges zu ertragen.

Wir sind nicht so glücklich, einstimmen zu können in den be­geisterten Ruf, der Eurer Majestät aus dem Munde der bis zum Tode getreuen Krieger entgegentönt, wenn sie der.Heldengestalt ihres Feldherrn ansichtig werden auf dem Marsche, im Lager, im feind­lichen Granatfeuer. Aber es drängt uns, aus der Ferne dem Danke Ausdruck zu geben, der unser Herz bewegt, wenn wir sehen, wie Eure Majestät Herrscherpflichten verstehen und üben.

Wir wissen es, was cs dem weichen und tiefen Gemüthe Eurer Majestät bedeutet, in diesem Kampfe so viele edle Söhne des Volkes dahinsmkcn zu sehen. Wir danken Gott, daß er Eurer Majestät auch NeS Schwerste tragen hilft.

Und schon ist so dürfen wir, nach den nngeheuren^Erfolgen der so weisen als kühnen Führung unserer heldenmütigen Streiter heut zuversichtlich hoffen schon ist der Augenblick nahe, wo der grause Schlachtenlärm verstummt.

Schon winkt von dem stolzen Schlosse des Feindes, der mit seinen Schaaren unsere friedlichen Gefilde zu überfallen drohte, dem anrückenden deutschen Volke in Waffen mit dem letzten Lorbeer dieses Krieges die Palme des Friedens.

Gott der Herr wolle Eurer Königlichen Majestät die Gnade erweisen, die vollen Segnungen dieses Friedens über das einige